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Ein Blick hinter die Kulissen der iranischen Botschaft in Bern

Auszug aus dem Buch «DAS PENDEL SCHLÄGT ZURÜCK – POLITISCHE & ÖKOLOGISCHE METAMORPHOSEN» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller. Die E-Book-Version ist auf www.self-publishing.com zu finden.

VORWORT

Das Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeit-reise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Vorgänge in Krisen-regionen rund um den Glo-bus. Er beleuchtet das Schicksal indigener Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund und analysiert scharfsichtig und gut informiert die politischen Transformationsprozesse. Müller prangert den masslosen Konsum und die gna-denlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse in einigen Ländern auf und skizziert Ansätze zur Bewäl-tigung des Klimawandels. Pointiert, hintergründig, spannend und erhellend. Eine gelungene Mischung aus globalen Polit-Thrillern, gehobener Reiseliteratur, gespickt mit sozialkritischen und abenteuerlichen Geschichten sowie persönlichen Essays – den High-lights und der Essenz seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben. Es erwartet Sie eine Reise durch die epochale Vergangenheit und metamorphorische Phasen vieler exotischer Länder rund um den Globus. Nach der Lektüre dieses Buchs zählen Sie zu den kulturell, ökologisch sowie politisch versierten Globetrotter.

Was „zum Teufel“ den iranischen Botschafter in der Schweiz, Alireza Salari, veranlasst hat, mich zur diplomatischen Feier aus Anlass des 35. Jahrestages der iranischen Revolution in die Botschaft in Bern einzuladen, weiss ich nicht. Ich erwartete einen kurzen Medientermin inmitten einer Schar JournalistInnen und ein paar Worte „zur Lage der Nation“. Doch es kam anders. Verblüffenderweise war ich der einzige Medienschaffende und Pressefotograf unter einer handverlesenen Auswahl Nicht-Staatsgäste. Alle anderen gut 150 geladenen Gäste waren Diplomaten, Spione oder beides. Noch interessanter wurde es, als auch der iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif in der iranischen Botschaft in Bern erschien und von Alireza Salari enthusiastischbegrüsst wurde. Die Schweiz und die iranische Botschaft in Bern, als auch die akkreditierten Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf spielten eine wichtige Rolle in der Weltpolitik bei den diplomatischen Beziehenung zwischen dem Iran und der USA. Wie bei Kuba auch, dient und tritt die Schweiz als neutrales Land und Vermittlerin der diplomatischen Interessen dieser Länder untereinander auf.

Die Atom-Verhandlungen mit dem Iran fanden zu jener Zeit auch in Montreux statt. So gesehen sind die Schweiz und die «UNO» in Genf die Drehscheibe für die diplomatischen Beziehungen der USA zum Iran und zu Kuba. Doch möchte ich an dieser Stelle nicht darüber sprechen, sondern erst einen Strippenzieher der iranischen Aussenpolitik vorstellen und seine Fähigkeiten sowie seinen grossen Einfluss auf das Weltgeschehen anschauen, welches dasjenige des amerikanischen Präsidenten bei weitem überstieg. Die Rede ist von General Qassam Soleimani, der «Che Guevara» der iranischen Revolution, der inetwa auch so endete, wie sein berühmter kubanischer Vorgänger, der dieselbe Idee hatte und die kubanische Revolution nicht nur in alle Länder Lateinamerikas exportierte, sondern auch soweit ging, dass er auch kommunistische oder marxistische Länder in Afrika unterstützte. So ähnlich ging ja auch Gaddafi mit der Finanzierung von Befreiungs- und Terrororganisationen (je nach Ansicht und Sprachgebrauch) vor .

General Qassam Soleimani, Teherans langjährige graue Eminenz, wurde 1998 von Chomenei zum Chef der «Khuz»-Brigaden ernannt und koordinierte die Angriffe auf die israelischen Besatzer vom Libanon aus, bis diese zwei Jahre später abzogen. Der Einmarsch Israels im Libanon ist rückblickend ein schwerer Fehler, weil er den Iran dazu befeuerte, im Libanon die Hizbollah aufzubauen und im Irak mit shiitischen Milizen, die Sunniten anzugreifen, wie der damalige iranische Vize-Aussenminister Hossein Amir-Abdollahian sagt.

General Qassam Soleimani war der Schöpfer der «Widerstandsachse gegen den Imperialismus» und der langjährige Chefstratege bei der iranischen Aussenpolitik, die darauf abzielte, „die Imperialisten im Ausland zu beschäftigen, die shiitische Gemeinschaft im ganzen Nahen Osten zu vereinen und die Glaubensgemeinschaft gegen die sunnitischen Machtansprüche zu verteidigen“. Insbesondere der acht jährige Irak-Krieg, der über eine Million Iraner das Leben kostete und der israelische Einmarsch im Libanon, prägten den unter den «Revolutionsgarden» und «Khuz»-Brigaden, einer Sondereinheit gross gewordenen Soleimani.

Der Iran hat vom Zusammenbruch des Iraks und von den Folgen des Arabischen Frühlings profitiert und seinen Einfluss in der Region massiv ausgebaut. Teheran wird dabei von drei wesentlichen Interessen getrieben: die drei Komponenten der iranischen Aussenpolitik sind ideologische, geopolitische und sicherheitspolitische Strategien. Ideologisch betrachtet sieht sich der Iran einerseits als Schutzmacht unter-drückter Muslime im Kontext einer revolutionären Widerstandsmacht gegen Israel und die USA. Geopolitisch hingegen zielt der Iran darauf ab Saudi Arabien die Stirn zu bieten, um seinen Einfluss in der Region auszuweiten. Die Rivalität wird in Syrien oder im Jemen ausgetragen. Da der Iran kräftemässig seinen mächtigsten Nachbarn militärisch unterlegen ist, verlagert er sein Abwehrdispositiv ins benachbarte Ausland. Die Strategie hat bisher funktioniert.

Dazu ist ein mächtiges Netzwerk nicht-staatlicher Akteure essentiel. Teherans regionalpolitische Entscheidungen werden vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat gefällt, dem der Präsident, Vertreter des Revolutionsführers, die Kommandeure der Streitkräfte und im operativen Geschäft die Quds (Jerusalem) Brigaden beiwohnen. Ferner sind auch noch die Pasdaran, die paramilitärischen Revolutionsgarden eingebunden. Das supranationale Netzwerk beinhaltet die Kooperation und Unterstützung der Hamas in den Palästinensischen Gebieten und im Gaza Streifen. Im Libanon spielt wie erwähnt die Hisbollah eine entscheidene Rolle und zum Assad Regime bestehen gute Kontakte auf staatlicher Ebene. Dies ist die bisher sehr erfolgreiche asymetrische Kriegsführung des Irans im Nahen Osten.

Als Osama Bin Laden die Twin Towers in Schutt und Asche legte, wollte die Amis plötzlich wieder mehr von den Iranern über die Taliban und die Lage in Afghanistan wissen. Auch der Iran sah Osama Bin Laden als Feind an und so lieferte Solemani als Chef der Khuz-Brigaden in Genf der CIA die wichtigsten Informationen. Doch die iranisch-amerikanische Allianz dauerte nicht lange, schon befeuerte der bescheuerte US-Präsident George Bush die Iraner wieder zu Staatsfeinden hoch und kreeirte die «Achse des Bösen». Der Iran fühlte sich durch die US-Intervention im Irak und der Umzingelung aggressiver, imperialistischer US-Truppen bedroht, intervenierte bei den Vereinten Nationen und die warnten die Amerikaner vor den Konsequenzen einer Intervention im Irak in Genf.

Doch die Amerikaner, „idioisch wie so oft“, zerstörten dann „binnen weniger Monate die gesamte Struktur im Irak, schwächten den Staat und lösten die Streitkräfte auf“, wie Hossam Dawod, ein Berater des irakischen Diktators ausführte. „So wurden die Fundamente der irakischen Gesellschaft total zerstört“, fügt er hinzu.

Doch die Amerikaner zerstörten dann „binnen weniger Monate die gesamte Struktur im Irak, schwächten den Staat und lösten die  Streitkräfte auf“, wie Hossam Dawod, ein Berater des irakischen Diktators sagte. „Die Fundamente der irakischen Gesellschaft wurden dabei total zerstört“. Das von den Amis herbeigeführte Machtvakuum nutzte auch Soleimani. „Er spielte eine zentrale Rolle bei der Nachkriegs-Entwicklung im Irak“ und beeinflusste die Geschichte auch dort, in dem er die im Iran ausgebildeten, irakischen, shiitischen Milizen zurück in die Heimat schickte, mit Waffen ausstattete und auch finanziell unterstützte, bestätigen mehrere Insider.

Daraufhin griff die pro-iranische Hisbollah die US-Streitkräfte derart gnadenlos an, dass die Amerikaner sich zurück ziehen mussten und wieder einmal ein gigantisches Chaos hinterliessen, das die westliche und nahöstliche Welt auf Jahrzehnte hinaus beschäftigen wird. Denn durch die shiitische Aggression Irans im Irak entstand die sunnitische Extremismus-Variante, der IS, der wie wir wissen, ebenfalls viel Elend verursacht hat, um es gelinde auszudrücken und die bekannten Ereignisse kurz zu fassen.

Innenpolitisch wurden nach dem achtjährigen Iran-Irak Krieg rund 4000 Iraner bei einer Säuberungswelle exekutiert, womit der mörderische Gottesstaat einmal mehr seine Unbarmherzigkeit gegenüber politisch nicht linientreuen  Personen erneut offenbarte. Auch bei späteren Protesten zum Beispiel bei den Aufständen infolge der erhöhnten Benzinpreise, wurde scharf geschossen und viele Demonstranten mit gezielten Kopfschüssen getötet, weitere nach einer Inhaftierung zu langen Haftstrafen verurteilt oder exekutiert und in Massengräbern verscharrt, ohne dass die Angehörigen die Leichen übergeben wurden oder Ihnen die Trauer zugestanden wurde. Ein barbarisches System.

DInnenpolitisch wurden nach dem achtjährigen Iran-Irak Krieg rund 4000 Iraner bei einer Säuberungswelle exekutiert, womit der mörderische Gottesstaat einmal mehr seine Unbarmherzigkeit gegenüber politisch nicht linientreuen  Personen erneut offenbarte. Auch bei späteren Protesten zum Beispiel bei den Aufständen infolge der erhöhnten Benzinpreise, wurde scharf geschossen und viele Demonstranten mit gezielten Kopfschüssen getötet, weitere nach einer Inhaftierung zu langen Haftstrafen verurteilt oder exekutiert und in Massengräbern verscharrt, ohne dass die Angehörigen die Leichen übergeben wurden oder Ihnen die Trauer zugestanden wurde. Ein barbarisches System.

Also so gesehen, müsste Europa und der Westen Solemani ironischerweise ein klein wenig dankbar sein. Nun zu einem weiteren genialen Strategie-Spielchen Soleimanis, das zur Kontrolle des Iraks von Teheran aus führte und die Amerikaner Milliarden für den Erzfeind kosteten. Von der Wiederaufbauhilfe zwischen 2005 – 2015 im Umfang von rund 800 Mia. US-Dollars an den Irak wurden gemäss Aussagen des ehemaligen irakischen Ministers, Ahmed Al Hadj, aufgrund eines Finanzausschussberichtes etwa 312 Mia. von den Iranern via Hisbollah und andere pro iranische Organisationen abgezweigt und ausser Landes geschafft. „Der Irak wurde zum Goldesel des Irans“, bekräftig auch Hosham Dawod. Doch 2019 wird Solemani durch ein Geheimdienst-Leak beim iranischen Geheimdienst (MOIS) desavouiert. Dann kamen die Kriegsverbrechen von 2014 in «Jurf al Sakhar» ans Licht. Die shiitische Hisbollah verübte damals grauenhafte Verbrechen, was zu über 150’000 Vertriebenen unter der sunnitischen Bevölkerung führte.

Von der Wiederaufbauhilfe zwischen 2005 – 2015 im Umfang von rund  800 Mia. US-Dollars an den Irak wurden gemäss Aussagen des ehemaligen irakischen Ministers, Ahmed Al Hadj, aufgrund eines Finanzausschussberichtes etwa 312 Mia. von den Iranern via Hisbollah und andere pro iranische Organisationen abgezweigt und ausser Landes geschafft. „Der Irak wurde zum Goldesel des Irans“, bekräftig auch Hosham Dawod. Doch 2019 wird Solemani durch ein Geheimdienst-Leak beim iranischen Geheimdienst MOIS desavouiert. Dann kamen die Kriegs-Verbrechen von 2014 in «Jurf al Sakhar» ans Licht. Die shiitische Hisbollah verübte grauenhafte Verbrechen, was zu über 150‘000 vertriebenen unter der sunnitische Bevölkerung.

Qassem Solemani ist tot – und das ist gut so. Doch ändert das wenig an der Aussenpolitik des Irans und man fragt sich auch, wieviele Amerikaner zuvor so hätten getötet beziehungsweise eliminiert werden sollen, um all das Unheil zu vermeiden, dass die USA schliesslich in ihren eigenen Interessen mit katastrophalen Folgen für die ganze Welt verursacht haben. Doch muss man sich bei aller Schuldzuweisung an die USA auch fragen, was denn eigentlich die muslimische Gesellschaft und Diaspora weltweit macht, um den fortwährend schwelenden religiösen Konflikt zwischen Sunniten und Shiiten endlich zu befrieden und den gordischen Knoten vieler Konflikte und Terrorakte zu beenden? Da geschieht fast gar nichts und das ist das grösste Problem. Aber erinnern wir uns kurz daran, wie lange der Konflikt zwischen Christen und Katholiken angedauert hat und wie viele Menschenleben die Religionskriege in Europa forderten.

Eines zeichnet sich jedenfalls immer wieder ab. Die Interventionen der Amerikaner, sei es im Irak, im Iran, in Afghanistan oder in Syrien sind oder endeten mit einem riesigen Desaster, dass alle Regionen letzlich instabiler machte und zahlreiche Aggressoren und Terrororganisation erst schuf. Die Aufrüstung aller heute existierenden Terrogruppierungen inklusiver der Taliban sind zumeist auf die militärische Aufrüstung durch die Vereinigten Staaten geschehen. Ein fataler Kreislauf, der sich immer wieder zu wiederholen scheint. Hinzu kommen die menschenverachtenden Verhältnisse auf Guantanamo, die dort praktizierten Foltermethoden werfen ein unrühmliches Licht auf die Auffassung der Menschenrechte und verletzen auch Kriegsrecht.

Hier noch ein paar LInks zu weiteren spannenden Reportagen und Buchauszügen:

Aegypten: Bei den Beduinen im Sinai

Libanon: Im Beiruter Flüchtlingscamp «Schatila» 

Südafrika: Im Kampf gegen die Apartheid im Untergrund  

Apartheid: Das rabenschwarze Kapitel der Schweiz

Mandelas Besuch in der Schweiz 

Gadaffis Billions disapeared inZumas und Ramaphos hands

Gupta-Leaks: How Zuma and indian Cleptokrates plundering Sout Africa

11.) Wie heisst de japanische Diplomate mit seiner Frau hier?

Iran: Internet-Shutdown zur Verheimlichung von Massentötungen

Gadaffis Milliarden in den Händen untergetaucht

Gupta-Leaks: Wie Zuma und indische Kleptokraten Südafrika plündern 

Die Schweiz als Apartheid Gehilfen der Buren

Im Kampf gegen die Apartheidim Untergrund

80er Jahre: Ungehemmte Lust an der Befreiung von Zwängen

Auszug aus dem Buch «DAS PENDEL SCHLÄGT ZURÜCK – POLITISCHE & ÖKOLOGISCHE METAMORPHOSEN» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller. Die E-Book-Version ist auf www.self-publishing.com zu finden.

VORWORT

Dieses Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Hot-Spots und Krisenregionen. Er beleuchtet das Schicksal der indigenen Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf und rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund. Er prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Resourcen an, zeigt die Schmetterlingseffekte der Hedge Funds und Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus gehobener Reiseliteratur und globalem Polit-Thriller, gespickt mit abenteuerlichen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben.

1980 war das Jahr, das die biedere Gesellschaft in der Schweiz aufrütteln und im Laufe der 80-Jahre umpflügen sollte. Im Mai desselben Jahres begannen die «Opernhauskrawalle» als Auftakt zu den «Zürcher Jugendunruhen». Auslöser dafür war die Unzufriedenheit der Jugend mit den für sie zur Verfügung stehenden Einrichtungen und Freiräumen. Das manifestierte sich am augenfälligsten Beispiel der bevorstehenden Abstimmung über einen Subventionsbeitrag von 60 Mio. Franken an das Opernhaus und im Gegenzug keine 10‘000 Franken für die «Rote Fabrik», damals das einzige Jugendkulturzentrum der Stadt Zürich. Zu jener Zeit gab es noch die Sperrstunde für alle um Mitternacht. Eine halbe Stunde später mussten alle brav zu Hause sein. Der Freizeitspass und weitere kulturelle Angebote hielten sich in engen Grenzen. Freiräume für pubertierende Jugendliche gab es überhaupt keine, nur ein oder zwei Freizeitzentren, die auf Sport fokussiert waren.

Drei kurze Sätze waren in meiner Jugend prägend: „Das kannst du nicht!“ „Das darfst du nicht!“ Und: „Das geht nicht!“. Das war Motivation pur für eine Revolution nach dem Motto: „Klar geht das!“ Warst du einen Zacken neben der Spur, das heisst abseits der biederen bürgerlichen Norm von Moral und Ordnung, wurdest du gleich eines Aussätzigen behandelt. Radio und TV waren tote Hose damals. In der Schweiz und in ganz Europa war es in den 70er  grau Jahren und trist in jeder Hinsicht. Die Bevölkerung verharrte in ihrem biederen, konservativen Korsett. Ein Nachtleben, Internet oder Streaming gab es nicht. Gute Musik oder Filme waren rar bis Videotheken aufkamen und der «Walkmen» die Musikwelt veränderte. Aber Handy, Labtop, PC, Social Media und Co. gab es nicht. Kein Wunder, dass es in der jugendlichen Szene schon länger brodelte. Und plötzlich entlud sich das Pulverfass, das die Gesellschaft nicht nur in der Schweiz sondern in ganz Europa erschütterte. Nach den 68ern kam die nächste anarchistische Jugendrevolte, die im Mai 1980 begann.

Die Tristesse war eine Folge der Ölkrise, des «Kalte Krieges», der Mauer und Bedrohung durch die Kommunisten, des Vietnamkrieges, der immer brutaler und grotesker wurde, in Europa weit verbreitet. Erst flächendeckende Napalm-Bombardements auf die Zivilbevölkerung. Dann die «Agent Orange» Entlaubungsaktionen, schliesslich die grauenhaften Bilder von brennenden Menschen und Kindern durch die Napalm-Bombardements, all die verstümmelten Toten und die Gefangenenlager. Einfach nur grauenhaft und sinnlos.

Da schrien Herz, Seele und Verstand nach Gerechtigkeit, wenn nicht gar nach Vergeltung. Unerklärlich an diesem Vernichtungskrieg war, dass er jahrzehntelang nicht vom US-Kongress abgesegnet und von der «CIA» finanziert wurde und die hat die Kriegskosten dadurch bezahlt, indem die US-Truppen im Goldenen Dreieck das Opium tonnenweise in die leeren Bombenflugzeuge verfrachteten und nach Mexico brachten, wo das Opium zu Heroin verarbeitet wurde. So hat sich Amerika die Heroinflut vor die eigene Haustüre geschaffen und den Mexikanern ihre Drogenlabore und -kartelle beschert. Bei dieser kafkaesken Operation ist der «CIA» definitv das «I» also die «Intelligence» abhanden gekommen. Nebst dem «Kalten Krieg» kam die atomare Bedrohung hinzu und nicht zuletzt die Gefahr von den Atommeilern selbst.

Die Schweiz wollte damals eine Atommacht werden und im Zuge dieser irrwitzigen Absicht, ist es in der Schweiz im Januar 1969 zu einem Reaktorunfall in Lucens im Kanton Waadt gekommen. Dann kam es zu dem Reaktorunfall in Tschernobyl und später haben die Gebrüder Tinner skandalträchtigbewiesen, dass man das Atom Know How auch exportieren kann. Und Peter Regli, ein Schweizer Geheimdienst-Offizier, arbeitete mit dem Apartheidregime beim ABC-Waffenprogramm zusammen. Dazu kommen wir noch ausführlicher. Die Schweiz hat also nicht nur ihre politische Kurzsichtigkeit exportiert, sondern auch Südafrika und Pakistan mit Atom-Know-how und Uran versorgt.

Doch zurück nach Zürich zur hiesigen explosiven Lage: Schon im Vorfeld der Abstimmung für den Opernhauskredit am jährlich stattfindenden «Allmendfest» über Pfingsten mit den ersten Open Air Konzerten, wurden Flyer für eine Demo verteilt und Jugendzentren gefordert. An diesem warmen und wunderschönen Pfingst-Wochenende wurde mir die Bedeutung der Hippie-Bewegung vor Augen geführt, so nach dem Motto: «Peace, Love, Happiness & Freedom». Natürlich kifften fast alle auf dem Gelände. Einige hatten auch einen LSD-Trip intus und die Stimmung war absolut grandios. Die Musik war rockig, punkig und auf Rebellion getrimmt. Schliesslich brodelte es schon seit den 68ern in der Subkultur unter den Jugendlichen und so kam dieser Power-Sound gerade zur richtigen Zeit.

Zufällig fuhr ich am Samstag-Nachmittag des 30. Mai 1980 mit dem Tram beim Zürcher Opernhaus vorbei, exakt in dem Moment, als Hundertschaften von Polizisten aus dem von Demonstranten blockierten Opernhaus-Eingang herausquollen und auf die am Boden liegenden Personen (die sogenannten «Kulturleichen») einschlugen. Sie traten auf Frauen und Männer gleichermassen ein. Diese brutalen Szenen verschlugen mir und auch anderen Passanten den Atem und liessen die Wut in meinen Bauch explodieren. Sogleich stieg ich aus dem Tram, da brannten schon die ersten Container und die Scharmützel mit der Polizei begannen.

Als die Polizisten gleich mit aller Härte vorgingen und mit Tränengas und Gummigeschossen um sich schossen, als auch Wasserwerfer einsetzten, eskalierte die Situation innert wenigen Stunden, da sich an diesem frühen Samstagabend viele Jugendliche infolge des Bob Marley Konzert im Hallenstadion befanden und dann in die Innenstadt strömten. Viele nahmen spontan an den Protesten, die sich schon zu veritablen Strassenschlachten ausgeweitet hatten, teil. Von da an hatte die Polizei für drei, vier Tage nichts mehr unter Kontrolle und die Strassenkämpfe entluden sich mit voller Wucht.

Der Kantonspolizeiposten am Limmatquai wurde umzingelt, zwei der Polizei-Fahrzeuge brannten völlig aus und auch der Eingang zum Rathaus sah dementsprechend übel aus. Die Stadtluft im Niederdorf war geschwängert mit beissenden Tränengasrauchschwaden, dichter, als London im November-Nebel. Das Ausmass der Zerstörung war ebenso unfassbar, wie die Ohnmacht der Sicherheitskräfte, als sich der jahrelang aufgestaute Frust der Jugendlichen und Alt-68ern in blanke Wut verwandelte (angestachelt durch die Gewalt der Ordnungskräfte beim friedlichen Opernhaus-Protest), mit dem die Demonstranten den Opernhausbesucher die einseitige Subventionspolitik aufzeigen wollten.

Der ersten Krawallnacht folgten einige weitere Strassen-Schlachten im Lauf dieses Jahres, in der sich die «Bewegig» der Autonomen jeweils Mittwoch‘s in den Volksversammlungen («VV‘s») im Volkshaus oder vereinzelt auch auf dem Platzspitz formierte. Fast jeden Samstag waren Demonstrationen angesagt. Regelmässig verbarrikadierten die Geschäfte im Niederdorf um 14.00 Uhr ihre Schaufenster mit Brettern, weil die Proteste weiterhin an Fahrt aufnahmen und sich bis hin zu Grossdemonstrationen mit fast 20‘000 Personen formierten. Die Forderung der Jungend war schlicht und einfach: „Ein Autonomes Jugendzentrum!“, ein «AJZ» muss her! Und zwar „subito!“

Am 15. Juli 1980 sollte in der Sendung «CH-Magazin» einer der grössten Skandale in der Geschichte des Schweizer Fernsehens stattfinden und Gesprächsthema Nr. 1 des Landes werden: Die Zürcher Jugendunruhen, die mit solcher Heftigkeit über das biedere Land hereingebrochen waren schlugen die Wogen bis zum Hudson River und wurden auch von der «New York Times» aufgegriffen. Die beiden vom Fernsehen eingeladenen Vertreter/innen der Jugendbewegung, Herr und Frau Müller, liessen den beiden Stadtvertreter/innen, im Gespräch mit Stadträtin Emillie Lieberherr und dem Polizeikommandanten mit ihrer Polit-Persiflage die Hosen runter.

Die Protagonisten der Jugendbewegung, „Herr und Frau Müller“, kehrten den Spiess nämlich um und präsentierten sich als stock konservatives Paar, dass die Politik geradezu unverschämt dazu aufforderte, mit aller Härte gegen jene «Krawallanten» vorzugehen, denn zur Option stünden viel grössere und härtere Geschosse z.B. aus Nord-Irland. Auch der Einsatz von Napalm müsse diskutiert werden. Ansonsten wäre es auch mit einem «Ticket nach Moskau“ ohne Rückfahrkarte getan. Zuerst war ich auch verblüfft und konsterniert, traute meinen Ohren nicht, verstand dann aber rasch die Pointe des kafkaesken Auftritts, der Schweizweit für Entrüstung und Schlagzeilen sorgte. „Châpeau, fein gemacht, compatriots revolutionaires!“

Die überschäumende Kreativität der «Bewegig» und ihrer Aktivisten und Aktivistinnen gipfelte in einem weiteren Medien-Coup. Als der Tagesschausprecher Leon Huber 3. Mai 1981 die Nachrichten verlass, hielten ihm plötzlich zwei maskierte Männer das Schild «Freedom für Giorgio Bellini» (ein anarchistischer Tessiner Buchhändler, der Sprengstoffanschläge auf AKWs verübte und zuletzt einen Strommasten in die Luft sprengte, weil er mit einer Gruppe militanter Autonomer gegen die Atomkraftwerke war) vor die Brust und in die Kamera und verschwanden unerkannt. „Wir haben uns köstlich amüsiert über diese unverfrorene und medial spektakuläre Aktion“. Aber Bellini hat es nichts genützt. Er wurde verurteilt und inhaftiert.

Erst zu ein paar Details, wie die spektakuläre TV-Aktion ablief: Insgesamt drangen fünf Personen, zwei Frauen und drei Männer beteiligt, die als PolizistInnen verkleidet das Fernsehstudio betraten unter dem Vorwand eine Drogenrazzia zu machen, was damals offenbar beim Schweizer Fernsehen kein Stirnrunzeln oder einen Verdacht hervor rief. Zwei Personen drangen in den Regieraum ein und sorgten dort für Ablenkung und ein wenig Chaos.

Zeitgleich drangen zwei weitere Personen in die Sprecherkabine ein und hielten Leon Huber das Schild vor die Nase in die Kamera der Hauptausgabe. Es kommt aber noch besser: Als die beiden Chaoten aus dem Regieraum angehalten und der Polizei übergeben werden sollten, holten die KollegInnen von der Sprecherkabine die beiden ab und sagten, sie nähmen sie gleich mit. So kamen alle fünf unerkannt davon. Zurück zu Giorgio Bellini, der in Zürich einen revolutionären Buchladen an der Engelstrasse betrieb.

Als das Schweizer Stimmvolk am 18. Februar 1979 die Atomschutzinitative mit einem knappen Anteil von 51,2 Prozent ablehnte machte sich eine kleine Gruppe von militanten AKW-Gegnern auf den Weg ins Fricktal. Die Gruppe „Do it yourself“ hatte acht Kilo Sprengstoff im VW-Bus und sprengte damit den Informations-Pavillion beim geplanten KKW Kaiseraugst in die Luft. Personen kamen keine zu Schaden, doch über den materiellen Schaden hinaus, entzündeten die AktivistInnen eine harsche politische Debatte, denn Sprengstoffanschläge haben in der Schweiz zum Glück Seltenheitswert. Nach dem Sprengstoffanschlag in Kaiseraugst folgten weitere Anschläge auf die AKWs Leibstadt und Gösgen.

Auf die Frage, wie die Gruppe an den Sprengstoff heran kam, sagte Bellini, dass dieser in der Landwirtschaft und auf dem Bau verfügbar war und zu seiner Zeit sowas wie das Spielzeug für „die dem Kindesalter entwachsenen war“. In der Tat kann ich das bestätigen und hinzu fügen, dass wir als Kinder auch mit Armee-Pistolen und anderen Waffen gespielt haben und schon als 14 jährige auf grösseren Motorrädern ohne Helm Jumps in der Kiesgrube übten.

Das was damals alles nichts aussergewöhnliches. Natürlich auch mit gewissen Risiken verbunden. Doch welch eine grossartige Freiheit unter vielen weiteren. Kein Vergleich zur heutigen Schisskultur und Risikoarmut. Doch gingen die AktivistInnen sehr professionell vor und lernten vom Klassenfeind und seinen Institutionen. So wurde das berühmte Guerillia-Handbuch eines schweizer Geheimdienst-Offiziers «Der totale Widerstand – Kriegsanleitung für jedermann» zur Hilfe genommen und bei der Spurentilgung half die Fachzeitschrift «Kriminalistik» den militanten AKW-Gegnern weiter.

Dann gab es auch noch den zum «Bündner Okoterroristen»abgestempelten Marco Camenisch, der 1979 ebenfalls zwei Sprengstoffanschläge auf Strommasten verübte und zu zehn Jahren Zuchthaus verbannt wurde. Die beiden waren aber nicht die einzigen radikalen AKW-Gegner. Einer ging noch weiter, Chaim Nissim, der später für die Grünen im Genfer Kantonsparlament sass griff mit einem Raketenwerfer sowjetischer Bauart, Typ RPG-7 1982 den Reaktor Creys-Malville im französischen Rhonetal an.

Legal? Illegal? Scheissegal, so waren wir drauf

Als nach monatelangen Protesten endlich das «AJZ» (Autonomes Jugendzentrum Zürich) auf dem heutigen Car-Parkplatz in einer alten Fabrikanlage aufging, entlud sich zu unserer Freude das ganze Kreativpotential, das so lange im Verborgenen schlummerte. Das war ein radikaler Schub für uns gebeutelten Stadtindianer/innen. Autonome sprossen aus allen WG-Löchern hervor, die Hippies lebten ihren Kult und ihre Musik nun hemmungslos in aller Öffentlichkeit aus. Zumindest im «AJZ» – einem in der Tat rechtsfreien Raum aber mit massiver Polizeiüberwachung durch Spitzel. Das Zürcher Polizeicorps wurde daraufhin „subito» um über 30 Personen nur zur Überwachung der „Bewegung“ aufgestockt und überdies ein weitaus grösseres Heer von Spitzeln rekrutiert, um die Hippie-Szene und alle anderen subversiven Elemente zu überwachen. Und deren waren viele.

Zugegeben: Nach all den Repressionen und drakonischen Strafen wurden die Sprüche der Jugendlichen radikaler. „Macht aus dem Staat, Gurkensalat», war nur eine der unmissverständlichen Parolen, die überall an den Wänden prangten und bei den Demos lauthals skandiert wurden. Das war damals schon „Landesverrat“ und so wurden wir Sympatisanten auf die Stufe von Terrorristen gestellt und wahlweise als Kommunisten, Maoisten oder Palästina-Freunde abgestempelt.

Der Staat ging mit aller Härte auf die Aktivistinnen und Aktivisten los. Es gab im Bildungssystem, in der Verwaltung und in Teilen der Wirtschaft geheime Absprachen über Arbeits- und Ausbildungsverbote von „Linken“ bei Tätigkeiten wie Lehrer und Pädagogen, Piloten, Ingenieure usw.. Auch den Militärdienstverweigerern wurden viele Berufsbildungstüren verschlossen und einige Tätigkeiten verwehrt. Und so kam es auch zu vielen Verstössen und Gewaltexzessen seitens der Polizei. Einer meiner Freunde verlor dadurch ein Auge durch ein Gummigeschoss und meine Freundin Lena schleiften sie an den Haaren herum bis ihr Gesicht danach arg zerschrammt war. Ich wurde einmal mit 300 anderen Personen verhaftet und während der 24 stündigen Untersuchungshaft illegal erkennungsdienstlich behandelt. Danach freigelassen und später mit Fr. 80.- für die Haft entschädigt. Weitere spektakuläre Guerilla-Aktionen, zeigten uns, dass die Demut und der Respekt vor der Obrigkeit am erodieren war.

«Underground»-Bar’s und illegale Clubs schossen wie Pilze aus dem verdorrten Zürcher Boden. Gekifft wurde überall auch im Freien und in den Parks kreisten die Joints, sodass die Polizei gar nicht mehr nach, überall einzuschreiten. Die Marihuana- Euphorie» und der Duft der Freiheit waren einfach zu gross und der süssiche Gras-Geruch überströmte den Abgas und Dieselgeruch bei weitem. Nie war die Freiheit lebendiger, grossartiger und vielfältiger, als in den 80er Jahren, einer Zeit, die ich als «Zenit des letzten und 21. Jahrtausends» bezeichne.

Am Zürichsee-Ufer wurde weit verbreitet oben ohne gebadet und die Frauen genossen die Freiheit, mitunter auch die Freuden und die neue Unabhängigkeit, die Ihnen die Pille und damit die Möglichkeit zur autonomen Schwangerschaftsverhütung verschaffte voll auszuleben, was sich auch in ungehemmter Sexualität und Polygamie oder in Form der ersten Schwulen- und Trans-Parties ausdrückte. Es war damals unter uns kein Verbrechen und weder für Frauen noch für Männer verpönt, mit Dutzenden von Partner Sex zu haben und im Verlauf eines Jahres verschiedene Partnerschaftsmodelle auszuprobieren. «Sex, Drugs & Rock & Roll» oder lieber «Amore et Anarchia»? Nun, warum die Qual der Wahl? Am besten alles zusammen.

Jede Art von Einschränkung wurde abgelehnt, Hedonismus pur war das Ziel und die Zeit der Paradiesvögel angebrochen. Wir wollten uneingeschränkt auf allen Ebenen experimentieren und die freie Liebe ausprobieren, derweil unverheiratete Paare damals gesetzlich noch nicht einmal zusammen leben durften. So prüde war Zürich und die ganze Schweiz damals. Umso erstaunlicher ist es, dass die Mädels dahin schmolzen, wie Eiscreme oder selbst das Zepter übernahmen, heftig flirteten und auf einen One Night Stand aus waren. Jedenfalls wurde man damals als junger Mann hin und wieder hemmungslos von Frauen angemacht, die nur ein Ziel hatten, die Lust und das Bett zu teilen und alle möglichen Sachen auszuprobieren. Eine ebenso aphrodisierende wie inspirierende Zeit, die ihres gleichen sucht!

Die Frauen waren für uns Lichtgestalten, viele sehr selbstbewusst und experimentierfreudig. „Emanzipation, ja klar, sagten wir uns und führten endlich das Frauenstimmrecht ein. One (wo)man, one vote“, das galt bei der Jugendbewegung für Männer und Frauen gleichermassen. Es gab sehr viele Aktivistinnen, die sich entweder Gehör verschafften oder einfach taten, was sie wollten und wie sie es wollten und es störte sich aus unseren Kreisen niemand daran. Wir, also auch die Männer, schminkten uns gegenseitig und liefen öfters mit schwarz geschminkten Lippen, farbenfroh bemalten Gesichter und flatternden Haaren durch die Strassen zur «Roten Fabrik“, ins «Drahtschmidli» oder ins «AJZ». So haben wir auch vor 50 Jahren das Frauenstimmrecht unterstützt und schliesslich durchgesetzt.

In meiner Jugend war ich begeistert von Pippi Langstrumpf, vom Buch und der TV-Serie. Das freche Mädel war revolutionär und mein anarchistisches, feministisches Vorbild für die „Befreiung von Kinder, Küche und Kirche“ damit vorgespurt. Die autonomeste und frechste Rotzgöre und der erste weibliche Punk, der mir begegnete, hat wohl auch mein Frauenbild geprägt.  Sinnlich, frech, unkonventionell, unabhängig und voll geil drauf. Handkehrum waren Tom Sawyer und Huckley Berry Finn meine abenteuerlich, brüderlichen Vorbilder. Ich liebte ihre Lagerfeuer-Romantik und Streiche. Sie waren unsere Vorbilder und die Schreckgespenste unserer Eltern. Doch auch wir betrieben viel Unfug und loteten die Grenzen mächtig aus. Kitas gab es nicht, der Spielplatz war der grosse Wald mit all seinen Bewohnern und Geheimnissen. So verschwand ich den ganzen Tag im Gestrüpp des Zolliker Waldes, verweilte bei den Kaulquappen und Feuersalamander an den Teichen, kletterte bis in die Baumspitzen und baute Baumhütten und Staudämme wie die Biber und kam nur zum Mittagessen und Abends zurück.

Eine Aufsicht gab es nicht, dafür jede Menge Abenteuer bis hin zu Schusswaffengebrauch, frisierten Floretts und Motocross-Töffs mit denen wir die Steilwände in den Kiesgruben hochfuhren und anderen wilden Spielchen. Wir konnten uns irre austoben, etwas was den Jugendlichen heute für die persönliche Entwicklung fehlt, da sie nur noch virtuell am Geschehen teilnehmen und schon da reizüberflutet durchdrehen. Ein weiteres Problem ist auch das abstrakte virtuelle Anbandeln und der digitale Austausch mit dem anderen Geschlecht sowie das heutige Sexual- und Rudelverhalten an sich, dass einerseits wieder ultra konservativ, andererseits extrem egozentrisch geworden ist. Da kommt kein Spass mehr auf, wenn man sich auf ein Rudel Jungs oder eine Mädchen-Traube einlassen muss, um in die Nähe des oder der Auserwählte/n zu kommen.

Zurück in die experimentell sehr bewegten 80er Jahre. Die ungehemmte Lust an der Befreiung von allen sexuellen Zwängen hielt bis zu den ersten HIV-Infektionen ab Mitte der 80er Jahre an und erschütterte dann vorerst einmal nur die Schwulenszene. «AIDS» war zu «AJZ»-Zeiten noch kein Thema und so entwickelten sich auch in der Horizontalen viele neue Experimente und Lebensentwürfe. Die ersten Teenager kamen gerade von Indien, von Baghwan aus Poona oder von Goa zurück und waren entweder total «high» oder ständig «stoned». Der Afghanistan Krieg dagegen spülte unendlich viel Afghan-Haschisch und Heroin, der Bürgerkrieg im Libanon den «roten Libanesen» in unsere verrauchten WG-Stuben und veränderte das Leben, das Stadtbild und auch die politische Weltanschauung.

MTV und der Walkman revolutionierten die Musikwelt

Es war die Zeit der Rebellen, der freien Entfaltung, der Politisierung, der Sex- und Drogenorgien und Strassenschlachten. Der «Rolling Stones», «Doors», «Deep Purple», die ebenso zu unseren Musikgöttern zählten wie Bob Dylan, Janis Joplin und Jil Scott Heron. Nichts war mehr wie früher und es gab auch kein zurück. Als Mitte der 1970er die «Punks» erst in New York und dann die Punkszene in London aufkam, schwappten die Ausläufer auch auf die Schweiz über. Die Sex Pistols und Talking Heads, Ramones oder under sex zählten zu den heissesten Bands, der damaligen Zeit.

Bald entwickelten sich in lokale Szenen, allen voran in Zürich. 1977 gab es in Zürich einen harten Kern von etwa 50 Jugendlichen, welche die Schweizer Punk– und New Wave-Bewegung massgebend beeinflusste. Ihre ersten Treffpunkte waren der Punk-Kleiderladen «Booster» mit und der «Club Hey» der ersten Punk-Discos ebenso wie im Umfeld verschiedener autonomer Netzwerke, wie der Reithalle in Bern oder bei Hausbesetzungen, bei denen die Punks an vorderster Front standen. So findet man zum Beispiel auch in Winterthur politisierte Punks, die sich häufig als Gegenbewegung zum rechtsextremen Umfeld und zu den Skinheads in der Schweiz verstanden. Und auch in Basel gab es ein «AJZ», indem die Punks und Autonomen sich trafen.

Mit dem Piratensender «Radio 24» von Roger Schawinski, der erst vom «Piz Gropera» aus Italien sendete, wurde auch die karge Medienlandschaft, bestehend aus «Radio Beromünster» (unsäglich) dem Schweizer Fernsehen (langweilig und einfältig), dem «ORF» (ebenso bieder) und der «ARD» (nicht viel besser), umgepflügt. «MTV» hielt Einzug mit den ersten Kultvideos und revolutionierte nicht nur die Musikwelt sondern auch die Jugendszene und Subkultur. Und mit Radio DRS3kam noch ein genialer Jugendsender in der Schweiz hinzu. Erst später bekamen dann auch Lokalradios eine Lizenz und bald gab es in jedem Kanton mindestens einen, wenn nicht zwei alternative Radio-Sender.

Die ersten Wohngemeinschaften zu Beginn der 70er Jahre bereicherten die neuen Lebensentwürfe und Formen der Jugendbewegung und schufen so auch viel Solidarität und Engagement mit anderen Untergrundbewegungen, Freiheitskämpfern und unterdrückten Staaten wie Palästina, Nicaragua und das von US-Soldaten besetzte Vietnam. Die Zeit war reif, für grosse gesellschaftspolitische Veränderungen. Zürich wurde zum Hot Spot für die aufblühende Jugendkultur, die gerade in allen Farben und Formen explodierte und die Grundlage für den unglaublichen Liberalisierungsschub hinsichtlich kultureller Freiräume lieferten. So ausgeflippt und trendy hat man die Städte Zürich, Bern und Basel nie zuvor und nie mehr danach gesehen.

Wir gingen neugierig und mit Respekt auf das andere Geschlecht ein und auf Andersdenkende oder Aussehende zu und das machte die Bewegung so einzigartig. Es war die Zeit der Anarchisten. Wir debattierten und kritisierten heftig, stritten und solidarisierten uns mit anderen unterdrückten Völkern. Im Strudel der explosiven Befreiung und des grenzenlosen Lebens wurden rauschende Parties ohne Ende gefeiert, aber immer mehr harte Drogen, wie Heroin, kam dazu.

Als das «AJZ» in einer alten Fabrikanlage beim Carparkplatz am Sihlquai aufging, spülte es allerlei schräge Vögel und Drogendealer mit rein. Bald lieferte sich die italienische Drogenmafia mit der türkischen einen gnadenlosen Bandenkrieg, der teilweise auch im «AJZ» ausgetragen wurde. Eine Weile lang, war es richtig gefährlich, sich mit diesen Typen anzulegen und wir mussten einen Wachdienst aufziehen um die schlimmsten Eskalationen zu verhindern.

In den frühen 80er Jahren starben Hunderte Jugendliche jährlich an einer Überdosis «Aitsch», der Slang-Name für Heroin. Die Situation verbesserte sich erst, als die Methadon-Abgabe eingeführt wurde und die Fixer, Dealer und Drogentoten von den Zürcher Strasse verschwanden und die Süchtigen sich in den Kontakt- und Methadon-Abgabestellen wieder trafen.

Jährlich starben Hunderte an Heroin

Ich bin damals mit 17 Jahren aus der Elternwohnung aus- und in eine Wohngemeinschaft (WG) an der Forchstrasse gezogen, in der Rico B. und Tommy M., zwei Literaten wohnten und die Kulturzeitschrift «Babayga» (russische Hexe) herausgaben, die in der Spinnerei Wettingen von Kaspar P. gedruckt wurde. Ein weiterer Wohngenosse arbeitete im grössen Plattenladen von Zürich und er hatte seine über 900 LPs (Schallplatten) umfassende Kollektion in unsere WG verfrachtet. Dadurch eröffnete sich so ein unfassbares musikalisches Universum für uns alle und wir schwebten im siebten Himmel.

Von da an ging die Post ab, denn wir waren alle „subversive“ Elemente in den Augen der Obrigkeit. „Also lieber subversiv, als konservativ“, sagten wir uns gelassen und legten los, die Welt zu verändern. Unverheiratete Paare durften damals gesetzlich noch nicht zusammen leben. Da uns das offensichtlich „Wurscht“ war, sah die Polizei öfters mal ungebeten in der WG rein. Da sich dort in der untersten 5-Zimmer Wohnung zumeist Tag und Nacht 10-15 Leute aufhielten, waren die Zweier-Patrouillen leicht überfordert und zogen unter Hundegebell und Beifall rasch wieder ab. Umso mehr wurden wir dafür bespitzelt, da hier auch viele «AJZ»-Aktivistinnen und Aktivisten ein und aus gingen.

Doch anstatt «aus dem Staat Gurkensalat“ zu machen, explodierte das Kreativpotential in der Gastronomie, Clubszene und in der Medienlandschaft. Schliesslich ging es uns ja nicht um die eine Konterrevolution und Abschaffung der Demokratie oder der Etablierung einer Anarchie anstelle von Parlament und Bundesrat, sondern schlicht um mehr Freiheit in der Freizeit, im Beruf, in der Familie, bei der Sexualität, beim Drogenkonsum und dem Nachtleben. So wurden die Bewegten medial sehr kreativ, gaben Strassenzeitungen heraus, druckten Flyer und Poster, hängten sie auch auf (Wildplakatierung) und probierten allerlei Neues aus. Zürich entwickelte sich von einem Provinznest zur Weltstadt und führte zu einem der bedeutendsten, gesellschaftspolitischen und kulturellen Wandel der letzten 50 Jahre in der Schweiz.

Sobald das «AJZ» beim heutigen Carparkplatz aufging, machten wir uns daran, das alte Fabrikareal und Gebäude umzubauen und einzurichten. Es wurden allerlei Gruppen gebildet: Handwerkergruppen, die «Beizengruppe», die «Frauengruppe», die «Drogengruppe» und die «Kurvengruppe», also für Jugendliche, die von zu Hause ausgebüxt und polizeilich ausgeschrieben waren. Zwei meiner Freunde, die Rimoldi-Brüder, waren in der «Beizengruppe», meine Freundin Michele in der «Kurvengruppe» und ich bei der „Drogengruppe“. Es war eine rauhe, aber herrliche Zeit, eine grandiose Aufbruchstimmung. Das «AJZ» war in der Tat sehr autonom und wir alle eine grosse bunte Familie von kreativen Individualisten, Alchemisten, Anarchisten und Überlebenskünstler.

Doch einhergehend mit der Heroinschwemme kam es zu vielen sehr jungen Toten. Die Jüngsten waren gerade mal 13 Jahre alt. Auch Mandy, meine damals ein Jahr jüngere, also 17 jährige  Freundin starb später an einer Überdosis. Ich hatte stets Glück, doch das war zu viel für mich und für die Stadt Zürich. Die unmenschliche Misere dauerte so lange, bis das Methadon-Programm auch infolge von HIV-Infektionen zum Zug kam und Dr. Uchtenhagen zusammen mit der Stadträtin Emilie Lieberherr die Junkies von der Gasse holte und sie nun endlich menschenwürdig im Methadon-Programm betreut wurden. Das war ein mutiger Schritt in die richtige Richtung und das Modell wurde auch international kopiert.

Es war eine rauhe, aber herrliche Zeit, eine grandiose Aufbruchstimmung. Das «AJZ» war in der Tat sehr autonom und wir  alle eine grosse bunte Familie von kreativen Individualisten, Alchemisten, Anarchisten und Überlebenskünstler. Die Heroinschwemme führte auch zu sehr jungen Toten. Die Jüngsten waren gerade mal 13 Jahre alt. Das war too much. Die unmenschliche Misere dauerte so lange, bis das Methadon-Programm auch infolge von HIV-Infektionen zum Zug kam und Dr. Uchtenhagen und Stadträtin Emilie Lieberherr die Junkies von der Gasse holte und sie nun endlich menschenwürdig betreut wurden. Das war ein mutiger Schritt in die richtige Richtung und das Modell wurde auch international kopiert.

Das AJZ war unsere Heimat. Hier trafen wir uns, hier schliefen wir oft, hier engagierten wir uns sehr kreativ. Einer der Höhepunkte zu dieser Zeit war das spontane Konzert von Jimmy Cliff auf dem Carparkplatz. Er kam eines Morgens ins «AJZ» mit seiner Entourage und war begeistert von der Zürcher Jugend Bewegung und dem autonomen Jugendzentrum Und zwar so sehr, dass er sich zu einem spontanen Konzert hinreissen liess und wir in Windeseile versuchten eine Bühne zu bauen und die Installationen für die Musikanlage und die Lautsprecher vorzunehmen.

Radio 24, Roger Schawinskis Piratensender auf dem Piz Gropero in Norditalien erfuhr davon und so sprach sich das Spontankonzert schnell in der ganzen Stadt rum. Ab 16.00 Uhr strömten immer mehr Jugendliche zum AJZ und brachten den Tram und Strassenverkehr am Sihlquai zum Erliegen. Auf dem Platz fanden sich an die 3000 Personen zusammen, die frenetisch und musikalisch ebenso wie mit Marie-Jane voll berauscht mit Jimmy Cliff in Ekstase gerieten. „Unforgetable times, indeed – war prägend für viele meiner Generation.

Im Strudel SchweizerPolitskandale

In den 80er Jahren gab es noch hinreichend gute Jobs. Zuerst arbeitete ich bei der «Brauerei Hürlimann» im Export, danach für kurze Zeit bei einer Handelsfirma, der ich den gesamten Import von Getreidemehl aus Schweden vom Strassenverkehr auf die Bahn verlagerte und so ein ökologisches Ziel umsetzte als der Firma auch viel Geld sparte, da die Bahnlösung auch erheblich günstiger war. Danach kamen drei Reiseleiter-Einsätze für je drei Monate im Senegal, in Polen und in London ins Spiel. Daraufhin arbeitete ich beim «Media Daten Verlag», der die «Werbewoche» und das «Media Trend Journal» heraus gab und so wurde ich Anzeigenleiter der «Neuen Zürcher Zeitung» für die Bereiche Tourismus, Schulen und Institute sowie Verkaufsleiter der «Swiss Review of World Affairs», dem damaligen, hochkarätigen, englisch sprachigen Magazin der Neuen Zürcher Zeitung «NZZ». Später produzierte ich die Wälzer, der «Portraits der Schweizer Werbewirtschaft» und «Portraits der Schweizer Kommunikationswirtschaft» beim «Bertschi-Verlag». So rückte ich dem Journalismus immer näher und ich beschloss das Handwerk über eine PR-Ausbildung am «SAWI» zu erlernen.

Im Oktober 1989 nahm ich an einem einwöchigen Journalismus-Workshop mit dem linken Journalisten, Schriftsteller und Historiker Niklaus Meienberg teil, der kurze Zeit zuvor den «Villiger-Skandal» im 2. Weltkrieg aufdeckte. Dieser führte uns überraschend nach Kreuzlingen zur Asylantenempfangsstelle, bei der wir noch am selben Abend unserer Ankunft eine menschenunwürdige Situation vorfanden. Vor der geschlossenen Asylanten-Empfangsstelle hatten gut ein Dutzend frierender Flüchtlinge ein Feuer angezündet, um sich vor der bitteren Oktoberkälte zu schützen und aufzuwärmen, denn sie seien von der Asylanten-Empfangsstelle ausgeschlossen worden, erklärten sie uns.

Die Polizei war gerade dabei das Feuer zu löschen, was uns in Rage brachte. Niklaus Meienberg kam so richtig in Fahrt und der wortgewaltige Hühne orchestrierte eine verbale Schandtirade feinster Didaktik. Aber Meienberg wäre nicht Meienberg, wenn den Worten nicht auch Taten folgen würden und so wies er uns an, die Flüchtlinge in die Jugendherberge zu verschieben, die gerade noch geöffnet hatte. Der arme Herbergen-Verwalter fiel fast vom Stuhl als er das Dutzend Flüchtlinge im Schlepptau der JournalistInnen vor sich sah, Da ging das bürokratische Prozedere mit den Papieren los und musste nach den ersten fünf Personen, aufgrund fehlender Papiere, als hoffnungslos, abgebrochen werden und kurz darauf konnten die Flüchtlinge wenigsten diese Nacht in der Wärme verbringen.

Meienberg indes hatte schon am nächsten Morgen die halbe Deutschschweizer Presse auf den Plan gerufen und über die menschenunwürdigen Vorkommnisse und Praktiken vor der Flüchtlingsstelle (Strafaktion) hingewiesen. So sahen wir uns plötzlich im Presse-Trubel mit einer Schar Journalisten konfrontiert und belagerten so das Flüchtlingszentrum, bis wir mit dem Leiter der Empfangsstelle eine Aussprache hatten. Dann kamen die Politiker und Stadträte, die mauerten, Peter Arbenz, der Flüchtlingsdelegierte meldete sich zu Wort und stellte dem Empfangsstellenleiter einen Persilschein aus derweil die kirchlichen Organisationen mehr Menschenwürde einforderten.

Und so war die ganze Woche action. Der Kurs ging am Freitag-Abend zu Ende, jeder konnte über Nacht eine Story über das Geschehen der letzten Woche schreiben und sie Meienberg am Samstag Morgen zeigen, der dann einen kurzen Kommentar dazu abgab. Sein Kommentar war lausig. Doch hatte ich die Unverfrorenheit und das Glück, dass mein Beitrag in der «Weltwoche» mit der Essenz eines anderen Schreibwerkstatt-Teilnehmers an meinem 27. Geburtstag abgedruckt wurde. Der Einstieg war gelungen und der Ansporn, weiter in diese Richtung zu gehen da und weil Fotografieren zu einer Leidenschaft geworden war, wollte ich Journalismus und Fotografie miteinander kombinieren.

Der «Fichenskandal» und die «P-26» Geheimloge

Im Jahre 1990 war ans Licht gekommen, dass sowohl die Bundesbehörden als auch die kantonalen Polizeikorps seit Beginn des Jahrhunderts rund 900’000 «Fichen» über politisch verdächtige Personen angelegt hatten. Laut offiziellen Angaben waren mehr als 700’000 Personen und Organisationen erfasst, also über ein Zehntel der Bevölkerung war subversiv. Der Beobachtungsradius erfasste zuerst ausländische Anarchisten, Schweizer Sozialisten und Gewerkschafter, Schriftsteller, unwillkommene politische Flüchtlinge und Ausländer, die oft wieder ausgewiesen wurden. Mit dem Aufkommen des Antikommunismus wurden vor allem linksstehende Politiker und Mitglieder von Gewerkschaften überwacht. Offizielles Ziel der «Fichierung» war es, das Land vor aus dem Ausland gesteuerten subversiven Aktivitäten zu schützen.

Die Bekämpfung der Subversion war während des Kalten Krieges ein weitverbreitetes Schlagwort. Die Parlamentarische Untersuchungskommission PUK brachte zu Tage, wie weit dieser schwammige Begriff aufgefasst wurde. Wie aus den Unterlagen der «Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr» (UNA) hervorging, empfanden eifrige Staatsschützer „Alternative“, „Grüne“, Friedensbewegte, Drittwelt-Aktivisten, Frauenbewegungen und Fremdarbeiterbetreuer, Anti-AKW-Aktivisten, „Linke“ aller Art also per se, als potentiell gefährlich einzustufen seien, denn sie könnten kommunistisch unterwandert, feind- oder fremdgesteuert oder sonst wie manipuliert sein.

Auch ich bestellte meine Fiche beim Polizei und Justizministerium, die dann doch detaillierter als angenommen war, was das Bewegungsprofil und die Kontakte angeht, aber ansonsten sehr belanglos war, bis auf die vielen schwarzen Stellen in dem 14 seitigen Protokoll, das wohl mehr die Spitzel-Identitäten verdecken und schützen sollte, als Staatsgeheimnisse, staatsfeindliche Aktivitäten oder einen «Landesverrat» des Überwachten zu Tage gebracht hätte. Es zeigte den blinden Eifer der Behörden und das traurige Abbild der Spitzel. Die wenigsten von uns waren Marxisten, Leninisten, Maoisten oder Kommunisten oder Staatsfeinde auch wenn das Motto: «Macht aus dem Staat Gurkensalat» skandiert wurden. Da wurde viel Staatspropaganda aufgefahren und mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Dann gab es noch einen weiteren Politskandal: Die «P-26» Geheimloge (Projekt 26) war eine geheime Kaderorganisation zur Aufrechterhaltung des Widerstandswillens in der Schweiz im Fall einer Besetzung. Sie wurde 1979/1981 als Nachfolgerin des Spezialdienstes in der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA) eingesetzt und 1990 nach der Bekanntmachung durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) durch Bundesrat Moritz Leuenberger aufgelöst. Für die P-26-Mitglieder war in Friedenszeiten keine Bewaffnung vorgesehen, doch darum scherte sich der illustre Geheimbund nicht. Vorgesehen war, dass sie als Gruppe auf Befehl einer allenfalls im Ausland verbleibenden Exilregierung aktiv würden, um als Nachrichtenquelle zu dienen, ein Kampfauftrag war nicht vorgesehen, denn der war allein der Armee vorbehalten. Dennoch hortete die Organisation Waffen und legte Munitionsdepots an.

Beruflich war ich zu Beginn der 90er Jahre mit meiner Public Relation Ausbildung und bei der PR-Agentur «Leipziger & partner» in Zumikon beschäftigt. Unser Dr. Emil S. war Chef war Oberst im Militär und ein kleiner Nazi und gehörte so betrachtet nicht zu meinen speziellen Freunden oder Vorbildern. Aber beruflich gesehen, war er ein Ass und bestens vernetzt wodurch ich viel von seinem Know-How und den Kontakten zum militärischen Kader und zu Zivilorganisationen wie «Helvetas» und dem «Europa Institut» profitierte. Bei der PR-Agentur organisierte ich u.a. das «Forum 91» und das «Colloquium Sicherheitspolitik & Medien» mit «NATO»-General Klaus Naumann, zwei hochpolitische Foren mit hochrangigen Militärs, Politikern, Wissenschaftlern und Medienvertretern. Da prallten zwei Welten aufeinander:

Hier der junge Freak, der Sympathie für die «Armee-Abschaffungs-Initiative» hatte und sich der Rekrutenschule entzog, dafür aber gerne Zivildienst leistete. Einer der auch mit der Anti-AKW-Bewegung sympathisierte Auf der anderen Seite das bürgerliche Establishment, die Spitze der Schweizer Armee bis hin zum Gastreferenten, «NATO»-General Klaus Naumann, der nur von drei Kantonspolizisten eskortiert herein geführt wurde. Insgeheim malte ich mir aus, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich die Militärelite mit einem Schlag mit einem der 35mm Flabgeschosse aus meinem Lehrbetrieb Oerlikon Bührle hätte vernichten können.  Da habe ich gemerkt, dass man auch als Pazifist einige abgründige Szenarien in Erwägung ziehen kann, wenn man in militärischen Kategorien denkt, so wie das in Militär- und Spionagekreisen eben alltäglich und branchenüblich ist. 

Nachdem das PR Diplom geschafft war, gründete ich meine Presse und Bildagentur, bezog mit einem «K-Tipp» Recherche-Journalisten und zwei Medienschaffenden aus dem Hotel/Gastrobereich ein Büro, baute die Kooperation mit der Tourismus-Fachzeitschrift «Travel Inside» und einigen Deutschschweizer Tageszeitungen sowie internationalen Bildagenturen aus und reiste in diesem Jahr zwei Mal in die Karibik, zuerst für einen Segeltörn von Grenada nach Trinidad und Tobago, dann nach Kuba. Auf dem ersten Segeltörn meines Lebens wollte ich mit ein paar Berner und Zürcher den Karneval in Trinidad erleben, da ich schon vom Nottinghill Carnival in London begeistert war.

Nach einer wilden Überfahrt von Grenada aus, die beinahe mein Leben gekostet hat, weil ich bei Aufnahmen auf dem Boot vorne im Bugkorb von einer Welle zwei Meter hochgerissen und in den Spinacker geschleudert wurde, im Segeltuch mit der schweren Kameraausrüstung runterrutschte, aussen am Bugkorb gegen das Geländer knallte und mich im letzten Moment an der verbeulten Eisenstange aussen am Bug baumelnd festhalten und dann mit grösster Mühe wieder in das Boot und auf das Deck ziehen konnte. Das war knapp und der Segeltörn eine Kotz-Tortur. Viele lagen nach 10-15 Stunden hohem Wellengang wie Sardinen eng beieinander auf dem Deck herum rollend, geschwächt und sich immer wieder übergebend. Zum Glück hatten wir einen erfahren Skipper und zwei hart gesottene Jungs, die das Segelboot bis zum Hafen mitten im Stadtzentrum von Port of Spain steuerten und dort anlegten. So konnten wir die nächsten drei Tage bequem von der Segelyacht zu den Calypso-Paraden und wieder zurück aufs Boot gehen. Der Karneval mit den gigantischen, fantasievollen Kostümen und den Steelbands, die durch die Strassen paradierten war der Hammer und sehr sexy. Die anmutigen, ekstatischen Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer waren magisch, erotisch, anziehend. Auch wenn alle halb nackt herumtanzten.

Lebenslust und Protest zu Calypsoklängen

Was 1777 mit den französischen Einwanderern seinen Anfang nahm und einer kolonialherrschaftlichen Minderheit vorbehalten war, entwickelte sich nach der Sklavenbefreiung zu einer musikalischen Protestbewegung. So ist der Karneval auf Trinidad und Tobago für viele das zum Lebensinhalt gewordene Ereignis. Zelebriert wird in ekstatischer Lebensfreude beflügelt von heissen Calypso-Klängen. Während mehreren Monaten beschäftigt sich eine ganze Familie an den Vorbereitungen für die Kostümkreationen und die -parade. Nebst Glamour spielt Prestige eine grosse Rolle, Ruhm und Ansehen der Familie steigen beträchtlich, wenn sich eine Königin oder ein König des Karnevals in die Familienchronik einreihen lässt. Dabei sein ist alles, siegen ist noch schöner.

Lange vor den Paraden werden in Ausscheidungsverfahren die Favoriten unter den Steelbands bestimmt. Nicht nur die spielerische Virtuosität zählt, auch die provozierende Originalität der Texte wird bewertet und ausgezeichnet. Denn der Calypso kennt keine Tabus. Alles ist erlaubt, was gefällt und ankommt. Auch nach der Sklavenzeit blieb der Calypso das satierische und auch zynische Sprachrohr der Unterdrückten. Die Texte der Sängersklaven waren mit sozialkritishen Untertönen und aufmüpfigen politischen Parolen gespickt. Dann endlich kommen die drei magischen Tage der Steeldrum-Paraden durch die Innenstadt von Port of Spain, deren Sound mit eruptiver Kraft die Bewegungen der Treibenden Tänzer und Tänzerinnen auf einen swingenden Rhythmus einstimmt und den Queens Park Savannah in einen brodelnden Hexenkessel verwandeln.

Dabei umschmiegten sich die Tänzer/innen hautnah und rieben sich aufreizend und leicht bekleidet aneinander. Und die Girls hatten Spass auch mal zu zweit von vorne und von hinten anzudocken, dich ins Sandwich zu nehmen und sich mit erhitzten Körpern an dir zu reiben. So lernt man blitzschnell tanzen und sich rythmisch zu den heissen Calypso-Klängen zu bewegen. Und dies geschah in einem ebenso katholischen wie muslimischen und chinesischen Umfeld, denn Trinidad ist ein Schmelztiegel aus all diesen und vielen karibischen und lateinamerikanischen Nationen. 1833 gelangten auch zehntausende von indischen Kontraktarbeitern auf der südlichsten, kleinen Karibik-Insel vor der Küste Venezuelas.

Am Nachmittag paradieren die Bands auf den Sattelschleppern und ihr kostümierter Tross dahinter durch die Strassen Trinidads und zu den Tribünen, wo auch die Jury sitzt. Jetzt sieht man die gigantischen, filigranen, prächtig glitzernden und fächerartig schwingenden Kunstwerke, die mit Abertausenden von glitzernden Pailletten bestückt sind besonders gut. Der Karneval in Trinidad riss uns derart mit, dass wir ihn nach Zürich holen wollten. Und das gelang uns, dank dem Trinidader Percussionisten an Bord des Schoners. Ralph R. und seiner Frau Angi, die beide leidenschaftlich Steeldrum spielten und Ralph überdies einige Steeldrum-Bands und Kinderbands in Zürich unterrichtete.

Durch Ralphs Kontakte konnten wir Mighty Sparrow, der achtfache «King of Calypso» zu einem Exklusiv-Galakonzert im «Hotel International» in Oerlikon, verpflichten. Dazu arrangierten wir ein Open-Air auf dem Marktplatz in Oerlikon mit acht Stelldrum-Bands am Vortag, an einem Samstag. Dank der Kooperation mit der «British West India Airlines» (BWIA), die damals neu nach Zürich flog, konnten wir während sechs Wochen vor dem Calypso & Steeldrum Festival karibische Spitzenköche nach Zürich einfliegen, mit allen frischen Zutaten und reichlich tropischer Dekoration, um im «Hotel International» in Oerlikon karibisches Flair, tropische Cocktails und leckere exotische Spezialitäten und Speisen anzubieten. 

Durch das «Calypso & Steeldrum Festival» durfte ich mit Roger Schawinskis «Radio 24» kooperieren und war bei ihm zu einem Interview und bei einer Sondersendung zu Gast. Auch bei «Radio DRS 3», das eine einstündige Sendung über den Calypso aus Trinidad und zu Mighty Sparrow machte, kurbelte die Promotionsschiene kräftig an. Zudem war auch Frederic Dru von «Radio Tropic» daran interessiert, diesen Event so richtig zu zelebrieren. Auch das Schweizer Fernsehen für liess sich für ihre erste Reisesendung von der Karibik und dem Mighty Sparrow-Konzert inspirieren, da «SRF»-Reise-Redaktor Kurt S. und der Musik-Redaktor des Schweizer Fernsehens an unserem Galakonzert waren.

Ebenso erfreulich war, dass ich dadurch bei «Radio Tropic» auf freiwilliger, unentgeltlicher Basis zu arbeiten begann und dann bald eigene Reisesendungen mit den Airlines, Reiseveranstaltern und Fremdenverkehrsämtern produzierte und dabei völlig freie Hand hatte. Was für eine geniale Erfahrung! So konnte ich auf dem werbefreien Radiosender zweistündige Spezialsendungen über Australien, Afrika und die Karibik machen und hatte zwei Jahre später die Gelegenheit beim «Radio Kanal K» ebenfalls Sendungen zu produzieren.

Der ebenfalls als Musik- und Kulturradio bekannte Sender im Kanton Aargau liess mir auch viel Spielraum und so machte ich zur Verblüffung aller ein hochkarätiges Interview mit vier kantonalen Parteipräsidenten zur heiss debattierten Asyl-Initiative der SVP. Mit dabei waren Gerry Müller, der später Stadtpräsident von Baden wurde. Der nächste Protagonist war Andreas Glarner von der SVP aus der Aargauer Gemeinde Arni, der durch seine Skandale in Sachen Migrationspolitik (Verhüllungsverbot und Minarett-Initiative) zu medialer Präsenz gelangte. Zudem kamen auch die beiden kantonalen FDP und CVP-Präsidenten zum Streitgespräch ins Studio. Das war mein erstes hochpolitisches und zugleich hochkarätiges besetztes Interview mit vier Spitzenpolitikern zu einem der heissesten Themen im Inland dazumal. Und es war eine sehr engagierte und kontroverse Diskussion, die ich als Moderator gut im Griff hatte.

Mein beruflicher Status als Fotojournalist und Radioproduzent liessen meinen Wert bei den Fluggesellschaften stratosphärisch in die Höhe schnellen. Für Reisen nach Afrika berief ich mich auf die «SAA» South African Airways an, in die Karibik flog ich mit der «BWIA», nach Brasilien mit der «TAM», zu den französischen Übersee-Territorien mit der «AOM» und nach Asien oder Australien mit «Singapore Airlines» und «Malaysia Airlines» von denen ich die Flugtickets gratis erhielt, da ich die Reportagen oft in sieben Tageszeitungen publizierte und auch für Hochglanz-Magazine arbeitete. So veröffentlichte ich Reisereportagen, Aviatik- und Wirtschaftsberichte in der «Aargauer Zeitung», «Der Bund», «Neue Luzerner Zeitung», «Solothurner Zeitung», «Südostschweiz», «Facts», «SonntagsZeitung» und in Hochglanzmagazinen wie «Globo», «Animan» «Relax & Style», «World of Wellness» und in der «Welt am Sonntag» wurden Reportagen von mir publiziert. 

Wie hat Ihnen die Story gefallen? Ich freue mich auf Ihre Kritik, Ihren Kommentar oder weitere spannende Details zu diesem Thema.

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Wegweisende Wildlife Projekte in Afrika

Malaysia: Bei den versehrten Orang Utans in Borneo 

Libanon: Im Beiruter Flüchtlingscamp «Schatila» 

Zu Gast in der iranischen Botschaft in Bern zum 35. Jahrestag der Revolution

Der Karneval auf Trinidad: Lebenslust und Protest zu Calypsoklängen

Auszug aus dem Buch «DAS PENDEL SCHLÄGT ZURÜCK – POLITISCHE & ÖKOLOGISCHE METAMORPHOSEN» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller. Die E-Book-Version ist auf www.self-publishing.com zu finden.

VORWORT

Dieses Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Hot-Spots und Krisenregionen. Er beleuchtet das Schicksal der indigenen Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf und rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund. Er prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Resourcen an, zeigt die Schmetterlingseffekte der Hedge Funds und Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus gehobener Reiseliteratur und globalem Polit-Thriller, gespickt mit abenteuerlichen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben.

Ende der 80er Jahre reiste ich sieben Wochen lang von Barbados via St. Lucia, St. Vincent, Grenada und die Grenadines bis nach Trinidad und Tobago vor der Küste Venezuelas runter, also durch die gesamten Westward Islands. Und der Höhepunkt war der Karneval in Port of Spain. Was 1777 mit den französischen Einwanderern seinen Anfang nahm und einer kolonialherrschaftlichen Minderheit vorbehalten war, entwickelte sich nach der Sklavenbefreiung zu einer musikalischen Protestbewegung. So ist der Karneval auf Trinidad und Tobago für viele das zum Lebensinhalt gewordene Ereignis. Zelebriert wird in ekstatischer Lebensfreude beflügelt von heissen Calypso-Klängen. Während mehreren Monaten beschäftigt sich eine ganze Familie an den Vorbereitungen für die Kostümkreationen und die -parade. Nebst Glamour spielt Prestige eine grosse Rolle, Ruhm und Ansehen der Familie steigen beträchtlich, wenn sich eine Königin oder ein König des Karnevals in die Familienchronik einreihen lässt. Dabei sein ist alles, siegen ist noch schöner.

Lange vor den Paraden werden in Ausscheidungsverfahren die Favoriten unter den Steelbands bestimmt. Nicht nur die spielerische Virtuosität zählt, auch die provozierende Originalität der Texte wird bewertet und ausgezeichnet. Denn der Calypso kennt keine Tabus. Alles ist erlaubt, was gefällt und ankommt. Auch nach der Sklavenzeit blieb der Calypso das satierische und auch zynische Sprachrohr der Unterdrückten. Die Texte der Sängersklaven waren mit sozialkritishen Untertönen und aufmüpfigen politischen Parolen gespickt. Dann endlich kommen die drei magischen Tage der Steeldrum-Paraden durch die Innenstadt von Port of Spain, deren Sound mit eruptiver Kraft die Bewegungen der Treibenden Tänzer und Tänzerinnen auf einen swingenden Rhythmus einstimmt und den Queens Park Savannah in einen brodelnden Hexenkessel verwandeln.

Dabei umschmiegten sich die Tänzer/innen hautnah und rieben sich aufreizend und leicht bekleidet aneinander. Und die Girls hatten Spass auch mal zu zweit von vorne und von hinten anzudocken, dich ins Sandwich zu nehmen und sich mit erhitzten Körpern an dir zu reiben. So lernt man blitzschnell tanzen und sich rhythmisch zu den heissen Calypso-Klängen zu bewegen. Und dies geschah in einem ebenso katholischen wie muslimischen und chinesischen Umfeld, denn Trinidad ist ein Schmelztiegel aus all diesen und vielen karibischen und lateinamerikanischen Nationen, die auf einer Insel nicht grösser als der Kanton Bern friedlich zusammenleben. 1833 gelangten auch zehntausende von indischen Kontraktarbeitern auf der südlichsten, kleinen Karibik-Insel vor der Küste Venezuelas. Seit 1962 ist die Insel, zu der auch die Nachbarinsel Tobago gehört, unabhängig. Trinidad verdankt ihren Namen Kolumbus, der sich beim Anblick der drei Bergspitzen an die heilige Dreifaltigkeit, Trinität, erinnerte. Als Kolumbus 1498 auf seiner dritten Reise ankam, lebten dort zwei Indianerstämme, die binnen weniger Jahren nach Ankunft der Spanier ausgerottet waren. Doch zurück zum Karneval und zum Calypso, dem Trinidads Folklore so viel verdankt.

Am Nachmittag paradieren die Bands auf den Sattelschleppern und ihr kostümierter Tross dahinter durch die Strassen Trinidads und zu den Tribünen, wo auch die Jury sitzt. Jetzt sieht man die gigantischen, filigranen, prächtig glitzernden und fächerartig schwingenden Kunstwerke, die mit Abertausenden von glitzernden Pailletten bestückt sind besonders gut. Der Karneval in Trinidad riss uns derart mit, dass wir ihn nach Zürich holen wollten. Und das gelang uns, dank dem Trinidader Percussionisten an Bord des Schoners. Ralph R. und seiner Frau Angi, die beide leidenschaftlich Steeldrum spielten und Ralph überdies einige Steeldrum-Bands und Kinderbands in Zürich unterrichtete.

Lange vor der Eröffnung des Karnevals werden in unerbittlichen Ausscheidungsverfahren dieb esten Steelbands gekürt, die an der Parade teilnehmen dürfen. Es zählt aber nicht ausschliesslich die rein musikalische Virtuosität auf den aus Benzinfässern zusammengeschweissten Klanginstrumenten – viel wichtiger sind die frechen, provozierenden Texte, denn der Calypso kennt weder beim Singen oder Spielen noch beim Tanzen Tabus. Alles was ankommt und der strengen Jury gefällt, ist erlaubt. Die ursprünglichen Volkslieder und Tänze der leidenden Sklaven blieb auch nach dem Ender der Sklaverei satirisches bis zynisches Sprachrohr der Unterdrückten gegen die Kolonialherren und Obrigkeit. Die Texte waren schon immer mit sozialkritischen und aufmüpfigen politischen Tönen gespickt, diese Tradition setzt sich bis heute mit viel Witz und Charme fort. Das Motto der Band bestimmt meistens auch die Wahl der Kostüme. Auch hier sind enorm viel Fantasie und Kreativität im Spiel. Eine hervorragende Band hat ohne originelle Kostüme keine Chance, in der Endrunde zu bestehen. Die anmutigen Glitzergewänder übersteigen die Körpergrösse um ein Mehrfaches. Dieser wagemutige Gigantismus kann nur mit ausgefeilter Technik und ausgetüftelten Fahrwerken vollbracht werden. Während mehreren Monaten sind ganze Familienclans damit beschäftigt, die Kostümkreationen und Fabelwesen herzustellen.

Bereits ist es Mitternacht vor Beginn des Karnevals, der wie auch bei uns um vier Uhr in der Früh mit der Eröffnungsparade beginnt. Die Zeit tropft dahin. Minuten werden zu Stunden. Der Alkohol fliesst bereits in Strömen und das wird die nächsten Tage auch nicht abreissen. Endlich ist es soweit, alles strömt nach draussen, die engen von tropischem Buschwerk gesäumten Strassen werden überflutet von einem pulsierenden Menschenstrom, der sich auf das Stadtzentrum und Epizentrum des Karnevals bewegt. Ausser glitzernden Augen und grell bemalten Gesichtern ist in der Dunkelheit kurz vor Sonnenaufgang nicht viel auszumachen. Jäh brüllen Dieselmotoren auf: Die ersten Sattelschlepper setzen sich in Bewegung und reihen sich in den vorwärtskriechenden Menschenstrom ein. Darauf sind 20 bis 30 Steeldrums und andere Instrumente vereinigt und grosse Lautsprechertürme aufgebaut, deren Sound mit eruptiver Kraft und orkanartigen Bass-schwingungen die Bewegungen der im Strom Treibenden einfängt und auf einen swingenden Rhythmus einstimmt.

Aus allen Himmelsrichtungen kommen die Steelbands und verwandeln die Queens Park Savannah in einen brodelnden Hexenkessel. In der Morgendämmerung zeichnen sich die Silhouetten der Paraderampe und Tribünen ab. Rundherum sind Stände aufgebaut, lockt schillernder Budenzauber und überall dröhnen die Lautsprecher bis zum Anschlag aufgedreht. Eine unbeschreibliche Kakophonie, die einem das Hören und Sehen vergehn lässt. Am Nachmittag paradieren die Bands und ihr kostümierter Tross dahinter durch die Strassen Trinidads und zu den Tribünen in der Queens Park Savannah, einem grossen Platz, wo auch die Jury sitzt und die Trosse in einer Gasse zwischen den Tribünen hindurch ziehen. Jetzt sieht man die gigantischen, filigranen, prächtig glitzernden und fächerartig schwingenden Kunstwerke, die mit Abertausenden von glitzernden Pailletten bestückt sind besonders gut. Die riesigen Fächer- und schwingen artigen Paradiesvögel flattern rhythmisch tanzend durch Trinidas Strassen. Eine Stadt ausser Rand und Band, doch bei aller Anarchie und der scheinbaren Auflösung aller Gesetzesmässigkeiten mutet das zeitlich präzise Ende des Karnevals unglaublich an: Wie von einem Donnerschlag weggefegt, löst sich der Spuk punkt Mitternacht nach zwei intensiven Tagen und Nächten auf.

Auf einem zweiten Segeltörn von Grenada nach Trinidad, den ich für einige Freunde organisierte, riss der Karneval in Trinidad uns derart mit, dass wir ihn nach Zürich holen wollten. Und das gelang uns, dank dem Trinidader Perkussionisten an Bord des Schoners. Ralph R. und seiner Frau Angi, die beide leidenschaftlich Steeldrum spielten und Ralph überdies einige Steeldrum-Bands und Kinderbands in Zürich unterrichtete, waren die idealen Kandidaten, um den berühmtesten Calypso-Musiker Mighty Sparrow.

Durch Ralphs Kontakte konnten wir Mighty Sparrow, der achtfache «King of Calypso» zu einem Exklusiv-Galakonzert im «Hotel International» in Oerlikon einladen. Dazu arrangierten wir ein Open-Air auf dem Marktplatz in Oerlikon mit acht Stelldrum-Bands am Vortag, an einem Samstag. Dank der Kooperation mit der «British West India Airlines» (BWIA), die damals neu nach Zürich flog, konnten wir während sechs Wochen vor dem Calypso & Steeldrum Festival karibische Spitzenköche nach Zürich einfliegen, mit allen frischen Zutaten und reichlich tropischer Dekoration, um im «Hotel International» in Oerlikon karibisches Flair, tropische Cocktails und leckere exotische Spezialitäten und Speisen anzubieten. 

Durch das «Calypso & Steeldrum Festival» durfte ich mit Roger Schawinskis «Radio 24» kooperieren und war bei ihm zu einem Interview und bei einer Sondersendung zu Gast. Auch bei «Radio DRS 3», das eine einstündige Sendung über den Calypso aus Trinidad und zu Mighty Sparrow machte, kurbelte die Promotionsschiene kräftig an. Zudem war auch Frederic Dru von «Radio Tropic» daran interessiert, diesen Event so richtig zu zelebrieren. Auch das Schweizer Fernsehen für liess sich für ihre erste Reisesendung von der Karibik und dem Mighty Sparrow-Konzert inspirieren, da «SRF»-Reise-Redaktor Kurt S. und der Musik-Redaktor des Schweizer Fernsehens an unserem Galakonzert waren.

Ebenso erfreulich war, dass ich dadurch bei «Radio Tropic» auf freiwilliger, unentgeltlicher Basis zu arbeiten begann und dann bald eigene Reisesendungen mit den Airlines, Reiseveranstaltern und Fremdenverkehrsämtern produzierte und dabei völlig freie Hand hatte. Was für eine geniale Erfahrung! So konnte ich auf dem werbefreien Radiosender zweistündige Spezialsendungen über Australien, Afrika und die Karibik machen und hatte zwei Jahre später die Gelegenheit beim «Radio Kanal K» ebenfalls Sendungen zu produzieren. Der ebenfalls als Musik- und Kulturradio bekannte Sender im Kanton Aargau liess mir auch viel Spielraum und so machte ich zur Verblüffung aller ein hochkarätiges Interview mit vier kantonalen Parteipräsidenten zur heiss debattierten Asyl-Initiative der SVP.

Mit dabei waren Gerry Müller, der später Stadtpräsident von Baden wurde. Der nächste Protagonist war Andreas Glarner von der SVP aus der Aargauer Gemeinde Arni, der durch seine Skandale in Sachen Migrationspolitik (Verhüllungsverbot und Minarett-Initiative) zu medialer Präsenz gelangte. Zudem kamen auch die beiden kantonalen FDP und CVP-Präsidenten zum Streitgespräch ins Studio. Das war mein erstes hochpolitisches und zugleich hochkarätiges besetztes Interview mit vier Spitzenpolitikern zu einem der heissesten Themen im Inland dazumal. Und es war eine sehr engagierte und kontroverse Diskussion, die ich als Moderator gut im Griff hatte.

Mein beruflicher Status als Fotojournalist und Radioproduzent liessen meinen Wert bei den Fluggesellschaften stratosphärisch in die Höhe schnellen. Für Reisen nach Afrika berief ich mich auf die «SAA» South African Airways an, in die Karibik flog ich mit der «BWIA», nach Brasilien mit der «TAM», zu den französischen Übersee-Territorien mit der «AOM» und nach Asien oder Australien mit «Singapore Airlines» und «Malaysia Airlines» von denen ich die Flugtickets gratis erhielt, da ich die Reportagen oft in sieben Tageszeitungen publizierte und auch für Hochglanz-Magazine arbeitete. So veröffentlichte ich Reisereportagen, Aviatik- und Wirtschaftsberichte in der «Aargauer Zeitung», «Der Bund», «Neue Luzerner Zeitung», «Solothurner Zeitung», «Südostschweiz», «Facts», «SonntagsZeitung» und in Hochglanzmagazinen wie «Globo», «Animan» «Relax & Style», «World of Wellness» und in der «Welt am Sonntag» wurden Reportagen von mir publiziert. 

Zu den Kuba-Printmedien Reportagen:

Die Insel der Idealisten, die sich von Hoffnung ernähren  (AT/BT)

Zu wenig zum Leben, zuviel zum Sterben (Der Bund)

Kuba-Krise im Touristenparadies (Sonntag Zeitung)                            

Die Gesetze der Strasse (Globo)                                                                  

Kuba’s Koloniale Pracht (Relax & Style)                                                               

Auf nach Varadero – es eilt! (St. Galler Tagblatt)                                       

Ana Fidelia Quirot: Der Sport heilt alle Wunden (Blick

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Namibia: EZA, HIV-Schule Oa Hera und im Reich der Geparde

Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Dieses Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie aDas Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf mehrere politische und ökologische Vorgänge in Krisenregionen rund um den Globus. Er beleuchtet das Schicksal indigener Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenliche Schicksale in den Vordergrund, analysiert scharfsichtig und gut informiert die politischen Transforma-tionsprozesse. Müller prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Pointiert hintergründig, spannend und erhellend. Eine Mischung aus globalem Polit-Thrillern, gehobener Reiseliteratur, gespickt mit sozialkritischen und abenteuerlichen Geschichten sowie persönlicher Essays – den Highlights und der Essenz seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie. Nach der Lektüre dieses Buchs zählen Sie zu den kulturell, ökologisch sowie politisch versierten Globetrotter.

Interteam/Nacobta: Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Namibia

Durch die vielen Reisen und Konflikterfahrungen in zahlreichen Ländern wollte ich schliesslich in die Entwicklungszusammenarbeit («EZA») einsteigen und via «Interteam» (einer Schweizer Hilfsorganisation) nach Namibia fliegen, um vor Ort ab 2011 stationär drei Jahre im Bereich Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten. Konkret ging es um ein Projekt mit der lokalen halbstaatlichen Organisation «NACOBTA», welche die Ureinwohner ökologisch und nachhaltiger in die Tourismuswirtschaft integrieren wollte, um dort die indigen ansässigen Stämme an der wirtschaftlichen und nachhaltigen touristischen Entwicklung teilhaben zu lassen. Leider kürzten kurz vor dem Einsatz ein paar ausländische Hilfsorganisationen ihr Budget für «NACOBTA» und so wurde der «EZA»-Einsatz in Namibia gestrichen. Dennoch wurde ich durch das «Interteam NACOBTA»-Assessment neugierig auf das südwestafrikanische Land mit deutscher Kolonialvergangenheit und beschloss dort hin zu reisen.

Erst verabredete ich mich mit dem lokalen «Interteam» Repräsentanten, um mir die Arbeit vor Ort und die Herausforderungen dieser Aufgabe anzuschauen. Das erste was ich lernen sollte, ist, dass helfen nichts für Abenteurer ist, wie es in den 70er und 80er Jahren war, als scharenweise Personen in alle Welt aufbrachen, um sich mit lokalen Bevölkerungsgruppen oder Befreiungsbewegungen zu solidarisieren. „Besserwisser und Weltverbesserer“ sind bei dieser Arbeit fehl am Platz. Die heutige Freiwilligenarbeit hat sich sehr professionalisiert, sagte, Martin Schreiber, der damalige Geschäftsführer von «Unite», dem Dachverband der Entwicklungspolitischen Organisationen in der Schweiz. Heute verfügen fast 80 Prozent der vor Ort tätigen über einen Hochschulabschluss, zudem gibt es spezielle Umweltexperten, Telekommunikationsspezialisten, Management-Coaches, Ernährungsberaterinnen und Sozialfachleute.

Während des einjährigen Assessment muss die Kandidatin oder der Kandidat nicht nur seinen Durchhaltewillen und seine Motivationsgründe reflektieren sondern werden auch mit komplett anderen Wertvorstellungen und Religionen konfrontiert. Gleichzeitig gäbe es viele Hürden zu überwinden, wie Unzuverlässigkeit von Menschen, die Tücken der Technik und mangelnden Infrastruktur sowie bei der Kommunikation und den soziokulturellen Unterschieden. Schliesslich sei jede Person, die zum Einsatz kommt, Teil eines Ganzen, das sich laufend den Erfordernissen anpasse und mit den lokalen Partnern im beratenden Austausch stehe, welche Strategien entwickelt werden. Der Erfolg des Einzelnen, ist der Erfolg aller.

Nach dieser Einführung traf ich mich mit Vertretern von «NACOBTA» in Windhoek und hernach beschloss ich, ein Spital in Rehoboth, dass von Schweizern finanziert wurde, zu besuchen, bevor ich quer durch das riesige, menschenleere Land fuhr und die geschützten Wildlife-Reservate besuchte. Ich legte auch in Namibia gut 5000 Kilometer mit dem Auto zurück aber relativ wenig Off-Road, vom Caprivi-Streifen im Norden, der bis zum Vierländereck Botswana, Südafrika, Zimbabwe bei den Victoriafällen reicht und bis zum Fishriver-Canyon runter, dem zweittiefsten der Welt im Süden des Landes. Da war zunächst einmal der Etosha Nationalpark, der bereits 1907 unter Schutz gestellt wurde, nachdem der ehemals reiche Wildbestand durch Wilderei und bedenkenlose Grosswildjagd bis an den Rand der Ausrottung reduziert wurde und damit die Fleischversorgung der Bevölkerung ernsthaft gefährdet worden war. Der Etosha Nationalpark besticht heute durch seinen fantastischen Tierreichtum, der sogar das Okavango Delta übertrifft, soweit Giraffen, Antilopen und Zebras damit gemeint sind. Doch nicht nur die Wildtiere, auch die lokal ansässigen Herero und Ovambo wurden nach dem durch Existenzängste geschürten Aufstand von 1904 gnadenlos ausgelöscht. Auch Frauen und Kinder wurden von Generalleutnant Lothar von Trotha nicht geschont, der im Auftrag des Generalstabschef Alfred Graf von Schlieffen handelte und die volle Unterstützung von Kaiser Wilhelm I. hatte. Das war einer der ersten geschichtlich rapportierten Völkermorde.

Völkermord, Sklaverei, Landraub, Vergewaltigung, Demütigung

Namiba: A Police-train locomotive during Apartheid in the Railway museum in Windhoek City

1884 wird Afrika an der «Kongo Konferenz» in Berlin unter den europäischen Mächten und Kolonialherren aufgeteilt. Deutschland steigt zur Kolonialmacht auf, worauf Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, offiziell errichtet und zur Kolonie ausgebaut wurde. Bis 1914 kamen rund 15.000 weisse Siedler nach Deutsch-Südwestafrika, darunter mehr als 12.000 Deutsche. Die deutsche Kolonialverwaltung regierte das Gebiet mithilfe von Rassentrennung und Unterdrückung. Die Einheimischen wurden von den europäischen Siedlern als Menschen zweiter Klasse behandelt und praktisch entrechtet. Einheimische Stämme wurden gezwungen, ihr Land zu räumen. Das für die Nomadenstämme lebenswichtige Weideland und ihre angestammte Heimat ging so immer mehr in die Hände der Siedler über. Dies bedrohte vor allem die Lebensgrundlage der dort ansässigen Hirtenstamme der Herero und Na’ama’s.

Sklaverei, Landraub, öffentliche Exekution, Zwangsarbeit, Vergewaltigung und Demütigung wurden zur Doktrin und zur qualvollen Tagesordnung für die geschundene Bevölkerung. Mit Samuel Maharero begann 1904 der Aufstand gegen die weissen Besatzer. Das Na‘ama Oberhaupt, Capitain Hendrik Witboo war die Ikone des antikolonialen Widerstandes. Er warf dem Ovambo Führer vor, dass er mit der sogenannten „Schutzmacht“ der Deutschen kooperierte und so die Schleusen für die Eroberung öffnete. Erst nach 20 Jahren der Unterdrückung durch die «Herrenmenschen», wehrten sich die Völker Namibias zum ersten Mal geeint gegen ihre Unterdrücker.

Am 12. Januar 1904 fallen die ersten Schüsse gegen die Besatzer. Die Aufständischen belagerten Militärstationen, blockierten Bahnlinien und überfielen Handelsniederlassungen. In den ersten Monaten des Kriegs dominierten die Herero die Auseinandersetzungen. Die Vertreter des deutschen Reiches waren von dem Aufstand überrascht. Der Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas, Theodor Leutwein, wurde angewiesen, den Aufstand militärisch niederzuschlagen. Im Mai 1904 wurde das Kommando auf Generalleutnant Lothar von Trotha übertragen. Von Trotha führte die Auseinandersetzungen gezielt als einen Vernichtungskrieg. Die nur 2‘000 Mann starke kaiserliche Schutztruppe wurden sofort durch 14‘000 Soldaten verstärkt, die mit brutaler Härte gegen die Aufständischen vorgingen.

Namiba: Herero womenselling indigenious art work in the capital city Windhoek.

1884 wird Afrika an der «Kongo Konferenz» in Berlin unter den europäischen Mächten und Kolonialherren aufgeteilt. Deutschland steigt zur Kolonialmacht auf, worauf Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, offiziell errichtet und zur Kolonie ausgebaut wurde. Bis 1914 kamen rund 15.000 weisse Siedler nach Deutsch-Südwestafrika, darunter mehr als 12.000 Deutsche. Die deutsche Kolonialverwaltung regierte das Gebiet mithilfe von Rassentrennung und Unterdrückung. Die Einheimischen wurden von den europäischen Siedlern als Menschen zweiter Klasse behandelt und praktisch entrechtet. Einheimische Stämme wurden gezwungen, ihr Land zu räumen. Das für die Nomadenstämme lebenswichtige Weideland und ihre angestammte Heimat ging so immer mehr in die Hände der Siedler über. Dies bedrohte vor allem die Lebensgrundlage der dort ansässigen Hirtenstamme der Herero und Na’ama’s.

Sklaverei, Landraub, öffentliche Exekution, Zwangsarbeit, Vergewaltigung und Demütigung wurden zur Doktrin und zur qualvollen Tagesordnung für die geschundene Bevölkerung. Mit Samuel Maharero begann 1904 der Aufstand gegen die weissen Besatzer. Das Na‘ama Oberhaupt, Capitain Hendrik Witboo war die Ikone des antikolonialen Widerstandes. Er warf dem Ovambo Führer vor, dass er mit der sogenannten „Schutzmacht“ der Deutschen kooperierte und so die Schleusen für die Eroberung öffnete. Erst nach 20 Jahren der Unterdrückung durch die «Herrenmenschen», wehrten sich die Völker Namibias zum ersten Mal geeint gegen ihre Unterdrücker.

Am 12. Januar 1904 fallen die ersten Schüsse gegen die Besatzer. Die Aufständischen belagerten Militärstationen, blockierten Bahnlinien und überfielen Handelsniederlassungen. In den ersten Monaten des Kriegs dominierten die Herero die Auseinandersetzungen. Die Vertreter des deutschen Reiches waren von dem Aufstand überrascht. Der Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas, Theodor Leutwein, wurde angewiesen, den Aufstand militärisch niederzuschlagen. Im Mai 1904 wurde das Kommando auf Generalleutnant Lothar von Trotha übertragen. Von Trotha führte die Auseinandersetzungen gezielt als einen Vernichtungskrieg. Die nur 2‘000 Mann starke kaiserliche Schutztruppe wurden sofort durch 14‘000 Soldaten verstärkt, die mit brutaler Härte gegen die Aufständischen vorgingen.

In Swakopmund an der Küste des Atlantik, direkt vor dem Stadthaus steht bis heute ein Stein des kolonialen Anstosses: Das Kriegsdenkmal der deutschen Marine, welches die gefallenen, deutschen Soldaten namentlich ehrt, die hier über 100‘000 Menschen umgebracht haben. Ein kleines Messingschild erinnert auch an die gefallenen Einheimischen. Das ärgert den Stadtabgeordneten Uahimisa Kaapehi massloss.

„Das Denkmal sollte abgerissen, auf dem Müll geworfen oder nach Deutschland verschifft werden“. Noch stossender ist aber, dass sich Deutschland sich bis heute nicht offiziell für den ersten Völkermord der Geschichte bei den namibischen Völkern angemessen entschuldigt hat und es wurde auch kein Land zurückgegeben, welches den Einheimischen Nomaden damals gestohlen wurde. Noch heute sind die Besitzer grosser Farmen und die Häuser in den Städten im Besitz der Nachfahren der damaligen deutschen Unterdrückern, derweil die Hereros und Na’ama’s nur Arbeitslosigkeit, Rassismus und Hoffnungslosigkeit kennen.

Namiba: Herero women working as souvenier traders in Windhoek, selling handicraft to tourists

Der Völkermord an den Hereros und Namas sowie die In Swakopmund an der Küste des Atlantik, direkt vor dem Stadthaus steht bis heute ein Stein des kolonialen Anstosses: Das Kriegsdenkmal der deutschen Marine, welches die gefallenen, deutschen Soldaten namentlich ehrt, die hier über 100‘000 Menschen umgebracht haben. Ein kleines Messingschild erinnert auch an die gefallenen Einheimischen. Das ärgert den Stadtabgeordneten Uahimisa Kaapehi massloss. „Das Denkmal sollte abgerissen, auf dem Müll geworfen oder nach Deutschland verschifft werden“. Noch stossender ist aber, dass sich Deutschland sich bis heute nicht offiziell für den ersten Völkermord der Geschichte bei den namibischen Völkern angemessen entschuldigt hat und es wurde auch kein Land zurückgegeben, welches den Einheimischen Nomaden damals gestohlen wurde. Noch heute sind die Besitzer grosser Farmen und die Häuser in den Städten im Besitz der Nachfahren der damaligen deutschen Unterdrückern, derweil die Hereros und Na’ama’s nur Arbeitslosigkeit, Rassismus und Hoffnungslosigkeit kennen.

Im Süden des Landes in Maltahöhe war die HIV-Sterblichkeit besonders hoch und es gab zu dieser Zeit beinahe 40 Prozent Waisenkinder, die in den 90er Jahren entweder einen oder auch beide Eltern verloren haben. Und so gibt es auch eine HIV-Waisenschule in Maltahöhe, wo die Armut und Arbeitslosigkeit besonders hoch ist. Es war ergreifend dem «Oa Hera»-Kinderchor zuzuhören, der von dem Backpacker-Camp unterstützt wird. Die hellen, ergreifenden Engelsstimmen der Waisenkinder haben mich genauso beeindruckt, wie der Fantasie-Reichtum und die Kreativität in der Schule bei Gestaltungsmitteln oder Kinderspielzeugen. Und wenn man bedenkt, welche Gefahren auf die Schulkinder bei ihren beträchtlich langen Anmärschen in dieser unwirtlichen Gegend drohen, erstaunt die Gelassenheit und Fröhlichkeit, der Kinder angesichts ihres schweren Schicksals.

Im Reich der Geparde

Auch die «Cheetah Foundation» (CFF) in Ojjowaringo ist ein beeindruckendes Wildlife-Projekt mit einmaligen Erlebnissen. Zwar sah ich diese edlen, eleganten Tiere schon zum zweiten Mal in Die «Cheetah Foundation» (CFF) in Ojjowaringo ist eines der beeindruckenden Wildlife-Projekte mit einmaligen Erlebnissen. Es war das erste Mal, dass ich diese edlen, eleganten Raubkatzen in freier Wildnis und beim Jagen nach ein paar armen Kaninchen zu sah, die den Geparden als Frühstückshoppen zum Frass vorgeworfen wurden. Die Populationsstudie des CCF für namibische Geparde läuft seit 1990, wobei bis heute über 750 Gewebeproben und 1000 Kotproben gesammelt wurden.

Diese Proben ermöglichen die Erforschung der namibischen Gepardenpopulationen über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Populationsüberwachung innerhalb des 50.000 Hektar großen Wildschutzgebiets wird durch die Kombination mit genetischen Analysen über Mikrosatellitenmarker ermöglicht. Das erlaubt den CCF-Forschern und Wildhütern die einzelnen Geparden sowohl anhand von visuellen als auch genetischen Merkmalen zu identifizieren.

Im Rahmen dieser Studie promovierte Dr. Marker an der Universität Oxford, für die 322 Proben aus 7 nordzentralen namibischen Regionen genetisch untersucht und nach Herkunft verglichen wurden.

A cheetha in the namibian Kalahari.

Um den illegalen Handel mit Wildtieren zu bekämpfen, hat CCF in Zusammenarbeit mit den Wildtierbehörden von Somaliland ein sicheres Haus in Somaliland eröffnet, das für Gepardenjunge gebaut wurde, die aus dem Heimtierhandel geborgen wurden. Allein im Jahr 2019 erhielt das Genetiklabor 146 Proben von 53 Personen. CCF erhielt auch Proben von verschiedenen Veterinär- und Zuchteinrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bis heute wurden 97 extrahiert und genotypisiert, um die Herkunft der Tiere zu ermitteln. Neben der genetischen Arbeit initiierte CCF eine Samenbank für die VAE und veranstaltete mehrere Workshops zur Sammlung und zum lebensfähigen Einfrieren von Spermien von erwachsenen männlichen Geparden, um die genetische Vielfalt der Ursprungspopulationen zu erhalten.

Eine zentrale Herausforderung in den ländlichen Gebieten Namibias ist der Aufbau von Kapazitäten zur Bewältigung des Konflikts zwischen Mensch und Wildtieren. «CCF» hat mehrere Landschaften in Zentral-Nord- und Zentral-Ost-Namibia identifiziert, die einen dringenden Fokus auf wissenschaftsbasierte Lösungen zur Eindämmung des Konflikts menschlicher Wildtiere (HWC) benötigen.Zu den wichtigsten Schwerpunktregionen gehören die Greater Waterberg Landscape, die Gobabis-Landschaft und weite Teile des Gemeindelandes im östlichen Namibias Kalahari-Ökosystem.

In Namibia leben 80 Prozent der Wildtiere ausserhalb von Schutzgebieten, aber in einigen Gebieten wie den östlichen Kommunalgebieten gefährdet das Fehlen von Wildtieren Arten wie Wildhunde, Geparden und Leoparden, die Nutztiere erbeuten. Eine der größten Herausforderungen in diesen ländlichen Gebieten ist die Bewältigung des Konflikts zwischen Mensch und Fleischfresser. Geparden und andere Raubtiere, darunter Leoparden, Afrikanische Wildhunde, Braune Hyänen und Schakale, leben in grossen Revieren auf Viehzuchtflächen.

Ketmanshoop: Two cheethas in the namibian Kalahari – where one third of the world population is living.

Um Um die Situation zu entspannen, ist eine forschungsbasierte Lösung erforderlich, die die dort ansässige Community einbezieht. Zu diesem Zweck hat ein kanadisches Goldbergbauunternehmen mit Präsenz in Namibia, 50‘000 US-Dollar zur Unterstützung von Naturschutzforschung und ein Outreach-Programmen für Gemeinden bereitgestellt, die mit Fleischfressern leben. Mit Unterstützung von «B2Gold» hat «CCF» ein umfangreiches Forschungsprojekt entwickelt, um die wichtigsten Strategien und Ansätze zur Reduzierung von Mensch-Fleisch-Konflikten zu bewerten. Die Forschung wird in die Erhaltungsmaßnahmen einfließen, die darauf abzielen, das Weideland-, Vieh- und Wildtiermanagement zu verbessern, den Verlust von Vieh auf offenem Ackerland zu reduzieren und den Lebensraum wiederherzustellen.

Um die Situation zu entspannen, ist eine forschungsbasierte Lösung erforderlich, die die dort ansässige Community einbezieht. Zu diesem Zweck hat ein kanadisches Goldbergbauunternehmen mit Präsenz in Namibia, 50‘000 US-Dollar zur Unterstützung von Naturschutzforschung und ein Outreach-Programmen für Gemeinden bereitgestellt, die mit Fleischfressern leben. Mit Unterstützung von «B2Gold» hat «CCF» ein umfangreiches Forschungsprojekt entwickelt, um die wichtigsten Strategien und Ansätze zur Reduzierung von Mensch-Fleisch-Konflikten zu bewerten. Die Forschung wird in die Erhaltungsmaßnahmen einfließen, die darauf abzielen, das Weideland-, Vieh- und Wildtiermanagement zu verbessern, den Verlust von Vieh auf offenem Ackerland zu reduzieren und den Lebensraum wiederherzustellen.

Namibia: Eiland in the Etosha National Park

Das CCF beherbergt eine in Afrika einzigartige Forschungseinrichtung von Weltrang. Das Life Technologies Conservation Genetics Laboratory ist das einzige voll ausgestattete Genetiklabor vor Ort in einer Naturschutzeinrichtung in Afrika. Von dieser Einrichtung aus arbeitet CCF mit Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zusammen. Die Forschung kommt nicht nur dem Gepard und seinem Ökosystem zugute, sondern auch anderen Großkatzen und Raubtieren. Dabei helfen auch ausgebildete Hunde zur Erkennung des Kot. Die Kothunde verwenden verschiedene Signale an ihren Hundeführer, um anzuzeigen, weDas «CCF» beherbergt eine in Afrika einzigartige Forschungseinrichtung von Weltrang. Das «Life Technologies Conservation Genetics Laboratory» ist das einzige voll ausgestattete Genetiklabor vor Ort in einer Naturschutzeinrichtung in Afrika.

Von dieser Einrichtung aus arbeitet «CCF» mit Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zusammen. Die Forschung kommt nicht nur dem Gepard und seinem Ökosystem zugute, sondern auch anderen Grosskatzen und Raubtieren. Dabei helfen auch ausgebildete Hunde zur Erkennung des Kots. Die Kothunde verwenden verschiedene angelernte Signale an ihren Hundeführer, um anzuzeigen, welche Art von Tierkot vorhanden ist. Sobald die Probe entnommen wurde, wird sie ins Labor gebracht. DNA wird extrahiert, um einzelne Geparden zu identifizieren und die Populationsstrukturen von anderen Grosskatzen und Fleischfressern zu verstehen.

Später weiter unten im Süden beim Fish River Canyon und den

Zu einem späteren Zeitpunkt, ganz im Süden Namibias, beim Fish River Canyon und den Giants Playground, fuhren wir mit einem Farmer auf seiner riesigen Farm herum und begegneten dort zwei prächtigen Geparden in der Wildnis, denen wir uns zu Fuss näherten, um uns gegenseitig zu beschnuppern, denn sie schlichen auf ihren Samtpfosten langsam und geschmeidig auf uns zu und hatten sich offensichtlich an Menschen gewöhnt und kannten keine Scheu. Dennoch verhielten sich nicht wie zahme Hauskatzen.

Da ich alsbald überraschenderweise unter der Schnauze des Tieres auf dem Boden lag und von dort Nahaufnahmen machte, endete der hautnahe Kontakt mit den gefährlichen Schmusekatzen letztlich wider Erwaarten für mich mit Glücksgefühlen, anstatt mit tödlichen Bissen. Aber das kribbelnde Gefühl unter einer Wildkatze sozusagen als ihr Beutetier zu liegen, nur die Kamera schützend vor mein Gesicht haltend, war schon ein Adrenalinschub erster Güte, dass ich nie mehr vergessen werde.

Nach dieser wunderbaren Erfahrung im Reich der Wildtiere möchte ich noch ein dunkles Kapitel Kolonialgeschichte hinzufügen.

Soussevlei Sanddunes landscape in Namibia

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

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Die Jugendunruhen zu Beginn der wilden der 80er

Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62), reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus gehobener Reiseliteratur, spannendem Politthriller, gespickt mit abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Die Reise rund um den Globus zu verschiedenen Konfliktherden und kulturellen Highlights beginnt in meiner Heimatstadt Zürich. Mit 18 Jahren bereits berufstätig rollte ein Tsunami auf das konservative Bürgertum und die politische Klasse zu. 1980 war das Jahr, das die biedere Gesellschaft in der Schweiz aufrütteln und im Laufe der 80er-Jahre umpflügen sollte. Im Mai desselben Jahres begannen die «Opernhauskrawalle» als Auftakt zu den nachfolgenden «Zürcher Jugendunruhen». Auslöser dafür war die latente Unzufriedenheit der Jugend mit den für sie zur Verfügung stehenden Einrichtungen und Freiräumen. Das manifestierte sich am augenfälligsten Beispiel der bevorstehenden Abstimmung über einen städtischen Subventionsbeitrag von 60 Mio. Franken an das Opernhaus und im Gegenzug dazu keine 10‘000 Franken für die «Rote Fabrik», damals das einzige Jugendkulturzentrum der Stadt Zürich. Zu jener Zeit gab es noch die Sperrstunde für alle um Mitternacht, eine halbe Stunde später mussten alle brav zu Hause sein. Der Freizeitspass und weitere kulturelle Angebote hielten sich in engen Grenzen. Freiräume für pubertierende Jugendliche gab es überhaupt keine, nur ein oder zwei Freizeitzentren, die hautpsächlich auf Sport fokussiert waren.

Drei kurze Sätze waren in meiner Jugend prägend: „Das kannst du nicht!“ „Das darfst du nicht!“ Und: „Das geht nicht!“. Dies war für uns Motivation pur für eine Revolution nach dem Motto: „Na klar geht das!“ Warst du einen Zacken neben der Spur, das heisst abseits der biederen bürgerlichen Norm von Moral und Ordnung, wurdest du eines Aussätzigen gleich behandelt. Radio und TV waren damals tote Hose. In der Schweiz und in ganz Europa mutete es einen in den 70er grau Jahren und trist in jeder Hinsicht an, die Bevölkerung verharrte in ihrem bieder-konservativen Korsett. Ein Nachtleben, Internet oder Streaming gab es nicht. Gute Musik oder Filme waren rar bis Videotheken aufkamen und der «Walkmen» die Musikwelt veränderte. Aber Handy, Labtop, PC, Social Media und Co. existierten noch nicht. Kein Wunder, dass es in der jugendlichen Szene schon länger brodelte und plötzlich entlud sich das Pulverfass, das die Gesellschaft nicht nur in der Schweiz sondern in ganz Europa erschüttern sollte. Nach den 68ern kam die nächste anarchistische Jugendrevolte.

Diese Tristesse war eine Folge der Ölkrise, des «Kalten Krieges», der Mauer und der Bedrohung durch die kommunisten Regime, des Vietnamkrieges, der immer brutaler und grotesker wurde. Erst die flächendeckenden Napalm-Bombardements auf die vietnamesische Zivilbevölkerung mit den grauenhaften Bilder von brennenden Menschen und Kindern, dann die «Agent Orange» Entlaubungsaktionen und all den verstümmelten Toten sowie der unmenschlichen Gefangenenlager. („Das war einfach nur grauenhaft und sinnlos“). Da schrien Herz, Seele und Verstand nach Gerechtigkeit, wenn nicht gar nach Vergeltung! Unerklärlich an diesem Vernichtungskrieg war, dass er jahrzehntelang nicht vom US-Kongress abgesegnet, sondern allein von der «CIA» finanziert wurde und die hat die Kriegskosten dadurch bezahlt, indem US-Truppen im Goldenen Dreieck das Opium tonnenweise in die leeren Bombenflugzeuge verfrachteten und dann nach Mexico brachten, wo das Opium zu Heroin verarbeitet wurde. So hat sich Amerika die Heroinflut vor die eigene Haustüre geschafft und den Mexikanern ihre Drogenlabore und -kartelle beschert.

Bei dieser kafkaesken Operation ist der «CIA» definitv das «I» also die «Intelligence» abhanden gekommen oder man könnte es auch anders sagen und die «CIA» als «Criminal Intelligence Agency» bezeichnen. Nebst dem «Kalten Krieg» kam noch die atomare Bedrohung im «Kalten Krieg» hinzu und nicht zuletzt auch die Gefahr vor den Atommeilern selbst. Auch die Schweiz wollte damals eine Atommacht werden und im Zuge dieser irrwitzigen Absicht, ist es in der Schweiz im Januar 1969 zu einem Reaktorunfall in Lucens im Kanton Waadt gekommen. Dann kam es zu dem Reaktorunfall in Tschernobyl, der bis heute das Gemüse im Tessin und anderswo in Europa belastet. Später haben dann die Gebrüder Tinner wieder einmalskandalträchtig bewiesen, dass man das Schweizer „Atom Know How“ auch exportieren kann, zum Beispiel nach Pakistan.

Schon Peter Regli, ein Schweizer Geheimdienst-Offizier, arbeitete mit dem Apartheidregime beim ABC-Waffenprogramm zusammen. Die opportunistische Schweiz hat also nicht nur ihre politische Kurzsichtigkeit exportiert, sondern auch Südafrika und Pakistan mit Atom-Know-how und Uran versorgt. Doch zurück nach Zürich zur hiesigen explosiven Lage im Vorfeld der Abstimmung für den „Opernhauskredit“. Am jährlich stattfindenden «Allmendfest» über Pfingsten mit den ersten Open Air Konzerten, wurden Flyer für eine Demo verteilt und Jugendzentren gefordert. An jenem warmen und wunderschönen Pfingst-Wochenende wurde mir die Bedeutung der Hippie-Bewegung vor Augen geführt, so nach dem Motto: «Peace, Love, Happiness & Freedom». Natürlich kifften fast alle auf dem Gelände, einige hatten auch einen LSD-Trip intus und die Stimmung war absolut grandios. Die Musik war rockig, punkig und auf Rebellion getrimmt, denn schliesslich brodelte es schon seit den 68ern in der Subkultur unter den Jugendlichen und so kam dieser Power-Sound gerade zur richtigen Zeit.

Zufällig fuhr ich am Samstag-Nachmittag dem 30. Mai 1980 mit dem Tram beim Zürcher Opernhaus vorbei, exakt in dem Moment, als Hundertschaften von Polizisten aus dem von Demonstranten blockierten Opernhaus-Eingang herausquollen und auf die am Boden liegenden Personen (die sogenannten «Kulturleichen») einschlugen. Sie malträtierten Frauen und Männer gleichermassen ein. Diese nackte Staatsgewalt und brutalen Szenen verschlugen mir und anderen Passanten den Atem und liessen die Wut in unseren Bäuchen explodieren. Sogleich stieg ich aus dem Tram, da brannten schon die ersten Container und die Scharmützel mit der Polizei begannen. Als die Polizisten sogleich mit aller Härte vorgingen und mit Tränengas und Gummigeschossen um sich schossen, als auch Wasserwerfer einsetzten, eskalierte die Situation innert wenigen Stunden, da sich an diesem frühen Samstagabend viele Jugendliche infolge des Bob Marley Konzert im Hallenstadion auf dem Heimweg befanden und dann in die Innenstadt strömten. Viele nahmen spontan an den Protesten teil, die sich schon nach kurzer Zeit zu veritablen Strassenschlachten ausgeweiteten. Von da an hatte die Polizei für drei, vier Tage nichts mehr unter Kontrolle und die Strassenkämpfe entluden sich mit voller Wucht.

Der Kantonspolizeiposten am Limmatquai wurde umzingelt, zwei der Polizeifahrzeuge brannten völlig aus und auch der Eingang zum Rathaus sah dementsprechend übel aus. Die Luft im Niederdorf war geschwängert mit beissenden Tränengasrauchschwaden, dichter, als London im November-Nebel. Das Ausmass der Zerstörung war unfassbar, ebenso die Ohnmacht der Sicherheitskräfte, als sich der jahrelang aufgestaute Frust der Jugendlichen und Alt-68iger in blanke Wut verwandelte, mit dem die Demonstranten den Opernhausbesucher die einseitige Subventionspolitik aufzeigen wollten. Der ersten Krawallnacht folgten einige weitere Strassen-Schlachten im Lauf dieses Jahres, in der sich die «Bewegig» der Autonomen jeweils Mittwoch’s in den Volksversammlungen (VV’s) im Volkshaus oder vereinzelt auch auf dem Platzspitz formierten. Fast jeden Samstag waren Demonstrationen angesagt, regelmässig verbarrikadierten die Geschäfte im Niederdorf um 14.00 Uhr ihre Schaufenster mit Brettern, weil die Proteste weiterhin an Fahrt aufnahmen und sich bis hin zu Grossdemonstrationen mit fast 20‘000 Personen formierten. Die Forderung der Jungend war schlicht und einfach: „Wir wollen ein autonomes Jugendzentrum“, ein «AJZ» muss her! Und zwar „subito!“

Dann am 15. Juli 1980 spielte sich in der Sendung «CH-Magazin» einer der grössten Skandale in der Geschichte des Schweizer Fernsehens ab und wurde zum Gesprächsthema Nr. 1 des Landes. Die Zürcher Jugendunruhen, die mit solcher Heftigkeit über das biedere Land hereingebrochen waren, schlugen Wogen bis zum Hudson River und wurden auch von der «New York Times» aufgegriffen. Die beiden vom Fernsehen eingeladenen Vertreter/innen der Jugendbewegung, Herr und Frau Müller, liessen den beiden Stadtvertreter/innen, im Gespräch mit Stadträtin Emillie Lieberherr und dem Polizeikommandanten mit ihrer Polit-Persiflage die Hosen runter. Die Protagonisten der Jugendbewegung, „Herr und Frau Müller“, kehrten den Spiess um und präsentierten sich als stock-konservatives Paar, dass die Politik geradezu unverschämt dazu aufforderte, mit aller Härte gegen die «Krawallanten» vorzugehen, denn zur Option stünden viel grössere und härtere Geschosse (z.B. aus Nord-Irland). „Auch der Einsatz von Napalm müsse diskutiert werden“. Ansonsten wäre es auch mit einem «Ticket nach Moskau einfach“, also ohne Rückfahrkarte getan. Verblüfft und konsterniert, traute ich erst meinen Ohren nicht, verstand dann aber rasch die Pointe des kafkaesken Auftritts, der schweizweit für Entrüstung und Schlagzeilen sorgte.

Die überschäumende Kreativität der «Bewegig» und ihrer Aktivisten und Aktivistinnen sollte in einem weiteren Medien-Coup gipfeln. Als der Tagesschausprecher Leon Huber am 3. Mai 1981 die Nachrichten verlass, hielten ihm plötzlich zwei maskierte Männer das Schild «Freedom für Giorgio Bellini» (ein anarchistischer Tessiner Buchhändler, der mit einer Gruppe militanter Autonomer Sprengstoffanschläge auf AKWs verübte und einen Strommasten in die Luft sprengte, weil sie Atomkraftwerk-Gegner waren) vor die Brust und in die Kamera und verschwanden unerkannt. „Wir haben uns köstlich amüsiert über diese unverfrorene und medial spektakuläre Aktion“. Weitere Details gefällig, wie die spektakuläre TV-Aktion ablief? Insgesamt fünf als PolizistInnen verkleidete Personen (zwei Frauen und drei Männer), betraten das Fernsehstudio unter dem Vorwand einer Drogenrazzia, was damals offenbar beim Schweizer Fernsehen kein Stirnrunzeln oder einen Verdacht hervor rief. So drangen zwei Personen in den Regieraum ein und sorgten dort für Ablenkung und ein wenig Chaos. Zeitgleich betraten zwei weitere Personen in die Sprecherkabine und hielten dem Nachrichtensprecher das Schild frech vor die Nase in die Kamera der Hauptausgabe.

Doch es kommt noch besser: Als die beiden Chaoten aus dem Regieraum angehalten und der Polizei übergeben werden sollten, holten die KollegInnen von der Sprecherkabine die beiden ab und sagten, sie nähmen sie gleich mit und so kamen alle fünf unerkannt davon. Zurück zum Tessiner Giorgio Bellini, dem Anarchisten der in Zürich einen revolutionären Buchladen an der Engelstrasse betrieb. Als das Schweizer Stimmvolk am 18. Februar 1979 die «Atomschutzinitative» mit einem knappen Anteil von 51,2 Prozent ablehnte machte sich eine kleine Gruppe von militanten AKW-Gegnern auf den Weg ins Fricktal. Die Gruppe «Do it yourself» hatte acht Kilo Sprengstoff im VW-Bus und sprengte damit den Informations-Pavillion beim geplanten KKW Kaiseraugst in die Luft. Personen kamen dabei keine zu Schaden – darauf legte die Gruppe grössten Wert, doch über den materiellen Schaden hinaus, entzündeten die AktivistInnen eine harsche politische Debatte, denn Sprengstoffanschläge hatten in der Schweiz bis anhin zum Glück Seltenheitswert. Nach diesem Sprengstoffanschlag in Kaiseraugst folgten weitere Anschläge auf die AKW‘s Leibstadt und Gösgen. Auf die Frage, wie die Gruppe an den Sprengstoff heran gekommen sei, sagte Bellini, dass dieser in der Landwirtschaft und auf dem Bau verfügbar war und zu seiner Zeit sowas wie „das Spielzeug für die, dem Kindesalter entwachsenen war“. In der Tat kann ich das bestätigen und hinzu fügen, dass wir schon als Kinder auch mit Armee-Pistolen und anderen gefährlichen Waffen oder explosiven Material gespielt haben und bereits als 14 jährige auf grösseren Motorrädern ohne Helm mit riskanten Jumps die gut zehn Meter hohe Steilwand in der Kiesgrube hochbretternd unsere Stunts und Akrobatenküste übten. Das was damals alles nichts Aussergewöhnliches und natürlich auch mit gewissen Risiken verbunden. Doch welch eine grossartige Freiheit unter vielen weiteren. „Kein Vergleich zur heutigen Schisskultur und Risikoarmut!“

Doch zurück zur Gruppe «Do it yourself». Die AktivistInnen gingen sehr professionell vor und lernten vom „Klassenfeind“ und seinen Institutionen. So wurde das berühmte Guerilia-Handbuch eines Schweizer Geheimdienst-Offiziers «Der totale Widerstand – Kriegsanleitung für jedermann» zur Hilfe genommen und bei der Spurentilgung half die Fachzeitschrift «Kriminalistik» den militanten AKW-Gegnern weiter. Zur selben Zeit gab es auch noch den zum Bündner «Öko-Terroristen» abgestempelten Marco Camenisch, der 1979 ebenfalls zwei Sprengstoffanschläge auf Strommasten verübte und zu zehn Jahren Zuchthaus verbannt wurde. Die beiden waren aber nicht die einzigen radikalen AKW-Gegner. Einer ging noch weiter, Chaim Nissim, der später für die Grünen im Genfer Kantonsparlament sass, griff 1982 mit einem Raketenwerfer sowjetischer Bauart, Typ RPG-7 den Reaktor Creys-Malville im französischen Rhônetal an, ohne ihn allerdings in die Luft jagen zu wollen.

Dann kam der Aushebungstermin für die Rekrutenschule beim Militär, auf die ich gar nicht erpicht war, denn im Zuge des Vietnamkriegs und des Eisernen Vorhangs, der Europa teilte, war mir nicht danach zu Mute, Teil einer Kriegsmaschine zu werden. Ganz im Gegenteil: Ich war pazifistisch eingestellt und habe auch für die Armee-Abschaffungsinitiative gestimmt, womit ich also ein veritabler Staatsfeind in den Augen von Politik und Militär war. Nichts desto trotz, setzte ich alles daran, nicht eingezogen zu werden. Und der Zufall half mir dabei, denn kurz vor dem Aushebungstermin fand das Allmendfest statt, einer der ersten Hippie-Events in Zürich. An besagtem sehr heissen Pfingswochenende, lief ich mit nacktem Oberkörper auf dem Festivalgelände rum und traf einen alten Schulkollegen, der mit Siebdruck grosse Cannabisblätter auf die T-Shirts druckte. Da ich keines anhatte, druckte er das Hanfblatt direkt auf meinen Rücken und da ich schnell bräunte, war drei Tage später beim Abwaschen der Farbe, erstrahlte das grosse Cannabisblatt viel heller, auf der gebräunten Rückenhautoberfläche, was dazu führte, dass ich bei der Musterung in der Reihe stehend auffiehl und sich schallendes Gelächter verbreitete, als die angehenden Rekruten und die Aushebungsoffiziere das sahen worauf ich sofort zum Aushebungsoffizier überstellt wurde. Als der dann im Fragebogen auch noch las, dass ich Marihuanna täglich konsumiere und auch noch ein paar andere Substanzen aufführte, wurde ich zwei Jahre zurückgestellt und beim zweiten Aushebungstermin dann in Folge unveränderter Situation vom Militärdienst befreit und dem Zivilschutz zugeteilt. Das war einer meiner glücklichsten und befreiendsten Momente, auch wenn damit eine Pilotenkarriere ausgeschlossen war, doch eine pazifistische Haltung war mir weitaus wichtiger.

Legal? Illegal? „Scheissegal!“, das war das Motto der rebellischen Jugend

Als nach monatelangen Protesten endlich das «AJZ» (Autonomes Jugendzentrum Zürich) auf dem heutigen Car-Parkplatz in einer alten Fabrikanlage aufging, entlud sich zu unserer Freude das ganze Kreativpotential, das so lange im Verborgenen schlummerte. Das war ein radikaler Schub für uns gebeutelte «StadtindianerInnen». Autonome sprossen aus allen WG-Löchern hervor und die Hippies lebten ihren Kult und ihre Musik nun hemmungslos in aller Öffentlichkeit aus. Zumindest im «AJZ» – einem in der Tat rechtsfreien Raum aber mit massiver Polizeiüberwachung durch Spitzel. Das Zürcher Polizeicorps wurde daraufhin «subito» um über 30 Personen aufgestockt nur zur Überwachung der „Bewegung“ und überdies ein weitaus grösseres Heer von Spitzeln in der ganzen Stadt rekrutiert, um die Hippie-Szene und alle anderen subversiven Elemente zu überwachen. Und deren waren viele. Zugegeben: Nach all den Repressionen und drakonischen Strafen wurden die Sprüche der Jugendlichen radikaler. „Macht aus dem Staat, Gurkensalat», war nur eine der unmissverständlichen Parolen, die überall an den Wänden prangten und bei den Demos lauthals skandiert wurden. Das war damals für Papa Staat schon «Landesverrat» und so wurden wir Sympatisanten auf die Stufe von Terrorristen gestellt und wahlweise als Kommunisten, Maoisten oder Palästina-Freunde abgestempelt.

Der Staat ging mit aller Härte auf die Aktivistinnen und Aktivisten los. Es gab im Bildungssystem, in der Verwaltung und in Teilen der Wirtschaft geheime Absprachen über Arbeits- und Ausbildungsverbote von „Linken“ bei Tätigkeiten wie Lehrer und Pädagogen, Piloten, Ingenieure oder kommunale Tätigkeiten. Auch den Militärdienstverweigerern wurden viele Berufsbildungstüren verschlossen und deren Tätigkeiten verwehrt. So kam es auch zu vielen subtilen Verstössen und weniger subtilen Gewaltexzessen seitens der Polizei und Staatsorgane. Ich erinnere mich an einen Vorfall, bei dem ich mit dem Moped und zwei Mädels vorne und hinten drauf vom Niederdorf zum AJZ rüber fahren wollte, dabei am Polizeiposten Urania vorbei kamen, worauf uns beim Landesmuseum ein Polizeifahrzeug den Weg abschnitt, indem der Fahrer das Auto unmittelbar vor uns quer stellte (halb auf der Strasse und halbwegs schräg auf dem Trottoir) zum Stehen kam, worauf drei Türen aufgerissen wurden und drei heldenhafte, flinke Polizisten heraus sprangen, gerade noch bevor ich mit dem Moped in die hintere, offene Tür rein fuhr. Was für eine hinreissend filmreife Aktion, um drei Jugendliche auf einem lahmen Töffli, die nun wirklich keinen Fluchtweg hatten und wie eine hoch kriminelle, schwer bewaffnete Bande überwältigt wurden. Die Schwerverbrecher-Jagd endete mit einer Busse und mein Vater musste mich vom Polizeiposten abholen. Nicht bei allen Einsätzen verlief es so glimpflich.

Während den Unruhen verlor einer meiner Freunde durch ein Gummigeschoss ein Auge und meine Freundin Lena schleiften sie an den Haaren herum bis ihr Gesicht arg zerschrammt war. Ich wurde ein zweites Mal, zusammen mit 300 anderen Personen während einer Demo an der Nüschelergasse verhaftet und während der 24 stündigen Untersuchungshaft illegal erkennungsdienstlich behandelt, danach freigelassen und später mit Fr. 80.- für die Haft entschädigt. Weitere spektakuläre Guerilla-Aktionen, zeigten uns, dass die Demut und der Respekt vor der Obrigkeit am erodieren war. «Underground»-Bar’s und illegale Clubs schossen wie Pilze aus dem verdorrten Zürcher Boden. Gekifft wurde überall auch im Freien und in den Parks kreisten die Joints, so dass die Polizei gar nicht mehr nach kam, überall einzuschreiten. Die Marihuana- Euphorie» und der Duft der Freiheit waren einfach zu gross und der süssliche Gras-Geruch überströmte den Abgas und Dieselgeruch bei weitem. „Nie war die Freiheit lebendiger, grossartiger, vielfältiger und anarchistischer, als in den 80er Jahren“, einer Zeit, die ich als „Freiheits-Zenit des 20. und des 21. Jahrtausends“ bezeichne.

Am Zürichsee-Ufer wurde weit verbreitet oben ohne gebadet und die Frauen genossen die Freiheit und die Freuden und die neue Unabhängigkeit, die Ihnen die Pille und damit die Möglichkeit zur autonomen Schwangerschaftsverhütung verschaffte voll auszuleben, was sich auch in ungehemmter Sexualität und Polygamie oder in Form der ersten Schwulen- und Trans-Parties ausdrückte. Es war damals unter uns kein Verbrechen und weder für Frauen noch für Männer verpönt, mit Dutzenden von Partner Sex zu haben und im Verlauf eines Jahres verschiedene Partnerschaftsmodelle auszuprobieren. «Sex, Drugs & Rock & Roll» oder lieber «Amore et Anarchia»? Nun, warum die Qual der Wahl? Am besten alles zusammen! Jede Art von Einschränkung wurde abgelehnt, Hedonismus pur war das Ziel und die Zeit der Paradiesvögel war angebrochen. Wir wollten uneingeschränkt auf allen Ebenen experimentieren und die freie Liebe ausprobieren, derweil unverheiratete Paare damals gesetzlich noch nicht einmal zusammen leben durften.

So prüde war Zürich und die ganze Schweiz damals. Umso erstaunlicher ist es, dass die Mädels nur so dahin schmolzen wie Eiscreme oder selbst das Zepter übernahmen, heftig flirteten und auf einen One Night Stand aus waren. Jedenfalls wurde man damals als junger Mann hin und wieder hemmungslos von Frauen angemacht, die nur ein Ziel hatten, die Lust und das Bett zu teilen und alle möglichen Sachen auszuprobieren. Eine ebenso aphrodisierende wie inspirierende Zeit, die bis heute ihres gleichen sucht! Die Frauen waren für uns Lichtgestalten, viele von ihnen sehr feministisch selbstbewusst und experimentierfreudig. „Emanzipation, ja klar, sagten wir uns und führten endlich auf politischem Weg das Frauenstimmrecht ein. One (wo)man, one vote“, das galt bei der Jugendbewegung für Männer und Frauen gleichermassen. Es gab sehr viele Aktivistinnen, die sich entweder Gehör verschafften oder einfach taten, was sie wollten und wie sie es wollten und es störte sich aus unseren Kreisen niemand daran. Wir, also auch die Männer, schminkten uns gegenseitig und liefen öfters mit schwarz geschminkten Lippen, farbenfroh bemalten Gesichter und flatternden Haaren durch die Strassen zur «Roten Fabrik“, ins «Drahtschmidli» oder ins «AJZ» und haben so auch vor 50 Jahren das Frauenstimmrecht unterstützt und schliesslich durchgesetzt.

In meiner frühen Jugend war ich begeistert von Pippi Langstrumpf, vom Buch und der TV-Serie. Das freche Mädel war revolutionär und mein anarchistisches, feministisches Vorbild für die „Befreiung von Kinder, Küche und Kirche“ damit vorgespurt. Die autonomeste und frechste Rotzgöre und der erste weibliche Punk, der mir begegnete, hat wohl auch mein Frauenbild geprägt. Sinnlich, frech, unkonventionell, unabhängig und voll geil drauf! Handkehrum waren Tom Sawyer und Huckley Berry Finn meine abenteuerlich, brüderlichen Vorbilder. Ich liebte ihre Lagerfeuer-Romantik und Streiche. Sie waren unsere Vorbilder und die Schreckgespenster unserer Eltern. Doch auch wir betrieben viel Unfug und loteten die Grenzen mächtig aus. Kitas gab es nicht, mein Spielplatz war der grosse Zollikerberg-Wald mit all seinen tierischen Bewohnern und Geheimnissen. So verschwand ich den ganzen Tag im Gestrüpp des Zolliker Waldes, verweilte bei den Kaulquappen und Feuersalamandern an den Teichen, kletterte bis in die Baumspitzen und baute Baumhütten und Staudämme wie die Biber und kam nur zum Mittagessen und dann erst Abends wieder zurück. Eine Aufsicht gab es nicht, dafür jede Menge Abenteuer bis eben hin zu Schusswaffengebrauch, frisierten Floretts und Motocross-Töffs mit denen wir die Steilwände der Kiesgruben hochfuhren, lange bevor wie einen Führerausweis hatten und anderen wilden Spielereien. Wir konnten uns irre austoben, etwas was den Jugendlichen heute für die persönliche Entwicklung fehlt, da sie oft nur noch virtuell am Geschehen teilnehmen und schon da reizüberflutet durchdrehen. Ein weiteres Problem ist auch das eher abstrakte, virtuelle Anbandeln und der digitale Austausch mit dem anderen Geschlecht sowie das heutige Sexual- und Rudelverhalten an sich, dass einerseits wieder ultra konservativ, andererseits extrem egozentrisch geworden ist. Da kann kein Spass mehr aufkommen, wenn man sich auf ein Rudel Jungs oder eine Mädchen-Traube einlassen muss, um in die Nähe des oder der Auserwählte/n zu kommen.

Zurück in die experimentell sehr bewegten 80er Jahre. Die ungehemmte Lust an der Befreiung von allen sexuellen Zwängen hielt bis zu den ersten HIV-Infektionen ab Mitte der 80er Jahre an und erschütterte dann vorerst einmal nur die Schwulenszene. «AIDS» war zu «AJZ»-Zeiten noch kein Thema und so entwickelten sich auch in der Horizontalen viele neue Experimente und Lebensentwürfe. Die ersten Teenager kamen gerade von Indien, von Baghwan aus Poona oder von Goa zurück und waren entweder spirituell total «high» oder ständig «stoned». Der Afghanistan Krieg dagegen spülte unendlich viel Afghan-Haschisch und Heroin, der Bürgerkrieg im Libanon den «roten Libanesen» in unsere verrauchten WG-Stuben und veränderte das Leben, das Stadtbild und auch die politische Weltanschauung. «Thai-Sticks» und «Acapulco Gold» aus Mexico oder «Durban Poison» aus Südafrika machten die Runde und «Zenzemillia» wurde zum geflügelten Wort in der Kifferszene.

Es war die Zeit der Rebellion, der freien Entfaltung, der Politisierung, der Sex- und Drogenorgien und Strassenschlachten, musikalisch untermalt von den «Rolling Stones», «Doors» oder «Deep Purple», die ebenso zu unseren Musikgöttern zählten wie Bob Dylan, Janis Joplin und Jil Scott Heron. Nichts war mehr wie früher und es gab auch kein zurück! Als Mitte der 1970er die «Punks» erst in New York und dann die Punkszene in London aufkam, schwappten die Ausläufer auch auf die Schweiz über. Die Sex Pistols und Talking Heads, Ramones oder under sex zählten zu den heissesten Bands, der damaligen Zeit. Bald entwickelten sich in lokale Szenen, allen voran in Zürich. 1977 gab es in Zürich einen harten Kern von etwa 50 Jugendlichen, welche die Schweizer Punk– und New Wave-Bewegung massgebend beeinflusste. Ihre ersten Treffpunkte waren der Punk-Kleiderladen «Booster» und der «Hey Club», die erste Punk-Disco in Zürich oder die Reithalle in Bern sowie bei Hausbesetzungen, bei denen die Punks an vorderster Front standen. Auch in Winterthur gab es eine stark politisierte Punk-Szene, die sich häufig als Gegenbewegung zum rechtsextremen Umfeld, also zu den Skinheads in der Schweiz verstanden. Auch in Basel gab es ein «AJZ», indem die Punks und Autonomen sich trafen.

Mit dem Piratensender «Radio 24» von Roger Schawinski, der erst vom «Piz Gropera» aus Italien sendete, wurde auch die karge Medienlandschaft, bestehend aus «Radio Beromünster» (unsäglich) dem Schweizer Fernsehen (langweilig und einfältig), dem «ORF» (ebenso bieder) und der «ARD» (nicht viel besser), umgepflügt. «MTV» hielt Einzug mit den ersten Kultvideos revolutionierte nicht nur die Musik- und Medienwelt, sondern auch die Jugendszene und Subkultur und mit Radio «DRS3» kam hierzulande noch ein genialer Jugendsender in der Schweiz hinzu. Erst später bekamen dann auch Lokalradios eine Lizenz und bald gab es in jedem Kanton mindestens einen, wenn nicht zwei alternative Radio-Sender.

Die ersten Wohngemeinschaften zu Beginn der 70er Jahre bereicherten die neuen Lebensentwürfe und Formen der Jugendbewegung und schufen so auch viel Solidarität und Engagement mit anderen Untergrundbewegungen, Freiheitskämpfern und unterdrückten Staaten wie Palästina, Nicaragua und das von US-Soldaten besetzte Vietnam. Die Zeit war reif, für grosse gesellschaftspolitische Veränderungen. Zürich wurde zum Hot Spot für die aufblühende Jugendkultur, die gerade in allen Farben und Formen explodierte und die Grundlage für den unglaublichen Liberalisierungsschub hinsichtlich kultureller Freiräume lieferten. „So ausgeflippt und trendy hat man die Städte Zürich, Bern und Basel nie zuvor und nie mehr danach gesehen“! Wir gingen neugierig und mit Respekt auf das andere Geschlecht ein und auf Andersdenkende oder Aussehende zu und das machte die Bewegung so einzigartig.

Es war die Zeit der Anarchisten und Utopisten. Wir debattierten und kritisierten heftig, stritten und solidarisierten uns mit den unterdrückten Völkern. Im Strudel dieses explosiven Befreiungsversuchs und des grenzenlosen Lebens wurden rauschende Parties ohne Ende gefeiert, doch immer mehr harte Drogen, wie Heroin, Kokain und Amphetamine kamen dazu. Als das «AJZ» in einer alten Fabrikanlage beim Carparkplatz am Sihlquai aufging, spülte es allerlei schräge Vögel und Drogendealer mit rein. Bald lieferte sich die italienische Drogenmafia mit der türkischen einen Bandenkrieg, der teilweise auch im «AJZ» ausgetragen wurde. Eine Weile lang, war es richtig gefährlich, sich mit diesen Typen anzulegen und wir mussten einen Wachdienst aufziehen, um die schlimmsten Eskalationen zu verhindern. In den frühen 80er Jahren starben jährlich hunderte Jugendliche an einer Überdosis «Aitsch» (der Slang-Name für Heroin). Die Situation verbesserte sich erst, als Emilie Lieberherr, die Frauenrechtsvorkämpferin und spätere Sozialvorsteherin und Stadträtin die Methadon-Abgabe einführte und die Fixer, Dealer und Drogentoten von den Zürcher Strassen verschwanden und die Süchtigen sich in den Kontakt- und Methadon-Abgabestellen wieder trafen.

Jährlich starben Hunderte von Jugendlichen an Heroin

Ich bin damals mit 17 Jahren aus der Elternwohnung aus- und in eine Wohngemeinschaft (WG) an der Forchstrasse gezogen, in der Rico B. und Tommy M., zwei Literaten wohnten und die Kulturzeitschrift «Babayaga» (russische Hexe) herausgaben, die in der Spinnerei Wettingen von Kaspar P. gedruckt wurde. Andy, ein weiterer Wohngenosse arbeitete im grössten Plattenladen von Zürich und er hatte seine über 1200 LPs (Schallplatten) umfassende Kollektion in unsere WG verfrachtet. Dadurch eröffnete sich ein unfassbares musikalisches Universum für uns und wir schwebten musikalisch im siebten Himmel. Von da an ging die Post ab, denn wir waren alle „subversive“ Elemente in den Augen der Obrigkeit. „Lieber subversiv, als konservativ“, sagten wir uns gelassen und legten los, die Welt zu verändern. Wie gesagt, durften unverheiratete Paare damals noch nicht zusammen leben. Da uns dies offensichtlich „Wurscht“ war, sah die Polizei öfters mal ungebeten in der WG rein. Da sich dort in der zu unterst befindlichen 5-Zimmer Wohnung zumeist Tag und Nacht gut 10-15 Leute aufhielten, waren die Zweier-Patrouillen leicht überfordert und zogen unter Hundegebell und jugendlichen Beifall rasch wieder ab. Umso mehr wurden wir dafür bespitzelt, da hier auch viele «AJZ»-Aktivistinnen und Aktivisten ein und aus gingen. Doch statt «aus dem Staat Gurkensalat“ zu machen, explodierte das Kreativpotential in der Gastronomie, Clubszene, der graphischen Industrie und in der Medienlandschaft. Schliesslich ging es uns ja nicht um die eine Konterrevolution und Abschaffung der Demokratie oder der Etablierung einer Anarchie anstelle von Parlament und Bundesrat, sondern schlicht um mehr Freiheit in der Freizeit, im Beruf, in der Familie, bei der Sexualität, beim Drogenkonsum und dem Nachtleben. So wurden die Bewegten medial sehr kreativ, gaben Strassenzeitungen heraus, druckten Flyer und Poster, hängten sie auch überall auf (Wildplakatierung) und probierten allerlei Neues aus. Zürich entwickelte sich von einem Provinznest zur Weltstadt und die Aufbruchstimmung führte zu einem der bedeutendsten, gesellschaftspolitischen und kulturellen Wandel der letzten 50 Jahre in der Schweiz.

Sobald das «AJZ» beim heutigen Carparkplatz aufging, machten wir uns daran, das alte Fabrikareal und die Gebäude umzubauen und einzurichten. Es wurden allerlei Gremien gebildet: Handwerker-, «Beizen-», «Frauen-», «Drogen-» und die «Kurvengruppe», also für Jugendliche, die von zu Hause ausgebüxt und polizeilich ausgeschrieben waren. Zwei meiner Freunde, die Rimoldi-Brüder, waren in der «Beizengruppe», meine erste und meine um sechs Jahre ältere Freundin Michele Lang in der «Kurvengruppe» und ich bei der „Drogengruppe“. Es war eine rauhe, aber herrliche Zeit einer grandiosen Aufbruchstimmung. Das «AJZ» war in der Tat sehr autonom und wir alle eine grosse bunte Familie von kreativen Individualisten, Alchemisten, Anarchisten und Überlebenskünstlern. Doch einhergehend mit der Heroinschwemme kam es zu vielen sehr Toten, die Jüngsten waren damals gerade 13 Jahre alt. Auch Mandy, meine spätere, damals ein Jahr jüngere, also 17 jährige Freundin starb später an einer Überdosis. Diese unmenschliche Misere dauerte so lange, bis das Methadon-Programm auch infolge von HIV-Infektionen zum Zug kam und Dr. Uchtenhagen zusammen mit der Stadträtin Emilie Lieberherr die Junkies von der Gasse holte, um sie nun endlich menschenwürdig im Methadon-Programm zu betreuen. Das war ein mutiger Schritt in die richtige Richtung und das Methadon-Modell wurde auch international kopiert.

Das AJZ war unsere Heimat! Hier traffen wir uns, hier schliefen wir oft, hier engagierten wir uns sehr kreativ. Einer der Höhepunkte zu dieser Zeit war das spontane Konzert von Jimmy Cliff auf dem Carparkplatz. Er kam eines Morgens ins «AJZ» mit seiner Entourage und war begeistert von der Zürcher Jugend Bewegung und dem autonomen Jugendzentrum Und zwar so sehr, dass er sich zu einem spontanen Konzert hinreissen liess und wir in Windeseile versuchten eine Bühne zu bauen und die Installationen für die Musikanlage und die Lautsprecher vorzunehmen. Radio 24, Roger Schawinskis Piratensender auf dem Piz Gropero in Norditalien erfuhr davon und so sprach sich das Spontankonzert schnell in der ganzen Stadt rum. Ab 16.00 Uhr strömten immer mehr Jugendliche zum AJZ und brachten den Tram und Strassenverkehr am Sihlquai zum Erliegen. Auf dem Platz fanden sich an die 3000 Personen zusammen, die frenetisch und musikalisch als auch mit Marie-Jane voll berauscht mit Jimmy Cliff in Ekstase gerieten. „Unforgetable times, indeed – und prägende Momente für viele meiner Generation.“ Auch Bob Marley seinerseits hat uns im AJZ besucht, er war aber eher reserviert und mit sich selbst beschäftigt.

Während dieser Zeit verbrachte ich auch viel Zeit in der Roten Fabrik, die ebenfalls zu einem der wenigen Hot-Spots in Zürich für Jugend-liche der damaligen Zeit gehörte. Dort lernte ich auch meine dritte Freundin, eine ebenfalls sieben Jahre ältere Frau und Künstlerin namens Betty Weber kennen. Sie war eine Nubierin, also eine schwarze Frau und zudem eine sehr kreative Malerin, Fotografin und Skulpteurin. Ich hatte keine Berührungs-ängste zu reiferen Frauen jeglicher Hautfarbe und lernte zudem offensichtlich auf „alten Pfannen kochen“, wie wir damals eine Beziehung zwischen einem jüngeren Mann und einer älteren Frau salopp nannten.

Nach der Lehre reiste ich erst einmal sechs Monate lange durch die USA. Ich kaufte mir in Danville (Ill.) einen grossen Chevi Station Wagon und fuhr damit quer durchs Land bis nach San Francisco und L.A. und wieder zurück bis nach Chicago – ganz nach dem Motto des Buches von Jack Kerouack, «On the road again». Die Reise verlief ebenso wild und aufregend, wie in diesem fantastischen Buch beschrieben, mit dem Unterschied, dass ich alleine unterwegs war, aber genau deshalb spontaner auf eine unmenge Leute und Frauen traf. Hier zwei kleine Anek-toden: Ausgerechnet in der keuschen Mormonen-Staat Salt Lake City wurde ich, damals ein knackiger junger 19-jähriger Hippie von zwei Frauen auf dem Parkplatz angesprochen, derweil meine Ex-Freundin aus der Schweiz, die mich gerdade für 14 Tage besuchte, im Einkaufszentrum shoppen ging. Die beiden attraktiven Frauen hatten mein Licence Plate entdeckt und wollten wissen, ob ich auch aus Chicago sei. Aus dem Gespräch entwickelte sich eine spontane Einladung, die ich gerne befolgte und so landeten wir in dem Haus der beiden Ladies. Ich hatte eine gute Zeit und spannende Diskussionen mit den beiden, während meine Ex-Freundin, die kaum englisch sprach, sich langweilte. Irgendwann legte sie sich schlafen, worauf die eine Lady mich ungeniert anmachte, ich aber eher auf ihre Freundin scharf war. Später erfuhr ich, dass die Lady, die mit mir flirtete, was das Zeug hielt, meine Ex-Freundin mit einer Schlaftablette abserviert hatte, damit wir uns ein wenig vergnügen konnten. Die kennen nichts, dachte ich mir und so hatte ich letztlich mit beiden zusammen ein amouröses Abenteuer, an dass ich mich noch lange errinnerte. Das war so ein bisschen Woodstock Feeling mit Sex, Drugs and Rock‘n Roll.

In San Franzisco blieb ich über einen Monat bis zum Greatfull Dead Neujahrskonzert. Ich parkierte meinen Chevi Station Car auf dem Parkplatz unter der Golden Gate Bridge und dort gab es eine grosse Community von Leuten, die dort in ihren Wohnmobilen oder Station Cars lebten. Man konnte sich dort locker die ganze Zeit aufhalten, musste aber jede Nacht nach drei Uhr für drei Stunden verschwinden. Dann fuhr ich jeweils nach Berkley rüber und hängte dort mit den Nachtschwärmern rum, um gegen sechs Uhr in der Früh auf den Parkplatz zurückzukehren und mich schlafen zu legen. Auch hier gab es zwei formidable Femme fatal, die fast jeden Abend eine Nummer schoben. So gab es u.a. recht viele freizügige und experimentelle Eskapaden auf der Reise 1981, die quer durch die USA von der Ost- zur Westküste und zurück führte mit über 20‘000 bewältigten Meilen und mindest zehn Reifenwechseln. Fast jede dritte Nacht wurde ich von der Polizei kontrolliert, egal wo ich gerade parkierte. Mit der Zeit liess ich dann im Strahl der Scheinwerfer, die Scheiben runter, streckte schlaftrunken den Schweizer Pass raus und sagte, dass ich Morgen schon wieder weiter ziehen würde. Damit war die Sache erledigt. Beeindruckend war auch der junge Pastor in Denver, der nicht nur kokste sondern seine Nächte auch bei Zockerrunden verbrachte und dann frisch fröhlich und unschuldig wie ein Engel wieder in der Kirche stand und Psalme sang. Soviel zu den Evangelischen Geistlichen, aber eben doch viel besser, als die klammheimlichen pädophilen Priester, die es ja zu Hauf gab und immer noch gibt. Es gäbe noch ganz viel über den USA-Trip im wahrsten Sinne des Wortes zu erzählen, doch kehren wir in die Schweiz der 80er Jahre zurück.

Im Strudel SchweizerPolitskandale

In den 80er Jahren gab es noch hinreichend gute Jobs. Erst arbeitete ich noch im Rechenzentrum der Oerlikon Bührle, danach bei einer internationalen Handelsfirma, später bei der «Brauerei Hürlimann» im Export, danach wieder für kurze Zeit bei einer Handelsfirma, der ich den gesamten Import von Getreidemehl aus Schweden vom Strassenverkehr auf die Bahn verlagerte und so schon in den frühen 80er Jahren ein erstes ökologisches Ziel umsetzte, dass der Firma auch noch viel Geld sparte, da die Bahnlösung erheblich günstiger war. Danach kamen drei Reiseleiter-Einsätze für je drei Monate im Senegal, in Polen und in London. Als ich von den drei Auslandeinsätzen und dem anschliessenden Aufenthalt im Untergrund in Südafrika von dort zurückkehrte, arbeitete ich beim «Media Daten Verlag», der die «Werbewoche» und das «Media Trend Journal» heraus gab und wurde dann Anzeigenleiter der «Neuen Zürcher Zeitung» für die Bereiche Tourismus, Schulen und Institute und war der Verkaufsleiter der «Swiss Review of World Affairs», dem damaligen, hochkarätigen, englisch sprachigen Magazin der «Neuen Zürcher Zeitung» «NZZ». Später produzierte ich die Wälzer, der «Portraits der Schweizer Werbewirtschaft» und «Portraits der Schweizer Kommunikationswirtschaft» beim «Bertschi-Verlag». Durch die Verlagstätigkeit rückte ich dem Journalismus immer näher und beschloss das Handwerk über eine PR-Ausbildung am «SAWI» zu erlernen.

Im Oktober 1989 nahm ich an einem einwöchigen Journalismus-Workshop mit dem „linken“ Journalisten, Schriftsteller und Historiker Niklaus Meienberg teil, der kurze Zeit zuvor den «Villiger-Skandal» im 2. Weltkrieg aufgedeckt hatte. Und uns nun überraschend nach Kreuzlingen zur Asylantenempfangsstelle führte, bei der wir noch am selben Abend unserer Ankunft eine menschenunwürdige Situation vorfanden. Vor der geschlossenen Asylanten-Empfangsstelle hatten gut ein Dutzend frierender Flüchtlinge ein Feuer angezündet, um sich vor der bitteren Oktoberkälte zu schützen und aufzuwärmen, denn sie seien von der Asylanten-Empfangsstelle ausgeschlossen worden, erklärten sie uns. Die Polizei war gerade dabei das Feuer zu löschen, was uns in Rage brachte. Niklaus Meienberg kam so richtig in Fahrt und der wortgewaltige Hühne orchestrierte eine verbale Schandtirade feinster Didaktik. Aber Meienberg wäre nicht Meienberg, wenn den Worten nicht auch Taten folgen würden und so wies er uns an, die Flüchtlinge in die Jugendherberge zu verschieben, die zum Glück gerade noch geöffnet hatte. Der arme Herbergen-Verwalter fiel fast vom Stuhl als er das Dutzend frierender und heruntergekommener Flüchtlinge im Schlepptau der JournalistInnen vor sich sah, so ging das übliche bürokratische Prozedere mit den Papieren los und musste nach den ersten fünf Personen, aufgrund fehlender Identitäts-Papiere, als hoffnungslos, abgebrochen werden, worauf die Flüchtlinge wenigsten mit ein bisschen Druck und Kostenübernahme (durch die Teilnehmenden) diese Nacht in der Wärme verbringen konnten.

Meienberg indes hatte schon am nächsten Morgen die halbe Deutschschweizer Presse auf den Plan gerufen und über die menschenunwürdigen Vorkommnisse und Praktiken (Strafaktion) vor der Flüchtlingsstelle hingewiesen. So sahen wir uns plötzlich im Presse-Trubel mit einer Schar Journalisten konfrontiert und belagerten mit diesen zusammen das Flüchtlingszentrum, bis wir mit dem Leiter der Empfangsstelle eine Aussprache hatten. Dann kamen die Politiker und Stadträte zu Wort, die mauerten. Auch Peter Arbenz, der damalige Flüchtlingsdelegierte des Bundes meldete sich zu Wort und stellte dem Empfangsstellenleiter einen Persilschein aus, derweil die kirchlichen Organisationen mehr Menschenwürde einforderten. Und so war die ganze Woche action. Der Kurs ging am Freitag-Abend zu Ende, jeder konnte über Nacht eine Story über das Geschehen der letzten Woche schreiben und sie Meienberg am Samstag-Morgen zeigen, der dann einen kurzen Kommentar dazu abgab, der allerdings lausig und launisch ausfiehl. Doch hatte ich das Glück, dass mein Beitrag in der damals renommierten «Weltwoche» mit der Essenz eines anderen Schreibwerkstatt-Teilnehmers gemeinsam just zu meinem Geburtstag abgedruckt wurde. Das war der Einstieg und Ansporn, weiter in diese Richtung zu gehen und weil Fotografieren schon länger zu einer Leidenschaft herangewachsen war, wollte ich Journalismus und Reportage-Fotografie miteinander kombinieren. Zoff und Stoff gab es ja genug, wie ihr gleich erfährt.

Im Jahre 1990 war ans Licht gekommen, dass sowohl die Bundesbehörden, als auch die kantonalen Polizeikorps seit Beginn des Jahrhunderts rund 900‘000 «Fichen» über politisch verdächtige Personen angelegt hatten. Laut offiziellen Angaben waren mehr als 700‘000 Personen und Organisationen erfasst, also über ein Zehntel der Bevölkerung wurden als subversiv eingestuft. Der Beobachtungsradius zielte zuerst auf ausländische Anarchisten, Schweizer Sozialisten und Gewerkschafter, Schriftsteller, unwillkommene politische Flüchtlinge und Ausländer, die oft wieder ausgewiesen wurden. Mit dem Aufkommen des Antikommunismus wurden vor allem linksstehende Politiker und Mitglieder von Gewerkschaften überwacht. Offizielles Ziel der «Fichierung» war es, das Land vor aus dem Ausland gesteuerten subversiven Aktivitäten zu schützen. Die Bekämpfung der Subversion war während des Kalten Krieges ein weitverbreitetes Schlagwort. Die Parlamentarische Untersuchungskommission «PUK» brachte zu Tage, wie weit dieser schwammige Begriff aufgefasst wurde.

Wie aus den Unterlagen der «Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr» (UNA) hervorging, empfanden eifrige Staatsschützer „Alternative“, „Grüne“, Friedensbewegte, Drittwelt-Aktivisten, Frauenbewegungen und Fremdarbeiterbetreuer, Anti-AKW-Aktivisten, „Linke“ aller Art per se, als potentiell gefährlich einzustufen seien, denn sie könnten kommunistisch unterwandert, feind- oder fremdgesteuert oder sonst wie manipuliert sein. So bestellte auch ich meine «Fiche» beim Polizei und Justizministerium, die dann doch detaillierter als angenommen ausfiehl, was das Bewegungsprofil und die Kontakte angeht, aber ansonsten sehr belanglos war, bis auf die vielen schwarzen Stellen in dem 14 seitigen Protokoll, das wohl mehr die Spitzel-Identitäten verdecken und schützen sollte, als Staatsgeheimnisse, staatsfeindliche Aktivitäten oder einen «Landesverrat» des Überwachten zu Tage gebracht hätte. Es zeigte den blinden Eifer der Behörden und das traurige Abbild ihrer Spitzel. Die wenigsten von uns waren Marxisten, Leninisten, Maoisten oder Kommunisten oder Staatsfeinde auch wenn das Motto: «Macht aus dem Staat Gurkensalat» skandiert wurden. Da wurde viel Staatspropaganda aufgefahren, um mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen. Aber ein «Ticket nach Moskau einfach», haben wir «Chaoten» trotzdem nie erhalten.

Dann gab es noch einen weiteren Politskandal: Die «P-26» Geheimloge (Projekt 26) war eine geheime Kaderorganisation zur Aufrechterhaltung des Widerstandswillens in der Schweiz im Fall einer Besetzung. Sie wurde 1979/1981 als Nachfolgerin des Spezialdienstes in der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA) eingesetzt und 1990 nach der Bekanntmachung durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) durch Bundesrat Moritz Leuenberger aufgelöst. Für die P-26-Mitglieder war in Friedenszeiten keine Bewaffnung vorgesehen, doch darum scherte sich der illustre Geheimbund nicht. Vorgesehen war, dass sie als Gruppe auf Befehl einer allenfalls im Ausland verbleibenden Exilregierung aktiv würden, um als Nachrichtenquelle zu dienen, ein Kampfauftrag war nicht vorgesehen, denn der war allein der Armee vorbehalten. Dennoch hortete die Untergrund-Organisation Waffen und legte grosse Munitionsdepots an. Ein weiterer Skandal setzte dem ganzen Abhör-, Bespitzelungs- und Geheimdienstzirkus noch die Krone auf. Doch es kommt noch viel dicker. Auch der Schweizer Nachrichtendienst war unterwandert mit „Kalten Kriegern“.

Die Schweiz als Apartheid-Gehilfe der Buren

Peter Regli war so eine Kultfigur der «Kalten Krieger» und als Chef des schweizerischen Nachrichtendienstes 1991 bis 1999 eine illustere, zwielichtige Geheimdienst-Figur. Er organisierte in den frühen 1980er Jahren geheime Pilotenaustausche mit dem Apartheidregime. Laut dem ehemaligen Geheimdienstchef Südafrikas, Chris Thirion, vereinbarten die Geheimdienste der Schweiz und Südafrikas 1986 auch einen Know-how-Austausch über C-Waffen. Am 25. Januar 1988 traf der Leiter des südafrikanischen ABC-Waffen-Programmes, Wouter Basson, der später als «Doktor Tod» in die Geschichte einging, sowie Polizeigeneral Lothar Neethling sich mit Vertretern des «AC-Laboratoriums Spiez» in Bern zusammen. Unter dem «Project Coast» wollte der Militärarzt Basson mit B- und C-Waffen damals mögliche Aufstände der schwarzen Bevölkerung im Keim ersticken. „Eine grauenhafte Vorstellung, dass die Schweiz bei diesem teuflischen Plan im geheimen mitgewirkt hat und an der Vernichtung von zehntausenden von Schwarzen hätte beteiligt gewesen sein können.“ Dies zeigt die damalige Doktrin und das schablonenartige Denken der Geheimdienste. Heute ist das vermutlich nicht viel besser mit politisch hochstilisierten Feindbildern und den Algoryhtmen.

Vor Reglis erzwungenem Rücktritt liess er 1999 sämtliche Akten über die nachrichtendienstliche und militärische Zusammenarbeit mit dem Apartheidregime vernichten. 2003 reichte das (VBS) eine Strafanzeige und leitete eine Administrativuntersuchung gegen ihn im Zusammenhang mit den umstrittenen Kontakten des Geheimdienstes zum südafrikanischen Apartheid-Regime ein. Obwohl auch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) diese Operation als unrechtmässig bezeichnete, wurde Regli 2007 vom Bundesrat vollständig rehabilitiert. Die Aktenvernichtungen sei im Interesse der Schweiz gewesen. Reglis Rehabilitierung war allerdings umstritten, sie wurde von Hilfswerken und der politischen Linken (Sozialdemokraten, Partei der Arbeit, Grüne) mit Empörung quittiert. Doch wie kam Regli überhaupt zu diesen hochrangigen ausländischen Kontakten zur «CIA», zum «Mossad» und zum südafrikanischen Geheimdienst? Quellen aus dem «NDB»-Umfeld führen zu den geheimen Sitzungen des «Club de Berne». Diese informelle Organisation wurde während des Kalten Kriegs 1971 in Bern gegründet. Sie vereinigt die Chefs aller Geheimdienste und der Bundespolizeien aus etwa zehn Ländern wie Deutschland, den USA, Grossbritannien und der Schweiz und ist auch heute noch operativ tätig. Ziel ist der regelmässige Infor-mationsaustausch zwischen westlichen Geheimdiensten und Bundespolizeikorps über aktuelle Bedrohungen. Zu den Gründungsmitgliedern zählte auch die Schweiz. Auch Israel spielte eine entscheidende Rolle und der Austausch mit dem israelischen Inlandgeheimdienst «Schin Bet» und dem Auslandpendant «Mossad» waren intensiv. Initiator des «Berner Clubs» war der italienische Geheimdienstchef Umberto Federico d’Amato.

Ziel war es damals, ein gemeinsames Chiffrier-System aufzubauen, das auch hervorragende Dienste bei der Abhörung fremder Nationen und 2020 zur «Crypto-Affäre» führte.. Mitte der 70er Jahre erhielt der «Club»  eine aktive Rolle beim Vorgehen gegen linke Terrororganisationen wie die «RAF», die Rote Armee Fraktion in Deutschland oder die «Roten Brigaden» in Italien und so wurde ein weiteres, vom ersten getrenntes Meldesystem aufgebaut. Nach den Terroranschlägen vom 11.September hat der «Club» eine verstärkte Bedeutung als Gremium der politischen Konsultation zwischen Geheim- und Staatsschutzdiensten erhalten. Aus der Organisation ist ein breit abgestütztes internationales bekanntes aber immer noch sehr diskretes Gremium geworden. 2001 initiierte der «Club» die «Counter Terrorism Group» (CTG). Diese soll angeblich seit 2016 ein europäisches Geheimdienstzentrum in Den Haag leiten. Seit 2016 laufen Sondierungen mit «Europol», da die «CTG sich mit den polizeilichen Strukturen der EU oder einzelner Mitgliedstaaten vernetzen wollte. 2017 bezeichnete der deutsche Abgeordneter Andrej Hunko den «Berner Club» und dessen informellen Zusammenschluss «CTG» als „kaum kontrollierbar. Er kritisierte auch die zunehmende Vergeheimdienstlichung der Polizeiarbeit. In Österreich wurde der «Berner Club» im Rahmen der «BTV-Affäre» in den Medien genannt. In Deutschland anlässlich der Kontroverse um die Äusserungen von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maassen zu den Ausschreitungen in Chemnitz 2018  bekannt. Seine Rede vor dem «Berner Club» am 18. Oktober 2018 hatte seine Versetzung in den einstweiligen Ruhestand zur Folge.

Aviva Guttmann, eine Historikerin am «King’s College» in London, ist eine der Forscherinnen mit Zugang zu den «Club-de-Berne» Aufzeichnungen der 80er- und 90er-Jahren, die in ausländischen Archiven gelagert sind. Sie sagt, „dass Regli Kraft seines Amts Mitglied gewesen sein muss“ und ist sich sicher ist, „dass Regli stets über einen Wissensschatz verfügte, der weit über seinen Dienstgrad hinausging“. Durch die Teilnahme am «Club de Berne» erhielt Regli Informationen der «CIA» und vom «Mossad». Ein klassischer Modus Operandi für jeden Nachrichtendienstchef. Doch Regli ist dabei zu weit gegangen, «indem er ein zu hohes Risiko einging, die Sicherheit des Landes und die internationalen Verpflichtungen sowie Neutralität der politischen Schweiz zu gefährden. Dass Regli sich mit «CIA und «Mossad austauschen konnte, hat auch mit anderen Personen zu tun, die ihm den Rücken frei hielten und Türen öffnete, wie der Leiter des internen Nachrichtendiensts «DAP». Urs von Daeniken und sein Vorgesetzter, Peter Huber, beide Mitglieder im «Club de Berne». Sie fielen nach der «Fichenaffäre» 1989 in Ungnade und wurden aufgrund des öffentlichen Drucks kaltgestellt. Alt-Bundesrat Adolf Ogi erinnert sich und erzählt, dass der Geheimdienstchef für ihn immer mehr zum „Problem geworden sei, weil „Regli zu eng mit Personen aus dem Apartheid-Regime verbandelt war, die ein chemisch-biologisches Waffenprogramm aufgebaut hatten.“

Carla Del Ponte wollte Regli wegen der damals bekannt gewordenen Südafrika-Affäre sogar verhaften. Doch dazu kam es nicht, erst kam noch die Bellasi-Affäre dazwischen, benannt nach dem ehemaligen Geheimdienstbuchhalter Dino Bellasi, der von Regli mit 8,9 Millionen Franken ausgestattet und beauftragt wurde, ein geheimes Waffenarsenal aufzubauen. Als Bundesrat Ogi im November 1995 die Leitung des Militärdepartements übernahm und in sein Amt einarbeitete, hoffte er, von seinem Vorgänger, dem FDP-Bundesrat Kaspar Villiger Informationen zu erhalten, doch der liess seinen Nachfolger auflaufen. Dieser gab ihm keine Informationen über die Abläufe des «SND» oder über die Amtsführung von Peter Regli. So kam es auch, dass Ogi bis zum 12. Februar 2020 nichts von der Kontrolle des «CIA» und «BND» über «Crypto AG» wusste, wie er selber sagt.

Beruflich hatte ich zu Beginn der 90er Jahre bei meiner Public Relation Ausbildung und bei der PR-Agentur «Leipziger & Partner» in Zumikon mit dem Militär zu tun, obschon ich als Dienstverweigerer und Befürworter der «Armeeabschaffungs-Inititave» und daher kein Armee-Freund oder Kriegswaffen-Fetischist war. Mein Chef, Dr. Emil S., war Oberst im Militär, «AUNS»-Mitglied und ein „kleiner Nazi“ und gehörte so betrachtet nicht zu meinen speziellen Freunden oder Vorbildern. Aber beruflich gesehen, war er ein PR-Ass und bestens vernetzt, wodurch ich trotz meiner Aversion gegen Ernst Cincera, Peter Sager und Christoph Blocher viel von seinem Know-How und Kontakten zum militärischen Kader oder zu gemässigten Zivilorganisationen wie «Helvetas» und dem «Europa Institut» profitierte. Bei der PR-Agentur «Leipziger & Partner» organisierte ich u.a. das «Forum 91» und das «Colloquium Sicherheitspolitik & Medien» mit «NATO»-General Klaus Naumann als Gast, zwei hochpolitische Foren mit hochrangigen Militärs, Politikern, Wissenschaftlern und Medienvertretern.

Da prallten zwei Welten aufeinander: Hier der junge Freak, der Sympathie für die «Armee-Abschaffungs-Initiative» zeigte und sich der Rekrutenschule entzog, dafür aber gerne Zivildienst leistete. Einer der auch mit der Anti-AKW-Bewegung sympathisierte! Auf der anderen Seite das bürgerliche Establishment, die Spitze der Schweizer Armee bis hin zum Gastreferenten, «NATO»-General Klaus Naumann, der nur von drei Kantonspolizisten eskortiert in die Aula hereingeführt wurde. Da ich das Sicherheitsdispositiv im Detail kannte, wäre es für mich einfach gewesen, einen Terrorakt zu verüben, bei dem die Schweizer Armeespitze einen empfindlichen Schlag hätte hinnehmen müssen. Insgeheim malte ich mir aus, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich die hiesige Militärelite mit einem Schlag mit einem der 35mm Flabgeschosse aus meinem früheren Lehrbetrieb «Oerlikon Bührle» oder einem anderen Sprengsatz hätte vernichten können. Da habe ich gemerkt, dass man selbst als Pazifist einige abgründige Szenarien in Erwägung ziehen kann, wenn man in militärischen Kategorien denkt, so wie das in Militär- und Spionagekreisen und bei meinem Chef eben alltäglich und branchenüblich war. 

Die 80er Jahre waren also geprägt von grossen politischen Umwälzungen, die die Jugendbewegung ausgelöst hatte und so eine ganze Generation politisiert hat, denn die innenpolitischen Umwälzungen hatten auch viel mit der internationalen Lage zu tun. Mit den Schematas des Kalten Krieges, dem Vietnam-Krieg, dem Sechs Tage Krieg und Einmarsch Israels in den palästinensischen Gebieten, den Befreiungsbewegungen in Lateinamerika wie den Sandinisten in Nicaragua, den Tupamors oder dem «Sender Luminoso» in Peru sowie der Kampf der «Roten Armee Fraktion» (RAF) in Deutschland und der «Roten Brigaden» in Italien. Dadurch befeuert waren die jungen Aktivisten auch geneigt, die Armee abzuschaffen und die AKWs abzuschalten (mitunter eine Reaktion wegen des Reaktorunfalls von Tschernobyl). Wir schauten also weit über den Tellerrand hinaus und solidarisierten oder engagierten uns mit den Sandinisten in Nicaragua, die sich von Diktator Somoza verabschieden wollten und mit den Palästinänsern. Während den Jugenunruhen trugen wir alle die pälästinänsischen Tücher als Schutz gegen die Tränengaspetarden. Auch die imperialistischen Scharmützel der USA in Kuba, auf Grenada und in Panama brachten uns in Rage. Und so ist es kein Wunder, dass wir in die Welt hinaus zogen, um Neues zu entdecken und altes abzuschaffen.

Natürlich waren mir/uns damals all diese politischen Fakten nicht in dieser Dichte und Detailtreue bekannt, doch die vielen Skandale passten in das «ideologische Feindbild», dass ich auf privater und geschäftlicher Ebene beim Lehrbetrieb Oerlikon Bührle und später bei der PR-Ausbildung erlebte.

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «DAS PENDEL SCHLÄGT ZURÜCK POLITISCHE & ÖKOLOGISCHE METAMORPHOSEN» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

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Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Das Buch des Zürcher Foto-Jouralisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Vorgänge in Krisen-regionen rund um den Globus. Er beleuchtet das Schicksal indigener Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes aDas Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Vorgänge in Krisenregionen rund um den Globus. Er beleuchtet das Schicksal indigener Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund und analysiert scharfsichtig und gut informiert die politischen Transformations-prozesse. Müller prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse in einigen Ländern auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Pointiert, hintergründig, spannend und erhellend. Eine gelungene Mischung aus globalen Polit-Thrillern, gehobener Reiseliteratur, gespickt mit sozialkritischen und abenteuerlichen Geschichten sowie persönlichen Essays – den Highlights und der Essenz seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben. Es erwartet Sie eine Reise durch die epochale Vergangenheit und metamorphorische Phasen vieler exotischer Länder rund um den Globus. Nach der Lektüre dieses Buchs zählen Sie zu den kulturell, ökologisch sowie politisch versierten Globetrotter.

Brasilien/Salvador de Bahia: Im Hexenkessel magischer Sklavenenergie

 ( Online: https://www.allmytraveltips.ch/?p=29227 / https://www.allmytraveltips.ch/?p=24071 )

Bei einer der ersten von insgesamt fünf Reisen nach Brasilien entdeckte ich nach den Iguacu-Fällen, Rio de Janeiro auch Salvador de Bahia, den Landeplatz der Europäer und die erste Hauptstadt Brasiliens. Wer die exotischen Facetten des baianischen Lebens kennen lernen will, der mache sich zumindest in Karnevalszeiten auf heisse anmache, coole Abweisung und köstliche Trostspender gefasst. Taucht man in die mystische Welt des Candoble ein und lässt sich von der überwältigenen Spiritualität überwältigen, verlässt die hiesige Welt und gerät in Trance bis zur Ekstase. Eine Reise nach Salvador de Bahia ist wie ein Aufbruch zu neuen Ufern. Zunächst einmal bewunderswert we beschwingt die Baihanos durch das Leben gehen. Bemerkenswert wie sie Ihre Freude und Trauer ausdrücken. Die mystische Göterwelt und spirituelle Quelle der Bahanos wiederspiegelt sich im Candomble, der Grund zur christlichen Mission gab zumal Bahia der Augangspunkt der westlichen Entdecker und Eroberer war Davon zeugen nicht nur die Bastionen entlang der Küste. Die Wurzeln des Sklaventurms sind in der hiesigen Kultur tief verankert. Gerade die im Verborgenene ausgelebte Candomble-Spiritualität zeugt davon. Wenn Hunderte von Gospelstimmern aus voller Inbrunst ertönen, dann erzittert nicht nur die Erde, sondern vibriert auch die Luft im weiten Umkreis, wie bei einem heranheulenden Orkan. Da hört sich der Pslame quietschende katholische Knabenchor nebenan im Kloster Sao Fransico im barocken Altstadtviertel Pelourinho wirklich eher kläglich an.

Selten entdeckt man so ein verspieltes Volk, dass unglaublich viele tänzerischen und musikalisch begabte Leute hervorgebracht hat. In Salvador de Bahia, der Wiege des Karnevals und des Samba gibt es kein Stillstehen und kein stocksteifes Auftreten. Alles ist im Fluss, alle sind ständig in Bewegung, mehr oder minder grazil. Eine weitere bahianische Spezialität ist der Capoeira, der als Tanz getarnte Kampfsport. Auch hier sind die anmutigen fliessenden Bewegungen erkennbar, die das ganze Leben durchströmen und Impulse auslösen. Doch nicht nur im Gefühle ausdrücken auch der Körperkult steht ganz oben auf der Agenda. Darin unterscheiden sich die Bahianos kaum von den Cariocas. Kaum ein Adonis, der nicht seinen sportlich gestählten Körpger im knappen Slip präsendtiert. Keine Frau, die nicht stolz in ihrem Fio dental (Zahnfaden)-Bikini am Strans rumspaziert und mit ihrer Grazie und Freizügigkeit kokettiert. Kein Wunder hat die Kirche hier her mehr Ordensbrüder entsandt, als sonstwo in der Welt. Allein in Salvador de Bahia wurden 165 Gotteshäuser errichtet.

2003 wurde ich für drei Monate als Resident Manager für ein Schweizer Reiseunternehmen in Fortalezza im Nordosten Brasilien stationiert und hatte dort eine verdammt gute Zeit. Wenig Gäste, also keinen Stress, ein Hotelzimmer direkt an der Beira Mar (das ist wie die Copaca-bana in Rio) und ein gutes Fahrzeug, mit dem ich bis nach Jericoacoara zu den fantastischen Sanddünen oder in den Süden bis nach Moro Branco fahren konnte. Das brasilianische Lebensgefühl, die Musik, die Sprache und die Kulturen haben mich schon auf früheren Reisen sehr angezogen, dadurch habe ich auch ein wenig portugiesisch gelernt. Da ich gut spanisch sprach, viel mir der Einstieg leicht und die brasi-lianischen Dialekte gefallen mir besser, als die harten spanischen Akzente. Auch die Musik vieler lateinamerikanische Klänge verzaubern mich: Vom Tango in Argentinien über den Bossa Nova eines Gilberto Gil in Brasilien oder den Volkstanz Forro, wie in Fortalezza, vom Salsa und Son auf Kuba zum Merengue auf der Dominikanischen Republik, all diese Musikstile und Tanzformen sprechen mich sehr an.

In Fortalezza lebte ich während dieser drei Monate als Station Manager an der Beira Mar, ideal gelegen auch für tägliche Auflüge an den schönen Stadtstrand die Praia do futuro und nachts hin zur Iracema am Ende der Beira Mar, wo sich das touristische Vergnügungsquartier mit allen Nachtclubs befand, was sehr praktisch für die Touristenbetreuung vor Ort war. Nach Ablauf der drei Monate wurde ich in den Sinai verfrachtet, kehrte aber nach dem sechsmonatigen Einsatz in Sharm el Sheikh, wieder arbeitslos nach Fortalezza zurück, weil der Tsunami über Asien heringebrochen war und dadurch alle Reiseunternehmen weniger Station Managers und Reiseleiter brauchten. Bei meiner Rückkehr nach Fortalezza, lebte und wohnte ich erst zwei Monate im Favela Serviluz nahe der Praia do Futuro bei einem Freund, der ein kleines Backstein-Häuschen nahe der Praia do Futuro hatte und fühlte mich da ganz wohl. Bald kannte ich via Heldon und seinen Freund Joaquin viele Leute und die Nachbarn im Favela kannten mich ebenfalls, sodass ich mich dort Tag und nachts frei bewegen konnte.

Es war eine gemütliche Zeit, denn ich hatte im Sinai und schon zuvor in Brasilien gute Devisengeschäfte mit den Touristen gemacht. Das war immer eine erträgliche Neben-Einnahmequelle bei diesem Job. In Polen bin ich so ja fast Zloty-Millionär geworden. Dann besuchte mich eine Freundin aus der Schweiz und wir mieteten uns einen «Highlux», also einen Offroader, um entlang der brasilianischen Küste von Fortalezza im Staat Ceara via die Bundesstaaten Maranhão und Piaui bis nach Manaus hochzufahren und im Inland die Rückreise zu vollziehen. Das sind gut 6000 Kilometer, die wir in 11 Tagen zurücklegen wollten. Die Geländefahrten waren bequemer, als die Fahrt auf der Asphaltstrasse, die mit Löcher, bis zu einem halben Meter tief, völlig übersät war.

Der Asphalt sah aus, wie nach einem flächendeckenden Bombenbangriff! Deshalb fuhr ich oft auf dem Geröllstreifen rechts der Fahrbahn. Da kommt man grundsätzlich schneller voran und wirbelte kräftig Staub auf, was schon von weitem zu sehen ist und der Unfallgefahr vorbeugt. Die Reise verlief über Jericoacoara, mit seiner fantastischen Dünnenlandschaft, die aber im nächsten Bundesstaat Maranhao noch an Schönheit übertroffen wurde von den kristallklaren Seen in den Sanddünen-Landschaften. Eine äusserst faszinierende Gegend! Der tiefblaue Atlantik mit einsamen Traumstränden zur Linken, ein gigan-tischer Sanddünenstreifen entlang der Küste und im Inland der esmeradgrüne Dschungel. Die Nationalparks von Jericoacoara und Lençóis Maranhenses an der Atlantikküste sind einzigartige Biotope.

Also fuhr ich mit viel Speed durch den gut 30 Meter breiten, seichten Flussverlauf auf die Insel zu, geriet dort aber durch die Steigung ins Stocken und hatte dadurch zu wenig Schwung um in den  Strömungskanal mit dem reissenden Durchfluss zu durchqueren. und kam mit der Motorhaube im 45 Grad Winkel zu dreiviertel im Wasser feststeckend abrupt an. Nach einigen Stunden kamen ein paar Fischer herbei. Nur dank eines Bootes im Strömungskanal, das den Wagen ein wenig anhob und einem Auto, das uns von hinten mit dem Drahtseil über die seichte Flussstelle zurück zog, schaften wir es aus dem Fluss herauszukommen.

Wüsten gefallen mir besser, als Urwälder. Man kommt besser voran. Im 4×4 wenigstens. Doch auch hier, wäre ich ohne die Hilfe der einhei-mischen Fischer arg gestrandet, denn auf dieser Reise mussten zahlreiche Flüsse überquert werden. Bis auf ein Mal ging das ganz gut, doch dann kamen wir zu einem Fluss, der auf unserer Seite erst ca. 30 Meter weit seicht war, dann gab es ein kleines Sandinselchen vor der Stelle, wo der Fluss eine enge, reissende Mündung, wie in einem Trichter durchfloss. Das konnte man aus 40 Metern Entfernung gerade noch erkennen und war wohl die gefährlichste Stelle. „Wenn ich nicht mit Vollgas die letzten zehn Meter nach der winzigen Flussinsel würde durchqueren können“, sähe es schlecht aus, dachte ich. Und genau so war es dann auch.

Abenteuer Brasilien: Mit dem Pick-up Car im Fluss steckengeblieben. Fischer helfen das Auto zu bergen
Mit dem Pick-up Car im Fluss steckengeblieben. Fischer helfen das Auto zu bergen.

Ein anderes Mal, als ich gerade alleine in der brütenden Mittagshitze unterwegs war, blieb ich im tiefen Treibsand stecken. Es dauerte vier Stunden, viele Schweisstropfen und unendlich viele Ruckelstösse für ein paar Meter weiter. Der Sand war glühend heiss, ich schaufelte stundenlang wie ein Verrückter und dachte nicht, dass ich es noch schaffen würde. Doch schliesslich klappte es doch noch. Und so ging die Reise weiter zur Ilha de Maranhão, eines der grössten Schwemmgebiete der Welt an den Ausläufern des Amazonas. 800‘000 Büffel bevölkern die Insel, die nur wenigen Hindert Grossgrundbesitzern gehören, welche kaum Arbeiter beschäftigen. Wo die Tiere in der Trocken-zeit passieren, dort entsteht in der Regenzeit ein Flusslauf. So wird das fragile Ökosystem und die dünne Humusschicht schon in wenigen Jahren zerstört. Jahr für Jahr werden riesige Urwald-Flächen erst für die Rinderzucht und dann für eine intensive Landwirtschaft wie die der Sojaplantagen vereinnahmt. In den vergangen 30 Jahrne wurde fast ein Viertel des Amazonas Deltas vernichtet. Dabei ist die Artenvielfalt hier unvergleichlich. Allein im Amazonas gibt es über 2000 verschiedene Fische. Zum Vergleich: In ganz Europa sind es gerade Mal 150 Fischarten. Das gleiche gilt für alle Tierarten und Spezies, die meisten davon sind endemisch.

Weiter verlief die abenteuerliche Reise durch den Bundesstaat Piaui und von dort bis nach Manaus weiter. Dann nochmals gut 3000 Kilometer im Inland zurück nach Fortalezza, wobei wir am Nationalpark Ubajara, rund 300 km westlich von Fortaleza entfernt, die Gruta de Ubajara, Brasiliens grössten Höhlen mit neun Kammern und einer Tiefe von gut einem Kilometer besichtigten.

Amazonas Artensterben durch Raubbau und Cruise von Peru bis Kuba

Brasiliens Urwald wurde schon zu einem Viertel zerstört. Mit gravierenden Folgen. © GMC

Sein Name ist Legende und klingt so exotisch, wie der Mythos, der ihn umrankt: Der Rio Amazonas. Er ist der zweitlängste und wasser-reichste Fluss der Erde, der mit den meisten Nebenflüssen, dem stärksten Wasserabfluss, dem grössten Einzugsgebiet und gewaltigsten Delta. In abertausenden von Mäandern fliesst er majestätisch durch den facettenreichsten und opulentesten Regenwald der Erde, nährt, tränkt und erhält eine unermessliche Vielfalt von Fauna und Flora und ist die Lebensader von Millionen von Menschen. Der spanische Konquistador Francisco de Orellana war sein erster Botschafter, als er der westlichen Welt nach seinem Vorstoss in „die grüne Hölle“ um 1542 vom grössten Flusssystem erzählte; der deutsche Forscher Alexander von Humboldt war sein aufregendster Berichterstatter und Cineasten erinnern sich bestimmt an die fantastischen Impressionen des Films «Fitzcarraldo» mit Klaus Kinsky in der Hauptrolle des verrückten und angefressenen Opernfans.

Der Amazonas wird von den Indios „Maranao“ genannt, der „den nur Gott allein enträtseln kann“ und besteht aus einem bizarren Geflecht von über 1100 Flüssen, davon 20 länger als der Rhein. Doch erst nach dem encuentro dos aguas, dem Zusammenfluss des Rio Negro und Rio Branco bei Manaus, wird der Fluss Rio Amazonas genannt. Mit seinem Einzugsgebiet, dass mehr als sieben Millionen km2 gross ist und seiner täglichen Ablagerung von drei Million Tonnen Sedimenten im Delta, läuft der Amazonas allen anderen Strömen den Rang ab. Ein Fünftel des Süsswassers in den Weltmeeren wird vom König der Flüsse gespiesen. Über 30’000 Pflanzenarten, die auf drei Etagen übereinander gedeihen und mehr als 2000 Fisch- und Vogelarten leben in seinem Einzugsgebiet.

Eine Expedition in den Amazonas-Urwald ist sowohl eine Reise in eine exotische Welt voller überwältigender Flora als auch eine Begeg-nung mit einer artenüppigen Fauna – voll von Riesenschlangen, wie die Anaconda, Ameisenbären, Faultiere, Brüllaffen, Piranhas, scheuen Flussdelfinen, bunten Papageien (Aras) oder prächtigen Tucans als auch flinken Kolibris. Die Liste liesse sich, so scheint es, fast unendlich fortsetzen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Arten nimmt dramatisch zu.

Experten zufolge ist er Regenwald unwiderbringlich zerstört, wenn 40 Prozent seiner Fläche vernichtet wurden. In den letzten 50 Jahren wurde ein Viertel des Regenwaldes abgeholzt und abgebrannt – mit katastrophalen Folgen für das Klima, die Umwelt, die Menschen und die Tiere. Die Ureinwohner in den Regenwäldern hatten über den Zeitraum der letzten 15‘000 Jahre kaum ein Prozent des Regenwaldes vernichtet. Eine einzige Generation reicht nun aus, um das ganze Ökosystem des Planeten Erde aus dem Gleichgewicht und die Menschheit als solche in Gefahr zu bringen.

In Brasilien gibt es heute noch rund eine Million Quadratkilometer Amazonas Regenwald, der nicht geschützt und nicht eingezont ist und auch nicht indigenen Stämmen gehört (wobei die in langwierigen Prozessen erst ihre jahrhunderte alte Legitimität beweisen müssen) und damit das Ziel der Investoren-Raubgier ist. Das Prinzip verläuft folgendermassen. Die Gebiete werden illegal beschlagnahmt und abgebrannt und/oder gerodet und damit ausgebeutet und zerstört. In den Jahren danach wird dann versucht, die Landnahme auf diesem Gebiet durch die lukrative Viehwirtschaft zu legalisieren, was spätenstens seit Präsident Bolsonaro ein Kinderspiel ist. Die Bodenspekulation wird durch internationale Investoren angeheizt. In der Region werden in den nächsten Jahren rund 30 Milliarden US-Dollars in Strassenbau, Elektrizität und die Infrastruktur zur Erschliessung und Ausbeutung des Primärwaldes gesteckt. 92 Staudämme sind im Amazonas Gebiet geplant.

Zu allem Elend plant die Regierung von Jair Bolsonaro eine Eisenbahn fast 1000 Kilometer quer durch den Urwald und viele indigene Schutzgebiete zu bauen. Die Agrarlobby ist entzückt, verspricht das Infrastrukturprojekt des Ferrogrão doch in Zukunft tiefere Transportkosten bis zum Atlantik und damit höhere Gewinne. Das befeuert weitere Rodungen des Urwaldes mit desaströsen Folgen: Eine Studie der Ökonomen Juliano Assunçao, Rafael Araújo und Arthur Bragança hat ergeben, dass dadurch mit zusätzlichen Rodungen auf einer Fläche von 2050 Quadratkilometern, was rund 300000 Fussballfeldern entspricht. Das Abholzen dieses Urwaldes würde nicht nur rund 75 Millionen Tonnen Kohlenstoff produzieren, sondern der zunehmende Verlust der grünen Lunge führt bald zum Kollaps des ganzen Klima- und Bewässerungssystems im gesamten Amazonas Becken.

Wo jetzt Wald ist, droht Viehzucht, Sojaplantagen und dann die Wüste. Je weni-ger zusammenhängenden Regenwald vorhanden ist, umso weniger funktioniert der Kreislauf der im Amazonsbecken aufgesogenen Feuch-tigkeit und dem Abregnen an den Andenhängen, sagt der renommierte Amazonas-Ökologe Lovejoy von der «George Mason University». Er ist auch der Meinung dass der «Tipping Point», der Zeitpunkt an dem der Kollaps droht, bedrohlich nahe ist. Das renommierte Nature Magazin kommt zum Schluss, dass der Regenwald bereits heute so angeschlagen ist, dass er mehr CO2 ausstösst als absorbiert. Das wird sich auf für Fauna und Flora in allen Amazonasregionen katastrophal auswirken. Die nächsten zehn Jahre werden entscheind sein, ob wir das Amazonas-Refugium vernichten und für immer verlieren. Die Aussicht auf eine Abkehr der Abholzung und Ausbeutung sowie ein Umdenken erscheint allerdings minimal. Eine traurige Geschichte.

Einer der bequemsten und zugleich aufregendsten Wege, dieses opulente Naturwunder und ausgeklügelte Ökosystem zu erkunden, ist eine Schiffsreise, wie man sie beispielsweise mit der MS Bremen – dem Expeditionsschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten oder der Hanseatic, einem weiteren Kreuzfahrtschiff der Hamburger Reederei unternehmen kann. Da wird die sonst eher mühselige, schweisstreibende und gefährliche Amazonas-Expedition zum unbeschwerlichen Hochgenuss. Doch infolge (m)eines Terminfehlers, hatte die «MS Bremen» in der peruanischen Amazonas-Metropole Iquitos – einem 400’000 Seelen-Provinznest, dass zwar sehr ärmlich ist, aber unzählige Casinos mit Geldspielautomaten und Spieltischen hat – schon vor Stunden ohne mich abgelegt.

Nun stand ich da und versuchte während drei Tagen ein Boot zu chartern, um dem Luxusdampfer hinterher zu fahren. Es dauerte schliesslich eine ganze Woche lang, bis ich endlich mit kleinen Speed-Booten im brasilianischen Manaus ankam und die «MS-Bremen» nach 1000 km wilder Bootsfahrt durch den Urwald endlich eingeholt hatte. Auf der abenteuerlichen Bootsreise wurde mir ein Rucksack gestohlen und der Grenzübertritt von Peru nach Brasilien war auch nicht ohne. Wir kamen in finsterster Nacht an der Grenze an. Vor Ort gab es keine Hütte zum Schlafen. Auf der anderen Seite in Brasilien schon. Zwei Mitreisende und ich fanden einen alten Mann, der uns in der stockfinsteren Nacht über den Grenzfluss fuhr und am nächsten Morgen wieder in Brasilien abholte und uns nach Peru zurück brachte, da wir einen ordentlichen Grenzübertritt machen mussten, um nicht illegal in Brasilien anzukommen.

Nachdem die Operation ordentlicher Grenzübertritt soweit gelungen war und ich also sechs Tage später als geplant, abgebrannt sowie am Ende meiner Kräfte an Bord der «MS Bremen» war, entspannte ich mich erst einmal auf dem Luxusdampfer und wurde wahrlich köstlich und exotisch verpflegt. Nicht nur kulinarisch sondern auch mit wertvollen Informationen und super Vorträgen über die jeweilige Region, garniert mit fantastischen Büffets und niveauvollem Unterhaltungsangebot.

Die MS Bremen bietet alles, was das Entdeckerherz begehrt: Eine 100-köpfige, perfekt aufeinander abgespielte Crew, die stets darum bemüht ist, den Passagieren jeden Wunsch zu erfüllen und sie mit kleinen Aufmerksamkeiten glücklich zu machen. Auch bietet das Kreuz-fahrtschiff eine große Auswahl an Möglichkeiten zur abwechslungsreichen Gestaltung der Tage an Bord mit verschiedensten individuellen Tätigkeiten. Ausflüge mit den PS-starken Schlauchboten ermöglichen den Zugang zu sonst unzugänglichen Regionen und daher auch eine sehr intensive Wahrnehmung all der geheimnisvollen und wunderschönen exotischen Orte und Begegnungen mit der Fauna, die aus beeindruckender Nähe erlebt werden können. Und dank den sich an Bord befindlichen wissenschaftlichen Referenten erfährt man mehr über die ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge zwischen Nutzung und Ausbeutung.

Zeremonie der indigenen Amazonas Völker in Paritins. © Gerd M. Müller

Kaimane, Rosa Flussdelfine und Wasserbüffel bevölkern den mächtigen Fluss und lassen sich höchst bequem vom Deck des Luxus-Kreuzschiffes aus beobachten. Das Schiff bahnt sich unbeirrt den Weg durch den Dschungel. Vorbei an flinken Affen und gemächlichen Faultieren geht die Fahrt von Peru, durch Kolumbien und Brasilien bis zum Delta am Atalantik. Da der Flusslauf des Amazonas im Oberlauf noch sehr untief ist, kommen eben nur kleinere Flusskreuzfahrt und Expeditionsschiffe zum Einsatz.

So verläuft die Schiffsreise über gut 1700 Kilometer via Pevas bis nach Leticia ins Dreiländereck Brasilien, Peru und Kolumbien und ins Reich der Drogenbarone und Schmuggler hinunter. In der oberen Amazonasregion am Rio Negro und Rio Tabajos werden die Expeditions-gäste komfortabel und sicher mit den Zodiac’s des Mutterschiffs in die umliegenden Wasseradern des grössten Flussgebietes der Welt geführt. Wissenschaftler begleiten die Ausflüge und erklären den Kreuzfahrern die üppige Wildnis sowie die artenreiche Fauna und Flora. Stück um Stück setzt sich ein komplexes Puzzle biologischer, geologischer und meteorologischen Einflüssen zusammen und ergeben ein facettenreiches Bild dieses fantastischen Ökosystems.

Durch die Vorträge renommierter Wissenschaftler, Amazonas-Forscher und Umwelt-schützern erhalten die Gäste an Bord der MS Bremen fundierte Hintergrundinformationen über die Biodiversität des Regenwaldes. In den täglichen „Recap’s“ fassen die Referenten die Eindrücke zusammen und geben weitere Geheimnisse des Urwaldes preis. So vergeht die Zeit an Bord der MS Bremen sehr schnell und nach fünf fantastischen Flussfahrtstagen ist bereits die Oper von Manaus in Sichtweite gerückt.

Das berühmte «Theatro do Amazonas» mit seiner glitzernden Kuppel ist das krönende Kulturerbe des hiesigen Kautschukbooms, der das Urwaldnest Mitte des 19. Jahrhunderts über Nacht in die reichste Stadt Brasiliens und der Welt verwandelte.Der Prachtbau im Urwald ist Zeuge des ungeheuren Reichtums der Gummibarone, die zu jener Zeit den höchsten Verbrauch an Diamanten und Edelsteinen hatten, ihre Hemden zum Stärken nach Lissabon schickten und die Fin-de-Siècle-Markthalle bei Gustave Eiffel in Auftrag gaben.50 Jahre lang dauerte die Goldgräberstimmung der eitlen und mächtigen Gummibarone an, bis ein Engländer die wertvollen Kautschuksamen in einem ausgestopften Krokodil ausser Landes nach England schmuggelte.

In London konnten daraufhin ein Dutzend Samen der hevea brasiliensis kultiviert und bald darauf in Malaysia en gros angepflanzt werden. Schon 1912 hatten die britischen Plantagen in Asien Manaus vom Weltmarkt verdrängt. Zwei Millionen Gummizapfer wurden innert Kürze im Amazonas arbeitslos. Heute baumeln in den Markthallen von Manaus nebst Fleisch- und Fischstücken zwischen Frucht- und Gemüseständen auch allerlei Indianer-Fetische. Auch breitet sich ein würziges Sammelsurium von Pulvern und Salben, Pasten und Wurzeln aus. Eine der Mixturen nennt sich Viagra regional und findet reissenden Absatz. Kondome hingegen sind bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung verpönt. Der Kinderreichtum ist entsprechend hoch.

Gleich nach Manaus kommt es zur Vereinigung der beiden grossen Urwaldströme Rio Negro und Rio Solimoes. Aus der Luft siehtes aus. wie wenn zwei Riesen-Anacondas sich umschlingen. Erst nach der Vereinigung der beiden Flüsse, dem encouentro das aguas, erlaubt der Atlas die offizielle Bezeichnung Rio Amazonas. Die beiden Fluss-Mäander umschlingen sich wie zwei Riesen-Anacondas, bevor sie sich gemeinsam weit über tausend Kilometer durch die grüne Lunge Brasiliens winden. Sie hinterlassen links und rechts der Hauptschlagader zahlreiche Seitenarme, Tümpel und Biotope. In diesen Refugien steigen Wolken von bunten Papageien auf, schiessen die Eisvögel flink übers Wasser und die Brüllaffen turnen um die Wette im Geäst der tennisplatzgrossen Baumkronen.

Denn die Urwaldriesen wie die Parakautschuk-, Woll-, Paranuss- oder Kapokbäume werden 40 bis 60 Meter hoch und beanspruchen das meiste Sonnenlicht für sich und für die Fotosyntese, die der Welt ihren Atem einhauchen. In den darunter liegenden schattigen Etagen gedeihen Palmen, Myrten, Lorbeer, Zedrelen und die begehrten Mahagonibäume. Diese bieten ihrerseits wiederum anderen Pflanzen Lebensraum, insbesondere allen Arten von Epiphyten, die ohne Wurzeln im Boden als Schmarotzer in den Rinden ihrer Artgenossen vegetieren.

Der nächste Halt der «MS Bremen» ist in Paritins. Jeweils Ende Juni verwandelt sich die Stadt auf der Fluss- Insel für drei Tage in einen brodelnden Hexenkessel. Dann beginnt die grösste Amazonas-Party – ein Spektakel, dass dem Karneval ähnelt. Fast haushohe, fantastische Kostüm- kreationen paradieren durch die Strassen: Delphine in Schiffsgrosse, Riesen-Wildschweine, Schlangen, Federvieh und Fabelwesen gibt es zum tänzerischen und musikalischen Spektakel zu bewundern. Dazu drehen und winden sich federnumwölkte Primaballerinas und spärlich bekleidete Flussnympfen im Schein der bunten Lichter.

Auch die Sänger, Musikanten und das Publikum lassen ihre kräftigen, halbnackten Körper ekstatisch zu den Trommelwirbeln und Klängen der Sertaneja-Musik rythmisch zucken. Natürlich fliesst auch der Caipirinha (Zuckerrohrschnaps) in Strömen und Wolken von Marihuana liegen in der Luft. Bis zu 250’000 Besucher aus allen Teilen des Amazonasgebietes strömen auf Einbäumen, Yachten und Amazonasschiffen durch die zahlreichen Flussläufe nach Paritins. Der Höhepunkt findet im Bumbodromo, dem eigens für die Show eingerichteten Amphitheater am Flussufer statt. Bis zu 35’000 Menschen reiben sich dann schwitzend bis zum orgiastischen Delirium aneinander.

Der amazonische Regenwald verbraucht für die Fotosynthese mehr Kohlendioxyd, als irgendein anderes Gebiet auf der Welt. Durch die Bindung von Feuchtigkeit bilden tropische Regenwälder die grösste Süsswasserreserve der Welt. Existieren sie nicht mehr, verstärken sich die Verdunstungseffekte und die Niederschläge gelangen direkt ins offene Meer, was Trockenheit und Dürre zur Folge hat. Durch die Verringerung des Waldbestandes steigt der Kohlendioxydgehalt in der Erdatmosphäre, was wiederum auch den Treibhauseffekt anheizt.

Auch als Sauerstoff-Produzent dürfen die Regenwälder nicht unterschätzt werden. Nach dem Phytoplankton im Meer produzieren sie am meisten Sauerstoff. Anderseits binden Sie durch die Fotosynthese grosse Mengen an CO2. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und Brandrodung verschärft sich das Problem ausserordentlich. Laut Wissenschaftlern sind bereits 17% des Amazonas-Regenwaldes durch Rodung verloren gegangen. Und ein Ende des Raubbaus ist nicht in Sicht. Dabei enthält ein Hektar Wald hier 60 bis 200 verschiedene Baumarten. In unseren Breitengraden sind es nur etwa zehn im Schnitt. Die Zahl der Pflanzenarten wird auf über 30’000 geschätzt, davon über 4000 Baum- und nahezu 1500 Bromelienarten.

Nach diesem vertieften Einblick in der brasilianischen Kulturszene ging die Schiffsreise weiter via Santarem zum brasilianischen Bade-ferienort Alter do Chao am Rio Tapajos, die den Gästen einen wunderschönen Badeausflug auf der Landzunge zwischen den beiden Fluss-armen bietet. Als die MS Bremen bei Sonnenuntergang von hier ablegt, bricht über Nacht auch der letzte Teil der Amazonas-Flussreise an, denn das Delta ist erreicht und das Meer in Sicht. Nun begibt sich das Schiff auf hohe See mit dem Ziel Frz. Guyana, wo Europa in der grünen Hölle des Amazonas ausufert und die exotischsten Europäer leben. Die Überfahrt war ruhig, spiegelglatt das Meer und endlos der Horizont. Zum ersten Mal bin ich in Havanna mit einem Kreuzschiff angekommen und an der Skyline des Malecons vorbeigefahren und das ist schon ein ganz anderer, erhabener Anblick und eine neue Form der Begrüssung auf der Zucker- und Tabakinsel. Viel besser als der Anblick auf die Bucht von der gegenüberliegenden Festung. Jetzt verlassen wir Lateinamerika und brechen nach Asien auf. Mal sehen, was es dort spannendes zu erleben gibt.

Körperkult und Keuschheit

Bei den Fremdenlegionären im Survival Camp

Bevor wir Kuba ansteuerten war ein Zwischenstopp auf Französisch Guyana angesagt. Ich kannte das französische Departement d’outre Mèr schon. Vor Jahren besuchte ich die «ESA»-Raumfahrtstation in Kourou und fuhr sowohl nach Cayenne als auch auf die Teufelsinsel. Damals war ich mit einer kleinen Schweizer Journalisten-Truppe hier und nutzte die Zeit nach Ihrer Abreise um in das Survival Camp «CISAME» zu gehen und dort eine Woche den Überlebenskampf im Urwald üben. Das Camp hatten Ex-Söldner der Legion etrangère, also der Fremdenlegion gegründet. Zuerst um dort selbst das Ueberleben im Urwald zu trainieren, dann um Westlern dieses Existenzialisten-Abenteuer anzudienen.

Dank der Kooperation mit der «AOM», welche die französischen Departements d’outre Mèr, also Französisch Guyana, Guadeloupe, Martinique, die Südsee oder Neu-Kaledonien mit Paris verband, konnte ich fast jährlich einmal nach Kuba fliegen und war auch kurz auf Guadeloupe, drei Wochen in der Südsee und nun auf dem Flug nach Französisch Guyana in den Hinterhof der Grande Nation, „wo der Pfeffer wächst“, wo politische Gefangene auf einer Insel verbannt wurden und die Europäische Weltraumstation (ESA) sich in Kourou niedergelassen hat. Das exotischste aller EU-Mitglieder ist bestenfalls durch den Film „Papillon“, als einstige Strafkolonie bekannt und so ist das Bild von Französisch Guyana auch von diffusen Vorstellungen und schillernden Legenden geprägt. Guyanas Ruf als gemeingefährliches Land, das mit Heerschaaren von giftigen Insekten, fürchterlichen Vogelspinnen, tödlichen Schlangen, meterlangen Aligatoren und Piranhas bevölkert ist, stimmt wohl, aber darüber hinaus, ist das Land, wo Europa ausläuft, verdampft und im grünen Urwald-Dickicht verschwindet, eines der stabilsten in der Region.

«Das gefährlichste Wesen hier ist der Mensch, gefolgt von den Wespen», relativiert Philippe Gilabert, der Gründer von «CISAME» (Centre Initiation Survie et Aventure au Millieu Equatorial), einem idyllischen Camp inmitten der grünen Hölle nach ungefähr 60 Kilometern Pirogenfahrt flussaufwärts am Ufer des Approuague nahe der brasilianischen Grenze gelegen. „Die Menschen“, so erzählt der einstige Fallschirmspringer der «Legion Etrangère» und Terrorismusexperte Gilabert, „ist die schädlichste Kreatur für den fragilen Ökokreislauf des Primärwaldes. Dann kämen die Wespen, die aber nur für den unachtsamen Menschen eine Bedrohung seien, fügte der damals 43-jährige Franzose ironisch hinzu. Er und Manoel, ein Karipuna-Urwald-Indio müssen es wissen, denn sie haben sich darauf spezialisiert, möglichst vielen Zivilisierten den wilden Urwald näher zu bringen (als ihnen lieb ist) und den Härtesten ein 10 Tage Survival Training anzubieten. Also übt sich der Zivilisationsgeschädigte erst einmal in Bogenschiessen, Fallen stellen, Klettern, Kanufahren, Fischen, Feuermachen und Behausungen bauen, bevor er seine eigenen Erfahrungen macht, wie es ist, im Urwald überleben zu müssen.

«Das gefährlichste Wesen hier ist der Mensch, gefolgt von den Wespen», relativiert Philippe Gilabert, der Gründer von «CISAME» (Centre Initiation Survie et Aventure au Millieu Equatorial), einem idyllischen Camp inmitten der grünen Hölle nach ungefähr 60 Kilometern Pirogenfahrt flussaufwärts am Ufer des Approuague nahe der brasilianischen Grenze gelegen. „Die Menschen“, so erzählt der einstige Fallschirmspringer der «Legion Etrangère» und Terrorismusexperte Gilabert, „ist die schädlichste Kreatur für den fragilen Ökokreislauf des Primärwaldes. Dann kämen die Wespen, die aber nur für den unachtsamen Menschen eine Bedrohung seien, fügte der damals 43-jährige Franzose ironisch hinzu. Er und Manoel, ein Karipuna-Urwald-Indio müssen es wissen, denn sie haben sich darauf spezialisiert, möglichst vielen Zivilisierten den wilden Urwald näher zu bringen (als ihnen lieb ist) und den Härtesten ein 10 Tage Survival Training anzubieten. Also übt sich der Zivilisationsgeschädigte erst einmal in Bogenschiessen, Fallen stellen, Klettern, Kanufahren, Fischen, Feuermachen und Behausungen bauen, bevor er seine eigenen Erfahrungen macht, wie es ist, im Urwald überleben zu müssen.

Zum ersten Mal bin ich per Schiff in Havanna angekommen und das ist schon ein ganz anderer Anblick. Viel besser als die der Bucht gegenüberliegenden Burg.

Blick:    Ein Land zum Abheben   

Mittelland Zeitung:  Guayana: Wo Europa im Amazonas ausufert

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie einen Beitrag spenden wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Empfänger/innen.

Botswana: Besuch bei den Bushmänner in der Kalahari

Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Hier sehen wir die San beim Feuer machen. Es sind die Hüter der heiligen Felsen Tsodillo Hills mit den Felsmalerein.

1986 nach dem ersten Aufenthalt in Südafrika mit drei Schweizer Reiseleiter aus London, brach ich zu einer Expedition ins Okavango Delta im Nachbarstaat Botswana auf. Mittlerweile hatten wir unsere Expedition ins Okavango Delta im Nachbarstaat Botswana aufgegleist und waren bereit, mit zwei Landrovern los zu fahren. Als drei weitere KollegInnen aus London eintrafen, ging es los auf eine aussergewöhnlich abenteuerliche Reise. Erst fuhren wir von Johannesburg nördlich zum Grenzfluss, der schon eine echte Herausforderung zu Überquerung darstellte und nur dank zwei Fahrzeugen und Seilwinden zu bewerkstelligen war. Dann ging es durch die Madikgadikdadi Salt Panels nach Maun und von dort über Kasane weiter zur «3rd Bridge», dann zum Savuti Channel im Moremi Game Reserve und schliesslich gelangten wir bei den Victoria-Fällen an. Das hört sich jetzt ganz einfach an, war aber ein höllisch heisser Trip mit vielen Lehrstücken beim Überleben in der afrikanischen Wildnis.

Zum Glück war Johann, ein erfahrener und verlässlicher südafrikanischer Safari-Guide, der uns in die Gefahren und Bush-Erlebnisse einführte. Es war beängstigend in einem kleinen Zelt zu schlafen und ein paar Elefanten vor bzw. über einem stehen zu haben und die Aeste herunter prasselten, als sie über uns in den Kronen frassen. Erst wollten wir nicht im, auf oder unter den Landrovern schlafen und umstellten unser Zelt mit den Camping Stühlen zur dilettantischen Abwehr und als ein Art akustisches Alarmsignal vor dem Gefressen werden. Zum Glück hatte der Guide ein gutes Ohr und den sechsten Spürsinn eingeschaltet und warnte uns eines Nachts mit den Worten. „Die Löwen kommen, kommt schnell her und klettert aufs Dach rauf.“ Also hüpften wir wie die Gazellen mit Riesenschritten zu den Fahrzeugen und sprangen geschmeidig hoch. Dann kam das Löwengebrüll auch schon näher und ein beachtliches Rudel strich um unsere Fahrzeuge rum. Da wäre es im Zelt schon sehr ungemütlich geworden.

Es gibt nicht viel zu tun für ältere San Frauen. Erst wenn die Jäger zurück kommen sind sie beschäftigt

In einer anderen Nacht wachte ich auf und musste das viele Bier ausspülen, dass wir jeden Abend soffen. Also suchte ich mit der Taschenlampe aus dem Zeltschlitz heraus die Umgebung nach Augen ab, die im Schein der Taschenlampe aufblitzen würden. Noch etwas benommen vom Alkohol und der nächtlichen Hitze über 40 Grad sah ich nichts und wollte schon raus. Da lief das Flusspferd, das direkt vor dem Eingang stand, ein paar Schritte weiter und nun sah ich mehr von der nächtlichen Umgebung, blieb aber infolge des tierischen Nachbars vorsichtshalber geräuschlos im Zelt, denn Flusspferde sind die Todesursache Nummer eins in Botswana.

Und als wir nach einer Woche staubtrockener Tour bei über 40 Grad halb verdurstet endlich bei «3rd Bridge», ankamen, gab es kein Halten mehr, als wir Wasser sahen. Alle stürzten sich in den Hippo- und Krokodil-Pool rein, als gäbe es keine Gefahr. Wir waren ziemlich „lucky“. Ein anderes Mal musste ich beim Durchstreifen des Bush einen herannahenden Löwen mit Steinwürfen, Staub aufwirbeln und wütendem Fauchen in die Flucht schlagen. Was den Ausschlag für seinen majestätischen Rückzug gab, erfuhr ich nie.

Ja und dann stiessen wir auf Willy Zingg, einen ehemaligen Schweizer Militärpiloten, der hier in Botswana hängen blieb und zu einer Legende heran wuchs. Nicht nur seine furchtlosen Alligator-Beutezeuge auch seine tollkühne Flugakrobatik war weit herum bekannt. Er war ein Haudegen wie er im Bilderbuch steht. Wir lernten ihn unter dramatischen Umständen kennen. Wir fuhren gerade auf einen der selten zu sehenden Safari-Trupps zu und sahen, dass ein mächtiger Elefant den Landrover in die Mangel genommen hatte und kräftig durchrüttelte.

Später erfuhren wir, dass es ihm dabei um die Orangen gegangen war. Als nächstes sahen wir einen Mann zum anderen Fahrzeug spurten, der dann durchstartete und von hinten in den Elefanten rein fuhr. Das wirkte. Der Elefant bog mit lautem Trompengeheul links ab, trampelte dabei aber versehentlich über ein Zelt, in dem eine Frau lag und die dann an der Hüfte verletzt wurde. Ja, solche oder ähnlich heisse Situationen gab es einige auf diesem Trip. Wir blieben gottseidank alle verschont. Der Wahnsinn.

Dieser junge San sieht bei der Schmuckherstellung mit Knochenteilen zu. Gerd M. Müller/GMC

Eine weitere abenteuerliche Situation ergab sich, als Willy Zingg seine Landepiste bei den Tsodillo-Hills, den heiligen Bergen der San, der auch als Bushmänner bekannten Uhreinwohner der Kalahari, fertiggestellt hatte und mit dem San-Oberhaupt einen Rundflug machen wollte. Da bei der Landung das Fahrwerk nicht raus klappen wollte, musste der erfahrene Kampfpilot einen Looping drehen und das Flugzeug überrollen, um dank der Fliehkraft das verklemmte Fahrwerk wieder auszufahren. Das gelang und der erste San, der in den Himmel abhob, war zwar etwas „trümmlig“ aber hell begeistert.

Botswana: Die Wächterinnen der heiligen Tsodillo Hills

In der Zentral-Kalahari leben damals rund 16‘000 Buschmänner und im gesamten südlichen Afrika schätzt man ihre Zahl auf rund 100‘000. Sie sind meisterhafte Spurenleser, berüchtigte Jäger, begnadete Bogenschützen – und wahre Ökologen. Sie leben nach dem Eros-Prinzip, das alles mit allem verbindet: «Alles gehört Mutter Natur und Mutter Erde. Keiner be-sitzt etwas. Alles wird geteilt», erklärt mir der junge San Suruka die Welt-anschauung der San am Fusse der Tsodillo-Hills mit den uralten Fels-zeichnungen. Um dies zu verdeutlichen, erzählen uns die kleinwüchsigen, zähen Menschen mit den kurzen, pechschwarzen Locken und pfirsich-farbenen Hauttönen von der Jagd. Sie bestreichen den Schaft ihrer Pfeile mit einem Gift, das sie aus Raupen gewinnen. Die Dosis des Gifts wird je nach Tier, das erlegt wird, exakt gewählt. Nichts wird verschwendet – nicht einmal ein Tropfen Giftes. Die San haben gelernt, auch in den unwirtlichsten Gegen-den des Kontinents zu überleben. Diese Anpassungsfähigkeit wurde aus der Not geboren, wie uns Suruka weiter erzählt: „Wir Buschmänner kennen kein Privat-eigentum, weder Zäune noch Grenzen. Unser Lebensrhythmus ist auf die Wanderung der Tiere und Gezeiten abgestimmt. Wir leben nach dem Prinzip, dass die Natur allen Menschen gehört und jeder sich nur das nehmen soll, was er braucht. Dies hatte zur Folge, dass man unser Volk während Jahrhunderten wie Freiwild gejagt, vertrieben und getötet hat.“ Täter waren sowohl andere afrikanische Stämme als auch die europäischen Kolonialherren unter ihnen die Deutschen. Ein weiteres mystisches Erlebnis hatte ich dann beim Aufstieg zu den über 6000 Jahre alten Felszeichnungen in den zerklüfteten Felsen. Suruka versuchte mir in seiner Klicklaut-Sprache irgendetwas zu sagen, so in der Art, dass wir auf Wächter stossen werden, vor denen ich mich aber nicht fürchten sollte. Die Wächter waren wohl die beiden Klapper-schlangen, die vor unseren Augen quer von einem Felsvorsprung auf den anderen rüber glitten und zwar gleichzeitig von zwei Seiten. Wäre ich allein gewesen, wäre ich wohl nicht weitergegangen. Mit Suruka fühlte ich mich sicher und durfte mit ihm die magischen, uralten Felsmalereien bestaunen. Gut 12 Jahre später sah ich dann einen Film auf dem britischen TV-Sender «BBC» bei dem Suruka wieder auftauchte und die Filmcrew eben zu den Tsodillo-Hills führte, wie mich damals.

Das Okavango-Delta ist ein einzigartig schillerndes ja geradezu überirdisches Naturparadies und ein Tierreich, solange der Mensch aussen vorbleibt. Dies ist der Regierung in Botswana, einem der reichsten afrikani-schen Ländern, dank den reichhaltigen Diamentenvorkommen gut gelungen. Sie hat die Vorteile des nachhaltigen Safari-Tourismus früh erkannt und gefördert und viele grosse Gebiete unter Schutz gestellt. Ich bin im Laufe der 90er Jahre mehrfach ins Okavango-Delta gereist, dann aber schon eher auf luxuriöse Art und Weise mit Besuchen in den teuersten Luxus-Lodges von «Wilderness Safari». Nun, da man die Elefanten immer noch nicht ausreichend vor Wilderern schützen kann, kommt eine neue Seuche infolge des Klimawandels auf die Elefanten zu.  

Allein 2020 waren in Botswana im Okavango Delta beim Moremi Game Reserve 330 tote Tiere gezählt worden und das rätselhafte Massensterben setzt sich auch 2021 fort. Damals hatten die Behörden Cyanobakterien, auch Blaualgen als mögliche Todesursache ausgemacht. Der Internationale Tiersachutz Fonds (IFAW) kommt zum Schluss, dass das Massensterben mit einem beschränkten Zugang zu Frischwasser haben und deren Lebensräume u.a. durch die Viehwirtschaft immer mehr eingeengt werden. Zudem ist das Ansteigen der Cyanobakterien auf den Klimawandel zurückzuführen.

Der unsäglichen Wilderung könnte wohl nur Einhalt geboten werden, wenn China den Import stoppen und die Einfuhrbeschränkungen drastisch kontrollieren und durchsetzen würde. Warum also sollte die internationale Staatengemeinschaft und die Länder Afrikas nicht den Hauptverursacher für das Schlachten zur Verantwortung ziehen und China dazu zwingen, gegen den Elefenbeinhandel rigoros vorzugehen. China wäre mit all ihren Überwachungsmassnahmen in der Lage einen signifikaten Beitrag zur Lösung des Problems beizutragen.

Auszug aus dem unveröffentlichten Buch Highlights of a wildlife

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

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Beim Kampf gegen die Apartheid im südafrikanischen Untergrund

Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Das Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf mehrere politische und ökologische Vorgänge in Krisenregionen rund um den Globus. Er beleuchtet das Schicksal indigener Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenliche Schicksale in den Vordergrund, analysiert scharfsichtig und gut informiert die politischen Transformationsprozesse. Müller prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Pointiert hintergründig, spannend und erhellend. Eine Mischung aus globalem Polit-Thrillern, gehobener Reiseliteratur, gespickt mit sozialkritischen und abenteuerlichen Geschichten sowie persönlicher Essays – den Highlights und der Essenz seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie. Nach der Lektüre dieses Buchs zählen Sie zu den kulturell, ökologisch sowie politisch versierten Globetrotter.

Durch die Jugendunruhen der frühen 80er Jahre politisch sensibilisiert, als AKW-Gegner, Pazifist, und Dienstverweigerer auf der politisch linken Seite angelangt sowie durch die berufliche Tätigkeit während der Lehre bei der «Oerlikon Bührle Waffenschmiede für das Geschehen auch in humanitärer Hinsicht auf Südafrika fokussiert, beschloss ich also durch die in London geknüpften Kontakte zu ANC-Exilanten und die durch die «Anti Apartheid-Bewegung» (AAB) in der Schweiz zusätzlich geknüpften Kontakte Ende 1986 nach Johannesburg zu fliegen mit dem Ziel, die angespannte Situation und die menschenunwürdigen Zustände selbst vor Ort kennenzulernen. Und da der Bruder eines der Reiseleiter-Kollegen in London in Südafrika lebte, hatte und wir 1987 eine Expedition ins Okavango Delta im benachbarten Botswana planten, hatte ich ein ambitiöses und abenteuerliches Programm vor mir.

Erst lebten mein ehemaliger Vorgesetzter in London und ich einige Wochen im Nobelquartier der Weissen in Hillbrow. Gewöhnungsbedürftig war zunächst einmal die schwarze Haushälterin, die im Mietpreis inbegriffen war! Dann natürlich die Beschränkungen für die schwarze Bevölkerung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, jene menschenverachtende Rassentrennung und –diskriminierung, mit den entsprechenden Passgesetzen für die jeweiligen Ethnien.

Es gab auch eine indische Community in Durban und die malayischen Mischlinge in Kapstadt, was ganz schön kompliziert war, vor allem die Umsiedlungspläne, die auch in die Tat umgesetzt wurden. So wurde gemäss Angaben des Innenministeriums und der NGO «Black Sash», über eine halbe Million Schwarze Menschen in die Homelands zwangsumgesiedelt und enteignet. Damit kamen die weissen Farmer zu ihren grossen Farmen in ertragsreichen Regionen.

Behutsam machte ich mich mit den lokalen Verhältnissen vertraut, besuchte das «Khotso House» in dem einige Widerstandsorganisationen wie die «Black Sash» aber auch die «UDF» Gewerkschaft ihre Büro’s hatte. Das Haus wurde rund um die Uhr bespitzelt und öfters von der Polizei durchsucht und viele engagierte Leute wurden verhaftet, gefoltert oder ohne Anklage eingesperrt. Eines der prominentesten Opfer des Apartheid-Regimes, neben Nelson Mandela war Stephen Biko.

Stephen Biko beteiligte sich 1972 an der Gründung der Graswurzelbewegung Black Community Programmes (BCP), die von der Regierung mit einem Bann belegt wurde. Auch war er an der Gründung des Zimele Trust Fund, einem Fond für die Opfer des Apartheid-Regimes beteiligt. Im August 1977 wurde er von der Sicherheitspolizei verhaftet, weil er gegen Auflagen verstossen hatte. Sie verhörten und folterten Biko und schleppten ihn bewusstlos 1000 Kilometer nach Pretoria, wo er am 13. September 1977 verstarb.  Die gewaltsame Tötung Bikos führte zu einem internationalen Eklat. Biko wurde zu einem Symbol der Widerstandsbewegung gegen das Apartheid-Regime.

Ich kam just zu dem Zeitpunkt in Südafrika an, als die «New Nation», eines der letzten liberalen, kritischen Blätter der katholischen Bischofskonferenz unter Desmond Tutu verboten und geschlossen wurde und führte mit dem soeben entlassenen Chefredaktor Gabu Tugwana ein letztes Interview, das damals in der «WOZ» (Wochenzeitung) erschien und war der erste ausländische Journalist, der das Dekret des verhassten Innenministers sah und fotografierte. Das Apartheid-Regimes zensurierte oder verbot viele Zeitungen, bis alle möglichen kritischen Stimmen verstummt waren. Die Ausgaben für die Innere Sicherheit, das heisst für die Aufrechterhaltung des rassistischen Apartheidsystems verschlang über 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Dann getraute ich mich, mit dem Vororts-Zug von Down town Johannesburg nach Soweto, also in die schwarzen Townships zu fahren, damals eine äusserst gefährliche Sache. In Soweto angekommen, war man als Weisser zu dieser Zeit ziemlich allein und auffällig unterwegs. Zum Glück hatte ich lange Haare und sah weder wie ein Bure noch wie ein Engländer aus, was wohl viele davon abhielt, mich nicht gleich umzulegen. Da wuchs dann doch die Neugier in ihnen, was ich denn hier zu suchen hatte und so konnte ich sie dann dank meinen in London und Zürich geknüpften «ANC»-Kontakte beruhigen, sodass sie mir vertrauten und mich in die Town Ships einführten.

Vor den SADF-Panzerfahrzeugen in Soweto aufgelaufen

Mandelas Freilassung bedeutete das Ende der Apartheid

Aus dieser ersten Reise entstand eine tiefe Verbindung mit dem Land, dass ich über 20 Mal besuchte und dabei Nelson Mandela zwei Mal traf. Das erste Mal kurz nach seiner Freilassung hier in Soweto, das zweite Mal, als Präsident von Südafrika und frisch gekürter Nobelpreisträger im Zürcher «Dolder Hotel» vor der «class politique» und wirtschaftlichen Elite (Nationalbankpräsident und Bankenvertreter) über seine Vision eines neuen Südafrikas sprach. Auch ich war zu diesem historischen Treffen eingeladen und machte ein paar Bilder von Mandela. Allerdings war ich nicht darauf vorbereitet, dass er infolge seines durch die lange Haft eingebüssten Augenlichts durch Blitzlicht geblendet würde und hatte ohne Blitzlicht die falsche Filmempfindlichkeit im Kasten.

Als Mandela sich nach seiner Ansprache beim Apéro unter die Menge mischte, hielt ich mich diskret im Hintergrund auf. Doch offensichtlich hatte Mandela ein gutes Gedächtnis und sehr aufmerksame Augen, vielleicht erinnerte er sich sogar, wo und wann in Soweto ich in der Menge der Schwarzen kurz nach seiner Freilassung als einziger Weisser stand.

Auf jeden Fall veranlasste ihn das, auf mich zuzutreten und mich darauf anzusprechen, ob wir uns schon mal getroffen hätten. Da war ich erstaunt! Als ich ihm antwortete, „ja in Soweto“, reichte er mir verblüffenderweise beide Hände. Das war sehr berührend! Dieses Gefühl, vielleicht doch etwas bewirkt zu haben und dafür einen prominenten Dank samt unglaublicher Wertschätzung zu erfahren. Daraufhin starrten mich alle anwesenden Banker und Politiker im Raum an und fragten sich, wer wohl der langhaarige Freak hier sei. Das blieb zum Glück ein Geheimnis von mir, Mandela und der südafrikanischen Botschafterin in Bern, Frau Dr. Konji Sebati, bei der ich einst zu Gast in der Botschaft in Bern bei einem hochrangig besetzten Anlass war.

Durch diesen Kontakt kam ich als Reisejournalist und PR-Berater zu dieser Zeit tätig zu einem PR-Mandat für das südafrikanische Fremdenverkehrsamt «SATOUR» und erhielt dazu das PR-Mandat der südafrikanischen Fluggesellschaft («SAA») über Jahre hinweg. Das hatte ich dem diplomatischen Spagat zwischen den Untergrund-Kontakten (von denen nur wenige wussten) und den Kontakten zur weissen Elite, die ebenfalls sehr diskret abliefen, zu verdanken und auch dem traurigen Umstand, dass die Schweizer in Südafrika eine zentrale Rolle beim Goldhandel spielten, bei den «AKW’s», bei der militärischer Unterstützung des Apartheid-Regimes mit Kampfjets und Pilotentraining und letztlich sowohl bei der Umschuldung als auch beim Transformationsprozess eine wesentliche Rolle spielten und so auch den Goldhandel übernahmen. Bis heute ist die Schweiz die Goldhandelsgrossmacht geblieben und wickelt fast 80 Prozent des Edelmetallhandels ab.

Blenden wir kurz zurück, zum 5. August 1962 als Mandela zusammen mit Cecil Williams während einer Autofahrt nahe Howick in Natal unter dem Vorwurf festgenommen wurde, er führe den verbotenen «ANC» im Untergrund an. Die Verhaftung erfolgte, nachdem er knapp eineinhalb Jahre in Freiheit und im politischen Untergrund gearbeitet hatte, unterbrochen von öffentlichen Auftritten für den ANC im Ausland. Der Prozessauftakt wurde auf den 15. Oktober 1962 festgesetzt.

Die Folge war Mandelas Verurteilung am 7. November 1962 zu fünf Jahren Gefängnis wegen Aufruf zur öffentlichen Unruhe (drei Jahre Haft) und Auslandsreisen ohne Reisepass (zwei Jahre). Er übernahm in dieser Gerichtsverhandlung seine Verteidigung selbst. Nach Verkündigung des Urteils wurde er Ende Mai 1963 auf die Gefängnisinsel Robben Island geschafft, aber schon bald wieder nach Pretoria geholt, nachdem am 11. Juli die übrige «ANC» Führungsspitze festgenommen worden war.

Ab dem 7. Oktober 1963 stand Mandela in Pretoria im «Rivonia»-Prozess mit zehn Mitangeklagten wegen «Sabotage und Planung bewaffneten Kampfes» vor Gericht. Am 20. April 1964, dem letzten Prozesstag vor der Urteilsverkündung, begründete Mandela in seiner vierstündigen, vorbereiteten Rede ausführlich die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes, weil die Regierung weder auf Appelle noch auf den gewaltlosen Widerstand der nicht-weißen Bevölkerung in ihrem Bestreben nach Gleichbehandlung eingegangen sei und stattdessen immer repressivere Gesetze erlassen habe.

Am 11. Februar 1990 wurde Mandela nach 26 Jahren aus der Haft entlassen. Staatspräsident Frederik de Klerk hatte dies veranlasst und Tage zuvor das Verbot des «African National Congress» (ANC) aufgehoben. Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis für ihre Verdienste. Am Tage seiner Freilassung hielt Mandela eine Rede vom Balkon des Rathauses in Kapstadt aus, Tage später richtete er einen weiteren Appell an die gut 120‘000 Zuhörerinnen und Zuhörer im Fussballstadion in Johannesburg. Dort stellte er seine Politik der Versöhnung («reconciliation») vor, indem er «alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben», zur Mitarbeit an einem «nichtrassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle» einlud.

Im Juli 1992 wurde Mandela einstimmig zum Präsidenten des «ANC» gewählt. So konnte er die Verhandlungen mit der Regierung über die Beseitigung der Apartheid und Schaffung eines neuen Südafrikas an die Hand nehmen. 1994 erschien seine Autobiographie «Der lange Weg zur Freiheit» und schrieb dort:«Während dieser langen, einsamen Jahre der Haft wurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz».

Hier ein paar Dokumente aus dieser Zeit zur Umsiedlungspolitik des Regimes:

Red Cross South Africa Civil War Ntunzini94
Red Cross South Africa Civil War Ntunzini94

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Links zu einige Printpublikationen über Südafrika:

Ökopioniere und sozial Engagierte   (Relax & Style)

Sanfter Tourismus ist von grosser sozialer Bedeutung  (Der Bund)

Der neue Feind heisst Kriminalität (Aargauer Zeitung)

Beim Büffel auf den Baum   (Südostschweiz:          

Tierparks so gross wie die Schweiz  (Sonntags Blick)

Nächster Halt am Zebrastreifen  (Reiseplaner)                          

African Healer (On Trip)        

Bushmen-Medizin am schönsten Ende der Welt (Wellness live)

Südafrika steht ein Bombenjahr bevor (Tages Anzeiger)

Alle 40 Minuten wird ein Mensch getötet (Tages-Anzeiger)

Vom ANC-Aktivist zum Tourismuspromotor (Travel Inside)

Demokratie in den Untergrund       (WoZ)                                              

Guerrissseurs Africaines  (OnTrip)                            

                                                                        

Ein Plakat in Soweto zur Zeit der Apartheid. Bild: Gerd M. Müller /GMC Photopress

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Libanon: Im Palästinenser-Flüchtlingscamp «Schatila»

Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

© GMC/Gerd Müller

VORWORT

Dieses Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Vorgänge in Krisenregionen. Er beleuchtet das Schicksal der indigenen Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund, prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Schmetterlingseffekte der Hedge Funds und Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Pointiert, hintergründig, spannend und erhellend Eine gelungene Mischung aus gehobener Reiseliteratur, globalem Polit-Thriller, gespickt mit abenteuerlichen Geschichten und persönlichen Essays – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben. Der Autor publizierte Hunderte von Reportagen in deutschsprachigen Tageszeitungen und Magazinen.

Es war wieder einmal eine alte „Airline-Connection“ die mich in den Libanon verfrachteten sollte, denn dorthin wollte ich schon immer. In meiner Jugend war der Libanon die «Schweiz des Nahen Ostens», eine kulturelle Hochburg im Orient, ein Schmelztiegel von Jet Set, Aussteiger und kreativen Musik-Freaks. Zudem kam von der Beeka Ebene in meinen Augen der weltbeste Shit, also Haschisch aus von Hand geernteten Hanfblüten, von feinstem Geschmack und bestem Feeling sowie besonders intensiven und wohlriechenden Geschmacksnoten versehen. Tempi passati, als ich endlich in den Libanon kam. Da war das Land bereits vom Krieg mit Israel gezeichnet und wirtschaftlich am Boden zerstört, sowie gesellschaftlich zu tiefst gespalten zwischen ethnischen Gruppen wie den Shiiten, Suniten, Drusen und Maroniten sowie anderen Minderheiten. Beirut war ein heisser Boden und eine heikle Mission, selbst für einen krisenerprobten Reporter. Das grösste Problem war, dass ich kein Wort arabisch sprach oder verstand.

Ich habe Ich habe ja schon viele Konfliktregionen besucht und das selbst kritisch heisse Phasen erlebt, aber in die Hisbollah-Quartiere vorzustossen, habe ich mich ohne entsprechende Kontakte und Verbindungen oder eine ortsvertraute Person im Hintergrund dann doch nicht getraut. Doch um Kontakte zu knüpfen, war die Zeit bis zur Abreise innert wenigen Tagen zu knapp. Ausserdem ist einer der wichtigsten Schutz-Faktoren in meiner Tätigkeit, nicht nur die Sprache der Bevölkerung zu sprechen, sondern wenn möglich gar nicht als Ausländer oder Fremdling erkannt zu werden..

Während meines kurzen Aufenthaltes wurde ich alleine drei Mal an einem Tag von der libanesischen Armee angehalten und kurz verhört und in den Hisbollah Quartieren wurde es noch ungemütlicher. Fast an jeder dritten Ecke wurde man als Ausländer angehalten und gefragt, wer man sei und was man hier wolle. Die Hisbollah ist Irans wichtigster Verbündeter im Libanon und das nicht nur aus militärischer sondern auch aus politischer Sicht, denn die Hisbollah ist zusammen mit ihren Verbündeten die wichtigste politische Kraft im implodierten Land an der Levante. Doch der Libanon dient dem Iran als militärische Front gegen Israel und das ausserhalb des eigenen Staatsgebietes. Daher ist das Assad Regime in Syrien auch ein Verbündeter und Irans einziger strategischer Partner des Irans mit starken Kräften im Libanon.

Aufgrund der prekären Sicherheitslage und ohne lokale Kontaktpersonen sowie einen angemessenen Schutz zog ich mich aus diesem Quartier zurück und kam stattdessen im Palästinenser-Flüchtlingscamp «Schatila» an. Dort zeigte mir ein Palästinenser die drei Massakerstätten. Als Massaker von «Sabra» und «Schatila» wird eine Aktion von phalangistischen Milizen , also maronitisch-katholischen Gruppen bezeichnet, die gegen die im Süden von Beirut lebenden palästinensischen Flüchtlinge gerichtet war.

Im September 1982 – mitten im libanesischen Bürgerkrieg – wurden die Flüchtlingslager «Sabra» und «Schatila» gestürmt, die zu jener Zeit von israelischen Soldaten umstellt und Hunderte von Zivilisten massakriert. Da es sich bei der Kampfhandlung um einen Konflikt zwischen christlichen Milizen und palästinensischen Kämpfern handelte, entzündete sich die internationale Empörung an der israelischen Mitverantwortung. Denn nach dem Abzug des israelischen Militärs in eine Sicherheitszone vor der israelischen Grenze übernahm Syrien die militärische Kontrolle des Gebiets rund um das Flüchtlingslager.

Da auch Syrien daran interessiert war, die im Libanon verbliebenen «PLO»-Kämpfer und palästinensischen Nationalisten zu schwächen, wurde die Lage der Menschen im Flüchtlingslager noch schlimmer. Im Zuge der Lager-Kriege verübte die schiitische Amal-Miliz im Mai 1985 ein von libanesischen und syrischen Armeeverbänden geduldetes Massaker an Zivilisten in denselben palästinensischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila. Der libanesische Bürgerkrieg dauerte noch bis 1990. Das Massaker wurde daraufhin von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 16. Dezember 1982 als Genozid gewertet. Soviel zu dieser tragischen Geschichte der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon.

Nachdem ich Beirut ein wenig erkundet hatte, machte ich einen Abstecher nach Byblos, das zu den ältesten Städten der Welt zählt und seit über 7000 Jahren besiedelt ist. Der Hafen wurde schon seit der Steinzeit genutzt. Berühmt wurde der Ort auch durch die Sage von Adonis, der eine Tagesreise entfernt bei der Quelle des Adonis Flusses ums Leben kam. Der Aufstieg Byblos kam mit dem Bedarf der Aegyptischen Pharaonen am libanesischen Zedernholz für ihre Schiffe.

Dann kamen die Griechen, die dem Ort den heutigen Namen gaben, als Papyrus die grösste Rolle beim Aufstieg der Phönizier spielte, weil hier das erste Alphabet entstand und Byblos daher auch zum Geburtsort der Schrift und der Bibel wurde. Nach den Asyren und Babyloniern eroberten die Perser den Raum bis Alexander der Grosse den griechischen Einfluss durchsetze. Schliesslich kamen auch die Römer in Byblos an. Eine Stadt also, die geschichtlich gesehen immer eine grosse Rolle gespielt hat und verschiedenste Einflüsse und Strömungen erlebt hat.

Wenn man bedenkt, dass der Libanon in den 70er und frühen 80er Jahren ein sehr liberales Land mit einem ausgeprägtem französischen Savoir vivre war und Beirut, als auch Teheran im Iran und Kabul in Afghanistan, Hochburgen des Vergnügens waren und des internationalen Jet-Set ebenso wie Aussteiger auf dem Weg nach Indien anzog.  Heute strahlte Beirut nur noch einen erbärmlich heruntergekommen „Katastrophen-Chick“ aus. Die Spuren der vielen Kriege und Bombenattentate sind unübersehbar und äusserst bedrückend. Als 2020 auch noch der ganze Hafen in die Luft flog und das umliegende Quartier pulverisierte, war der von einigen Clans ausgeblutete Staat total am Ende angelangt.

Zudem beherrbergt der Libanon auch noch eine weitere Last, die der über eineinhalb Millionen syrischen Flüchtlinge. Eine aussichtslose Lage für das Zedernland. Mit dem Mietauto fuhr ich von den Tempelruinen des Unesco Welterbe Byblyos nach Tripolis und dann in das Hochgebirge weiter bis nach Bsharreh zu den maronitischen Felsenklostern hoch. Für die Bekka-Ebene reichte die Zeit leider nicht. Heute ist der Libanon ein implodierter, höchst korrupter, abgehalfter Staat und die religiösen Gruppen sind zerstrittener, den je zuvor. Aber halten wir uns in Erinnerung, dass auch Europa über 150 Jahre von religiösen Konflikten erschüttert wurde bis eine säkulare Gesellschaft entstand.

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Beirut: Photo exposition from the Tel Al Zatar Massacre in the Palestinian refugie area Shatila. © GMC/Gerd Müller
© GMC

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Klimawandel: Die Chronologie des Versagens

Auszug aus dem Buch des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Dieses Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Vorgänge in Krisenregionen. Er beleuchtet das Schicksal der indigenen Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund, prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Schmetterlingseffekte der Hedge Funds und Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Pointiert, hintergründig, spannend und erhellend Eine gelungene Mischung aus gehobener Reiseliteratur, globalem Polit-Thriller, gespickt mit abenteuerlichen Geschichten und persönlichen Essays – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben. Der Autor publizierte Hunderte von Reportagen in deutschsprachigen Tageszeitungen und Magazinen.

2021 zeigte erneut, die Corona Pandemie ist Pipifax im Vergleich, was auf die Menschheit zurollt und im bald 50 jährigen Wissen um die schädlichen CO2-Emmissionen für unseren Planeten, wird fröhlich weitergewurstelt, immer mehr bedenken-los konsumiert, Ressourcen verschwendet, Fauna und Flora und der Lebensraum Millionen Menschen zerstört. Schon Präsident Nixon warnte in den 70er Jahren vor den dramatischen Folgen (einer seiner wenigen Lichtblicke) und der erste IPPC-Bericht von 1990 warnte vor den Konsequenzen unseres ungezügelten Raubbaus. Man braucht kein verrückter Welt-untergangsprophet mehr zu sein, die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und das Wissen, wie lahm wir auf die Bedrohung reagieren, lassen keinen anderen Schluss mehr zu, als dass unsere Spezies das Endzeitalter erreicht hat.

Gemäss Weltklimarat gibt es zwei Horrorszenarien: Zum einen der Anstieg des Meeresspiegels um zwei Meter bis Ende des Jahrhunderts, je nachdem, wie schnell der Eisschild der Antarktis weiter schmilzt. Ferner der Kollaps der Atlantischen Umwälzströmung (AMOC), die sich schon abgeschwächt hat. Sie verteilt kaltes und warmes Wasser im Atlantik und beeinflusst etwa den für Milliarden Menschen wichtigen Monsun in Afrika und Asien. Der Zusammenbruch des Golfstroms hätte auch Auswirkungen auf Europa. Bei gleichbleibenden Emissionen bis 2050 würde die Temperatur Ende dieses Jahrhunderts um 2,1 bis 3,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Bei einer Verdoppelung der CO2-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts wäre ein Anstieg der Temperatur um bis 5,7 Grad möglich. Und so wird es leider auch weitergehen. Denn: Die Energie-Agentur der US-Regierung (EIA) hat 2019 berechnet, dass der CO2-Ausstoss infolge der erst beginnen-den Industrialisierung vieler Länder bis 2050 von heute jährlich rund 36 Milliarden Tonnen auf über 42 Milliarden Tonnen ansteigt. China produziert am meisten Treibhausgas, etwa ein Viertel der Gesamtmenge, vor den USA mit 18 und der EU mit 17 Prozent. Der Anteil der CO2-Emissionen, die in Senken wie Wäldern oder Ozeanen aufgenommen werden und nicht in der Atmosphäre bleiben, liegt nach dem Bericht bei etwa 44 Prozent.

1997 kam der dritte Bericht des «IPPC»-Klimarats heraus und was da skizziert und belegt wurde, übertraf all die Schreckensszenarien bei weitem und auch das Ausmass an Zerstörung, dass ich bereits seit 1993 Jahren bemerkt hatte! Der Bericht sollte auch meine Tätigkeit nachhaltig verändern. Ich unterliess fortan die vielen Fernreisen und konzentrierte mich vermehrt auf Nahziele und gründete mit zwei BerufskollegInnen Gisela Femppel von der «Südostschweiz» und Heinz Schmid, das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Auch der berühmte St. Moritzer Tourismusdirektor Hansruedi Danuser unterstützte uns dabei tatkräftig.

Das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz» war beim Flughafen Samedan domiziliert, da ich zu jener Zeit dort oben im fantastischen Oberengadin, im Jahrhundert-Winter und den darauf folgenden zwei Jahren lebte, weil ich nach der Trennung von Roberta mit meiner Freundin Eve, eine begeisterte Snowboarderin, von Zürich ins Engadin umgezogen war. Es war umso schöner im Engadiner Hochtal, weil ich regelmässig durch die verschneiten Wälder der Alpenhänge reiten konnte und zum ersten Mal im Leben auch Ritte im stiebenden Schnee und unberührter weisser Pracht vornahm.

Für das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz» schuf ich ein Webportal, welches wissenschaftliche Fakten, umweltrelevante NGO-Projekte, zuständige Behörden wie das «Bundesamt für Umwelt» (BUWAL),internationale Organisationen und kritische Medienberichte mit nachhaltigen Reiseangeboten und Tipps für umweltbewusste Reisende verknüpfte. Drei Jahre lang amtete ich als Geschäftsleiter und Präsident für diese Umweltorganisation und setzte im Bündnerland einige Akzente mit Wander-Ausstellungen zum Thema der Klimawandel in den Alpen mit einer «Rail-Expo» fahrenden Ausstellung der «Rhätischen Bahn», drei Bahnwagen, die in Davos, St. Moritz, Samedan, Pontresina und sechs anderen alpinen Orten im Graubünden stationiert wurden und die ersten Warnsignale aussendeten.

Mitglieder des «Tourismus & Umwelt Forum» wahren damals u.a. das «BUWAL/FLS», der Schweizer Nationalpark, das Biosphärenreservat Entlebuch, das «Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus» der Uni Bern und das «Europa-Institut» in Basel aber auch die die frisch ins Leben gerufene Autovermietung «Mobility» und «Toyota» mit dem ersten Hybrid-Fahrzeug, dem «Prius», nebst einigen Verkehrsvereinen, Hotels und Medien. Die drei Bahnwagons wurden an sechs Bündner Orten jeweils für 14 Tage an den Bahnhöfen stationiert. Dazu organisierten wir jeweils ein Live-Konzert mit der Larry Alexander Band zum Auftakt der Ausstellung. Auch an den jährlichen Ferienmessen in Zürich und Bern war das «Tourismus & Umwelt Forum» mit Referaten und Ausstellungen präsent. Bewusster reisen, mehr erleben, weniger zerstören, war das Motto für die Reisenden, um auch im Inland die nötigen CO2-Reduktionsmassnahmen und einen Energiewandel herbeizuführen, das Ziel.

„Das war das erste langfristige institutionelle «Corporate Social Responsability»-Engagement meiner eigenen Presseagentur hierzulande! Im Ausland hatte ich mich ja schon privat und publizistisch für einige Wildlife-Projekte und humanitäre Missionen engagiert. Zu dieser Zeit veröffentlichte ich zahlreiche umweltkritische Publikationen und Kommentare wie zum Beispiel «Ein Requiem aufs Korallenriff» in der «Mittelland-Zeitung» oder «Im Taucher-Paradies Malediven tickt eine Zeitbombe» Im Kommentar schrieb ich folgendes: «Nicht El-Nino» ist Schuld. Es ist der Mensch, der zu weit fort schreitet. Die Alarmglocken schrillen rund um den Erdball. Zentralamerika wurde verwüstet und um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die Korallenwelt im Äquatorialgürtel ist bedroht bzw. schon grösstenteils vernichtet, die Meere verschmutzt, die Tierwelt da und dort ausgerottet, die Alpen verbaut und versaut». In der «Südostschweiz» ging ich 1997 als Reaktion auf den IPPC-Klimabericht auf den Klimawandel in den Alpen ein und hob unter dem Titel «Keiner kommt ungeschoren davon – Alpen von der Klimaerwärmung besonders hart betroffen». In der Zeitschrift «Touring» und im «Brückenbauer», beides Medien mit Millionen-Leserpublikum erschienen weitere kritische Berichte von mir, die weit über die Schweiz hinaus hallten, da ich den «UNEP» Direktor Klaus Töpfer, den Chef der UN-Umweltorganisation sowie mit Michael Iwand, damals Direktor Umweltmanagement bei «TUI» (Touristik Union International) und Iwand Widerpart von der deutschen Umwelthilfe und dem Naturschutzbund interviewte und an der ITB der grössten Tourismusfachmesse in Berlin intervenierte, das Thema auf die Agenda zu nehmen. Auch Prof. Hansruedi Müller vom «Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus» (FIF) plädierte für «mehr Heart-Liner als Hardliner». Aus dieser und den folgenden Erfahrungen und Beispielen kann man getrost sagen, dass die vom Volk angenommene «Konzernverantwortungs-Initative» und das von den Ständen abgelehnte Volksmehr nun ebenfalls zu viel mehr Papier ohne Wirkung führen und zahnlos bleiben wird. Wieder einmal ist die Schweiz und die sie beherrschenden Konzerne darum herum gekommen, ihre globale Verantwortung wahrzunehmen. Wir sind also, zu unserer Schande und gegen unseren Fortschrittsglauben keinen Schritt weiter gekommen in den letzten 30 Jahren. Im Gegenteil. Der Fussabdruck ist grösser geworden und wir haben es auf Platz 4 der Umweltsünder geschafft.

Diese dringende Appelle richtete ich also vor über 25 Jahren an die Schweizer Politiker und Bevölkerung und an der ITB in Berlin an die „Weltöffentlichkeit“ und hielt damals schon fest: «Die drastische Spur der Verwüstung, die der industrialisierte Mensch und der (un-)zivilisierte Tourist hinterlassen, wird zumeist auf dem Buckel der 3. Welt-Nationen ausgetragen und kommt immer dramatischer zum Vorschein. Aber auch wir hier in den Alpen sind wir ganz besonders vom Klimawandel betroffen. Der Temperaturanstieg dürfte weitaus höher, als im Weltdurchschnitt ansteigen und die Gletscher schmelzen genauso wie die Biodiversität dahin. Dem können wir nicht länger tatenlos zuschauen, sagte ich mir und verzichtete fortan auch auf ein Auto oder ein Motorrad und engagierte mich für den Ausbau der Bahninfrastruktur und von Velowegen.

«Chronologie der guten Absichten» und des Jahrezehnte langen Versagens

Auch in meiner Funktion als Präsident des «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz» hielt ich kritische Referate über die eigene Reisebranche, die dazu aufgefordert wurde, mehr für die Umwelt und gegen die enormen Schäden durch den Flugverkehr und den überbordenden Massentourismus zu tun, was mir mehr Feinde als Freunde verschaffte. Die Tourismus-Propagandisten waren nicht gerade erfreut, dass die globalen Auswirkungen ihres Geschäftsmodell zunehmend kritisiert wurden. Nachdrücklich forderte ich den Reisebüroverband heraus, mehr als nur die üblichen Lippenbekenntnisse abzugeben. Doch was geschah: Um es mit den Worten von Greta von Thunberg auszudrücken: «Wenn ein Feuer ist, reiben sich die Leute oft am Feuermelder, anstatt das Feuer zu löschen». Auch mir war innerlich so zu Mute, «I want you to panic» zu sagen.

Die Behörden waren damals wie heute allerorts im Vollzugsnotstand. Ob es sich nun um die Einhaltung der Luftreinhalteverordnung, um die Lärmwerte zum Schutz der Bevölkerung, um internationale Abkommen über die Reduktion des CO2-Ausstosses oder um die Erfüllung von Absichtserklärungen und Zielsetzungen, wie der «Agenda 21», der «Charta von Lanzarote» oder der «Erklärung von Kreta» geht, wo immer wir hinschauen, müssen wir feststellen, dass keines der Ziele nur annähernd erfüllt worden ist. „Die Krux ist, dass die Notwendigkeit eines umwelt- und sozialverträglichen Tourismus zwar unbestritten ist, aber trotzdem nicht viel passiert“, was ich damals als Präsident des «Tourismus & Umwelt Forum» in den Referaten und Berichten aufs heftigste kritisierte. Die Reiseveranstalter, allen voran die drei grossen «Kuoni Reisen», «Hotelplan» und «Tui Reisen» kümmerten sich kaum um die Wasser- und Energieversorgung und das Abfallmanagement vor Ort, was insbesondere auf den Malediven und anderen Inseln zu verheerenden Verschmutzung der Strände und Meere geführt hat. Eine Untersuchung der «Höheren Fachschule für Tourismus» (HFT) kam damals zum Schluss, dass die «Erklärung von Kreta ein toter Papiertiger geblieben ist»!

Und das Greenwashing ging von da an unverändert aber inflationär weiter. Wir haben gewisse Klimakippunkte an einigen Orten rund um die Welt bereits erreicht, sind sich einige Wissenschaftler einig. Die kostbaren, lebensnotwendigen Schätze unserer Erde verschwinden mit Lichtgeschwindigkeit. Alle vier Sekunden wird weltweit Wald von der Fläche eines Fußballfeldes abgeholzt – auch oder vor allem für Soja oder Palmölplantagen. Die Zerstörung der Regenwälder durch Brandrodung im Amazonas, im Kongo und in Indonesien machen elf Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus! Die Biodiversität nimmt rasant ab, jeden Tag verschwinden bis zu 150 Pflanzen- und Tierarten von der Erde. Je mehr die natürlichen Lebensräume schrumpfen, desto grösser ist die Gefahr, dass Viren von Tieren auf den Menschen überspringen. Corona ist das jüngste Beispiel. Ebola, Dengue, Mers, Sars, Zika, all diese Viren sind nachweislich auch auf den Klimawandel und die schwindende Biodiversität  zurückzuführen. Deswegen müssen wir viel entschlossener die natürlichen Lebensräume schützen und gegen Wildtierhandel und Wildtiermärkte vorgehen.

Endzeit: Das Sechste Massensterben hat begonnen

Laut der Fachzeitschrift «Nature Ecology and Evolution» kommt es zu einem dramatischen Insektensterben mit dramatischen Folgen fürs Ökosystem und die menschlichen Gesellschaften. Die Prognosen zeigen, dass wir in den nächsten Jahren über eine Million Tierarten verlieren werden und viele Arten werden in ihren Beständen so dezimiert sein, dass sie keine Rolle mehr spielen. Mit maximalen Auswirkungen für die Menschen: Durch die Zerstörung der Regenwälder ebenso wie durch den Biodiversitätsverlust der einheimischen Fauna und Flora entstehen vermehrt z. B. auch Borreliose. Es ist erwiesen dass, bei weniger Kleinsäuger-Biodiversität eine höhere Borrelien-Last in den Zecken anfällt.

Durch die Klimaerwärmung mit heisseren und trockeneren Sommer entstehen in den gemässigten Zonen durch den Biodiversitätsverlust so auch mehr und mehr Pandemien. Auf einer der Erdoberfläche von 20 Prozent sind 80 Prozent der Biodiversitäts-Hot Spots aller Arten in den Tropen zu finden. Eine der umfangreichsten Studie um Anthony Warden von der Uni Cambridge bei der rund 100 Ökonomen weltweit untersucht haben, wie die globale Wirtschaft von der Natur profitiert und dabei feststellten, dass wenn 30 Prozent der Erdoberfläche mit den wichtigsten Schutzgebieten geschützt würden, dann überwiege der Nutzen des Schutzes dieser Gebiete die Kosten im Verhältnis 1:5. Das heisst, wenn wir einen Euro in den Schutz investieren, gewinnen wir längerfristig vier Euro hinzu. Aber bis diese Erkenntnis sich auch in den Niederungen der ressourcenintensiven Wirtschaft durchsetzt, wird wieder viel Zeit vergehen. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass trotz all der Erkenntnisse, die schon in den frühen 90er Jahren, spätestens aber 1997 mit dem «IPPC»-Bericht vorlagen und den einsamen Rufern in der Wüste Recht gaben, kaum griffige Massnahmen getroffen bzw. konsequent umgesetzt wurden.

Allein zwischen 1961 und 1990 waren die Temperaturen bereits um zwei Grad Celsius gestiegen, während sie im weltweiten Mittel nur um 0,6 Prozent gestiegen sind. Die damaligen Voraussagen für den Alpenraum reichten bis zu fünf Grad mehr in den nächsten 30 Jahren. Passend zum «Kyoto-Gipfel» im Dezember 1997 wirbelte «El-Nino» durch die Schlagzeilen und mit ihm verdurstete Tiere in Australien, im Schlamm versunkene Felder in Malaysia, Waldbrände in Indonesien und anderswo. Die Warnung konnte deutlicher nicht genug sein. Noch 1992 beim Umweltgipfel in Rio hatten die Politiker versprochen das Klimasystem für heute und künftige Generationen zu schützen. Die Entwicklung verlief aber in die entgegengesetzte Richtung. Die «Generation Easy Jet» rollte bzw. flog gerade heran, alle düsten für einige Tage nach London oder New York zum Shoppen, nach Ibiza für «Raves» usw. und nach Milano um ein paar Schuhe zu kaufen. Plötzlich kostete ein Flugticket nach London weniger als die Zugfahrt von Zürich nach Bern oder Genf. Eine katastrophale Wende, die weiterhin nichts Gutes verheisst.

Wir vermeintlich so „sauberen“ Schweizer und unsere uns fast ebenbürtigen deutschen Nachbarn sind Weltmeister im Verbrauch, im Konsum, im Abfall und im CO2-Ausstoss. Die Schweiz hat es auf Platz Vier auf der Weltrangliste der Umweltsünder und CO2-Emmissionäre geschafft doch haben wir unseren grossen Fussabdruck ins Ausland exportiert. So wird der von der Entstehung bis zur Vernichtung entstehende Zivilisations-Müll unserer über alle Massen konsumierenden und Ressourcen verschleudernden Gesellschaft aus unseren Augen und unseren Umfeld verbannt. Eine der dreckigsten Branchen, die Textilindustrie und andere umweltbelastende Produktionen wurden in den letzten Jahrzehnten nach China, Vietnam und Bangladesch verlegt. Die CO-2 Emissionen werden so grösstenteils in strukturschwache oder menschenrechtsverachtende Regionen ausgelagert. Dafür haben «My climate»-Kompensationszertifikate und ähnliche Instrumente geschaffen, um unser Gewissen zu beruhigen, nicht aber, um die Situation zu entschärfen. Unsere Bilanz ist keineswegs gut und sauber sondern schlicht und ergreifend miserabel. Erst jetzt im November 2020 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zur «Strategie Nachhaltige Entwicklung (SNE) vorgelegt, und sie sind erneut ein Armutszeugnis für die „saubere“ Schweiz. Noch übler sieht die Bilanz der Vorzeigeschweiz aus, wenn man die wirtschaftlichen Faktoren des grössten Off-Shore Finanzplatzes berücksichtigt.

Ende 2019 verwalteten Schweizer Banken ein Viertel des Weltvermögens. Sagenhafte 3742,7 Milliarden Franken. Aber das immense Vermögen wird kaum in nachhaltige Projekte investiert. Im Gegenteil. Die Goldgrube und Steueroase Schweiz begünstigt und schützt hunderte potenter Hauptsitze multinationaler Konzerne und trägt massiv zum Abfluss von Privatvermögen aus den Entwicklungsländern und damit zur weltweiten Umverteilung von unten nach oben bei. Die Ausbeutung und Gier kennt keine Grenzen, auch nicht in Zeiten von Covid-19. Im Gegenteil sie begünstigt die Globalen Technogiganten und Superreichen. Und dieser grosse Schatten fällt auf die Schweiz zurück. Egal wie weiss wir das Image waschen und wie schön wir es uns einreden oder anderen predigen!

Auch hierzulande ist es um die Biodiversität, die Gewässer, Gletscher und die Luftschadstoffe schlecht bestellt. Das «My-Climate» CO2 Kompensationsgeschäft ist reine Augenwischerei und hilft niemandem, wenn wir unseren Konsum und die Verschleuderung der Ressourcen stetig steigern, statt drastisch zu senken und unsere Wegwerfgesellschaft nicht radikal umdenken. Buchhalterisch gesehen, müssten über 30Millionen Tonnen CO2 (statt auf Schweizer Boden) ausserhalb der Landesgrenzen eingespart werden. Das wird nicht nur etliche Milliarden kosten, sondern ist auch ökonomisch und ökologisch unsinnig. Diese Beträge für die im Inland nicht erbrachten CO2-Reduktionen fehlen der Wirtschaft. Die «Dekarbonisierung der Gesellschaft» wird dergestalt keinen Millimeter vorwärts kommen, die Abhängigkeit und Sauerei würde immer grösser, allein schon durch die ansteigende Bevölkerungsdichte.

Nun die dünne Schutzschicht in der Atmosphäre ist in der freien Marktwirtschaft keinen Heller wert, sie kostet nichts und sie zu verpesten auch nicht. Die Bodenschätze werden gnadenlos ausgebeutet. Die junge und die nächste Generation werden fassungslos erkennen müssen, dass wir im Konsumrausch nach der Ölkrise 1975 und vor allem seit Beginn der 90er Jahre fast so viel Gas, Kohle und Öl verfeuert haben, wie in Million Jahre Erdgeschichte zuvor. Und das, obschon die Sonne seit je her 10000 Mal mehr Energie auf die Erdoberfläche schickt, als der Mensch braucht und die Menschheit trotz wissenschaftlichen Erkenntnissen politisch nicht zu folgen und schon gar nicht adäquat zu handeln vermag. Der Müllplatz der Menschheit ist mittlerweile nicht nur in den entferntesten Regionen und in den Weltmeeren sichtbar, auf und unter der Meeresoberfläche gleichermassen erkennbar. Ein Glück können wir all den Schrott im All noch nicht von Auge sehen. Und das ist bekanntlich nur die Spitze des Eisberges. Mikro-Plastik, Nanopartikel und Pestizid-Giftstoffe sind längst im Grundwasser und in der Nahrungskette angekommen und richten dort weitere Gesundheitsschäden und grosses Leiden an.

Ein radikaler Paradigmenwechsel ist notwendig

Gemäss «Copernicus» war das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 global das heisseste Jahr seit Messbeginn. Auch in Europa vor allem aber in der Arktis wurden Rekordwerte bis sechs Grad im Zeitraum von 1981 bis 2010 über dem Durchschnitt verzeichnet. 2020 sind die hohen Temperaturen besonders extrem, da sie ohne El-Nino-Effekt im Vorjahr zustande kamen. 2021 dürfte infolge des La-Nina-Effekt wieder ein Temperaturanstieg zu verzeichnen sein und das, obschon wir nun ein Covid-19 Jahr lang einen sehr eingeschränkten Luftverkehr hatten. Auch die CO2-Zunahme wird mit Sicherheit weiter ansteigen. Die Arktis wird weiter schmelzen und wenn es zum „Worst Case“ Szenario kommt und sich die Atlantikwalze nicht mehr so wie bis anhin bewegt, blicken wir düsteren Zeiten entgegen. Angesichts der leidigen Tatsache, dass nach über 30 Jahren Zaudern und Zögern, Abwiegeln und Verleugnen, der Zerstörung zuschauen und den erdrückenden Fakten fast tatenlos ins Auge schauend im Bewusstsein und mit dem schlechten Gewissen lebend, noch viel mehr Raubbau als jemals zuvor zu betreiben, muss jetzt jeder von uns das Heft selbst in die Hand nehmen und substanzielle Beiträge leisten.

Reduce to the max“, lautet das Motto. Also den Ressourcenverbrauch auf allen Ebenen absenken. Wir sitzen alle im selben Boot. Das hat Covid uns eindrücklich vor Augen geführt. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Daher ist es nur richtig, wenn die Klimabewegung und die Klimajugend die Grünen links überholen bzw. überflügeln und eine viel raschere und konsequentere Vorgehensweise fordern. Covid-19 kostet uns Billionen. Fügen wir ein paar Billionen für die Transformation der Wirtschaft hinzu, hätten wir enorm viel gewonnen. Wir müssen unbedingt weitere Pandemien vermeiden, da würde sich jede Investition lohnen. Jeder von uns hat es in der Hand, dazu beizutragen, doch geht es nicht mehr ohne einschneidende Schritte in nie gekanntem Ausmass. Lange gewohnte Lebensweisen werden sich stark verändern müssen. Zum Beispiel beim Konsumverhalten: weniger Fleisch-Konsum, weniger Verpackung, geringere Transport- und Arbeitswege, ökologische Verkehrsmittel zu nutzen und überall bio-diversifizierter, lokaler Anbau fördern usw. In der Landwirtschaft die Pestizide und Herbizide drastisch reduzieren und Anreize für den ökologischen Anbau schaffen sowie den Gewässerschutz konsequent anwenden. Alle Subventionen für die fossile Energiegewinnung sind einzustellen, im Flugverkehr muss flächendeckend eine hohe Treibstoffbesteuerung eingeführt und so der Flugverkehr erheblich reduziert werden. In der Geschäftswelt überall die CO2-Fussabdruck-Bilanzierung in den Unternehmen einführen, beim Bau die nachhaltige Gebäudetechnik fördern sowie die Begrünung der Städte an die Hand nehmen. Wiesen statt Grünflächen, Bodenversiegelung vermeiden und in der Forstwirtschaft, alters- und artengemischte Wälder kultivieren.

Zwar kam es 2020 zu einer Wiederbelebung der «Pariser Koalition der hohen Ambitionen» auf dem ersten virtuellen Klimaschutzgipfel der Vereinten Nationen, wo sich 75 Nationen zum Ziel der «Netto-Null-Emissionen» bekannt haben. Die meisten Staaten streben das Ziel bis 2050 an. Bisher haben aber nur 75 von 197 Staaten neue oder erhöhte Klimaziele vorgelegt. Aber nur Grossbritannien und die EU haben ihre Ziele substanziell erhöht. Bei allen anderen Staaten sind die Ambitionen gering. Viel zu gering, als dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens je erreicht würden.

Damit verfügt die von Uno-Generalsekretär Antonio Gutierrez ausgerufene «Koalition für Kohlenstoffneutralität»  über gut 65 Prozent des weltweiten CO2-Ausstossvolumens, die noch ansteigen könnte, wenn die Finanzzusagen für den grünen Klimafonds von jährlich 100 Milliarden Franken vorankommen. Als zentrales Instrument gilt der auch von der EU anerkannte Kohlenstoffpreis der bis 2030 stetig ansteigen soll. Der Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus hatte 2015 vorgeschlagen, einen Klimaklub zu schaffen, der einen wechselseitigen Nutzen aus der Aufteilung des Klimaschutz zieht und Trittbrettfahrer ausschliesst, denn nur so komme man aus dem „Gefangenen-Dilemma“ heraus. Die Koalition der Willigen soll einen möglichst grossen Nutzen und Vorteile für die Mitglieder ein räumen. So könne man der Problematik des Nutzniessens ohne eigene Anstrengungen und Beitragszahlungen entgegenwirken. Auch der Kapitalmarkt wäre gut beraten, in nachhaltige und grüne Produkte und Ressourcen zu investieren und aus der Kohle rasant auszusteigen.  

Für UNO-Generalsekretär Guttierez ist das ein wichtiger Schritt nach vorne, aber es reiche noch nicht aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt noch immer auf dem Weg zu einem globalen Temperaturanstieg von über drei Grad sei, was einer Katstrophe gleich käme. Mit anderen Worten. Wir sind immer noch mit 180 kmh unterwegs, was den fossilen Verbrauch anbelangt. Eine Temporeduktion tut not. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, was in ausserordentlichen Lagen möglich ist und mobilisiert werden kann. Der Patient Erde liegt auf der Intensivstation und röchelt in den letzten Zügen. Es ist höchste Zeit zu handeln und einschneidende Massnahmen umzusetzen. Denn auch die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) in den letzten Jahrzehnten dramatisch an Kraft verloren. Die Meeresströmung ist auch als Golfstrom bekannt und führt in den höheren Wasserlagen selbst im Winter milde Temperaturen zu den Kanalinseln, nach Irland und Großbritannien, weiter Richtung Niederlande bis nach Westdeutschland und Skandinavien hoch. Das Golfstrom-System bewegt fast 20 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde, etwa das Hundertfache des Amazonasstroms“, so Stefan Rahmstorf, der Forscher vom «Potsdam Institut für Klimafolgenforschung» zur Bedeutung dieses Klimasystems (PIK). ist Initiator und Ko-Autor einer Studie, die im Frühling 2021 in der Fachzeitschrift «Nature Geoscience» erschienen ist. 

Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Daher ist es nur richtig, wenn die Klimabewegung und die Klimajugend die Grünen links überholen bzw. überflügeln und eine viel raschere und konsequentere Vorgehensweise fordern. Covid kostet uns Billionen. Fügen wir ein paar Billionen für die Transformation der Wirtschaft hinzu, hätten wir enorm viel gewonnen. Wir müssen unbedingt weitere Pandemien vermeiden, da würde sich jede Investition lohnen. Jeder von uns hat es in der Hand, dazu beizutragen, doch geht es nicht mehr ohne einschneidende Schritte in nie gekanntem Ausmass. Lange gewohnte Lebensweisen werden sich stark verändern müssen. Zum Beispiel beim Konsumverhalten: weniger Fleisch-Konsum, weniger Verpackung, geringere Transport- und Arbeitswege, ökologische Verkehrsmittel zu nutzen und überall bio-diversifizierter, lokaler Anbau fördern usw. In der Landwirtschaft die Pestizide und Herbizide drastisch reduzieren und Anreize für den ökologischen Anbau schaffen sowie den Gewässerschutz konsequent anwenden. Alle Subventionen für die fossile Energiegewinnung sind einzustellen, im Flugverkehr muss flächendeckend eine hohe Treibstoffbesteuerung eingeführt und so der Flugverkehr erheblich reduziert werden. In der Geschäftswelt überall die CO2-Fussabdruck-Bilanzierung in den Unternehmen einführen, beim Bau die nachhaltige Gebäudetechnik fördern sowie die Begrünung der Städte an die Hand nehmen. Wiesen statt Grünflächen, Bodenversiegelung vermeiden und in der Forstwirtschaft, alters- und artengemischte Wälder kultivieren.

Zwar kam es 2020 zu einer Wiederbelebung der «Pariser Koalition der hohen Ambitionen» auf dem ersten virtuellen Klimaschutzgipfel der Vereinten Nationen, wo sich 75 Nationen zum Ziel der «Netto-Null-Emmissionen» bekannt haben. Die meisten Staaten streben das Ziel bis 2050 an. Damit verfügt die von Uno-Generalsekretär Antonio Gutierrez ausgerufene «Koalition für Kohlenstoffneutralität»  über gut 65 Prozent des weltweiten CO2-Ausstossvolumens, die noch ansteigen könnte, wenn die Finanzzusagen für den grünen Klimafonds von jährlich 100 Milliarden Franken vorankommen. Als zentrales Instrument gilt der auch von der EU anerkannte Kohlenstoffpreis der bis 2030 stetig ansteigen soll.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus hatte 2015 vorgeschlagen, einen Klimaklub zu schaffen, der einen wechselseitigen Nutzen aus der Aufteilung des Klimaschutz zieht und Trittbrettfahrer ausschliesst, denn nur so komme man aus dem „Gefangenen-Dilemma“ heraus. Die Koalition der Willigen soll einen möglichst grossen Nutzen und Vorteile für die Mitglieder ein räumen. So könne man der Problematik des Nutzniessens ohne eigene Anstrengungen und Beitragszahlungen entgegenwirken. Auch der Kapitalmarkt wäre gut beraten, in nachhaltige und grüne Produkte und Resourcen zu investieren und aus der Kohle rasant auszusteigen.

Für UNO-Generalsekretär Guttierez ist das ein wichtiger Schritt nach vorne, aber es reiche noch nicht aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt noch immer auf dem Weg zu einem globalen Temperaturanstieg von über drei Grad sei, was einer Katstrophe gleich käme. Mit anderen Worten. Wir sind immer noch mit 180 kmh unterwegs, was den fossilen Verbrauch anbelangt. Eine Temporeduktion tut not. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, was in ausserordentlichen Lagen möglich ist und mobilisiert werden kann. Der Patient Erde liegt auf der Intensivstation und röchelt in den letzten Zügen. Es ist höchste Zeit zu handeln und einschneidende Massnahmen umzusetzen. Je länger wir zuwarten, umso teurer und aussichtslos wird es.

Der Flügelschlag des Schmetterlings

Seien wir uns bewusst, die Finanzmärkte stehen im Zentrum der Wirtschaft und bestimmen weltweit die Preise für Rohstoffe und Lebensmittel und sie diktieren das Geschehen rund um den Globus. Hedge-Fonds sind der Fluch des Nahrungs- und Wasser- sowie Rohstoff-Kapitalismus in Reinkultur. Schauen wir uns das einmal näher an: 2008 stiegen die Preise für Lebensmittel und Rohstoffe stark an, obschon sich die Welt nach der Finanzkrise in einer Rezession befand. Das zeigt, dass die Preise aufgrund von Spekulationen und nicht aufgrund einer erhöhten Nachfrage gestiegen sind. Was als Flügelschlag eines Schmetterlings an der Wallstreet 2010 begann, führte fortan zu Aufständen, Kriegen und weltweiten Flüchtlingskrisen. Den Flügelschlag lösten der damalige Präsident Bill Clinton und der Nationalbankpräsident Alan Greenspan mit dem Commodity Modernisation Act aus, d.h. mit der Liberalisierung der seit den 30er Jahren strikt regulierten Märkten und begrenzten Anzahl von Spekulanten. Doch von nun an, konnte jeder unbegrenzt mit Rohstoffen und Lebensmitteln spekulieren. Daraufhin leckten die Finanzmärkte Blut und die Wallstreet und die Hedge-Fonds diktieren das Geschehen auf übelste Art und Weise.

Im gleichen Jahr fuhr Russland aufgrund des Klimawandels und der Trockenperiode über 30 Prozent weniger Weizenernte ein. Die Wallstreet spekulierte auf eine Verknappung des Angebotes und trieb den Weizenpreis um 50% in die Höhe, was in Tunesien und Ägypten zum Arabischen Frühling führte, weil Ägypten fast 80 Prozent des Weizens aus Russland importierte. Ein rascher Anstieg der Lebensmittelpreise und ein geringer Anstieg der Erdölpreise führe zwangsläufig zu Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen, stellten auch Wissenschaftler und Mathematiker fest.

So artete 2011 in Lybien nach dem Sturz Gaddhafis als auch im Irak-Krieg, beides führende Ölexportstaaten, die Kriege aus, befeuerten weitere Konflikte in der Region und lösten einen Flächenbrand aus, der den ganzen Orient überzog. So auch der unendliche Krieg in Syrien. Auslöser dafür waren wiederum die Hedge-Fonds und Spekulanten an der Wallstreet und in London. Sie trieben den Ölpreis massiv in die Höhe, weil sie auf Export-Verluste spekulierten. Der Flügelschlag des Schmetterlings hat auch hier zugeschlagen und so sind die deregulierten Märkte zu einem Motor des Chaos geworden.

Diese Spekulationen und die Entwicklung in den Ölstaaten hatte zudem noch weitreichendere Folgen. Durch den enormen Kursanstieg der Petrodollars kamen Russland und Saudi Arabien aber auch Venezuela zu immensem Reichtum und vergrösserten ihre Militärbudgets und Polizeikräfte entweder zur Unterdrückung von Revolten im eigenen Land oder für weitere Offensiven. Russland in Syrien, in der Ukraine und zuletzt auf der Krim.

Im Falle von Saudi Arabien kam es zu kriegerischen Zuspitzung in Jemen und in vielen anderen Regionen im Konflikt zwischen Shiiten und Suniten, derweil der Iran, den Nahen Osten auf seine Weise infiltrierte und mit seinen kruden Ideologien, Waffen und Kämpfern vollpumpte. Der Anstieg des Ölpreises war auch der Anfang des Verderbens für Venezuela, das am Ressourcen-Fluch zu Grunde ging. Die Spekulanten waren auch hier letztlich Auslöser und verantwortlich für die Flüchtlingsströme von Lateinamerika in die USA und von Afrika und dem Orient nach Europa. In Europa führten all diese Turbulenzen und der Einfluss des neoliberalen Medienmoguls Rupert Murdoch zum Brexit und zu den rechtsradikalen Regierungen in Polen, Ungarn und Italien, also auch den Auftrieb der Neonazis und Faschisten in Deutschland. Nach der Hausse folgt die Flaute, nach dem Boom folgt der Crash, soviel Ökonomie hat jedes Kind schon in der 3. Klasse mitbekommen.

Die Folgen sind wiederum verheerend. In Venezuela gibt es eine apokalyptische Hungersnot, dasselbe in Kuba, in Kenya und im gesamten Subsahara-Gürtel, wo verheerende Dürren zu Bürgerkriegen führen und im Orient, dem Nabel der Despoten zu desaströsen Wirtschaftskurs- und katastropalen Menschenrechtslagen führt. Der völlig entfesselte Rohstoff- und Finanzmarkt ist wie die Pest, weil er dank Algorithmen und Herdenmentalität sowie auf zynische Weise immer gegen den Wohlstand der fragilen Ökonomien wettet. Mit der Covid-Krise wurde überdeutlich, dass die Märkte über das Wohl der Menschen gestellt werden und ein System geschaffen wurde, das kein Mitleid mit den Menschen, sondern nur Gewinner und Verlierer kennt.

Die Dürren in Europa sind hausgemacht

Die drei Jahre extreme Hitze und Trockenheit in Europa wie von 2018-2020 hat es seit 250 Jahren nicht gegeben“, sagt Dr. Andreas Marx vom  «UFZ Helmholz Zentrum für Umweltforschung» in Leipzig, das einen Dürre-Monitor erstellt hat, der die Trockenheit in ganz Deutschland tagesaktuell anzeigt. „So eine Dürre hätten wir erst so um 2040 erwartet und nicht heute schon“, fährt Marx fort. Der Landwirtschaft geht das Wasser aus. Der Anbau kann oft nur noch mit künstlichen Bewässerungssystemen aufrecht erhalten werden. Doch auch der Grundwasserspiegel ist gesunken und damit wird das Bewässern der Felder ökologisch noch unsinniger und okonomisch aufwendiger. Auch der Wald leidet unter der Dürre und stirbt ab wie Frau Dr. Nicole Wellbrock vom «Thünen Institut für Waldökosysteme» feststellt „Der Zustand der Wälder ist in der Tat historisch schlecht. Die erhobenen Daten sind lebensbedrohlich für unser Okosystem. „Besonders die Fichten und die Buchen sterben rasch ab in den unteren Lagen“. Damit gehen wertvolle CO2 Speicher flächendeckend verloren. 1400 Milliarden Tonnen CO2 befinden sich in der niederen Atmosphäre. Wenn wir nicht sofort entscheidend unsere CO2 Emissionen reduzieren, haben wir das CO2-Ziel bereits in zehn Jahren überschritten.

Wie Dürren durch Fehler in der Land und Bodenbewirtschaftung hervorgerufen oder verstärkt werden, vor allem durch die Zerstörung des Bodens durch Monokulturen und Pestizide. So entstehen Teufelskreise, in denen die Hitze zu Dürre wird, und die Dürre zu noch mehr Hitze führt. Die Waldbrände nehmen zu, werden grösser und entstehen sogar in Regionen im hohen Norden. Flüsse und Seen trocknen aus, Wüsten entstehen wie beim Montasi See in Rumänien, wodurch nicht nur die Fische, die Amphibien, Insekten und Wasservögel aussterben sondern die gesamte Flora untergeht und das ganze Gebiet unter wüstenähnlichen Wetterbedingungen leidet, weil sich das ganze Mikroklima verändert und die Desertifizierung fortschreitet.

Der rumänische Umweltaktivist Octavian Berceanu sagt: „Der Klimawandel kommt viel rascher und dramatisch drastischer auf uns zu, als wir gedacht haben und verweist auf die eigenen Agrar-Fehler während der Ceaușescu Aera am Beispiel des Potelo Sees. Der wurde trockengelegt um die landwirtschaftliche Produktivität beim Anbau grosser Flächen zu steigern. Das Gegenteil ist passiert. Die nährstoffreiche Schlammschicht war bald aufgebraucht worauf  der Sand des Seegrund zum Vorschein kam und den Anbau obsolet machten. Heute ist die Region menschenverlassen und lebensfeindlich geworden.

Das «European Environmental Bureau» in Bruxell vertritt ein Netzwerk von 170 Umweltorganisationen in Europa.  Celia Nyssens vom EEB sagt: Was diese Dürren so zerstörerisch macht, ist hausgemacht, weil wir überall grossflächige landwirtschaftliche Monkulturen geschaffen haben, welche die Böden auslaugen und über keine Mikroorganismen verfügen. Denn es sind die Mikroorganismen, die dem Boden seine Wasserspeicherqualitäten verleihen. In einer Handvoll gesunder Erde befinden sich mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Welt. Vom Einzeller bis zum Tausendfüssler über sind auch all die Pilze, Bakterien und Algen für die Saugfähigkeit des Bodens verantwortlich.

In Deutschland werden über die Hälfte der Ackerböden für den Anbau von Viehfuttermittel verwendet. Das Problem ist unser Hunger auf Fleisch und den damit verbundene Teufels-Kreislauf von Abholzung für Monokulturen, die binnen fünf Jahren zu ausgelaugten Böden degenerieren und der Versteppung und Verödung Vorschub leisten.  Das geschieht nicht nur in Deutschland oder Rumänien, sondern vielerorts in Europa u.a. auch in Spanien.

Der Umweltaktivist und UN-Experte David Dean von der Organisation Earth  Jurice .Prudence kritisiert den Monokulturenabau auf das schärfste und hat zusammen mit dem Geologen Jose Maria Calafora, der Professor an der von der Universität in Almeria die  Quelle des Rio de Aguas nahe dem Dorf Gotcha aufgesucht. Sie liefert kaum mehr Wasser und die ganze Bevölkerung mit über 8000 Bewohnern ist verschwunden, weil sie kein Wasser mehr zum Trinken haben oder ihre Felder bewirtschaften könnten.  Einer der wenigen der geblieben ist, sagt dass er sich das Trinkwasser kaufen müsse, da das wenige Wasser, das noch herauskommt zu salzig und zu kalk- und chlorhaltig geworden ist. Wenn man bedenkt, dass es allein zur Herstellung einer Plastikflasche 17 Liter Wasser braucht und der Transportweg bis zum Verbraucher auch noch viel Energie verschlingt, sieht man wie grotesk die Lage ist. Zum zweiten absurden Agrarsubventionismus-Moloch:

Ebenfalls in der Region von Almeria erstreckt sich zudem auch das «Mar del Plastico», das Plastikmeer auf 350 Quadratkilometern über das Land. Dort werden unter anderem die Tomaten für halb Europa angepflanzt. So eine Tomate braucht etwa 10 Liter Wasser bis zur Reife und so kommt es, dass aus einer der trockensten Regionen Europas die letzten Wasserreserven herausgepresst werden damit hoch subventionierten Früchte und Gemüse exportiert werden können. Zum Schaden der lokalen Bevölkerung, der Fauna und Flora und des gesamten Okosystems. Das ist der Schlüsselmoment, der die Desertifizierung bewirkt, sondern mitunter auch auf das Wetter und das Klima auswirkt bis hin zum Jetstream über dem Atlantik, der sich abschwächt und neue Wege sucht.  Politische Fehlentscheide in Brüssel und in den anderen EU Staaten bewirken, dass diese Katastrophe einfach so weiter geht.

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie einen Beitrag spenden wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Empfänger/innen.