Archiv der Kategorie: News

Reportagen und Berichte von Gerd Müller/GMC Photopress

Schweiz-Südafrika Politik und Mandelas Besuch in Zürich

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Zürich 1994: Nelson Mandela’s speach on his first foreign visit in Switzerland after elected as president and for peace nobel prize winner at the Dolder Hotel in front of the swiss class politique and financial elite. Bild: Gerd M. Müller/GMC Photopress

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Mandelas Freilassung bedeutete das Ende der Apartheid

Am 5. August 1962 wurde Nelson Mandela und Cecil Williams während einer Autofahrt nahe Howick in Natal unter dem Vorwurf festgenommen, er führe den verbotenen ANC im Untergrund an. Die Verhaftung erfolgte, nachdem er knapp eineinhalb Jahre in Freiheit und im politischen Untergrund gearbeitet hatte, unterbrochen von öffentlichen Auftritten für den ANC im Ausland. Der Prozessauftakt wurde auf den 15. Oktober 1962 (zwei Tage vor meiner Geburt) festgesetzt. Die Folge war Mandelas Verurteilung am 7. November 1962 zu fünf Jahren Gefängnis wegen Aufruf zur öffentlichen Unruhe (drei Jahre Haft) und Auslandsreisen ohne Reisepass (zwei Jahre). Er übernahm in dieser Gerichtsverhandlung seine Verteidigung selbst. Nach Verkündigung des Urteils wurde er Ende Mai 1963 auf die Gefängnisinsel Robben Island geschafft, aber schon bald wieder nach Pretoria geholt, nachdem am 11. Juli die übrige ANC Führungsspitze festgenommen worden war. Ab dem 7. Oktober 1963 stand Mandela in Pretoria im Rivonia-Prozess mit zehn Mitangeklagten wegen „Sabotage“ und „Planung bewaffneten Kampfes“ vor Gericht. Am 20. April 1964, dem letzten Prozesstag vor der Urteilsverkündung, begründete Mandela in seiner vierstündigen, vorbereiteten Rede ausführlich die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes, weil die Regierung weder auf Appelle noch auf den gewaltlosen Widerstand der nicht-weißen Bevölkerung in ihrem Bestreben nach Gleichbehandlung eingegangen sei und stattdessen immer repressivere Gesetze erlassen habe.

Am 11. Februar 1990 wurde Mandela aus der Haft entlassen. Staatspräsident Frederik de Klerk hatte dies veranlasst und Tage zuvor das Verbot des «African National Congress» (ANC) aufgehoben. Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis. Am Tage seiner Freilassung hielt Mandela eine Rede vom Balkon des Rathauses in Kapstadt,  Tage später einer vor 120.000 Zuhörern im Fussballstadion in Johannesburg. Dort stellte er seine Politik der Versöhnung («reconciliation») vor, indem er «alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben», zur Mitarbeit an einem «nichtrassischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle» einlud.

Im Juli 1992 wurde Mandela einstimmig zum Präsidentne des «ANC» gewählt. So konnte er die Verhandlungen mit der Regierung über die Beseitigung der Apartheid und Schaffung eines neuen Südafrikas an die Hand nehmen. 1994 erschien seine Autobiographie «Der lange Weg zur Freiheit und schrieb dort:«Während dieser langen, einsamen Jahre der Haft wurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz».

Nelson Mandela signiert sein Buch als frisch gewählter Nobelpreisträger und Präsident Südafrikas. Bild: GMC/Gerd Müller

Im Februar 1996 begann die von Mandela eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) unter Leitung des Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu. mit der Aufarbeitung der Verbrechen zur Zeit der Apartheid. Einigen Gruppen gingen die in Mandelas Amtszeit erreichten sozialen Verbesserungen auch in Bezug auf die AIDS-Krise, nicht weit genug. Kritiker auch bemängelten, dass die Verbrechen des Apartheid-Regimes nicht strafrechtlich gesühnt wurden.

Kinder unter sechs Jahren, schwangere und stillende Mütter erhielten eine kostenlose Gesundheitsfürsorge; 1996 wurde die Gesundheitsfürsorge alle Südafrikaner kostenfrei. Mit dem «Land Restitution Act» (1994) und dem «Land Reform Act 3» (1996) wurden Schritte zu einer Landreform unternommen. Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche Gesetze der Apartheidzeit widerrufen. Armee und Polizei wurden neu aufgestellt.

Als 1994 der frisch gekürte südafrikanische Präsident und Nobelpreisträger Nelson Mandela in die Schweiz kam und zu Gast im Dolder Hotel vor der hiesigen «class politique» und die wirtschaftliche Elite (Nationalbankpräsident und Bankenvertreter) über seine Vision eines neuen Südafrikas sprach, war auch ich als Fotojournalist eingeladen und machte ein paar Bilder von Mandela. Allerdings war ich nicht darauf vorbereitet, dass er infolge seines durch die lange Haft eingebüssten Augenlichts durch Blitzlicht geblendet würde und hatte ohne Blitzlicht die falsche Filmempfindlichkeit im Kasten. Als Mandelas Ansprache vor der versammelten Polit- und Wirtschaftselite der Schweiz vorbei war und er sich beim Apero unter die Menge mischte, hielt ich mich eher im Hintergrund auf.

Doch offensichtlich hatte Mandela ein gutes Gedächtnis und sehr aufmerksame Augen, vielleicht erinnerte er sich sogar, wo und wann in Soweto ich in der Menge der Schwarzen stand nach seiner Freilassung. Auf jeden Fall veranlasste ihn das, auf mich zuzutreten und mich darauf anzusprechen, ob wir uns schon mal getroffen haben. Da war ich baff. Und als ich ihm antwortete, reichte ihr mir verblüffender weise die Hände. Das berührte mich sehr. Plötzlich hatte ich das Gefühl, vielleicht echt ein etwas bewirkt zu haben und dafür sozusagen einen prominenten Dank und eine unglaubliche Wertschätzung zu erfahren.

Zürich 1994: Der frisch gewählte Präsident Nelson Mandela bei seiner Ansprache an die Classe Politique und die Schweizer Hochfinanz im Hotel The Dolder. Bilder: Gerd Müller/GMC Photopress

Zum Kapitel Südafrika: Im Kampf gegen die Apartheid im Untergrund

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Hier einige historische Dokumente aus der Apartheid-Zeit:

Durch den Group Areas Act wurden Millionen von Schwarzen enteignet und zwangsumgesiedelt.

Zu den Print Reportagen von Gerd Müller über Südafrika:

Aargauer Zeitung: Der neue Feind heisst Kriminalität

Tages Anzeiger: Südafrika steht ein Bombenjahr bevor

Tages-Anzeiger: Alle 40 Minuten wird ein Mensch getötet

Travel Inside:  Vom ANC-Aktivist zum Tourismuspromotor    

Relax & Style: Ökopioniere und sozial Engagierte 

Südostschweiz: Beim Büffel auf den Baum                               

Sonntags Blick: Tierparks so gross wie die Schweiz                                            

Reiseplaner: Nächster Halt am Zebrastreifen                                   

On Trip: African Healer (On Trip)                    

Wellness live:  Bushmen-Medizin am schönsten Ende der Welt   

OnTripGuerrisseurs Africaines 

IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND ÖKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie dies tun wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Hilfsprojekt-Empfänger/innen.

Nach Karibiktörn das «Calypso & Steeldrum Festival» organisiert

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Pope-Visit in Havanna: People on Plaza de Revolucioin | Papstbesuch in Havanna

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Cuba: The polish Pope Visit in Havanna in 1993. Photo: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Der Karneval in Trinidad riss uns derart mit, dass wir ihn nach Zürich holen wollten. Und das gelang uns, dank dem Trinidader Percussionist an Board des Segeltörns. Ralph Richardson und seine Frau Angie spielten beide leidenschaftlich Steeldrum und Ralph unterrichtete einige Steeldrum-Bands und Kinderbands in Zürich. So verpflichteten wir Mighty Sparrow, der achtfache «King of Calypso» zu einem Exklusiv-Galakonzert im Hotel International in Oerlikon. Dazu arrangierten wir ein Open-Air auf dem Marktplatz in Oerlikon mit acht Stelldrum-Bands am Vortag, einem Samstag. Dank der Kooperation mit der «BWIA, der British West India Airlines», die damals neu nach Zürich flog, konnten wir während sechs Wochen vor dem Calypso & Steeldrum Festival karibische Spitzenköche nach Zürich einfliegen, mit allen frischen Zutaten und reichlich tropischer Dekoration, um im «Hotel International» in Oerlikon karibisches Flair, tropische Cocktails und leckere exotische Spezialitäten und Speisen anbieten.

Ein Jahr später kam meine Tochter Aiala auf die Welt, also eigentlich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt bei der Firmengründung und Beginn der Selbständigkeit. Nur der Mutter konnte ich das im Frühstadium leider nicht vermitteln und da es keinen gemeinsamen Kinderwunsch sondern nur die de facto Lösung gab, zog ich zwar mit ihr zusammen, verzichtete aber auf eine Heirat.

The Main square at Santa Clara City on a sunday afternoon. Photo: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Agenturgründung und das «Calypso & Stelldrum Festival»

Als ich 1992das PR Diplom in der Tasche hatte, gründete ich meine Presse und Bildagentur «GMC», bezog mit einem «K-Tipp» Recherche-Journalisten und zwei Medienschaffenden im Hotel/Gastrobereich Büros beim Klusplatz und baute die Kooperation mit dem «Travel Inside» und einigen Deutschschweizer Tageszeitungen und internationalen Bildagenturen aus.

Wie zuvor erwähnt reiste ich in diesem Jahr zwei Mal in die Karibik, zuerst nach Kuba und nahm dann an einem Segeltörn von Grenada aus nach Trinidad und Tobago teil. Wir wollten den Karneval erleben und konnten mit dem Boot mitten ins Stadtzentrum fahren und von dort bequem zu den Paraden und dann wieder zurück aufs Boot gehen.

Cuba: The US-Embassy in Havanna claims to be under acustic attack. Photo: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Der Karneval in Trinidad riss uns derart mit, dass wir ihn nach Zürich holen wollten. Und das gelang uns, dank dem Trinidader Percussionist an Board des Segeltörns. Ralph Richardson und seine Frau Angie spielten beide leidenschaftlich Steeldrum und Ralph unterrichtete einige Steeldrum-Bands und Kinderbands in Zürich. So verpflichteten wir Mighty Sparrow, der achtfache «King of Calypso» zu einem Exklusiv-Galakonzert im Hotel International in Oerlikon.

Dazu arrangierten wir ein Open-Air auf dem Marktplatz in Oerlikon mit acht Stelldrum-Bands am Vortag, einem Samstag. Dank der Kooperation mit der «BWIA, der British West India Airlines», die damals neu nach Zürich flog, konnten wir während sechs Wochen vor dem Calypso & Steeldrum Festival karibische Spitzenköche nach Zürich einfliegen, mit allen frischen Zutaten und reichlich tropischer Dekoration, um im «Hotel International» in Oerlikon karibisches Flair, tropische Cocktails und leckere exotische Spezialitäten und Speisen anbieten.

The Capitolio government building and national assembly early morning in Havanna. Photo: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Durch das «Calypso & Steeldrum Festival» konnte ich nicht nur mit Roger Schawinskis «Radio 24» kooperieren und gab sowohl bei ihm zu einem einstündigen Interview und Sondersendungen zu Gast sondern auch bei «Radio DRS 3», welches eine einstündige Sendung über den Calypso aus Trinidad und Might Sparrow machte. Zudem war natürlich auch Frederic Dru von «Radio Tropic» daran interessiert, diesen Event so richtig zu zelebrieren. Letztlich nach dem Konzert von Mighty Sparrow liess sich das Schweizer Fernsehen für Ihre 1. Reisesendung die Karibik zum Thema nehmen und sie luden Mighty Sparrow dazu ein. Denn der «SRF»-Reise-Redaktor Kurt Schaad und der Musik-Redaktor waren an unserem Galakonzert gewesen. Wir waren also die Inspirationsquelle für die 1. Schweizer Reisesendung.

Mein beruflicher Status als Fotojournalist und mein veritables Bild- und Presseagenturnetzwerk mit «Ringer», «keystone», «dpa», «action press» etc. liessen meinen Wert bei den Fluggesellschaften in die Höhe schnellen. Nach Afrika war es die «SAA», in die Karibik die «BWIA», nach Brasilien die «TAM», zu den französischen Übersee-Territorien und in die Südsee die «AOM» und nach Asien «Singapore Airlines» und «Malaysia Airlines» von denen ich regelmässig die Flugtickets gratis erhielt, da ich hernach in mindesten fünf, meisten mehr Tageszeitungen die Reisereportagen publizierte. Das war eine fantastische Zeit, in der ich nach Lust und Laune in der Weltgeschichte herumflog und über 50 Länder bereiste.

Ab den 90er Jahren veröffentlichte ich jahrelang regelmässig in den wichtigsten überregionalen Tageszeitungen «Aargauer Zeitung» Südsee: Eintauchen ins Paradies, in der Basler Zeitung z.B. Die Okavango-Sümpfe – bedrohtes Paradies in der Wüste, im «Der Bund» Abenteuerlich von den Anden bis zum Amazonas, für die «Neue Luzerner Zeitung» Pampa, Packeis und paarende Wale und die «Solothurner Zeitung» Die Hoffnung lebt im Untergrund. In der «Südostschweiz» publizierte ich Ayurveda: Auf dem Weg zum Gleichgewicht und in der «SonntagsZeitung» Kuba-Krise im Touristenparadies Reisereportagen, Aviatik-und Wirtschaftsberichte bevor ich mich ab 1997 auf Wellness, Beauty und Lifestyle-Features spezialisierte, die in Hochglanzmagazinen wie «Relax & Style»Ökopioniere und sozial Engagierte, «World of Wellness» Ayurveda: Im Reich der Liebenden Hände, «Wellness Live», Hyppokrates war auch ein Ayurveda-Apostel «Wellness Magazin» (D) erschienen. Auch im «Globo (D)», im «Medico Journal Reisen & Kultur», im «Animan», und im «Spiegel» wurden Reportagen von mir publiziert. Meine besten Geschichten waren damals die Osterprozession der Mixteken Indios «Kreuzweg im Kreuzfeuer der Religionen».

Cuban policemen observing the crowd in a park in Havanna City whrere locals and tourists meet. Photo: Gerd M. Müller

Zu den Kuba-Printmedien Reportagen:

Die Insel der Idealisten, die sich von Hoffnung ernähren  Aargauer/Badener Tagblatt

Zu wenig zum Leben, zuviel zum Sterben Der Bund                                                              

Kuba-Krise im Touristenparadies Sonntag Zeitung                            

Die Gesetze der Strasse Globo                                                                  

Kuba’s Koloniale Pracht Relax & Style                                                               

Auf nach Varadero – es eilt! St. Galler Tagblatt                                       

Ana Fidelia Quirot: Der Sport heilt alle Wunden Blick

Lebensfreude in der Karibik Unterwegs                                                                     

Zuckerinsel im sozialistischen Dollarrausch Der Bund              

Die Zeit als Radio-Moderator und Produzent

Erfreulich war aber auch, dass ich bei «Radio Tropic» als Allrounder auf freiwilliger und unentgeltlicher Basis zu arbeiten begann und dann sehr schnell meine eigenen Sendungen mit den Airlines und Reiseveranstaltern produzierte und dabei völlig freie Hand hatte. Das war eine super Erfahrung und ich habe zweistündige Spezialsendungen über Australien und die Karibik gemacht.

Trinidas colourfull houses are a main tourist attraction and beloved photo-souveniers. Photo: Gerd M. Müller/GMC

Ein oder zwei Jahre später hatte ich dann die Gelegenheit beim «Radio Kanal K» ebenfalls Sendungen zu produzieren. Der als Untergrund Musik- und Kulturradio bekannte Sender im Kanton Aargau liess ebenfalls sehr viel Spielraum zu. Und so machte ich zur Verblüffung aller ein hochkarätiges Interview mit vier kantonalen Parteipräsidenten zur heiss debattierten Asylanten-Initiative der SVP. Mit dabei waren u.a. Gerry Müller, der später Stadtpräsident von Baden.

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Caribbean Islands: A cuban family sitting outside of the house on the street in La Habana vieja. Photo: Gerd M. Müller/GMC

IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie dies tun wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Hilfsprojekt-Empfänger/innen.

Australien & Südsee Expeditionen

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

French Polynesia: Magnificant airshot from Bora Bora Island coral reef Bild: Gerd M. Müller/GMC Photopress

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Airshot of Hardy Reef, Great Barrier Reef, Brisbane, Queensland. Bild: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Die Wale vor der Evolutionsperle Fraser Island im Great Barrier Reef

Der grandiose Mikrokosmos, der vom Regenwald bis zur Wüste und von  traumhaften Stränden bis zu den weltweit schönsten Tauchgründen reicht, sprengt alle Grenzen. Kein Wunder lässt sich so mancher vom Australien-Virus anstecken. Zur Zeit ist nur das Corona Virus noch ansteckender. Die Ostküste gilt als idealer Einstieg in die mythenumwobene Welt Australiens. Fliegt man nach Brisbane und gleich nach Cairns hoch, gelangt man direkt zu den Regenwäldern am Cape Tribulation, an den Gestaden des Great Barrier Reefs. Oder man fährt von Brisbane zur Evolutionsperle Fraser Island rüber.

Auf der grössten Sandinsel der Welt ragen tropisch bewaldete Dünen am Ufer kristallklarer Süsswasser-Seen inmitten smaragdgrüner Regenwälder empor. Vor Fraser Islands Küste tummeln sie Wale und Delphine. Doch das Inselbitop ist nicht nurZufluchtsort rarer Pflanzenarten und Tiere sondern auch der «Homo Ecotourismus» nistet sich hier zunehmend ein.

Bis zu 240 Meter hohe Sanddünen , 120 Kilometer Strand und eine geschützte Bucht, die Hervey Bay, wo sich die Wale zsischen August und Oktober tummeln, sind der Reiz des Inselmikrokosmos. Nicht nur für Geologen, Botaniker, Natur-, Tier- und Vogelfreunde auch für Segler, Surfer und Erholungssuchende bot Fraser Island vor 20 Jahren paradiesische Zustände. 2020 gab es aber verheerende Waldbrände und auch sonst ist das Oekosystem ein wenig aus den Fugen geraten, wie im gesamten Great Barrier Reef. Der gesamte Archipel leidet unter der globalen Klimaerwärmung und der Verschmutzung durch Oel und Plastikmüll.

Bild: Die Evolutionsperle Fraser Island ist über 230 Millionen Jahre alt. Gerd M. Müller/GMC Photopress

Fraser Island ist uralt, 123 Kilometer lang, 14 bis 22 Kilometer breit und trägt die Ewigkeit von über 220 Millionen  Jahre Evolutionsgeschichte auf dem Buckel. Seit zwei Millionen Jahren wird Sand auf der Insel angeschwemmt und angehäuft. Im Eiszeitalter wurde die Landschaft geformt. In ihrer heutigen Prägung existiert sie seit ungefähr 6000 Jahren. Mit der Erwärmung des Klimas vor 140000 Jahren tauchten auch die ersten Spuren der Aborigines auf. Doch geht man davon aus, dass die «Butschulla»-Ureinwohner sich erst vor 20 Millionen Jahren auf «KGari Island» niederliessen. Für die westliche Welt wurde Fraser Island von James Cook 1770 entdeckt.

Die gigantischen Süsswasser-Reservoire bergen zusammen zehn bis zwanzig Millionen Mega-Liter Frischwasser. Das von leuchtend weissen Sandstränden gesäumte, kristallklare Trinkwasser des Lake McKenzie lädt zum Bad ein. Auch Dingos sind am Ufer zu beobachten. Sie kommen aber nicht etwa zur Tränke sondern wegen der prall gefüllten Provianttüten der Touristen. Da fällt manch ein feiner Happen für die Wildhunde ab.

Schon im Vorfeld meiner Australien Reise habe ich mich für Walfang-Verbot estark gemacht und darüber in verschiedenen Zeitungen berichtet, u.a. in der Sonntags Zeitung unter dem Titel Lieber touristisch ausschlachten, als abschlachten. Nun wollte ich mir selbst den Traum erfüllen und bei einer Walbeobachtung teilnehmen.

Hervey Bay ist nur einer von einem Dutzend Orten im Great Barrier Reef, wo sich die Wale tummeln. Gegen 100 Personen drängeln sich auf dem Kingfisher-Katamaran zur Reling und suchen den Horizont nach Fontänen oder einer hochragenden Schwanzflosse ab. Da sind sie, schreit einer. Die Menge jubelt. Ein vielleicht 30 Tonnen schwerer Koloss mit gewiss über 16 Meter langem Leib schiesst wie ein silbriger Pfeil hoch in die Luft für eine Piroutte und taucht kopfüber wieder in die Fluten ein.

Was für ein erhabener Anblick. Zum Glück sind sie hier geschützt. Whale Watching hat sich in den 90er Jahren zu einem 600 bis 700 Milionen schweren Tourismuszweig gemausert. Sie reisen zur Baja California, nach Brasilien, Patagonien oder Südafrika, um die schwimmenden Säugetiere zu sehen. Auch Australien hat 1994 schon jährlich über 50 Milionen Einnahmen aus den Walbeobachtungen. Kein Wunder, die Giganten der Meere sind faszinierend in jeder Beziehung.

Wie verschlüsselte Botschaften (heute sind es wohl Klagegesänge) klingen ihre Töne aus der Tiefe des Ozeans. Aehnlich einem Sonar, dem Echolotsystem der Schifffahrt, bestimmen sie mit Radarsignalen ihren Kurs. Sie senden exakte Sendeintervalle ab und sind imstande mit ihrem sensiblen Feingespür die Signale der Schallwellen wieder aufzunehmen und präzise zu analysieren, so dass sie sich über tausende von Kilometern orientieren können. Die bis zu dreissig minütigen Gesänge dienen der Kommunikation mit Artgenossen.

Die Hoffnung lebt im Untergrund

Australia: The opal mines of Coober Pedy in the Outback. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Zwischen Adelaide und Alice Springs irgendwo inmitten einer glühend heissen, unwirtlichen Moondlandschaft liegt das damals 5000 Seelen zählende Nest Coober Pedy, auch Opal- Miner City genannt. Die Bewohner leben in unterirdischen Maulwurfartigen Bauten und verbringen auch den Tag unter der Erde. Im Stollen. Mit Dynamit bestückt. Einblicke in das Leben der Opalschürfer im dynamitgeladenen Untergrund. Angetrieben von der Hoffnung auf schnellen Reichtum und dem Risiko ausgesetzt, mausarm zu scheitern. Echte Glücksucher also, aus allen Teilen der Erde.

Was zieht die Menschen nur hier her? Einöde, sengende Hitze, jede Menge Staub und Geröll und Strapazen ohne Ende. Nichts bleibt den Opaschürfern hier erspart. Vierfünftel der Bevölkerung lebt im Untergrund, in den Stollen, die Lüftungsschächte haben. Auch der Supermarkt, die Tankstelle und die Kirche sind im Untergrund.

Hier schürfen Männer aus Albanien, Italien, Kroatien, Griechen, Serben, Polen und auch Schweizer. Sie alle suchen nach Opal. Zu dieser Zeit konnte man sich einfach einen Claim abstecken und zu bohren und sprengen beginnen. Glückspilze, die Coober Pedy als reiche Männer verlassen haben, gibt es nur wenige. Dafür ist der Friedhof in dem Wüstennest recht gross.

Australia: Opal Miner Cementary at Coober Pedy in the Outback. Bild: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Hier gibt es auch einen Postboten für die Region. Die Tour des Postboten John Stillwell zeigt die hiesigen Dimensionen aufs Deutlichste auf. Zweimal pro Woche fährt John von Coober Pedy aus nach William Creek, ein Provinznest mit neun Häusern und dann nach Oodnadata, einer verkommenen Aborginies Siedlung und versorgt auf den 650 Kilometern noch drei Farmer mit der Post. John fährt die Tour nun schon seit sechs Jahren und hat die Strecke schon über 700 Mal gemacht.

Die Tour führt über die Moon Plain Area, eine trockene, steinige, sandige und mit kleinen Hügeln besetzte Mondlandschaft zur Rinderfarm Anna Creek, deren Zaun über 9600 Kilometer lang ist. Die Farm ist somit fast so gross wie die Niederlande. Dann fahren wir weiter nach William Creek und obschonda nur neun Häuser stehen, gibt es eine, wahrscheinlich die teuerste Satelitenfunk-Telefonkabine sowie einen schattigen Parkplatz samt Parkuhr. Weiter geht es einem alten Aborginies Trail entlang unterirdischen, heissen Quellen und der Great Overland Telegraph Linie von London nach Sydney in das indigene Kaff. Bei Sonnenuntergang spielten wir noch eine Runde Wüstensand-Golf.

Am Cape Tribulation wo der Regenwald aufs Great Barrier Reef trifft

Ausgangspunkt vieler Angereisten ist das «Tapukjai Cultural Village», in dem die Besucher/innen der Kultur der hiesigen Aborigines näher geführt werden. Die Geschichte und Kultur der Ureinwohner werden uns eindrücklich vor Augengeführt. Fährt man der Küste entlang weiter nördlich, kommt man erst nach Palm Cove, ein kleines charmantes Nest, dann geht es nach Port Douglas weiter, wo die berühmte «Thala Beach Lodge» und die «Daintree Forest Lodge», mehrfach als umweltfreundlichste Unterkunft Australiens gekürt wurde. Im Wawu-Jirakul Spa(was in der Sprache der Ureinwohner soviel wie «Reinigung des Geistes» bedeutet)  , werden die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und +Ather zu einem fantastischen Wellness-Cocktail inmitten eines Wasserfalls im Urwald zelebriert, der den Kuku Yalanji Aborigines als heiliger Reinigungskral und Brook Shields als Yoga Ort diente. Für die Spa-Behandlungen werden nebst ätherischen Oelen auch verschiedene Sandsteine verwendet, welche die Aborigines nicht nur für ihre Körperbemalung sondern auch als Nahrung dient.

Der Aborigines läuft um die Quelle rum und greift an drei Stellen in die lehmige Erde und streicht einen Abstrich auf mein nacktes Bein. Sofort sehe ich dass der eine Streifen sandgelb, der zweite lehmgrau und der Dritte rötlich gefärbt ist. Siehst du hier haben wir Zink, Kuper und Calcium mineralhaltige Schichten. Wenn du keine Nahrung hast, spülst du den Lehmbrei runter und kommst so zu Mineralstoffen, erklärt er mir.

Kurz vor dem Millenium machte ich eine Australien Lifestyle-Reise der besonderen Art. Die besten Hotels, Spa-Lodges und Restaurants standen auf der Palette. Das führte zum Flagschiff der australischen Hotellerie «Hayman Island» in den White Sunday Island», zum neu eröffneten «Palazzo Versace Hotel» und zu Luxus Outback Feeling Lodges «Peppers  Hidden Vale» and «Spicers Peak Lodge». Auf dem Weg zu dieser geriet mein Geländewagen auf der nassen Natur- und Splitterstrasse durch ein Ausweich-Manöver infolge hervor springender Kängurus ins Schleudern und in einen Stacheldrahtzaun, der über die ganze Motorhaube, Windschutzscheibe und das Dach schrammte, sodass das brandneue Fahrzeug total schrottreif aussah aber immer noch fuhr. Nur die zerkratze Windschutzscheibe trübten den Fahrspass.

Von Cairns flog ich nach Sydney und fuhr die Great Ocean Road runter bis nach Melbourne und von dort im Staat Victoria zu den Schaffarmen. In Adelaide besuchte ich die Biokosmetik-Firma «Jurlique», die ich dann in der Schweiz einführte, da ich damals u.a. für eine Kosmetikfirma arbeitete. Auf einer weiteren Australien-Reise waren Tasmanien und Westaustralien dran sowie Perth und der «Pinnacles Nationalpark».

Zu den Australien Printreportagen:

Australien-Spezial                                                                                          

Australiens Lockruf zieht Schwärme nach Downunder                                     

Melbourne zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt                                        

Australiens Top Spa’s und Gourmet-Lokale                                                                        

Die Hoffnung lebt im Untergrund                                                              

Downunder kannst du was erleben                                        

Südsee: An der Pforte zum Paradies

French Polynesia: The Helicopter flight shows the beautifull lagoon from Bora Bora Island. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Ein Mosaik aus Licht und Farben umspielt die weit versprengten Inselkette. Jedes dieser von smaragdgrüner Vegetation überzogenen Islande ist von türkisblauen und kranzförmigen Riffen umsäumt. Sie begrenzen die Tiefe des Meeres, kehren dessen opulente Unterwasserpracht nach oben und entfalten die Schönheit der farbenprächtigen Korallengärten mit grosser Artenfülle und schirmen die oft nur weinge Meter über der Meeresoberfläche gelegenen Islande gegen die Brandung ab. .

Nach einem unendlich langen Flug von Zürich, via Paris, New-York, San Francisco und Hawaii landete ich an der «Pforte zum Paradies» auf Tahiti – auch «Insel der Liebe» genannt und Synonym für den Stoff aus dem die Träume sind. Das französische Übersee-Territorium mit seinen 118 Inseln ist aufgeteilt ind die Austral- und die Gesellschaftsinseln, die Marquesas  und den Tuamotu-Archipel. Da fällt die wahl schwer. Doch grundsätzlich stehen zwei sich zu einem fulminanten Ensemble vereinigender Inseltypen zur Auswahl: hohe Vulkaninseln wie Moorea, Huahine oder Tahiti und flache Atolle wie Tetiaroa.

Tahiti, die «Insel der vielfarbigen Wasser» ist auch Symbol für den verklärten Mythos, der die Südsee wie ihr funkelndes Firmament mit zauberhaften Impressionen überziehen. In der Südsee hat der Schöpfer einmal zeigen wollen, was er zu leisten vermag, hielt der Dichter Robert Brooke fest. Auch Gaugin geriet in einen malerisch impressionistischen Farben- und Sinnesrausch. Vorallem  Moorea die keine halbe Stunde mit dem Katamoran von Papeete entfernt ist, wird von vielen ins Herz geschlossen. Berühmt wurde die Ferieninsel, auf der etliche Vulkanspitzen wie Lanzen in den Himmel ragen, durch Dino de Laurentis Film „Meuterei auf der Bounty“ Gleich neben dem 900 Meter hoch aufragenden Mount Rotui liegt die berühmte Cook Bay.

French Polynesia: The Helicopter flight and airshot from Bora Bora Island shows the beautifull lagoon. Bild: Gerd Müller

In der Tat kommt man nicht umhin, die Südsee in den schönsten Farben zu malen und in den höchsten Tönen zu loben. Angesichts der sanftmütigen und straken Ausstrahlung der Insulaner, ist man versucht ihre Welt zum Paradies auf Erden hochzustilisieren. Wenn anmutige, kräftige Männer pfeilschnell mit ihren Kanus durch das Wasser rudern oder anmutige Geschöpfe unter den Kokospalmen, Mango-, Papaya-, Avocado- und Brotfruchtbäumen sitzen.

Seither messen die Europäer die Südsee mit der Elle ihrer Wünsche und Träume; phantasieren, fabulieren und dichten Poeten aller Coleur viel verrückt Schönes zusammen. Doch ein Ort der lasterhaften Vergnügen  ist die Südsee trotz allen matriarchalischen Sitten und der freizügigen Sinnlichkeit nicht. Aber auffallend viele Transvestiten (raerae) geben sich in Papeete ein Stelldichein. Und eine polynesische Besonderheit sind die Marus – von klein auf von den Müttern feminisierte Söhne, zumeist die Letztgeborenen in einer Familie, die keine Töchter hat. Sie benehmen sich wie Frauen und verrichten die Hausarbeit. Beide Randgruppen erfreuen sich einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz.

French Polynesia: The Helicopter flight shows the beautifull lagoon from Bora Bora Island. Bild: Gerd M. Müller/GMC

30 Jahre nach der französischen Invasion auf Tahiti und Mururoa durch ein Heer von Atomphysikern, Ingenieuren und Militärs, kennen die Südsee-Insulaner nicht nur den Gott der Liebe, sondern auch den Gott und die Macht des Geldes. Das Leben im Paradies hat seinen Preis. Der Preis für den Luxus ist hoch. Probleme mit Alkohol und anderen Drogen sowie die Armut und Verslumung nehmen zu.

Jedem seine Trauminsel

Tatsächlich kommt man als Reiseberichterstatter nicht umhin, die Südsee in den schönsten Farben zu beschreiben und angesichts der sanftmütigen und beschaulichen Lebensart der überausgastfreundlichen Insulaner zum Paradies hochzustilisieren. Hohe Vulkaninseln wie Moorea, Huahine und Tahiti, flache Atolle wie Marlon Brandos Reich Tetiaroa. Huahine teilt sich wie Tahiti in eine grosse und eine kleine Insel auf. Dazwischen eine Meeresenge, die bei Surfern sehr beliebt ist. Bora Bora besitzt gewissermassen die spektakulärste und schönste Lagune der Welt. Fürwahr ist das nur 30 Quadratmeter kleine aber 30 Millionen Jahre alte Atoll ein kostbares Juwel im Pazifik. Auch Moorea hatten damals viele Touristen in ihr Herz geschlossen aufgrund des dort in der Oponohu-Bucht gedrehten Filmes «Die Meuterei auf der Bounty».  

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Zu den Südsee Printreportagen:

Südsee: An der Pforte zum Paradies  (Brückenbauer)    

Polynesien: Himmel auf Erden (Der Bund)     

Südsee: Eintauchen ins Paradies  (Aargauer Zeitung)                                                

Südsee der Himmel auf Erden (Vita Bella)

Online Buchauszüge im Ueberblick

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND ÖKO-PROJEKTE

Online Buchauszüge «Nomadenleben für die Reportage Fotografie» im Ueberblick

FA-18 military jets from Swiss Airforce escorting civil airplaine in the swiss alps

Zitat:   Nichts bewegt sich in deinem Leben, wenn du dich nicht selbst bewegst

 
Die Jugendunruhen zu Beginn der 80er Jahre                                                       

Ungehemmte Lust an der Befreiung von allen Zwängen                                     

Spirituelle Reisen in Spanien, Marokko, Portugal                                                          

Kontraste im Sengegal, in Polen und London                                                         

Südafrika: Im Kampf gegen die Apartheid im Untergrund    

Apartheid: Das rabenschwarze Kapitel der Schweiz             

1994: Mandelas Besuch in der Schweiz         

Im Strudel Schweizer Politskandale                                                                          

Mit Niklaus Meienberg in der Asylantenempfangsstelle                                        

Besuch bei den Bushmänner im Okavango-Delta

Die Buschmänner, deren Leben bald Geschichte ist                                              

Grenada 94: Auf dem Flugzeugträger US John Rodgers                                    

1993: Initant des Calypso & Steeldrum Festivals                                                  

Stets sozial engagiert und ökologisch interveniert                                                      

Soziales und politisches Engagement in der Schweiz                                               

Malediven 93: Die ersten Anzeichen des Klimawandels                                         

Borneo 96: Bei den handicapierten Orang Utans                                   

Mexico: Osterprozessionen und Indioaufstände

Kolumbien: Höllentrip in im Dienste der Swissair                                                     

Der Klimawandel das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz  

Australien Offroad-Trips

Highlights in Brasilien                                                                                                  

Aegypten 2004: Bei den Beduinen im Sinai                                                              

Libanon 2006: In Beirut im Palästinenser-Flüchtlingscamp                                   

Iran-Schweiz: Zu Gast in der Iranischen Botschaft in Bern                                    

Indien: Kurz vor Moodys Wahl in Gujart                                                                   

Namibia: Interteam EZA-Einsatz und HIV-Projekt Oa Hera   

Print-Publikationsübersicht 

Auszüge aus dem noch unveröffentlichten Buch «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Im Strudel Schweizer Politskandale

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller     

Schweizer Atomkraftwerke abschalten: Zehntausende von AKW-Gegnern versammels sich in Döttingen im Kanton Aargau

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Mit enfant terrible Niklaus Meienberg im Asylantenzentrum

In den 80er Jahren hatte ich gute Jobs. Erst arbeitete ich bei der «Brauerei Hürlimann» im Export, dann bei einer Handelsfirma am Bahnhofplatz, der ich den gesamten Import von Getreidemehl aus Schweden vom Strassenverkehr auf die Bahn verlagerte und so nicht nur ein ökologisches Ziel umsetzte, sondern der Firma auch noch sehr viel Geld sparte, da die Bahnlösung auch noch erheblich günstiger war.

Dann kamen drei Reiseleiter-Einsätze für je drei Monate im Senegal, in Polen und in London. Später arbeitete ich beim «Media Daten Verlag», der die «Werbewoche» und das «Media Trend Journal» heraus gab. Dann wurde ich Anzeigenleiter der «Neuen Zürcher Zeitung» für die Bereiche Tourismus, Schulen und Institute und der «Swiss Review of World Affairs», dem englisch sprachigen Magazin der «NZZ». Und schliesslich produzierte ich die Wälzer „Portraits der Schweizer Werbewirtschaft“ bei einem weiteren Verlag. So rückte ich dem Journalismus immer näher und ich beschloss das Handwerk über eine PR-Ausbildung zu erlernen.

Im Oktober 1989 nahm ich an einem einwöchigen Journalismus-Workshop mit dem linken Journalisten, Schriftsteller und Historiker Niklaus Meienberg teil, der den «Villiger-Skandal im 2. Weltkrieg» aufdeckte. Dieser führte uns überraschend nach Kreuzlingen zur Asylantenempfangsstelle, bei der wir noch am Abend unserer Ankunft eine menschenunwürdige Situation vorfanden. Vor der geschlossenen Asylanten-Empfangsstelle hatten gut ein Dutzend frierender Flüchtlinge ein Feuer angezündet, um sich vor der bitteren Oktoberkälte zu schützen und aufzuwärmen. Sie seien von der Asylanten-Empfangsstelle ausgeschlossen worden, erklärten sie uns. Die Polizei war gerade dabei das Feuer zu löschen. Das brachte uns in Rage. Und Niklaus Meienberg kam so richtig in Fahrt. Der wortgewaltige Hühne orchestrierte eine Schandtirade feinster Didaktik. Aber Meienberg wäre nicht Meienberg, wenn den Worten nicht auch Taten folgen würden und so wies er uns an, die Flüchtlinge in die Jugendherberge zu verschieben, die gerade noch geöffnet hatte. Der arme Herbergen-Verwalter fiehl fast vom Stuhl als er das Dutzend Flüchtlinge vor sich sah mit einer Schar angehender Journalisten. Jetzt ging das Prozedere mit den Papieren und Identitäten los und konnte nach den ersten fünf Personen, weil hoffnungslos, abgebrochen werden.

Meienberg indes hatte schon am nächsten Morgen die halbe Deutschschweizer Presse auf den Plan gerufen und über die menschenunwürdigen Vorkommnisse und Praktiken vor der Flüchtlingsstelle («Strafaktion») hingewiesen. So sahen wir uns plötzlich im Presse-Trubel mit einer Schar Journalisten konfrontiert und belagerten so das Flüchtlingszentrum, bis wir mit dem Leiter der Empfangsstelle eine Aussprache hatten. Dann kamen die Politiker und Stadträte, die Mauerten, Peter Arbenz, der Flüchtlingsdelegierte der dem Empfangsstellenleiter einen Persilschein ausstellte, die kirchlichen Organisationen, die mehr Menschenwürde einforderten. Und so war die ganze Woche action. Der Kurs ging damit zu Ende, dass jeder am Freitag-Abend die Story über das Geschehen der letzten Woche schreiben konnte und Meienberg einen kurzen Kommentar dazu abgab.

Ich hatte das Glück, dass mein Beitrag und der eines anderen Schreibwerkstatt-Teilnehmers in der damals noch renommierten Weltwoche an meinem Geburtstag abgedruckt. Ein erster Einstieg war gelungen. Das spornte mich an, weiter in diese Richtung zu gehen.

Der «Fichenskandal» und die «P-26 Geheimloge»

Zwei FA-18 Militär-Jets beim Abfangmanöver einer Passagiermaschine über den Walliser Alpen. Bild: GMC/Gerd Müller

In diesem Jahr war ans Licht gekommen, dass sowohl die Bundesbehörden als auch die kantonalen Polizeikorps seit 1900 rund 900’000 Fichen angelegt hatten. Laut offiziellen Angaben waren mehr als 700’000 Personen und Organisationen erfasst. Der Beobachtungsradius erfasste zuerst ausländische Anarchisten, Schweizer Sozialisten und Gewerkschafter, unwillkommene politische Flüchtlinge und Ausländer, die ausgewiesen wurden. Mit dem Aufkommen des Antikommunismus wurden vor allem linksstehende Politiker und Mitglieder von Gewerkschaften überwacht. Offizielles Ziel der Fichierung war es, das Land vor aus dem Ausland gesteuerten subversiven Aktivitäten zu schützen.

Die Bekämpfung der Subversion war während des Kalten Krieges ein weitverbreitetes Schlagwort. Die Parlamentarische Untersuchungskommission PUK brachte zu Tage, wie weit dieser schwammige Begriff aufgefasst wurde. Wie aus den Unterlagen der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA) hervorging, empfanden eifrige Staatsschützer „Alternative“, „Grüne“, Friedensbewegte, Drittwelt-Aktivisten, Frauenbewegungen und Fremdarbeiterbetreuer, Anti-AKW-Aktivisten, „Linke“ aller Art also per se, als potentiell gefährlich, denn sie könnten unterwandert, feindgesteuert oder manipuliert sein.

Auch ich bestellte meine Fiche, die dann doch überraschend detailliert war, was das Bewegungsprofil und die Kontakte angeht, aber ansonsten sehr belanglos war, bis auf die vielen schwarzen Stellen in dem 14 seitigen Protokoll, das wohl mehr die Spitzel-Identitäten verdecken und schützen sollten, als Staatsgeheimnisse, staatsfeindliche Aktivitäten oder Landesverrat der Überwachten zu Tage brachten. Es zeigte nur den blinden Eifer der Behörden und das traurige Abbild der Spitzel. Die wenigsten von uns waren Marxisten, Leninisten, Maoisten oder Kommunisten oder Staatsfeinde auch wenn das Motto: «Macht aus dem Staat Gurkensalat» skandiert wurden. Da wurde viel Staatspropaganda aufgefahren und mit Kanonen auf Spatzen geschossen, was sich letztlich aber an der Hartnäckigkeit der Ausläufer der „Bewegung» und ihren Forderungen als Bumerang erwies.

Dann gab es noch einen weiteren Politskandal: Die «P-26» Geheimloge (Projekt 26) war eine geheime Kaderorganisation zur Aufrechterhaltung des Widerstandswillens in der Schweiz im Fall einer Besetzung. Sie wurde 1979/1981 als Nachfolgerin des Spezialdienstes in der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA) eingesetzt und 1990 nach der Bekanntmachung durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) durch Bundesrat Moritz Leuenberger aufgelöst. Für die P-26-Mitglieder war in Friedenszeiten keine Bewaffnung vorgesehen, doch darum scherte sich der illustre Geheimbund nicht. Vorgesehen war, dass sie Gruppe auf Befehl einer allenfalls im Ausland verbleibenden Exilregierung aktiv würde, um als Nachrichtenquelle zu dienen. Ein Kampfauftrag war nicht vorgesehen. Der war allein der Armee vorbehalten. Dennoch hortete die Organisation Waffen und legte Munitionsdepots an.

Seit 2021 ist die Schweizer Luftwaffe an 365 Tagen 24 h zur Sicherheit unseres Luftraums im Einsatz. Bild: GMC/Gerd Müller

Beruflich war ich zu Beginn der 90er Jahre mit meiner Public Relation Ausbildung und bei der PR-Agentur «Leipziger & partner» in Zumikon beschäftigt. Der Chef Dr. Emil Schreyger war Oberst im Militär und auch sonst ein kleiner Nazi. Also nicht mein Freund. Aber beruflich gesehen, war er ein Ass und ich profitierte viel von seinem Know How und den Kontakten zu Zivilorganisationen wie «Helvetas» und dem «Europa Institut». Bei der Zumikoner PR-Agentur organisierte ich u.a. das «Forum 91» und das «Colloquium Sicherheitspolitik & Medien» mit «NATO»-General Klaus Naumann, zwei hochpolitische Foren mit hochrangigen Militärs, Politiker, Wissenschaftler und Medienvertreter. Da prallten zwei Welten aufeinander: Hier der junge Freak, der Sympathie für die «Armee-Abschaffungs-Initative» hatte und sich der Rekrutenschule entzog, dafür aber gerne Zivildienst leistete. Auf der anderen Seite das bürgerliche Establishment, die Spitze der Schweizer Armee bis hin zum Gastreferenten, «NATO»-General Klaus Naumann, der nur von drei Kantonspolizisten eskortiert herein kam.

Damals spielte ich in Gedanken das militärische «Worst-Case Szenario» für die Schweiz durch, von dem die keine Ahnung hatten. Ein reales Bedrohungsszenario wäre gewesen, bei dieser Veranstaltung in der ETH Zürich eine Bombe platzen zu lassen und auf einen Schlag die Führung der Schweizer Armee auszuradieren. Ich hatte noch ein paar 35mm Flabgeschosse von der «Oerlikon Bührle»-Manufaktur, bei der ich einst in die Lehre ging. Ein Terror-Abwehrdispositiv für die hochkarätige Veranstaltung gab es damals noch nicht, ansonsten hätte ich es ja im Detail gekannt. Da habe ich gemerkt, dass man auch als Pazifist ein paar abgründig terroristische Ideen haben kann, wie es in Militär und Spionagekreisen eben branchenüblich ist.

Presseagentur-Gründung und die Zeit als Radio-Moderator

Als ich 1992das PR Diplom in der Tasche hatte, gründete ich meine Presse und Bildagentur «GMC», bezog mit einem «K-Tipp» Recherche-Journalisten und zwei Medienschaffenden aus dem Hotel/Gastrobereich Büros beim Klusplatz, baute die Kooperation mit der Tourismus-Fachzeitschrift «Travel Inside» und einigen Deutschschweizer Tageszeitungen und internationalen Bildagenturen aus und reiste in diesem Jahr zwei Mal in die Karibik, zuerst nach Kuba und für einen Segeltörn von Grenada nach Trinidad und Tobago. Wir wollten den Karneval erleben und konnten mit dem Boot dann tatsächlich mitten im Hafen im Stadtzentrum fahren, dort anlegen  und von so bequem zu den Paraden und dann wieder zurück aufs Boot gehen.

Port of Spain: Prächtige Kostümparaden mit gigantischen Auswüchsen bei der Parade in Trinidad. Bild: GMC/Gerd M.Müller

Der Karneval in Trinidad riss uns derart mit, dass wir ihn nach Zürich holen wollten. Und das gelang uns, dank dem Trinidader Percussionist an Bord des Segeltörns. Ralph Richardson und seine Frau Angie spielten beide leidenschaftlich Steeldrum und Ralph unterrichtete einige Steeldrum-Bands und Kinderbands in Zürich. So verpflichteten wir Mighty Sparrow, der achtfache «King of Calypso» zu einem Exklusiv-Galakonzert im Hotel International in Oerlikon. Dazu arrangierten wir ein Open-Air auf dem Marktplatz in Oerlikon mit acht Stelldrum-Bands am Vortag, einem Samstag. Dank der Kooperation mit der «BWIA», der «British West India Airlines», die damals neu nach Zürich flog, konnten wir während sechs Wochen vor dem Calypso & Steeldrum Festival karibische Spitzenköche nach Zürich einfliegen, mit allen frischen Zutaten und reichlich tropischer Dekoration, um im «Hotel International» in Oerlikon karibisches Flair, tropische Cocktails und leckere exotische Spezialitäten und Speisen anbieten.  

Durch das «Calypso & Steeldrum Festival» konnte ich nicht nur mit Roger Schawinskis «Radio 24» kooperieren und gab sowohl bei ihm zu einem einstündigen Interview und Sondersendungen zu Gast sondern auch bei «Radio DRS 3», welches eine einstündige Sendung über den Calypso aus Trinidad und Might Sparrow machte. Zudem war natürlich auch Frederic Dru von «Radio Tropic» daran interessiert, diesen Event so richtig zu zelebrieren. Letztlich nach dem Konzert von Mighty Sparrow liess sich das Schweizer Fernsehen für ihre erste Reisesendung die Karibik zum Thema nehmen und sie luden Mighty Sparrow dazu ein. Denn der «SRF»-Reise-Redaktor Kurt Schaad und der Musik-Redaktor waren an unserem Galakonzert gewesen. Wir waren also die Inspirationsquelle für die Reisesendung.

Inspiert vom Notting Hill Carnival in London 1986 reiste ich ein paar Jahre später nach Trinidad & Tobago: Bild: GMC

Erfreulich war aber auch, dass ich bei «Radio Tropic» als Allrounder auf freiwilliger und unentgeltlicher Basis zu arbeiten begann und dann sehr schnell meine eigenen Reise-Sendungen mit den allierten Airlines und Reiseveranstaltern produzierte und dabei völlig freie Hand hatte. Das war eine geniale Erfahrung und ich habe zweistündige Spezialsendungen über Australien, Afrika und die Karibik gemacht.

Ein oder zwei Jahre später hatte ich dann die Gelegenheit beim «Radio Kanal K» ebenfalls Sendungen zu produzieren. Der als Untergrund Musik- und Kulturradio bekannte Sender im Kanton Aargau liess ebenfalls sehr viel Spielraum zu. Und so machte ich zur Verblüffung aller ein hochkarätiges Interview mit vier kantonalen Parteipräsidenten zur heiss debattierten Asylanten-Initiative der SVP. Mit dabei waren u.a. Gerry Müller, der später Stadtpräsident von Baden.

Der nächste Protagonist ist mein Lieblingsfeind Andreas Glarner von der SVP aus der Aargauer Gemeinde Arni. Schliesslich noch der kantonale FDP und CVP-Präsident. Eine reine Männerrunde also. Das war mein erstes derartiges und hochkarätiges Interview mit vier Spitzenpolitikern zu einem der heissesten Themen im Inland dazumal. Und ich glaube, ich habe es brilliant gemeistert und eine sehr engagierte und kontroverse Diskussion entfacht. Mein beruflicher Status als Fotojournalist und Radioproduzent sowie das veritable Bild- und Presseagenturnetzwerk liessen meinen Wert bei den Fluggesellschaften in die Höhe schnellen. Für Reisen nach Afrika rief ich die «SAA» South African Airways, in die Karibik flog ich mit der «BWIA», British West India Airlines, nach Brasilien mit der «TAM», zu den französischen Übersee-Territorien und in die Südsee die «AOM» und nach Asien «Singapore Airlines» und «Malaysia Airlines» von denen ich regelmässig die Flugtickets gratis erhielt, da ich hernach in mindesten sieben, oft mehr Tageszeitungen die Reportagen publizierte und auch für viele Hochglanz-Magazine arbeitete. Das war eine fantastische Zeit.

Ab den 90er Jahren veröffentlichte ich jahrelang regelmässig Reisereportagen, Aviatik-und Wirtschaftsberichte in den wichtigsten überregionalen Tageszeitungen «Aargauer Zeitung», «Der Bund», «Neue Luzerner Zeitung», «Solothurner Zeitung», «Südostschweiz» sowie im «Facts» in der «SonntagsZeitung» bevor ich mich ab 1997 auch auf Wellness, Beauty und Lifestyle-Features spezialisierte, die in Hochglanzmagazinen wie «Relax & Style», «World of Wellness», «Wellness Live», «Wellness Magazin» (D) erschienen. Auch im «Globo (D)», im «Medico Journal Reisen & Kultur», im «Animan», und im «Spiegel» wurden Reportagen von mir publiziert.

Politische Feier der Kommunistischen Partei und Ehrung von Sardar Vallabhbhai Patel in Ahmedabad

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller      

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Höllentrip in Kolumbien im Dienste der Swissair

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Die kolumbianische Ferieninsel San Andres liegt vor der nicaraguanischen Küste. Bild: GMC/Gerd m. Müller

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Hört oder spricht man von Kolumbien, dann ist meistens von Drogen, Mord und Korruption die Rede. Selten dringen die Sonnenseiten des kolumbianischen Lebens und die Schönheiten des Anden und Urwald-Staates ans Licht. Wer die Terra incognita im Garten Eden Südamerikas trotz Armut und Gewalt furchtlos gegenübertritt, der wird vom Zauber Kolumbiens und dem feurigen Temperament der Bevölkerung magisch angezogen sein.

Wenige Länder nur sind mit der imposanter landschaftlicher Vielfalt und einer unvergleichlichen Fülle von Naturwundern gespickt, wie der viertgrösste Staat Latinamerikas. Im Norden Kolumbiens dominieren die Ost-, West- und Zentral-Kordillieren. Drei wuchtige bis auf 5000 Meter ansteigende Andenstränge mit schneebedeckten Gipfeln, das topografische Panoptikum des Landes. Sie bergen fruchtbare Täler mit vulkanischen Ascheböden auf denen Kafeeplantagen, Gemüse- und Getreidefelder und Obstbäume gedeihen, duftende Blumen und Gewürzstauden blühen. Der Bergbau bringt die schönsten Smaragde sowie Gold, Platin, Silber und auch reichlich Kohle und Erdölvorkommen zu Tage.

In Amazonien ist es, als sei die Zeit stehen geblieben. Fitzgeraldos Abenteuer leben am geistigen Horizont wieder auf – noch immer lauern tausende Gefahren im tropischen Regenwald. Die Yaguas-Indios sind keine Bedrohung, obschon sie noch immer tödliche Giftpfeile aus ihren Blasrohren pusten, wenn Sie Jagd auf Tiere und Vögel machen. Krokodile und Pirahas verhindern ein Bad im kühlen Amazonas.

Die Sonne senkt sich gerade am blutrot gefärbten Horizon über dem dampfenden Urwald, wo das tropische Gewitter kurz vor Einbruch der Dämmerung heftig auf den esmeraldgrünen Dschungel niederprasselte und auch auf den silbernen Rumpf der DC-6, mit der wir mit lautem Propellergeheul durch den peitschenden Regen fliegen. Auch die Stirn des Piloten ist mit dicken Wasserperlen überzogen. Das sieht nach heftigen Landebedingungen aus. Dröhnend kämpfen die Propellermotoren gegen die dichten, schnell vorbeisausenden Wolkenschwaden an. Der Blick aus den kleinen runden Fenstern schweift über das Amazonasbecken, seine Flussläufe und Inseln. Nun setzen wir zur Landung an und gleiten bald über die holprige Urwaldpiste.

An Kolumbiens Karibikstränden lässt sich entspannt Ferien machen. Bild Gerd M Müller

In Amazonien ist es, als sei die Zeit stehen geblieben.Fitzgeraldos Abenteuer leben am geistigen Horizont wieder auf – noch immer lauern tausende Gefahren im tropischen Regenwald. Die Yaguas-Indios sind keine Bedrohung, obschon sie noch immer tödliche Giftpfeile aus ihren Blasrohren pusten, wenn Sie Jagd auf Tiere und Vögel machen. Krokodile und Pirahas verhindern ein Bad im kühlen Amazonas.Für kulturell Interessierte ist der Besuch Cartagenas, eine der schönsten Kolonial-Reliquien ganz Latinamerikas, das höchste aller Gefühle.

Die ehemals bedeutende Hafenstadt des Kontinents für den Sklavenhandel und Sitz des damals gefürchteten Inquisitionstribunals, ein Ort der Tragödie und der Helden, der Abenteurer und Legenden, ist reich an Burgen, Klöstern, und Museen, die alle zum Weltkulturerbe gehören.

Auf dem Flughafen von Villa Vicencio werden alle Flugzeuge auf Rauschgifft untersucht. Weiter hinten war keiner. Bild: GMC

Die Urstätten, kolonialen Metropolen Kolumbiens, die Dörfer der Yagua Indios bei Leticia im Dreiländereck, das karibische Flair der Ferieninsel San Andres vor der Küste Nicaraguas und die Behausungen der Bauern in den grossartigen Naturräumen fügen sich zu einem grandiosen Mikrokosmos zusammen.

Für Historiker, Architekten und kulturell Ambitionierte ist der Besuch Cartagenas, eine der schönsten Kolonial-Reliquien ganz Latinamerikas, das höchste aller Gefühle.  Die ehemals bedeutende Hafenstadt des Kontinents für den Sklavenhandel und Sitz des damals gefürchteten Inquisitionstribunals, ein Ort der Tragödie und der Helden, der Abenteurer und Legenden, ist reich an Burgen, Klöstern, und Museen, die alle zum Weltkulturerbe gehören.

Überragt von den Anden, vom Urwald umschlungen und von der karibischen und pazifischen Symphonie der Ozeane umwogt, brodelt das Leben der Kolumbianer zwischen Glück und Verzweiflung, Wut und Ohnmacht, pendelt von überschäumender Lebensfreude, getragen von fröhlicher Tanzmusik, bis hin zur tiefsten Traurigkeit über die Opfer der Armut, der Drogenbarone, korrupter Politiker und Tyrannen. Kolumbianer und Kolumbianerinnen leben, lieben und erleiden das Leben in vollen Zügen. Man wird mitgerissen, taucht ein, vielleicht auch unter und mit etwas Glück wohlbehüteter wieder auf – fast Fuss oder verlässt das Land wieder, gespickt mit unvergesslichen Erlebnissen.

Die Urstätten, kolonialen Metropolen Kolumbiens, die Dörfer der Yagua Indios bei Leticia im Dreiländereck, das karibische Flair der Ferieninsel San Andres vor der Küste Nicaraguas und die Behausungen der Bauern in den grossartigen Naturräumen fügen sich zu einem grandiosen Mikrokosmos zusammen.

Auch eine DC-10 der South African Airways traf ich auf dem Flughafen von Villa Vicencio an. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Also traf ich in Bogota den Chefredaktor, meinen Berufskollegen Hans-Jörg Egger. Von dort flogen wir in alle Richtungen. Zuerst nach Letiza ins Dreiländereck Brasilien, Kolumbien und Peru im Süden des Landes am Amazonas, nach Cartagena in die Kolonialperle, nach Cali, damals die Drogenhochburg von Pablo Escobar. Dann nach Villa Vicencio und schliesslich zur Karibikinsel San Andres hoch, die vor der Küste Nicaraguas liegt. Ein recht ambitioniertes Programm in einer Woche und das ging nur, weil wir jeweils so 15 Minuten vor Abflug der Maschine beim Flughafen eintrafen.

Das klappte bestens, nur beim letzten Flug nach Equador, der somit wieder ein Auslandflug war, hatten wir nicht daran gedacht, dass das Prozedere ja viel länger dauern würde. Als wir am Schalter ankamen und erfuhren, dass das Boarding schon abgeschlossen war, zeigte ich auf den Check-in Counter Angestellten zwei Visitenkarten und sagte: „Stop the airplaine, now, immediately“. Und rannte einfach durch das Gate vorbei an den überrumpelten Securities auf das Flugfeld hinaus. Hans-Jörg keuchte neben mir her, schliesslich hatten wir viel Kameragepäck im Schlepptau.

Ohne dass auf uns geschossen wurde rannten wir dem Flugzeug entgegen, das alle Türen geschlossen hatte und im Anrollen war. Gleichzeig sahen wir ein Treppenfahrzeug auf das Flugzeug zu rasen und der Jet stoppte. Nach einigen Dutzend Metern hatten wir es dann geschafft und durften die Treppe hocheilen, die Türen wurden geöffnet und wir waren an Bord. „Wow, was für eine geile Action“.  Warum die funktionierte und das Flugzeug anhielt, möchten Sie wissen? Tja, die eine Visitenkarte war die des kolumbianischen Luftfahrt-Minister und die andere, die des Flughafendirektors. Beide hatten wir interviewt. Und so kam es also, dass für uns zwei Schweizer Journalisten in Kolumbien ein Verkehrsflugzeug auf einem internationalen Flug auf der Rollpiste gestoppt wurde und die Bord-Türen aufgingen.

Auch mit dieser selbst gebauten Maschine flog ich. Ein aussergewöhnliches Erlebnis für einen Aviatik-Journalisten. Bild: GMC

Links zu ein paar Aviatik Print Publikationen:

Tempi passati am Amazonas  (Airport Magazi

Abenteuerlich von den Anden bis zum Amazonas (Der Bund)

Swissair: Personelle Probleme schon vor dem Start  (Facts) 

Wird die Swissair überleben? (Der Bund) 

Singapore Airlines: Im Himmelbett um die Welt (Relax & Style)               

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller     

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Interteam «EZA»-Einsatz in Namibia: HIV-Projekt Oa Hera

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Maltahoehe: The «Ama Buruxa» Chor in the «Oa Hera» Art-Center in Maltahoehe, where HIV-orphants are performing for HIV-prevention. Bild: Gerd M. Müller/GMC Photopress

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Namibia: The school for children, who lost their parents through HIV in Maltahöhe are playing rockstars. Bild: Gerd Müller

Interteam/NAcobta: Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Namibia

Durch meine vielen Reisen und Konflikterfahrungen wollte ich in die Entwicklungszusammenarbeit («EZA») einsteigen und via «Interteam», einer Schweizer Hilfsorganisation nach Namibia fahren und dort ab 2011 stationär drei Jahre im Bereich Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit bleiben und arbeiten. Konkret ging es um ein Projekt mit der lokalen halbstaatlichen Organisation «NACOBTA», welche die Ureinwohner ökologisch und nachhaltiger in die Tourismuswirtschaft integrieren wollten und die idigenen Stämme an der Entwicklung teilhaben liessen.

Leider kürzten ein paar andere ausländische Hilfsorganisationen ihr Budget für NACOBTA und so kam es leider auch nicht zu meinem «EZA»-Einsatz in Namibia. Dennoch wurde ich durch das« Interteam»/«NACOBTA»-Assessment neugierig auf das südwestafrikanische Land mit deutscher Kolonialvergangenheit und beschloss dorthin zu reisen. Ich sprach erst mit dem Interteam Repräsentanten dort, dann mit Vertretern von «NACOBTA» und beschloss nach einem Besuch in einem Spital in Rehoboth, dass von Schweizern finanziert wurde, quer durch das Land zu reisen und die geschützten Wildlife-Reservate zu besuchen.

HIV-Waisenkind in der Daweb-Schule in Maltahöhe vor der Kirche und dem Solidaritätsband. Bild: Gerd M. Müller

Da war zunächst einmal der Etosha Nationalpark mit seinem fantastischen Tierreichtum, der sogar das Okavango Delta übertraf, was Giraffen, Antilopen und Zebras betraf. Ich fuhr auch in Namibia ca. 5000 Kilometer aber relativ wenig Offroad. Dafür aber vom Caprivi-Streifen im Norden bis zum Fishriver-Canyon, dem zweit tiefsten der Welt.

Aber auch die Cheetah Foundation («CFF») in Ojiwaringo war ein eindrückliches Wildlife-Projekt mit einmaligen Erlebnissen. Zwar sah ich diese edlen, eleganten Tiere schon zum zweiten Mal in freier Wildnis, dafür aber auch gleich beim Jagen, als ein paar arme Kaninchen zum Aufwärmen und als Frühstückshappen freigelassen wurden. Später weiter unten im Süden beim Fish River Canyon und den Giants Playground fuhren wir mit einem Farmer auf seiner riesigen Farm herum und begegneten zwei prächtigen Gepard-Exemplaren, denen wir uns zu Fuss näherten und sie beschnuppern konnten. Besser gesagt, gerade umgekehrt.

Sie schlichen auf ihren Samtpfosten auf uns zu und kannten keine Scheu im Kontakt mit Menschen. Aber sie verhielten sich lange noch nicht wie zahme Hauskatzen. Der hautnahe Kontakt mit den gefährlichen Schmusekatzen endete für mich mit Glücksgefühlen, daich unter der Schnauze des Tieres lag und von dort Nahaufnahen machen wollte und auch konnte. Aber das Gefühl unter dieser Wildkatze zu liegen, sozusagen als ihr Beutetier, nur die Kamera schützend vor meinem Gesicht haltend, war schon ein Adrenalinschub erster Güte.

Namibia: Eine junge Frau mit ihrem neu geborenen Kind im Rehoboth Hospital, das von Schweizern finanziert wird.

Auszug aus dem Buch «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

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Mixteken Indios: Kreuzweg im Kreuzfeuer der Religionen

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomandenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Kreuzweg im Kreuzfeuer der Religionen titelte ich eine meiner publizistisch erfolgreichsten Reportagen. Bild: Gerd M. Müller

VORWORT

Der Zürcher Autor (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 70 Nationen und lebte in sieben Länder, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und dann im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) tätig. Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Oekoprojekte im südlichen Afrika und weltweit. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz. Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voller abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Lebens eben.

Oacaxa/Mexico: Auf dem Weg der sieben Stationen mit der Virgen de Guadeloupe in den Bergen von Zacantepec

Glanzvoll erstrahlt Mexicos Antlitz in der Wiege archaischer Indio-Hochkulturen. Sowohl die antiken Tempelanlagen als auch die kontrastreichen, prächtigen Kolonialstädte Oaxaca und SanCristobal de las Casas ragen wie Juwelen aus der schillernden Sierra Madre heraus. Die Heimat der Tzotziles, Tzetales, Chamulas und Lacandonen, geben sich die Ureinwohner inetwa so urtümlich wie Walliser oder Bündner Bergler. Und doch sind die Kultur, die Geschichte und die Landschaft der unsrigen nicht gleichzusetzen.

Ich verbrachte einige Tage in Oaxaca, eine prächtige Kolonialstil-Stadt. Auf dem Weg, meine Wäsche abzuholen, schaute ich zufällig in einen Hinterhof rein, in dem eine Frau mit langen, gekrausten Haaren an einer eigentümlichen Maschine stand und eine Arbeit verrichtete, die mich neugierig machte. Sie bemerkte mich und rief mich rein. Jetzt sah ich, was sie tat. Sie stand an einer uralten Lithografie-Anlage aus dem frühen 19. Jahrhundert und bedruckte gerade ein paar Lithos. Ich war unverhofft in das Atelier des berühmten oaxacenischen Malers Tamayo reingelaufen.

Wir kamen ins Gespräch und das über zwei Stunden lang. Sie erzählte mir, dass sie über Ostern in die Berge zu den Indios und ihren Prozessionen über die Osterfesttage fahren wolle, weil sie dem Lehrer einige Schulbücher bringen wollte. Das hörte sich verlockend an. Ich schloss mich ihr umgehend an und so fuhren wir am nächsten Morgen mit dem öffentlichen Bus in die Berge nach Zacantepec auf fast 3000 Meter Höhe. Die gut zehn stündige Fahrt war sehr beschwerlich. Die ganze Zeit oben am Griff festhaltend aufrecht zwischen Säcken, Hühnern, Kindern stehend, ständig hin und her schaukelnd, da der Bus sich über eine enge Geröll-Passstrasse mit grossen, tiefen Löchern in die Berge fauchend hochschraubte. Zwei Mal Rast gab es aufgrund der beiden Reifenwechsel.

Es war einfach total mystisch die Indios innig zu Virgen de Guadeloupe beten zu sehen. Bild: Gerd Müller / GMC Photopress

In der Dunkelheit bei dichtem Nebel kamen wir in dem Zapoteken-Indio Kaff an, das aus drei Steinhäusern, einem Zocalo und einer Kirche mit Wellblechdach bestand. Es gab ein einziges Guesthouse über dem einzigen kleinen Laden, der ausser ein paar Tonbüchsen und Mayonäse-Gläser noch ein paar Pfefferschoten, etwas Kaffee und Mezcal-Schnaps hatte. Eine Woche lang, gab es praktisch nichts zu essen. Schon bald waren Marcela, die bildhübsche Malerin und ich recht mystisch drauf. Und dann kam der Augenblick als aus allen Richtungen  tief verhüllte Indiogestalten aus dem gespenstischen Nebel auftauchten und zur Kirche strömten. Also gingen auch wir hinein. Dort hielt ein Padre in weisser Soutaine vor der Virgen de Guadaloupe, der schwarzen Maria Jungfrau, eine pastorale Rede im Indio-Dialekt. Doch viel faszinierender waren all die von tiefen Furchen geprägten Indiogesichter unter den Rebozas, den bunten Schals, die sie als Kopfbedeckung und über die Schultern trugen.

So buntgekleidetet sahen die Indio-Frauen auf dem Markt von San Cristobal aus. Bild: Gerd M. Müller

Spärliches Kerzenlicht, Kopal Weihrauchschwaden und ein am Boden ausgebreitetes, duftendes Meer fon Fichtennadeln sowie prächtig kostümierte Honoratoren mit silberbeschlagenen Stöcken als Insignien ihrer Würde, verwandeln das Kirchenschiff in eine mystische Welt.

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, die Indios in so einer christlichen Pose zu sehen. Ich hatte eine Winnetou geprägte Vorstellung von den Indianern, obschon ich auch in den USA zuvor welchen begegnet bin.. Dann ging es los, das heisst die Indio Frauen schulterten die Virgen de Guadeloupe und die Männer Jesus Christi auf ihre Schultern und dann zog der ganze Indiotross in die Berge hoch. Sie teilten sich in zwei Gruppen auf. Ich entschloss mich dem Frauen Fakel und Kerzenlichterzug zu folgen. Und so kletterten wir die schmalen, rutschigen Pfade hoch und unterwegs gab es ein paar Kreuzweg-Rituale und bei der 7. Station versammelten sich die beiden Züge auf einer kleinen Lichtung mit einem Platz um die Bannerträger und knienden Frauen mit den Weihrauchgefässen.

Die Indio-Frauen breiteten ihre txtilen Schätze auf dem Markt von San Cristobal aus, die sie selber gestrickt hatten.Bild: GMC

Jetzt hielt der Padre wieder eine Ansprache und in diesem Moment riss der Himmel zum ersten Mal ganz auf und die Sonne erschien wie ein Bannstrahl auf die kleine Indiogemeinde. Auch die Gesänge versetzen mich irgendwie in Trance. Es war aussergewöhnlich diese spirituelle Erfahrung als Einziger Weisser und Ausländer unter den Mixteken Indios zu erleben. Ich verschmolz sozusagen mit Ihnen und Ihren Ahnen.

Da ich versteckt Fotos von der Wiedervereinigung von Jesu Christi und Maria Jungfrau machte, erschrak ich heftig, als sich aus dem Kreis der Würdenträger einer herauslöste und auf mich zu kam. Ich bekam schiss, sie hätten mich beim Fotografieren erwischt und ich würde nun als Opfer dargebracht und an der Lanze aufgespiesst. Die Furcht war nicht unbegründet, denn in Chiapas wurden schon Touristen umgebracht, die die einheimischen Indios fotografierten. Stattdessen wurde ich als Geste der Gastfreundschaft mitten ins Zentrum der Prozession geholt und durfte einen der drei Bannerträger sein. Welch eine Geste und Ehre für mich. Ich war sehr gerührt.

Mexico: Die Kolonialstadt Oaxaca war Ausgangspunkt unserer Reise in die Berge zu den Mixteken in Zacantepec. Bild: GMC

Umso mehr öffnete ich mich nun den Indios und verfiehl in den folgenden Tagen und abgefahrenen Prozessionen auch öfter Mal in Trance. Und das ganz ohne Pilze oder andere Drogen. Nur mit einer halben Flasche Mezcal beruhigte ich den Hunger und die Rache «Montezuma’s». Und infolge des Nahrungsmittelmangels und der Höhe wirkte sich der Alkoholpegel besonders gut auf die rauschartigen Trancezustände aus. Da gab es keine Sprachbarrieren mehr und das universell Verbindende überwand alle kulturellen Grenzen.

Und dank der jungen Malerin aus dem Atelier des berühmten mexikanischen Malers «Tamayo» erfuhr ich mehr und mehr über die Geschichte und Identität der Mixteken. Ich verbrachte mit Marcela noch einige Wochen auf Streifzügen durchs Indio-Land und Jahre später kehrte ich als Journalist nach Mexico zurück, 1994 als in Chiapas die Indio-Aufstände eskalierten und das mexikanische Militär und die Soldaten der Armee in die Region der sechs Dörfer und in San Cristobal de las Casas einmarschierten, um die «MARCOS»-Rebellen zurückzudrängen und den Indio-Aufstand zu zerschlagen.

Der Schweizer Ausland-Journalisten-Crew in Zeiten des Marcos Indioaufstandes in Monte Alban. Bild: GMC

Die sechs Buchstaben «MARCOS» waren die Anfangsbuchstaben der sechs aufständischen Indio-Kommunen in der Umgebung von San Cristobal. «M»argaritas, «A»ltimirano, «R»ancho, «N»uevo, «C»omitan, «O»cosingo und «S»an Cristobal. Zehn Kilometer weiter, liegt San Juan Chamula, dem Dorf der traditionsverhafteten Chamulas, wo am 1.1.1994 der Aufstand begann. Das Juwel und der Kristallisationspunkt der chamulenischen Glaubenswelt, wo Gott und die Göter verschmelzen, Christus vom Kreuz gestiegen ist, um als Sonne wiederaufzuerstehen, ist die barocke Dorfkirche aus dem 17. Jahrhundert.

In Ocosingo flogen uns, als ich mit einer Ernährungsberaterin für Säuglinge einer Hilfsorganisation vor Ort war, die Kugeln nur so um die Ohren und ich hatte Glück, dass mich keine davon traf. Nachdem ich diesem brandgefährlichen Ort wieder entflohen war, erlebte ich dann in Chiapas noch ein schweres Erdbeben und in Yucatan einen Hurrikan. Also Mexico hat nicht mit Eindrücken gespart. Das war ein höllisch heisses Land, mal ganz abgesehen von all den Drogenkartellen, die sich damals gerade bekämpften.

Dank der jungen Malerin Marcela Vera aus dem oaxacenischen Atelier Tamayo erhielt ich Zugang zur Indio-Welt. Bild: GMC

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller     

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Zu den Print Reportagen über Mexico (Links folgen in Kürze):

AT/BT: Kreuzweg im Kreuzfeuer der Religionen                                                        

Basler Zeitung: Kreuzweg im Kreuzfeuer der Religionen  

Der Bund: Kreuzweg durch die Bergwelt Oaxacas

AT/BT: Von Göttern inspiriertes, von Gott beselltes Indio-Reich  

Aargauer Tagblatt: Kreuzweg im Kreuzfeuer der Religionen 

Aargauer Zeitung: Kreuzweg durch die Bergwelt Oacacas  

Sonntags Zeitung: Zukunftsprojekt ohne die Sünden der Vergangenheit      

Brückenbauer: Mexicos wilder Süden                                        

Contruire:L’Etat rebelle du Chiapas   

Sonntags Zeitung: Lockruf eines geschmähten Kontinents

Die Jugendunruhen zu Beginn und der Rest der wilden der 80er

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Zürich wie man es sonst nicht kennt: Die Stacheldraht-Industrie hatte Hochkonjunktur während den Jugendunruhen (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Platzspitz-Vollversammlung der „Bewegig“. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“) Bild: zvg.

1980 war das Jahr, das die biedere Gesellschaft in der Schweiz aufrütteln sollte und im Lauf der 80-Jahre umpflügen würde. Im Mai desselben Jahres begannen die «Zürcher Jugendunruhen». Auslöser dafür war die Unzufriedenheit der Jugend mit den für Junge zur Verfügung stehenden Freiräumen. Das manifestierte sich am augenfälligen Beispiel der bevorstehenden Abstimmung über einen Subventionsbeitrag von 60 Mio. Franken an das Opernhaus und im Gegenzug keine 10‘000 Franken für die «Rote Fabrik», damals das einzige Jugendkulturzentrum der Stadt Zürich.

Zu jener Zeit gab es die Sperrstunde für alle um Mitternacht. Eine halbe Stunde später mussten alle brav zu Hause sein. Der Freizeitspass und weitere kulturelle Angebote hielten sich in engen Grenzen. Freiräume für pupertierende Jugendliche gab es überhaupt keine. Einzig ein oder zwei Freizeitzentren, die auf Sport fokussiert waren. TV, Radio, Nightlife, Internet, Streaming komplett tote Hose. Gute Musik oder Filme absolut rar. Dann kamen Videotheken auf und der «Walkmen» verändert die Musikwelt. Aber ohne Handy, Labtop, PC, Social Media und Co. war das Leben so trist wie bei den Corona Lockdowns einfach ohne Internet, digitale Medien und Smartphones. Kein Wunder, dass es in der jugendlichen Szene schon länger brodelte. Und plötzlich entlud sich das Pulverfass, das die Gesellschaft nicht nur in der Schweiz sondern in ganz Europa erschütterte. Nach den 68ern kam die nächste anarchistische Jugendrevolte.

In der Schweiz war es grau und trist in jeder Hinsicht. Die Bevölkerung verharrte in ihrem biederen, konservativen Korsett. Die Tristesse war weit verbreitet in Europa. Der «Kalte Krieg», die Mauer und die Bedrohung durch die Kommunisten, der Vietnamkrieg, der immer brutaler und grotesker wurde. Erst die flächendeckenden Napalm-Bombardements auf die Zivilbevölkerung. Die «Clockwork Orange» Entlaubungsaktionen, die grauenhaften Bilder von brennenden Menschen und Kindern, all die verstümmelten Toten und die Gefangenenlager.

Das Perverseste an diesem Vernichtungskrieg war, dass er jahrzehntelang nicht vom Kongress abgesegnet war, sondern von der «CIA» finanziert war. Und  wie hat die «CIA» die Kriegskosten bezahlt? Indem sie im Goldenen Dreieck das Opium tonnenweise in die leeren Bombenflugzeuge verfrachtete und nach Mexico brachte, wo das Opium zu Heroin verarbeitet wurde. So hat sich Amerika die Heroinflut vor die Haustüre gebracht und den Mexikanern die Drogenkartelle beschert. Bei dieser kafkaesken Operation ist der CIA definitv das «I» komplett abhanden gekommen.

Durch den «Kalten Krieg» kam die atomare Bedrohung hinzu und nicht zuletzt die Gefahr von den Atommeilern selbst. Die Schweiz wollte damals eine Atommacht werden. Im Zuge dieser irrwitzigen Absicht, ist es in der Schweiz im Januar 1969 zu einem Reaktorunfall in Lucens im Kanton Waadt gab. Und später haben die Gebrüder Tinner bewiesen, dass man das Know How auch exportieren kann. Die Schweiz hat nicht nur Pakistan sondern auch Südafrika mit Atom-Know-how versorgt.

Beim Versagen des Kühlsystems eines experimentellen Reaktors im Versuchsatomkraftwerk Lucens (VAKL) im Kanton Waadt gab es im Reaktor eine partielle Kernschmelze. Im Mai wurde der Reaktor in Betrieb genommen, aber bald bis wieder abgeschaltet. Während dieses Stillstandes lief Wasser über eine defekte Gebläse-Dichtung in den Kühlkreis des Reaktors. Die aus Magnesium bestehenden Brennstab-Umhüllungsrohre korrodierten. Als der Reaktor im Januar 1969 wieder in Betrieb genommen wurde, behinderten die Korrosionsprodukte die Kühlung. Der Brennstoff überhitzte, die Brennstäbe schmolzen und gerieten in Brand. Das brachte den Moderatortank zum Bersten. Dabei wurden 1100 kg Schweres Wasser geschmolzenes radioaktives Material und Kohlendioxid (Kühlmittel) in die Reaktorkaverne geschleudert.

Züri brännt und das wiederholt. Am Samstag war das Niederdorf dicht und die Demos begannen. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Doch zurück nach Zürich zur hiesigen Lage: Schon im Vorfeld der Abstimmung für den Opernhauskredit am «Allmendfest», dem jährlich stattfindenden, dreitägigen Pfingstfest in der Allmend mit den ersten Open Air Konzerten, wurden Flyer für eine Demo verteilt und Jugendzentren gefordert. An diesem warmen und wunderschönen Pfingst-Wochenende wurde für mich die Bedeutung der Hippi-Bewegung so richtig vor Augen geführt. Natürlich kifften fast alle auf dem Gelände. Einige hatten auch einen LSD-Trip intus und die Stimmung war grandios. Die Musik war rockig, punkig und auf Rebellion getrimmt. Schliesslich brodelte es schon seit den 68er in der Subkultur unter den Jugendlichen. Da kam dieser Power-Sound gerade zur rechten Zeit.

Zufällig fuhr ich am Samstag-Nachmittag des 30. Mai 1980 mit dem Tram beim Zürcher Opernhaus vorbei, exakt in dem Moment, als Hundertschaften von Polizisten aus dem von Demonstranten blockierten Opernhaus-Eingang herausquollen und auf die am Boden liegenden Personen (die sogenannten «Kulturleichen») einschlugen. Sie traten auf Frauen und Männer gleichermassen ein. Diese brutalen Szenen verschlugen mir und auch anderen Passanten den Atem und liessen meinen Bauch explodieren. Sogleich stieg ich aus dem Tram, da brannten schon die ersten Container und die Scharmützel mit der Polizei begannen.

Als die Polizisten gleich mit aller Härte vorgingen und mit Tränengas und Gummigeschossen um sich schossen, als auch Wasserwerfer einsetzten, eskalierte die Situation innert wenigen Stunden, da sich an diesem frühen Samstagabend viele Jugendliche infolge des Bob Marley Konzert im Hallenstadion befanden und dann in die Innenstadat strömten. Viele nahmen spontan an den Protesten, die sich schon zu veritablen Strassenschlachten ausgeweitet hatten, teil. Von da an hatte die Polizei für drei, vier Tage nichts mehr unter Kontrolle und die Strassenkämpfe entluden sich mit voller Wucht.

Der Kantonspolizeiposten am Limmatquai wurde umzingelt, zwei der Polizei-Fahrzeuge brannten völlig aus. Auch der Eingang zum Rathaus sah übel aus. Die Stadtluft im Niederdorf war geschwängert mit beissenden Tränengasrauchschwaden, dichter, als London im November-Nebel. Das Ausmass der Zerstörung war ebenso unglaublich, wie die Ohnmacht der Sicherheitskräfte, als sich der jahrelang aufgestaute Frust der Jugendlichen und Alt-68er in blanke Wut verwandelte, angestachelt durch die Gewalt der Ordnungskräfte beim friedlichen Opernhaus-Protest, mit dem die Demonstranten den Opernhausbesucher die einseitige Subventionspolitik aufzeigen wollten.

Der ersten Krawallnacht folgten einige weitere Schlachten im Lauf dieses Jahres, in der sich die «Bewegig» der Autonomen jeweils Mittwoch‘s in den Volksversammlungen («VV‘s») im Volkshaus oder auch Mal auf dem Platzspitz formierte. Fast jeden Samstag waren Demonstrationen angesagt. Regelmässig verbarrikadierten die Geschäfte im Niederdorf um 14.00 Uhr ihre Schaufenster mit Brettern, weil die Proteste weiterhin an Fahrt aufnahmen und sich bis hin zu Grossdemonstrationen mit fast 20‘000 Personen formierten. Die Forderung der Jungend war schlicht und einfach: „Ein Autonomes Jugendzentrum!“, ein «AJZ» muss her! Und zwar „subito!“

Am 15. Juli 1980 sollte in der Sendung «CH-Magazin» einer der grössten Skandale in der Geschichte des Schweizer Fernsehens stattfinden und Gesprächsthema Nr. 1 des Landes debattiert werden. (Die Zürcher Jugendunruhen, die mit solcher Heftigkeit über das biedere Land hereingebrochen waren schlugen die Wogen bis zum Hudson River und wurden auch von der «New York Times» aufgegriffen. Die beiden vom Fernsehen eingeladenen Vertreter/innen der Jugendbewegung, Herr und Frau Müller, liessen den beiden Stadtvertreter/innen, im Gespräch mit Stadträtin Emillie Lieberherr und dem Polizeikommandanten mit ihrer Persiflage die Hosen runter.

Die Protagonisten der Jugendbewegung, „Herr und Frau Müller“, kehrten den Spiess nämlich um und präsentierten sich als stock konservatives Paar, dass die Politik geradezu unverschämt dazu aufforderte, mit aller Härte gegen jene «Krawallanten» vorzugehen. Zur Option stünden viel grössere und härtere Geschosse z.B. aus Nord-Irland. Auch der Einsatz von Napalm müsse diskutiert werden. Ansonsten wäre es auch mit einem «Ticket nach Moskau“ ohne Rückfahrkarte getan. Zuerst war ich auch verblüfft und konsterniert, traute meinen Ohren nicht, verstand dann aber rasch die Pointe des kafkaesken Auftritts, der Schweizweit für Entrüstung und Schlagzeilen sorgte. „Châpeau, fein gemacht, compatriots!“

DIe Kantonspolizei inspiziert die demolierten und ausgebrannten Polizeifahrzeige neben dem Rathaus und Kapo-Posten (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Die überschäumende Kreativität der «Bewegig» und ihrer Aktivisten und Aktivistinnen gipfelte in einem weiteren Medien-Coup. Als der Tagesschausprecher Leon Huber die Nachrichten verlass, hielten ihm plötzlich zwei maskierte Männer das Schild «Freedom für Georgio Bellini» vor die Brust und in die Kamera. Und verschwanden unerkannt. „Wir haben uns fast zu Tode gegrölt über diese unverfrorene und medial spektakuläre Aktion“.

Dann gab es noch die Nacktdemos, auch dies ein bisher Undenkbares Ereignis im spiessigen Zürich, einer Stadt, die an Prüderie kaum zu überbieten war, ein Zürich mit einer Sperrstunde ab Mitternacht und einem ganz konservativen kulturellen und musikalischen Korsett. Für Jugendliche und ihre Musik gab es keine Orte, an denen sie sich ohne Konsumationszwang hätten treffen können. Dabei brodelte es schon seit 1968 unter der Betondecke, dieser selbstgefälligen Stadt.

Das War die grosse Schlacht um das «AJZ», das Autonome Jugendzentrum am 14. September 1980. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Am 15. Juli 1980 sollte in der Sendung «CH-Magazin» einer der grössten Skandale in der Geschichte des Schweizer Fernsehens stattfinden und das Gesprächsthema Nr. 1 des Landes debattiert werden.  Die Zürcher Jugendunruhen, die mit solcher Heftigkeit über das biedere Land hereingebrochen waren und deren Wogen bis zum Hudson River schwappten und von der «New York Times» aufgegriffen wurden. Die beiden geladenen Vertreter/innen der Jugendbewegung, Herr und Frau Müller, liessen den beiden Stadtvertreter/innen, Stadträtin Emillie Lieberherr und dem Polizeikommandanten die Hosen runter.

Die Protagonisten der Jugendbewegung, „Herr und Frau Müller“, kehrten den Spiess nämlich um und präsentierten sich als stock konservatives Paar, dass die Politik geradezu unverschämt dazu aufforderte, mit aller Härte gegen die «Krawallanten» vorzugehen. Zur Option stünden viel grössere und härtere Geschosse z.B. aus Nord-Irland. Auch der Einsatz von Napalm müsse diskutiert werden. Amsonsten wäre es auch mit einem «Ticket nach Moskau“ ohne Rückfahrkarte getan. Auch ich war zuerst verblüfft und konsterniert, traute meinen Ohren nicht, verstand dann aber rasch die Persiflage und die Pointe des kafkaesken Auftritts, der Schweizweit für Entrüstung und Schlagzeilen sorgte. „Châpeau, fein gemacht, compatriots!“

Glänzende Politsatire und schockierte Zuschauer bei der Sendung mit dem Ehepaar Müller. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Legal? Illegal? Scheissegal, so waren wir drauf

Als dann nach monatelangen Protesten endlich das «AJZ» (Automes Jugendzentrum Zürich) auf dem heutigen Car-Parkplatz in einer alten Fabrikanlage aufging, entlud sich das ganze Kreativpotential, das so lange im Verborgenen schlummerte. Das war ein radikaler Schub für die gebeutelten Stadtindianer/innen. Autonome sprossen aus allen WG-Löchern hervor, die Hippies lebten ihren Kult und ihre Musik nun hemmungslos in aller Öffentlichkeit aus. Zumindest im «AJZ» – einem in der Tat rechtsfreien Raum aber mit massiver Polizeiüberwachung durch Spitzel. Das Zürcher Polizeicorps wurde damals „subito» um über 30 Personen nur zur Überwachung der „Bewegung“ aufgestockt. Überdies wurde ein weitaus grösseres Heer von Spitzeln rekrutiert, um die Hippi-Szene und alle anderen subversiven Elemente zu überwachen. Und das waren viele.

Zugegeben, nach all den Repressionen und drakonischen Strafen wurden die Sprüche der Jugendlichen radikaler. „Macht aus dem Staat, Gurkensalat», war nur eine der unmissverständlichen Parolen, die überall an den Wänden prangten und bei den Demos skandiert wurden. Das war damals schon „Landesverrat“ und so wir wurden auf die Stufe von Terrorristen gestellt und wahlweise als Kommunisten, Maoisten oder Palästina-Sympatisanten hingestellt.

Der Staat ging mit aller Härte auf die Aktivistinnen und Aktivisten los. Es gab im Bildungssystem, in der Verwaltung und in Teilen der Wirtschaft geheime Absprachen über Arbeits- und Ausbildungsverbote von „Linken“ bei Tätigkeiten wie Lehrer und Pädagogen, Piloten, Ingenieure usw.. Auch den Militärdienstverweigerern wurden viele Berufsbildungstüren verschlossen und einige Tätigkeiten verwehrt. Und dann kam es auch zu vielen Verstössen und Gewaltexzessen seitens der Polizei.

Einer meiner Freunde verlor ein Auge durch ein Gummigeschoss. Meine Freundin Lena schleiften sie an den Haaren herum und ihr Gesicht war arg zerschrammt. Auch ich wurde einmal mit 300 anderen Personen verhaftet und während der 24 stündigen Untersuchungshaft illegal erkennungsdienstlich behandelt.

Ein Freund von mir war nicht der einzige, der ein Auge voneinem Gummigeschoss verlor. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Einige weitere spektakuläre Guerilla-Aktionen, zeigten uns, dass die Demut und der Respekt vor der Obrigkeit am erodieren war. «Underground»-Bar’s und illegale Clubs schossen wie Pilze aus dem verdorrten Zürcher Boden. Gekifft wurde überall auch im Freien und in den Parks kreisten die Joints und Bongs und die Polizei kam nicht mehr nach, überall einzuschreiten. Die Marihuanna «Duftsäckli-Euphorie» und der Duft der Freiheit waren einfach zu gross und der süsse Gras-Geruch überströmte den Abgas und Dieselgeruch bei weitem. Nie war die Freiheit lebendiger und grösser, als in den 80er Jahren, einer Zeit, die ich als «Zenit des letzten und dieses Jahrtausends» bezeichne.

Am Zürichsee-Ufer wurde weit verbreitet oben ohne gebadet und die Frauen genossen die Freiheit, mitunter auch die Freuden und die Unabhängigkeit, die Ihnen die Pille und damit die Schwangerschaftsverhütung verschaffte, voll auszuleben, was sich auch in ungehemmter Sexualität und Polygamie oder in Form von Schwulen- und Trans-Parties ausdrückte. Es war damals unter uns kein Verbrechen und weder für Frauen noch für Männer verpönt, mit Dutzenden von Partner Sex zu haben und im Verlauf eines Jahres verschiedene Partnerschaftsmodelle auszuprobieren. «Sex, Drugs & Rock & Roll» oder lieber «Amore et Anarchia». Was darf es denn sein?

Jede Art von Einschränkung wurde abgelehnt, Hedonimus war unser Ziel und die Zeit der Paradiesvögel angebrochen. Wir wollten uneingeschränkt experimentieren und die freie Liebe ausprobieren, derweil unverheiratete Paare noch nicht einmal zusammen leben durften. So prüde war Zürich und die ganze Schweiz damals. Umso erstaunlicher ist es, dass die Mädels dahin schmolzen, wie Eiscreme oder selbst das Zepter übernahmen, heftig flirteten und auf einen «One Night» Stand aus waren. Jedenfalls wurde man damals als junger Mann hin und wieder hemmungslos von Frauen angemacht, die nur ein Ziel hatten. mit dir das Bett zu teilen und alle möglichen Sachen auszuprobieren. Eine ebenso aphrodisierende wie inspirerende Zeit.

Kurz gesagt: Die Frauen waren für uns Lichtgestalten. Sehr selbstbewusst und experimentierfreudig. „One man, one vote“, das galt bei der Jugendbewegung für Männer und Frauen gleichermassen. Es gab sehr viele Aktivistinnen, die sich entweder Gehör verschafften oder einfach taten, was sie wollten und wie sie es wollten und es störte sich aus unseren Kreisen niemand daran. Wir, also auch die Männer, schminkten uns gegenseitig und ich lief öfters mal mit schwarz geschminkten Lippen, farbenfroh bemaltem Gesicht und flatterndem Haar durch die Strassen zur «Roten Fabrik“, ins «Drahtschmidli» oder ins «AJZ». Einer der vielen Stadtindianer eben.

Diese ungehemmte Lust an der Befreiung von allen Zwängen hielt bis zu den ersten HIV-Infektionen ab Mitte der 80er Jahre an und erschütterte vorerst einmal nur die Schwulenszene. «AIDS» war zu «AJZ-Zeiten aber noch kein Thema und so entwickelten sich auch in der Horizontalen viele neue Experimente und Lebensentwürfe. Die ersten Teenager kamen gerade von Indien, von Baghwan aus «Poona» zurück und waren entweder total «high» oder ständig «stoned». Der Afghanistan Krieg dagegen spülte unendlich viel Afghan-Haschisch und Heroin, der Bürgerkrieg im Libanon den «roten Libanesen» in unsere verrauchten WG-Stuben und veränderte das Leben, als auch das Stadtbild und zugleich die politische Weltanschauung.

Es war die Zeit der «Rolling Stones», der «Doors», «Deep Purple», von Bob Dylan, Janis Joplin und Jil Scott Heron. Es war die Zeit der «Punks», der Rebellion, der freien Entfaltung, der Sex- und Drogenorgien und Strassenschlachten. Nichts war mehr wie früher und es gab auch kein zurück.

Sex, Drugs oder «Amore et Anarchia»

Eine der Grossdemonstrationen am Limmatquai mit einem Aufmarsch von über 15000 Demonstranten. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Als Mitte der 1970er eine Punkszene in New York und folgend in London entstand, schwappten die Ausläufer auch auf die Schweiz über. Schnell entwickelten sich in lokale Szenen, allen voran in Zürich. 1977 gab es in Zürich einen harten Kern von etwa 50 Jugendlichen, welche die Schweizer Punk- und New Wave-Bewegung massgebend beeinflusste. Ihre ersten Treffpunkte waren der Punk-Kleiderladen «Booster» mit und der «Club Hey» mit den ersten Punk-Discos.

Im Umfeld verschiedener autonomer Netzwerke wie der Reithalle in Bern oder bei Hausbesetzungen, bei denen die Punks an vorderster Front standen. So findet man zum Beispiel auch in Winterthur politisierte Punks., die sich häufig als Gegenbewegung zum rechtsextremen Umfeld in der Schweiz verstehen.

Mit dem Piratensender «Radio 24“ von Roger Schawinski, der erst vom «Piz Gropera» aus Italien sendete, wurde auch die karge Medienlandschaft, bestehend aus «Radio Beromünster» (unsäglich) dem Schweizer Fernsehen (langweilig und einfältig), dem «ORF» (ebenso bieder) und der «ARD» (nicht viel besser), umgepflügt. «M-TV» hielt Einzug mit den ersten Kultvideos und revolutionierte nicht nur die Musikwelt sondern auch die Jugendszene und Subkultur. Und mit Radio DRS3kam noch ein Jugendsender in der Schweiz hinzu. Erst später bekamen dann auch Lokalradios eine Lizenz und bald gab es in jedem Kanton mindestens einen, wenn nicht zwei Radio-Sender.

Die ersten Wohngemeinschaften zu Beginn der 70er Jahre bereicherten die neuen Lebensentwürfe und Formen der Jugendbewegung und schufen auch viel Solidarität und Engagement mit anderen Untergrundbewegungen, Freiheitskämpfern und unterdrückten Staaten wie Palästina, Nicaragua und das von US-Soldaten besetzte Vietnam. Die Zeit war reif, für grosse gesellschaftspolitische Veränderungen, die nicht zuletzt auch durch die musikalischen Protagonisten unserer Zeit zu denen nebst den «Rolling Stones», «Queens»,, David Bowie Janis Joplin und Jimi Hendrix oder «The Scorpions» auch massgeblich auch durch die «Punk-Bands» angefacht wurde. Zürich wurde zum Hot Spot für die aufblühende Jugendkultur, die gerade in allen Farben und Formen explodierte und die Grundlage für den unglaublichen Liberalisierungsschub lieferten. So ausgeflippt und trendy hat man die Stadt Zürich, Bern und Basel nie zuvor und nie mehr danach gesehen.

DIe letzten Widerstandskämpfer bei der Stürmung des AJZ. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Jährlich starben Hunderte an Heroin

Wir gingen neugierig und mit Respekt auf das andere Geschlecht ein und auf Andersdenkende oder Aussehende zu und das machte die Bewegung so einzigartig. Es war die Zeit der Paradiesvögel und der Anarchisten. Wir debattierten und kritisierten heftig, stritten und solidarisierten uns mit anderen unterdrückten Völkern. Im Strudel der explosiven Befreiung und des grenzenlosen Lebens wurden rauschende Parties ohne Ende gefeiert, aber immer mehr harte Drogen, wie Heroin, kam dazu.

Als das «AJZ» in einer alten Fabrikanlage beim Carparkplatz am Sihlquai aufging, spülte es allerlei schräge Vögel und Drogendealer mit rein. Bald lieferte sich die italienische Drogenmafia mit der türkischen einen gnadenlosen Bandenkrieg, der teilweise auch im «AJZ» ausgetragen wurde. Eine Weile lang, war es richtig gefährlich, sich mit diesen Typen anzulegen und wir mussten einen Wachdienst aufziehen um die schlimmsten Eskalationen zu verhindern.

In den frühen 80er Jahren starben Hunderte Jugendliche jährlich an einer Überdosis «Aitsch». Die Situation verbesserte sich erst, als die Methadon-Abgabe eingeführt wurde und die Fixer und Drogentoten von den Zürcher Strasse verschwanden und sich in den Kontakt- und Methadonabgabestellen wieder trafen.

Ich bin damals mit 17 Jahren aus der Elternwohnung aus- und in eine Wohngemeinschaft (WG) an der Forchstrasse gezogen, in der Rico Bilger und Tommy Müller, zwei Literaten wohnten und die Kulturzeitschrift «Babayga» herausgaben, die in der Spinnerei Wettingen von Kaspar Pfenninger gedruckt wurde. Ein weiterer Wohngenosse arbeitete im grössen Plattenladen von Zürich und er hatte über 900 LPs (Schallplatten) in die WG verfrachtet. Dadurch eröffnete sich so ein musikalisches Universum für uns alle und wir schwebten im Siebten Himmel.

Von da an ging die Post ab. Wir alle waren „subversive“ Elemente in den Augen der Obrigkeit. „Also lieber subversiv, als konservativ“, sagten wir uns gelassen. Unverheiratete Paare durften damals noch nicht zusammen leben. Da uns das offensichtlich „Wurscht“ war, sah die Polizei öfters mal ungebeten in der WG rein. Da sich dort in der untersten 5-Zimmer Wohnung zumeist Tag und Nacht 10-15 Leute aufhielten, waren die Zweier-Patrouillen leicht überfordert und zogen unter Hundegebell und Beifall rasch wieder ab. Umso mehr wurden wir dafür bespitzelt, da hier auch viele «AJZ»-Aktivistinnen und Aktivisten ein und aus gingen.

Doch anstatt «aus dem Staat Gurkensalat“ zu machen, explodierte das Kreativpotential in der Gastronomie, Clubszene und in der Medienlandschaft. Schliesslich ging uns ja nicht um die eine Konterrevolution und Abschaffung der Demokratie oder der Etablierung einer Anarchie anstelle von Parlament und Bundesrat, sondern schlicht um mehr Freiheit in der Freizeit, im Beruf, in der Familie, bei der Sexualität, beim Drogenkonsum und dem Nachtleben. So wurden die Bewegten medial sehr kreativ, gaben Strassenzeitungen heraus, druckten Flyer und Poster, hängten sie auch auf (Wildplakatierung) und probierten allerlei auch Mist aus. Zürich entwickelte sich von einem Provinznest zur Weltstadt und führte zu einem der bedeutendsten, gesellschaftspolitischen und kulturellen Wandel der letzten 50 Jahre in der Schweiz.

Sobald das «AJZ» beim heutigen Carparkplatz aufging, machten wir uns daran, das alte Fabrikareal und Gebäude umzubauen und einzurichten. Es wurden allerlei Gruppen gebildet: Handwerkergruppen,  die «Beizengruppe», die «Frauengruppe», die «Drogengruppe» und die «Kurvengruppe», also für Jugendliche, die von zu Hause ausgebüxt und polizeilich ausgeschrieben waren. Zwei meiner Freunde, die Rimoldi-Brüder, waren in der «Beizengruppe», meine Freundin Michele in der «Kurvengruppe» und ich bei der „Drogengruppe“.

Es war eine rauhe, aber herrliche Zeit, eine grandiose Aufbruchstimmung. Das «AJZ» war in der Tat sehr autonom und wir  alle eine grosse bunte Familie von kreativen Individualisten, Alchemisten, Anarchisten und Überlebenskünstler. Die Heroinschwemme führte auch zu sehr jungen Toten. Die Jüngsten waren gerade mal 13 Jahre alt. Das war «too much». Die unmenschliche Misere dauerte so lange, bis das Methadon-Programm auch infolge von HIV-Infektionen zum Zug kam und Dr. Uchtenhagen die Junkies von der Gasse holte und sie nun endlich menschlich betreut wurden.

Einer der Höhepunkte zu dieser Zeit war das spontane Konzert von Jimmy Cliff auf dem Carparkplatz. Er kam eines Morgens ins «AJZ» mit seiner Entourage und war begeistert von der Zürcher Jugend Bewegung und dem «AJZ». Und zwar so sehr, dass er sich zu einem spontanen Konzert hinreissen liess und wir in Windeseile versuchten eine Bühne zu bauen und die Installationen für die Musikanlage und die Lautsprecher vorzunehmen.

Radio 24, Schawinskis Piratensender auf dem Piz Gropero erfuhr davon und so sprach sich das Spontankonzert schnell in der ganzen Stadt rum. Ab 16.00 Uhr strömten immer mehr Jugendliche zum AJZ und brachten den Tram und Strassenverkehr am Sihlquai zum Erliegen. Auf dem Platz fanden sich an die 3000 Personen zusammen, die frenetisch und voll berauscht mit Jimmy Cliff in Ekstase gerieten. „Unforgetable times, indeed – prägend für viele meiner Generation.

Ohne weitere Worte. (Bild zvg. Verlag ohne Zukunft aus Kultbuch der „Zürcher Bewegung“)

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

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Kenya: Nach ethnischen Konflikten in der IKRK-Mission in Eldoret im Rift Valley

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Nach den ethnischen Unruhen im Rift Valley wollte ich mir selbst ein Bild machen und fuhr mit dem IKRK rum. Bild: GMC

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Zwe Rot-Kreuz Fahrzeuge fahren zur einer von zehn Rot Kreuz Holzwerkstätten für den Wiederaufbau der Bauernhäuser

2008 kam ich nach Kenya, besuchte erst die Region beim Samburu Nationalpark und war im «Joys Camp» stationiert. Es war eine schöne entspannte Reise  Dann ging die Reise nach Mombasa, um die Touristenenklave kennenzulernen und traf dort im «Haller Park» ein, der von einem Schweizer renaturierte Wildlife-Reservat. Das war sehr beeindruckend. Von den Chimpansen über Krokodilie und Riesenschildkröten gab es fast alles. Schulkinder kamen in Scharen. Für sie war es nicht nur ihr Ausflug in den Zoo sondern auch eine Lektion über Wildtierschutz und die Bedeutung ihrer Oekosysteme, sprich ihrer Umwelt und dem Verhalten der lokalen Bevölkerung. vorbildlich.

Die Reise führte weiter zum «Ol Pejeta Rhiino & Chimpanzee Sanctuary» in der Nähe des Mount Kenya. Wie der Name schon sagt wurden dort vor allem Rhinozerosse vor Wilderern geschützt und eine grosse Chimpansen-Kolonie gehegt und gepflegt. Zum ersten Mal berührte ich dort die Panzerhaut eines Nashorns, als ich ehrfürchtig neben einem dieser Bullen und dem Landrover stand und hoffte, dass mich das zwei Tonnen Muskelpaket als harmlosen Spatzen betrachtete. So geschehen.

Eine von zehn Rot-Kreuz-Holzwerkstätten für den Wiederaufbau der Bauernhütten von vertriebenen Flüchtlingen. Bild: GMC

Nachdem ich meine Wildlife-Neugier gestillt hatte, kam wieder die humanitäre Mission dran. Zurück in Nairobi ging ich zum «IKRK»-Hauptsitz und machte ein Interview mit dem Stellvertretenden Generalsekretär James Kisia über die Lage der Flüchtlinge im Rit Valley nach den blutigen Unruhen und ethnischen Vertreibungen. Und ein weiteres Interview mit dem Tourismusminister, Najib Balala, den ich auch auf die Konflikte ansprach und der zwar überrascht aber sehr souverän darauf reagierte.

Schliesslich flog ich nach Eldoret hoch und ging zum lokalen «ICRC» Red Cross Commitee. Mit den dortigen Mitarbeitern fuhr ich drei Tage lang in den  die Flüchtlingscamps herum und sah mir die Wiederaufbauprojekte an. Es schien mir noch ein langer Weg zurück zur Normalität zu sein und das Elend in den Flüchtlingslagern mit insgesamt über 100000 Personen war bedrückend.

Ich war froh, dass meine nächste Mission wieder im Bush mit den Wildtieren statt fand. Denn von Nairobi, reiste ich via Johannesburg, Gabarone und Maun wieder einmal ins Okavango Delta und zwar zu den renommierten «Wilderness Wildlife Fund (WWF) Bush-Lodges und besuchte dort auch die HIV-Foundation «Children in the wilderness».

Auszug aus dem Buch «Highlights of a wild life» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller

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Kenya Red Cross Mission Eldoret: Dirty roads and sometimes bloody work. bad condition and trouble-shooting everywhere

IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie dies tun wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Hilfsprojekt-Empfänger/innen.