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Reportagen und Berichte von Gerd Müller/GMC Photopress

Swiss Deluxe Hotels steigern Logiernächte und Umsatz im Jahr 2018

Zürich, 21. März 2019 – Nach den bereits stark angestiegenen Übernachtungszahlen in den Swiss Deluxe Hotels im Jahr 2017 konnte im letzten Jahr erneut ein Wachstum von 3.45 Prozent auf total 1’229’448 Logiernächte verzeichnet werden. Das Wachstum zieht sich durch alle Schlüsselmärkte, wenn auch moderater und ausgeglichener als im Vorjahr. Der Schweizer Heimmarkt – nach wie vor der mit Abstand grösste Markt – bleibt stabil und hat die sehr guten Vorjahreszahlen bestätigt. Erneut kräftig zugelegt haben die USA inkl. Kanada sowie die Staaten der Golfregion. Der konsolidierte Umsatz über die ganze Gruppe stieg um 4.55 Prozent auf CHF 1.52 Mrd. an .

Die Swiss Deluxe Hotels weisen für das Jahr 2018 ein Total von 1’229’448 Logiernächten aus, was einem Netto-Wachstum von 3.45 Prozent entspricht. Dabei wurde berücksichtigt, dass im Jahr 2018 die beiden Hotels Palace Luzern und Eden au Lac in Zürich wegen Umbauarbeiten geschlossen blieben. Das heisst, die Zahlen der beiden Hotels wurden bei den Berechnungen der Differenz zu 2017 nicht mit einbezogen. Der Gesamtmarkt der Hotellerie in der Schweiz hat im ähnlichen Umfang – nämlich um plus 3.8 Prozent – zugelegt. Die Schweizer Hotellerie erreichte damit 2018 mit insgesamt 38.8 Millionen Logiernächten einen Rekordstand.

Schweizer Heimmarkt und Deutschland wachsen moderat Damit konnten die Swiss Deluxe Hotels im vergangenen Jahr ein moderates, aber dennoch stabiles Wachstum über fast alle Schlüsselmärkte erzielen. Die Gäste aus der Schweiz sind mit über 357’000 Logiernächten immer noch für knapp 30 Prozent der Logiernächte verantwortlich, und die Anzahl Übernachtungen ist nochmals um 1.7 Prozent gestiegen. Das ist eine erfreulich stabile Entwicklung, die die Bedeutung des heimischen Marktes unterstreicht. Deutschland hat 2017 mit plus 22 Prozent ein grosses Comeback gefeiert. Letztes Jahr fiel das Wachstum mit plus 1.6 Prozent wieder deutlich moderater aus. Aber auch das zeigt eine stabile und gesunde Entwicklung, die weiter nach oben zeigt.

USA und Golfregion mit konstantem Wachstum Die USA legen mit 8.6 Prozent erneut stark zu und behaupten ihre Position als grösster ausländischer Markt. Auch wenn die konjunkturelle und wirtschaftspolitische Stimmung in den Vereinigten Staaten nicht mehr ganz so hoch einzustufen ist, hat die touristische Nachfrage in den Swiss Deluxe Hotels noch nicht im grossen Stil nachgelassen. Im Windschatten der USA hat auch Kanada spektakulär zugelegt im letzten Jahr.

Die Länder aus der Golfregion (GCC) setzen ihr konstantes Wachstum fort. Dies trotz anhaltender politischer Unruhen in der Region. China (+15.7%) weist wieder ein deutlich zweistelliges Wachstum aus und schliesst an die Dynamik des Vorjahres an. Das restliche Asien hat sich nach dem Exploit von 2017 wieder etwas normalisiert und steigt nochmals um 1.4 Prozent an. Der russische Markt zeichnet sich in den letzten Jahren durch sehr unstete Bewegungen aus und ist einer der wenigen rückläufigen Märkte in der Berichtsperiode.

Generell ist das Wachstum auf breiter Basis und auf verschiedene Märkte abgestützt. Das heisst, es lässt sich nicht an einem spezifischen Merkmal wie zum Beispiel der Wechselkursentwicklung festmachen. Auch wenn der wieder etwas erstarkte Schweizer Franken sicher geholfen hat.

Grosse Investitionen und Renovationen Auch im letzten Jahr haben die Mitglieder der Swiss Deluxe Hotels stetig an der Verbesserung ihres Produktes gearbeitet. So investieren sie jedes Jahr zwischen CHF 250 und 400 Mio. in die Infrastruktur. Derzeit sind zudem drei Totalsanierungen und -umbauten im Gang. Das Palace Luzern, das Eden au Lac in Zürich und das Grand Hotel Quellenhof & Spa Suites in Bad Ragaz sind zurzeit geschlossen und werden dieses oder nächstes Jahr im neuen Glanz wiedereröffnet.

Aber auch andere Mitglieder der Swiss Deluxe Hotels sind laufend daran, Zimmer und andere Bereiche des Hotels zu renovieren. Zum Start in die Wintersaison 2018/2019 wartete das Kulm Hotel St. Moritz mit 40 neu gestalteten Zimmern und Suiten im historischen Gebäudeteil Mittelkulm auf. Bei der grössten Renovierungsoffensive seit Hotelbestehen vertraute das Traditionshaus erneut auf die fachkundige Unterstützung des französischen Star-Architekten Pierre-Yves Rochon.

Das Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa in Interlaken investierte in den letzten vierzehn Monaten etwa CHF 14 Mio. in die Neugestaltung von rund siebzig Zimmern und Suiten. Nachdem bereits 2017 ein Teil der Räumlichkeiten im Victoria-Flügel umgestaltet wurde, umfasste die Modernisierung der letzten Monate weitere 42 Zimmer und Suiten.

Erneut Top-Rangierungen der Gourmet-Gastronomie Die Positionierung der Swiss Deluxe Hotels als offene, moderne und trendbewusste Häuser geschieht immer stärker auch über die Gastronomie. Und ein Blick in die aktuellsten Gourmetführer GaultMillau und Guide Michelin zeigen, dass auch im letzten Jahr wieder viele Chefs in den Swiss Deluxe Hotels Grossartiges geleistet haben und in der Bewertung ihrer Arbeit einen grossen Schritt vorwärts gegangen sind. Hier einige der Highlights:

• Bei der Verleihung von GaultMillau wurde Chef Fine Dining Heiko Nieder als «Koch des Jahres 2019» ausgezeichnet und erhielt den 19. Punkt für seine Kochkunst.

• Laurent Eperon, Chef im Restaurant Pavillon im Baur au Lac in Zürich hat kürzlich den zweiten Michelin-Stern verliehen bekommen. Dies nachdem er 2017 von GaultMillau als Aufsteiger des Jahres und mit 18 Punkten ausgezeichnet wurde.

• Tim Raue im Restaurant “The K” im Kulm Hotel St. Moritz wurde erst vor kurzem mit 17 GaultMillauPunkten ausgezeichnet, der Guide Michelin krönt die Zusammenarbeit des Berliners mit dem Kulm Hotel St. Moritz nun mit einem Stern.

• Das Park Hotel Vitznau ist wieder mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Patrick Mahler bekommt im Restaurant focus auf Anhieb zwei Sterne. Der 34-jährige Aargauer war zuvor als Küchenchef im Restaurant Prisma tätig (ein Michelin-Stern) und übernahm im Frühjahr 2018 das Fine Dining im Park Hotel Vitznau. Philipp Heid, sein Nachfolger im Restaurant Prisma, übernahm nahtlos. Er setzt auf eine Fusion Cuisine und wird gleich im ersten Jahr mit einem Stern ausgezeichnet.

Ausblick optimistisch, aber mit wirtschaftspolitischen Herausforderungen Das Jahr 2019 hat für die Swiss Deluxe Hotels im Allgemeinen sehr gut angefangen. Die Wintersaison 2018/2019 lief sehr gut, dank gutem Wetter und besten Schneeverhältnissen. Auch die Stadthotels vermelden einen guten Start ins Jahr und sind optimistisch, was das laufende Jahr betrifft. Es bestehen aber weiterhin grosse Herausforderungen für die Branche, wie zum Beispiel die Rekrutierung von genügend Fachkräften oder das wirtschaftspolitische Umfeld, das mit Entscheidungen und Entwicklungen aufwartet, die sich stark auf die Hotel- und Tourismusbranche auswirken werden. Als aktuelles Beispiel ist hier die Abstimmung zum EU-Waffenrecht vom 19. Mai 2019 zu nennen: Sollte das revidierte Waffengesetz an der Urne abgelehnt werden, droht der Schweiz der Ausschluss aus dem Schengen-Abkommen. Als SchengenMitglied ist die Schweiz Teil des europäischen Visaverbunds. Mit einem Wegfall des Schengen-Abkommens würden demnach die liberalen Visa-Bestimmungen hinfällig. Darunter würde der Tourismus massiv leiden. Ein Ja zum revidierten Waffengesetz erhält hingegen den Status quo und somit die vielen Vorteile von Schengen/Dublin. Die Swiss Deluxe Hotels werden sich in diesem Abstimmungskampf zusammen mit dem Branchenverband hotelleriesuisse für die Interessen des Tourismuslandes Schweiz einsetzen.

Gut, dass sich die Jugendlichen einmischen

Jugendliche streiken fürs Klima, nun unterstützen Forschende ihre Anliegen. Reto Knutti über eine unerwartete Wende in der Klimadebatte und die gesellschaftliche Rolle der Wissenschaft.

Die Wissenschaft verfasst einen Klimabericht nach dem anderen, die Politik debattiert endlos über mögliche Massnahmen, doch passieren tut wenig. Dann provoziert die schwedische Schülerin Greta Thunberg weltweite Streiks für Klimaschutz. Und nun unterschreiben über 12’000 Wissenschaftler einen Appell zum Handeln, den Klimaforschende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam verfasst haben1. Warum mischen wir uns ein?

Die Fakten sind klar

Der Klimawandel ist real, der dominante Anteil menschgemacht, die Auswirkungen sind heute schon deutlich, viele sind nicht rückgängig zu machen. In einer idealen Welt liefert die Wissenschaft die faktischen Grundlagen, und die Gesellschaft entscheidet über die besten Massnahmen. Die Realität ist jedoch weit davon entfernt.

Erstens produzieren einflussreiche Netzwerke alternative Fakten, um Zweifel zu streuen und Politik und Gesellschaft zu beeinflussen2. Zweitens folgen die Handlungen nicht eindeutig aus den Fakten – entscheidend sind Werte. Ist die beste Schweiz diejenige mit hoher Biodiversität, jene mit intaktem Klima oder die mit einem hohen Bruttosozialprodukt?

Was man tun «muss», ist abhängig vom Wert, den man der Welt gibt, die unsere Kinder und Grosskinder erleben werden: Will man in den nächsten paar Jahren lediglich den Profit optimieren, dann sind Klima oder Biodiversität egal. Nicht aber, wenn man die Lebensgrundlagen langfristig sichern will. Die international akzeptierten Ziele der nachhaltigen Entwicklung sind als Grundprinzipien auch in der Schweizer Bundesverfassung verankert. Auch alles auf die anderen abschieben geht nicht: Es gilt laut UNO Rahmenkonvention das Prinzip der «gemeinsamen aber differenzierten Verantwortung und Möglichkeiten»3.

Rein faktenbasierte Entscheidungen gibt es also kaum4. Es braucht dazu Kontext, eine Einordnung, Optionen und eine Diskussion der Prioritäten. Das gilt insbesondere für so genannte «verzwickte Problemen» wie Klima, Migration oder sozialer Gerechtigkeit, wo alles gleichzeitig Ursache und Wirkung ist und viele Akteure und Interessen mitspielen.

Beim Klima müssen wir handeln

Wer nun argumentiert, man könne in solchen Fällen gar nichts begründen oder entscheiden, irrt sich: Die Schweiz und andere Staaten haben sich darauf geeinigt, einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden5. Was gefährlich ist, war 1992 noch nicht definiert, aber mit dem Pariser Abkommen hat die internationale Politik ein klares Ziel von deutlich unter zwei Grad Erwärmung vorgegeben, mit Anstrengungen für 1.5 Grad.

Nur: Wir sind nicht auf Kurs. Darum braucht es ambitionierte Massnahmen. Selbst bei Fragen, in denen es wissenschaftliche Unsicherheit gibt, empfiehlt die UNO-Rahmenkonvention, dass vorkehrende Massnahmen angesichts drohender oder irreversibler Schäden nicht verzögert werden sollten5.

«Als Forschende müssen wir darauf hinweisen, wenn Fakten verzerrt werden, Wissenschaft instrumentalisiert wird, oder Massnahmen nicht genügen» , sagt Reto Knutti

Welche Massnahmen genau zu treffen sind, ist Gegenstand des politischen Aushandlungsprozesses, den die Wissenschaft weder vorgeben kann noch soll. Als Forschende müssen wir aber darauf hinweisen, wenn Fakten verzerrt werden, Wissenschaft instrumentalisiert wird, oder Massnahmen nicht genügen. Dann ist die Wissenschaftsgemeinde gefordert, die Fakten in Erinnerung zu rufen und darzulegen, dass es zwingend grössere Anstrengungen braucht, um die Ziele von Paris zu erreichen. Auch auf die Gefahr hin, dass der Wissenschaft unterstellt wird, sie sei politisch nicht neutral.

Berechtigte Anliegen

Grössere Anstrengungen sind tatsächlich notwendig. Genau das fordert die heute publizierte Stellungnahme der Wissenschaft1. Darin attestieren wir, dass die Anliegen der klimastreikenden Jugend aus wissenschaftlicher Sicht berechtigt sind. An Universitäten entwickeln wir nicht nur Grundlagen und Lösungen, sondern bilden auch junge Menschen aus, kritisch über die Welt zu reflektieren. Den Streik per se heissen wir nicht gut. Aber wir unterstützen die Schüler und Studierenden in ihrem Willen, sich in die politische Diskussion einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam nach konstruktiven Wegen zu suchen, wie wir die Schweiz und die Welt für die nächsten Generationen gestalten6.

Das Engagement der Jugendlichen fordert uns Ältere zum Handeln auf. Als Privatperson sowie als Wissenschaftler bin ich der Auffassung, dass man die Klimajugend ernst nehmen sollte. Auf jeden Fall ist die Zeit reif für ein gesellschaftliches Umdenken. Vielleicht braucht es dafür tatsächlich, wie oft in der Geschichte, eine Bewegung von unten – von den Jungen, die noch unbelastet vom Status-quo und leichten Herzens das Terrain für Veränderungen ebnen.

Referenzen

1 Unter der Bezeichnung «Scientists4Future» haben Klimaforschende der Schweiz, Deutschlands und Österreichs einen Handlungsappell publiziert, den bis dato über 12’000 Wissenschaftler unterschrieben haben, davon 1700 allein in der Schweiz. Die Stellungnahme kann noch bis 14. März hier unterschrieben werden.

2 Beitrag «Im Netz der Klimaleugner» in der NNZ am Sonntag.

3 UNFCC: UN Convention on Climate Change.

4 Stirling, 2010: Keep it complex.

5 UNFCC: UN Convention on Climate Change.

6 Kirchner, 2017: Science, politics, and rationality in a partisan era.

HANF-ANALTIK UND CBD- DECARBOYILIERUNG

Die Analyse von Hanfprodukten ist ein weites Feld und beruht auf Untersuchungen der Cannabinoide, Terpene, Mykotoxine, Schwermetalle, Pestizide und Lösungsmittelrückstände.  Darüber hinaus stehen Labors vor verschiedenen Heruasforderungen, um die einzelnen Cannabinoide für medizinische Zwecke präzise zu analysieren.

Zunächst einmal steht fest, dass die Cannabigerolsäure (CBGA) die Mutter aller Cannabinoide ist. Aus ihr werden alle Enzyme und die verschiedenen Cannabinoide gebildet. Die Bestimmung von CBGA ist daher sowohl im Anfangsstadium als auch im finalen Stadium essentiell. Es zeigt, ob und wie das volle Potential der Pflanze ausgeschöpft wurde. Die neutrale also decarboxilierte Form von CBGA ist das Cannabigerol (CBG). Auch dieser Anteil muss differenziert geprüft werden.

Die beiden Cannabinoide CBG (Cannabigerol) und CBD (Cannabinol) haben ähnliche chemische und physische Strukturen aber eine andere Wirkung im menschlichen Körper. Während die Cannabigerolsäure (CBGA) also am Anfang aller Cannabinoid-Prozesse steht, ist das Cannabinol (CBN) sozusagen das Fertigprodukt am Ende des Prozesses.

Weitere Cannabinoide, die es Wert sind, analysiert zu werden sind die Cannabidivarinsäure (CBDVA), das Cannabicyclol (CBL), die Cannabicyclolsäure (CBLA),  Cannabinol (CBN) und Cannabigerol (CBG). Darüber hinaus bei THC/CBD-Präparaten auch die 9-THC und 8THC Werte.

Zur Decarboxylierung der Cannabinoide einer Pflanze eignet sich Methanol, aber wenn man versucht CBD mit Methanol zu verarbeiten , führt dies zu falschen Analyseergebnissen. Noch difficiler wird die Analyse von Zwischenprodukten und Extrakten innerhalb der Hanfölproduktion. Offensichtlich ist, dass ein mit 20 % angereicherte CBD Rohextrakt nicht mit einer Outdoor-Pflanze mit einem CBDA-Gehalt von 1,5% verglichen werden kann.

Auch bei der Analyse der einzelnen Extrakte stellen sich verschiedene Probleme. So benötigt ein Labor immer eine Portion der von der gesuchten Substanz in höchster Reinheitsform zur Kalibrierung des Messverfahrens in einer zertifizierten Konzentration. Ein Milliliter (ccm) zertifiziertes Material kostet je nach Substanz zwischen 50 und 500 Euro und kann nur mit einer Ausnahme-genehmigung zur Suchtmittelverordnung (Suchtgiftlizenz) verbunden analysiert oder weiter verarbeitet werden.

Die Decarboxilierung, also der übergang von Säuren (THCA, CBDA, CBGA) in neutrale Formen (THC, CBD, CBG) ist zwar ein bei Cannabisprodukten erwünschter Prozess, aber nicht im Labor. Dort will man die Produkte so analysieren, wie diese letztlich sind. Zunächst sollte ein Labor also die Cannabinoide mittels Flüssigchromotografie (HPLC) analysieren können. Das Verfahren läuft bei einer Temperatur von ca 60 Grad ab.  Bei der Analyse mit Gaschromotografie kommen hingegen Temperaturen bis 250 Grad zum Einsatz, wodurch die Cannabinoide explosionsartig decarboxylieren. Daher kann nur die Summe aus der Säure und der neutralen Form bestimmt werden.

Ein weiterer Faktor ist die Trocknung der Blüten. Zwar wird oft 80 Grad als Decarboxilierungstemperatur angegeben, in Wahrheit reichen schon 60 Grad um binnen 24 Stunden sich die Hälfte der Säuren in neutrale Formen umgewandelt haben. Grower geben dem bei ca. 15-20 Grad gelagerten Grass ca. 2 Monate Reifezeit. Dann ist die Decarboxilierung ebenfalls bei niedrigen Temperaturen erreicht.  Ferner bestehen Abweichungen schon bei ein und derselben Pflanze von der Blütenspitze über das Mittelfeld bis zu den niedrigen Blüten hinunter.

Um das Potential einer Pflanze für einen bestimmten Wirkstoff in einer neutralen Form abschätzen zu können, wird ein internationaler Standard angewendet. Der Stellt das Verhältnis der Molekulargewichte fdar (z.B. CBD zu CBDA). Für CBD und THC ist dieser Faktor bei 0,877, für CBG 0,878. Es gilt also: (Analyseergebnis Säureform x 0,877) + Analyseergebnis neutrale Form = Summe des Wirkstoffpotentials. Im Detail sieht das so aus: (THCA x 0,877) + d9-THC + d8-THC = Summe von THC. Bei (CBDA x 0,877) + CBD = Summe CBD derweil bei (CBGA x 0.878) + CBG = Summe CBG gilt.

Inhaftierte saudische Frauenrechtlerinnen: Ist die Schweizer Humanität verstummt?

Reto Rufer, Kampagnenverantwortlicher für den Nahen Osten bei der Schweizer Sektion von Amnesty International, kommentiert die schweizerische Position wie folgt:  «Das Abseitsstehen der Schweiz und die Weigerung, sich in Genf öffentlich für die Freilassung der saudischen Aktivistinnen einzusetzen, ist zutiefst enttäuschend und wird dem Ansehen der Schweiz als Vorkämpferin für die Menschenrechte erneut schweren Schaden zufügen.»

«Bereits am WEF in Davos hatte Bundespräsident Ueli Maurer die Weltgemeinschaft mit seinen Aussagen, die Beziehungen zu Saudi-Arabien nach der Ermordung des Journalisten Khashoggi <normalisieren> zu wollen, irritiert. Wenn eine Normalisierung bedeutet, dass die Schweiz nun auch zu willkürlich verhafteten und gefolterten Frauenrechtlerinnen schweigt, wäre das ein schwerer Rückschlag für die Menschenrechte».

Hintergrundinformationen

Die Frauenrechtlerinnen Loujain al-Hathloul, Iman al-Nafjan und Aziza al-Yousef werden bereits seit Mitte Mai 2018 ohne Anklage von den saudi-arabischen Behörden in Haft gehalten. Die drei Feministinnen sind prominente Gegnerinnen des Fahrverbots für Frauen, das 2018 auf ihre Initiative hin endlich aufgehoben wurde. Kurz darauf inhaftierte man sie unter fadenscheinigen Anschuldigungen, die sich auf ihr frauenrechtliches Engagement bezogen. Die drei Aktivistinnen setzen sich für ein Ende der Diskriminierung von Frauen und die Abschaffung der männlichen Vormundschaft in Saudi-Arabien ein.

Die fünf inhaftierten Frauenrechtlerinnen sollen während der Verhöre sexuell belästigt, gefoltert und in anderer Weise misshandelt worden sein. Amnesty International ist aus drei Quellen darüber informiert worden, dass mehrere inhaftierte AktivistInnen in saudischer Haft wiederholt durch Elektroschocks und Stockhiebe gefoltert wurden, sodass sie weder laufen noch richtig stehen konnten. Eine der Frauen wurde einer Zeugenaussage zufolge beim Verhör durch maskierte Personen sexuell belästigt. Die Gefängnisbehörden sollen die inhaftierten Aktivistinnen zudem davor gewarnt haben, gegenüber Familienangehörigen irgendetwas über Folter oder andere Misshandlungen im Gefängnis verlauten zu lassen.

Amnesty International befürchtet, dass Loujain al-Hathloul, Iman al-Nafjan, Aziza al-Yousef, Samar Badawi und Nassima al-Sada vor das berüchtigte Sonderstrafgericht SCC gestellt werden könnten, dessen Verfahren oft nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprechen und das in der Vergangenheit bereits dazu benutzt wurde, MenschenrechtsverteidigerInnen zu sehr langen Gefängnisstrafen zu verurteilen.

Quelle: Amnesty International

Wie reziprok ist internationale Klimapolitik?

Das Pariser Abkommen beruht auf freiwilligen und somit eher schwachen Verpflichtungen. Anders als oft angenommen untergräbt das damit verbundene Trittbrettfahren der einen Länder das Engagement anderer nicht, schreibt Thomas Bernauer.

Wenn Du Dich an die Regeln hältst, halte ich mich auch daran – verletzt Du sie, pfeif ich ebenfalls darauf. In vielen gesellschaftlichen Bereichen verhalten wir uns nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit (auch Reziprozität genannt). Es verlangt ein wechselseitiges Geben-und-Nehmen.

Auch auf der internationalen Ebene spielt Reziprozität eine wichtige Rolle. Zum Beispiel in der Aussenhandelspolitik. Dort verpflichten sich Länder meist nur dann zur Marktöffnung, wenn das andere Länder ebenfalls tun. Es gibt aber auch Bereiche, wo sich Staaten mehrheitlich nicht-reziprok verhalten. Ein Beispiel ist die Uno Konvention gegen die Folter. Kaum ein Land wird diese Konvention kündigen oder verletzen und die Folter wieder einführen, nur weil sich andere Länder nicht an das Abkommen halten.

Die Klimapolitik, so die vorherrschende Meinung, folgt eher dem Muster der Handelspolitik als der Folter-Konvention. Viele Aussagen von Politikerinnen und Politikern deuten in diese Richtung, auch in der Schweiz. Die Argumente sind typischerweise: Nicht vorwärtsmachen, solange andere nicht handeln. Denn CO2 reduzieren verursacht hohe Kosten. Wenn andere Länder nicht mitziehen, entsteht ein Wettbewerbsnachteil, Jobs gehen verloren und die globalen Klimaziele werden trotzdem nicht erreicht.

Dass viele Länder zu wenig für den Klimaschutz tun, ist unbestritten. Doch schmälert dieser Umstand tatsächlich die Unterstützung für die Klimapolitik in anderen Ländern, also den politischen Willen ihrer Bürger und Regierungen, selber Emissionen zu reduzieren? Wenn die internationale Klimapolitik tatsächlich stark auf Gegenseitigkeit beruhte, stünden die Aussichten für das Pariser Klimaschutzabkommen, das grösstenteils auf freiwilligen und bislang unzureichenden Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten beruht, jedenfalls schlecht.

Klima schützen, auch wenn andere es nicht tun

Wir haben genau dieses Problem im Rahmen von repräsentativen Befragungen und Entscheidungsexperimenten mit mehreren Tausend Teilnehmenden in den USA und China untersucht1. Diese beiden Länder verursachen rund die Hälfte der globalen Emissionen.

Das Hauptergebnis, das mit Blick auf die Argumentation in der Klimadebatte erstaunt: Die Haltung der Menschen zur Klimapolitik folgt weitgehend nicht-reziproken Mustern. Sie unterscheiden sich zwar in ihren Ansichten dazu, ob und wie stark die Politik die Emissionen des eigenen Landes reduzieren sollte. Diese Haltungen sind jedoch kaum davon beeinflusst, was andere Länder tun.

Wider das lähmende Trittbrettfahrer-Argument

Was können wir aus diesen Resultaten schliessen? Aus Sicht des Klimaschutzes positiv zu werten ist, dass die Architektur des Pariser Abkommens in Bezug auf die Gegenseitigkeit und das Problem des Trittbrettfahrens keine Fehlkonstruktion ist. Das Abkommen schreibt zwar den Staaten keine konkreten Verpflichtungen zur Emissionsreduktion vor und erlaubt es damit, dass etliche Staaten ungestraft nichts oder zu wenig für den Klimaschutz tun. Dennoch unterminieren diese Trittbrettfahrer die öffentliche Unterstützung für ambitiöse Klimapolitik in klimafreundlicheren Staaten nicht.

Auch die Rhetorik von Klimaschutzskeptikern, die mit Verweis auf das Trittbrettfahren anderer Staaten den Klimaschutz im eigenen Land auszubremsen versuchen, scheint bei der breiten Bevölkerung wenig zu verfangen. Das deutet darauf hin, dass die Kommunikationsarbeit des Weltklimarates und vieler anderer Institutionen trotz allem greift. Die meisten Menschen erachten es für richtig und wichtig, im eigenen Land Emissionen zu senken – unabhängig vom Verhalten anderer Staaten.

Generationen-Aufgabe bleibt

Dennoch: Auch wenn die Bremswirkung der zweifellos sehr umständlichen und schleppenden globalen Klimakooperation auf die nationale Klimapolitik geringer ist als vermutet, bleibt eine nahezu vollständige Reduktion der Emissionen in den kommenden Jahrzehnten eine Herkulesaufgabe. Viele Leute sind denn auch noch nicht bereit, Kosten und Einschränkungen auf sich zu nehmen um die nächsten Generationen vor Klimaschäden im eigenen Land und weltweit zu schützen – egal was andere Länder tun.

Thomas Bernauer hat diesen Beitrag zusammen mit Liam Beiser-McGrath verfasst.

Referenzen

1 Beiser-McGrath, L., Bernauer, T. (2019) Commitment-Failures Are Unlikely to Undermine Public Support for the Paris Agreement. Nature Climate Change.

2 McGrath, L., Bernauer, T. (2017) How Strong is Public Support for Unilateral Climate Policy and What Drives it? WIREs Climate Change.

3 Bernauer, T., Dong, L., McGrath, L., Zhang, H. (2016) Unilateral vs Reciprocal Climate Policy: Experimental Evidence from China. Politics and Governance 4/3: 152-171.

4 Bernauer, T., Gampfer, R. (2015): How Robust Is Public Support for Unilateral Climate Policy? Environmental Science & Policy 54: 316–330.

Alltag in Venezuela: Angst, Bestrafung, Folter, Hunger

Unter dem Befehl von Nicolás Maduro haben venezolanische Sicherheitskräfte Menschen ohne Gerichtsverfahren hingerichtet und Demonstrationen mit exzessiver Gewalt unterdrückt. Mit dem Ziel, die Kontrolle über die Bevölkerung sicherzustellen, wurden Hunderte willkürlich inhaftiert, darunter auch Teenager. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchungsmission von Amnesty International, die die Gewalteskalation bei den Protesten Ende Januar untersucht hat.

«Die Behörden unter Nicolás Maduro versuchen mit einer verabscheuungswürdigen Politik der Angst und Bestrafung soziale Kontrolle über diejenigen auszuüben, die in Venezuela einen Regierungswechsel fordern. Maduros Regierung geht gegen die ärmsten Menschen im Land vor. Statt sie zu schützen – wie er behauptet –, bedroht, inhaftiert und ermordet die Regierung diese Menschen», kritisierte Erika Guevara-Rosas, Direktorin der Region Amerikas bei Amnesty International.

Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren Menschenrechtskrise. Der Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten, die Hyperinflation, Gewalt und politische Unterdrückung haben seit 2015 mehr als drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner zur Flucht gezwungen.

Angesichts dieser düsteren Realität gehen Tausende auf die Strasse und fordern einen Regierungswechsel. Zwischen dem 21. und 25. Januar kam es zu zahlreichen Demonstrationen. Viele dieser Proteste fanden in den verarmten Stadtteilen statt, in denen die Forderung nach einem Regierungswechsel bis dahin nicht so sichtbar geworden war wie an anderen Orten. In diesen Gegenden hängen die Bewohner zu einem Grossteil von den zurzeit eingeschränkten staatlichen Nahrungsmittelprogrammen ab und gerade dort sind die Colectivos – bewaffnete zivile Gruppen, die Nicolás Maduro unterstützen – überall präsent.

Dutzende Tote, über 900 Festnahmen

Bei den Protesten starben in nur fünf Tagen mindestens 41 Menschen – alle an Schusswunden. Mehr als 900 Menschen wurden willkürlich festgenommen und allein am 23. Januar – dem Tag der landesweiten Demonstrationen – wurden 770 willkürliche Festnahmen gemeldet.

Die Recherchen von Amnesty International in den Bundesstaaten Lara, Yaracuy, Vargas sowie mehreren Stadtteilen von Caracas bringen ein typisches Muster zutage: Sie zeigen, dass die Behörden der Bundesstaaten zur Kontrolle der Bevölkerung selektiv aussergerichtliche Hinrichtungen durchgeführt haben.

Dabei wurde vor allem die Spezialeinheit FAES (Fuerza de Acciones Especiales) der Nationalpolizei PNB (Policía Nacional Bolivariana) gegen Personen eingesetzt, die sich auf irgendeine Weise an den Protesten beteiligten. Die verarmten Stadtteile von Caracas und andere wirtschaftlich benachteiligte Gegenden im Land sind von dieser Gewalt besonders betroffen. Die Zahl der Opfer ist hier am höchsten und diese werden nun auch noch diffamiert, indem die Toten als «Kriminelle» hingestellt werden, die bei Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften zu Tode kamen.

Aussergerichtliche Hinrichtungen

Amnesty International hat sechs aussergerichtliche Hinrichtungen durch die FAES an verschiedenen Orten im ganzen Land dokumentiert. Die Opfer standen mit den Protesten in Verbindung, die in den Vortagen stattgefunden hatten, und die Kritik, die sie an Nicolás Maduro geäussert hatten, war in den Sozialen Medien verbreitet worden. In allen sechs Fällen wurde ähnlich vorgegangen: Alle sechs Opfer waren junge Männer und die Behörden sagten über sie, dass sie bei Zusammenstössen mit der FAES zu Tode gekommen seien. Die FAES manipulierte die Tatorte und stellte die Opfer als Kriminelle dar. Sie liess verlauten, dass mehrere von ihnen schon vorher straffällig geworden seien und versuchte damit, ihren Tod zu rechtfertigen.

 «Wie wir schon viele Male in Venezuela gesehen haben, möchten die Behörden uns weismachen, dass diejenigen, die während der Proteste zu Tode gekommen sind – hauptsächlich junge Menschen aus Gegenden mit geringem Einkommen – Kriminelle waren. Doch ihr einziges Verbrechen war, dass sie es wagten, eine Veränderung und ein Leben in Würde einzufordern», kommentierte Erika Guevara-Rosas.

Bedroht und ermordet

Luis Enrique Ramos Suárez war 29 Jahre alt, als ihn Angehörige der FAES am 24. Januar in der Stadt Carora aussergerichtlich hinrichteten. Am Tag zuvor war eine Audio-Nachricht in den Sozialen Medien verbreitet worden, in der Proteste gegen Nicolás Maduro und das Büro des Bürgermeisters von Carora angekündigt worden waren. In dieser Audio-Nachricht wurde Luis Enrique Ramos Suárez unter seinem Spitznamen als einer der Organisatoren genannt.

Am 24. Januar durchsuchten 20 schwer bewaffnete und überwiegend maskierte Angehörige der FAES rechtswidrig den Haushalt der Familie Ramos Suárez und misshandelten zehn anwesende Familienmitglieder, darunter sechs Kinder. Nachdem sie Luis Enrique Ramos Suárez unter seinem Spitznamen identifiziert hatten, liessen sie ihn in der Mitte des Raums knien. Ein FAES-Angehöriger machte Fotos und andere schlugen ihn.

Sie sperrten die anderen Familienmitglieder in separate Zimmer des Hauses, bedrohten sie und schlugen sie auf verschiedene Körperteile. Dann zwangen sie die Familie, das Haus zu verlassen, und brachten sie mit mehreren Fahrzeugen der Nationalpolizei an einen Ort in zwei Kilometer Entfernung. Wenige Minuten danach schossen sie Luis Enrique Ramos Suárez zweimal in die Brust. Er war auf der Stelle tot.

Gemäss Zeugenaussagen feuerten FAES-Angehörige nach der Hinrichtung von Luis Enrique Ramos Suárez im Haus ihre Waffen ab, um einen Schusswechsel vorzutäuschen. Die FAES-Angehörigen konstruierten Beweismittel und manipulierten darüberhinaus auch den Tatort, indem sie den Leichnam zu einem Fahrzeug zogen und ihn darin schliesslich zum Leichenschauhaus brachten. Mit diesem Vorgehen verstiessen sie gegen jede Regel einer kriminaltechnischen Untersuchung.

Nationalpolizei schoss wahllos auf Demonstranten

Amnesty International dokumentierte ausserdem, dass die Sicherheitskräfte zwei junge Männer erschossen, die an den Protesten teilgenommen hatten. Ein weiterer wurde angeschossen. Sowohl die PNB als auch die Bolivarische Nationalgarde GNB (Guardia Nacional Bolivariana) waren an solchen Operationen beteiligt.

Der 19-jährige Bäcker Alixon Pizani starb am 22. Januar an einer Schussverletzung in der Brust, als er im westlich von Caracas liegenden Catia mit einer Gruppe von Freunden an den Protesten teilnahm. Augenzeugen berichteten später, wie ein Beamter in einer PNB-Uniform von einem Motorrad aus wahllos in die Menge schoss und so zwei Aktivisten schwer verletzte.

Nachdem Alixon Pizani getroffen wurde und keine Ambulanz kam, brachten ihn seine Freunde in ein Gesundheitszentrum. Kurz darauf starb er dort. Seine Familie berichtete, dass Angehörige der Spezialeinheit FAES am Spitaleingang auf sie und Alixon Pizanis Freunde schossen. Sie hätten sich sofort im Inneren des Gebäudes in Sicherheit gebracht. Bisher weist nichts darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet hat.

Willkürliche Inhaftierungen

Nach Angaben der venezolanischen Menschenrechtsorganisation Foro Penal haben die Behörden zwischen dem 21. und 31. Januar im gesamten Land 137 Kinder und Jugendliche festgenommen. Dazu gehört ein von Amnesty International dokumentierter Fall, bei dem sechs Personen, darunter vier Teenager, am 23. Januar festgenommen wurden. Sie hatten an einer Protestveranstaltung teilgenommen bzw. einfach aus der Nähe zugeschaut.

In einem Interview mit Amnesty International gaben sie an, bei der Festnahme von Sicherheitskräften geschlagen und als «guarimberos» (Protestierende, die Gewalt einsetzen) und «Terroristen» beschimpft worden zu sein. Ausserdem habe man sie Reizmitteln ausgesetzt, sie am Schlafen gehindert und gedroht, sie zu töten. Sie erzählten, dass die Beamte, die sie festgenommen hatten, verschiedenen Sicherheitskräften des Bundesstaates angehörten und von Personen in Zivil begleitet wurden.

Misshandlung und Folter von Jugendlichen

«Dass über 100 Jugendliche festgenommen und einer grausamen Behandlung unterzogen wurden, die zum Teil Folter darstellte, zeigt, wie weit die Behörden bereit sind zu gehen, um die Proteste zu stoppen und die Bevölkerung zu unterdrücken», sagte Erika Guevara-Rosas.

Den vier Teenagern werden Straftaten vorgeworfen, die nach venezolanischem Recht nicht mit Haft geahndet werden, trotzdem hat ein Gericht acht Tage Haft verfügt. Vier Tage davon mussten sie in einem Rehabilitationszentrum für Minderjährige verbringen –einer Militäreinrichtung, in der ihnen der Kopf kahlgeschoren wurde und sie gezwungen wurden Lieder wie „Wir sind Chavez‘ Kinder“ zu singen.

Am 29. Januar erklärte eine der für diese Fälle zuständige Richterin, man habe sie angewiesen, die Minderjährigen in Haft zu halten, obwohl es dafür keine rechtliche Grundlage gab. Nachdem sie diese Erklärung abgegeben hatten, wurde sie entlassen und verliess das Land. Den vier Jugendlichen droht nun ein Gerichtsverfahren, und ihre Freiheitsrechte sind nach wie vor eingeschränkt.

Die Jugendlichen haben erläutert, wie frustrierend es für sie ist, in ihrem Alter in einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krisensituation zu leben, und dass lernen, essen und sich zu kleiden eine tägliche Herausforderung darstellen. Einige denken darüber nach, Venezuela zu verlassen und in einem anderen Land eine bessere Zukunft zu finden.

Forderungen nach internationaler Strafverfolgung

Die venezolanischen Behörden müssen ihre in den vergangenen Jahren entwickelten Repressionsmassnahmen beenden und ihre Verpflichtung erfüllen, allen Opfern von Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen unter dem Völkerrecht Gerechtigkeit, Wahrheit und Entschädigungen zu gewähren.

«Das venezolanische Justizwesen scheint die Opfer von Menschenrechtsverletzungen komplett im Stich zu lassen. Die wenigen Menschen, die den Mut haben, Anzeige zu erstatten und Beschwerden einzureichen, erhalten keine Unterstützung und bringen sich sogar in Gefahr», sagt Erika Guevara-Rosas.

Amnesty International fordert den Uno-Menschenrechtsrat auf, Massnahmen zu ergreifen, um die in Venezuela herrschende Straflosigkeit zu beenden. Dazu sollte ein unabhängiges Untersuchungsgremium eingerichtet werden, das die Menschenrechtslage in dem Land beobachtet und darüber Bericht erstattet.

Darüber hinaus sollte die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs diese Fakten prüfen und wenn diese als begründet bewertet werden, in die Voruntersuchungen aufzunehmen, die derzeit zu Venezuela laufen.

Schliesslich sollten die Staaten, denen die Menschenrechtslage in Venezuela ein Anliegen ist, prüfen, ob sie das Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit anwenden wollen, damit Betroffenen, denen der Zugang zur Gerechtigkeit in ihrem eigenen Land verwehrt ist, dieser alternative Weg ermöglicht wird.

«Die internationale Gerichtsbarkeit ist die einzige Hoffnung für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen in Venezuela. Jetzt müssen alle verfügbaren Mechanismen eingesetzt werden, um weitere Gräueltaten zu verhindern», erklärt Erika Guevara-Rosas.

Quelle: Amnesty International

Repressive Gesetze bedrohen Menschenrechtsarbeit weltweit

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind weltweit massiven Angriffen ausgesetzt. Laut einem Bericht von Amnesty International erlassen Regierungen immer häufiger Gesetze, welche die Überwachung der Organisationen und ihrer Mitarbeitenden ermöglichen und kaum zu überwindende bürokratische Hürden schaffen. Vielen NGOs droht die Schliessung, ihren Angestellten Strafverfolgung und Gefängnis.

Der Bericht Laws Designed to Silence: The Global Crackdown on Civil Society Organizations nennt eine erschütternde Anzahl von Ländern, in denen repressive Massnahmen gegen NGOs verhängt wurden. Aufgelistet sind 50 Länder weltweit, in denen Gesetze zur Einschränkung der Arbeit von NGOs bereits in Kraft oder aber geplant sind.

«Wir haben dokumentiert, wie immer mehr Regierungen die äusserst wichtige Arbeit von NGOs unangemessen einschränken und behindern», sagt Lisa Salza, Kampagnenverantwortliche bei Amnesty Schweiz. «In vielen Ländern werden Organisationen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, drangsaliert und so zum Schweigen gebracht. Wer sich engagiert, muss zunehmend um seine Sicherheit fürchten. Wenn solche Gruppen zum Schweigen gebracht und an ihrer Arbeit gehindert werden, dann hat das Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft».

Allein in den vergangenen zwei Jahren sind weltweit 40 Gesetze erlassen oder auf den Weg gebracht worden, die gegen das Recht auf Vereinigungsfreiheit verstossen.

Allein in den vergangenen zwei Jahren sind weltweit 40 Gesetze erlassen oder auf den Weg gebracht worden, die gegen das Recht auf Vereinigungsfreiheit verstossen und zum Ziel haben, die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen zu erschweren. Häufig schaffen diese Gesetze absurde Registrierungsverfahren, ermöglichen eine Überwachung der Arbeit dieser Organisationen und schränken ihre Finanzierungsquellen ein. Kommen die NGOs diesen unverhältnismässigen Anforderungen nicht nach, bedeutet dies in den meisten Fällen die Schliessung.

Ein globales Problem

Im Oktober 2018 lehnte das Innenministerium von Pakistan die Registrierungsanträge von 18 internationalen NGOs ab. Die daraufhin eingelegten Rechtsmittel wurden ohne Angabe von Gründen zurückgewiesen. NGOs in Belarus unterliegen einer strikten Überwachung durch den Staat. Für Organisationen zu arbeiten, deren Antrag auf Registrierung – oftmals willkürlich – abgelehnt worden ist, stellt eine Straftat dar.

In Saudi-Arabien kann die Regierung neu gegründeten Organisationen die Tätigkeitserlaubnis verweigern und sie auflösen, wenn sie als «Gefahr für die nationale Einheit» betrachtet werden. Einigen Menschenrechtsgruppen, darunter auch Frauenrechtsgruppen, ist aus diesem Grund bereits die Registrierung verweigert worden. Sie können im Land nicht offen arbeiten.

In Ägypten müssen Organisationen, die Gelder aus dem Ausland erhalten, strenge und willkürliche gesetzliche Regelungen einhalten. In diesem Zusammenhang hat man bereits zahlreiche Menschenrechtsverteidigerinnen und –verteidiger mit einem Ausreiseverbot belegt, ihre Vermögen eingefroren und sie strafrechtlich verfolgt. Bei einem Schuldspruch wegen der rechtswidrigen Annahme von Geldern aus dem Ausland drohen teils Haftstrafen von bis zu 25 Jahren.

«Auch Büros von Amnesty International in verschiedenen Ländern sind zum Ziel von Angriffen geworden. Im Zuge der zunehmenden Angriffe auf lokale Organisationen sind Behörden von Indien bis Ungarn gegen unsere Mitarbeitenden vorgegangen, haben ihre Büros durchsucht und ihr Vermögen eingefroren», so Lisa Salza.

Kontrolle und Überwachung

In zahlreichen Ländern wie Aserbaidschan, China und Russland sind per Gesetz zusätzliche Auflagen für die Registrierung und Berichterstattung von NGOs eingeführt worden. Verstösse gegen diese Auflagen werden mit Haftstrafen geahndet, die Organisationen stehen unter der ständigen Kontrolle der Behörden.

In Russland werden NGOs, die Gelder aus dem Ausland beziehen, als «ausländische Agenten» bezeichnet – ein Begriff, der mit «Spion», «Verräter» und «Staatsfeind» gleichgestellt ist. Das betrifft auch Umwelt-, Gesundheits- oder Frauenvereinigungen. Die Regierung legt das Gesetz so breit aus, dass selbst eine Organisation für an Diabetes erkrankte Menschen mit einer hohen Geldstrafe belegt, auf die Liste der «ausländischen Agenten» aufgenommen und im Oktober 2018 zur Schliessung gezwungen wurde.

Von Russland nach Ungarn

Die repressiven Massnahmen der russischen Regierung haben dazu geführt, dass in mehreren anderen Ländern ähnliche Gesetze erlassen wurden. In Ungarn ist eine Reihe von NGOs gezwungen, sich selbst als «aus dem Ausland gefördert» zu betiteln. Die Regierung will so ihre Arbeit diskreditieren und die Öffentlichkeit gegen sie aufbringen. Hält sich eine Organisation nicht daran, so drohen hohe Geldstrafen und letztlich die Einstellung aller Tätigkeiten. Seit dem Erlass eines Gesetzespakets im Juni 2018 werden NGOs, die sich für Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten einsetzen, gezielt ins Visier genommen.

«Wir wissen nicht, wie es mit uns und anderen Organisationen weitergehen wird oder welche Gesetze als nächstes verabschiedet werden», erklärt Áron Demeter von Amnesty International Ungarn. «Mehrere unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind online drangsaliert, beschimpft und mit Gewalt bedroht worden. Zum Teil haben sich Veranstaltungsorte geweigert, Events von uns auszurichten. Und es gab Schulen, die es abgelehnt haben, Aktivitäten im Bereich der Menschenrechtsbildung durchzuführen, weil sie Angst vor Vergeltungsmassnahmen hatten».

In einigen Ländern werden gezielt NGOs angegriffen, die sich für die Rechte von marginalisierten Gruppen stark machen. Am stärksten betroffen sind dabei Organisationen, die sich für Frauenrechte – einschliesslich sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte – die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intergeschlechtlichen, die Rechte von Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten und die Umwelt einsetzen.

Schutz von Menschenrechtsverteidigern – Schweiz in der Pflicht

«Die Unterzeichnerstaaten der Uno-Erklärung über Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger – darunter die Schweiz – haben erklärt, sich weltweit für den Schutz dieser Menschen einzusetzen. Nun ist es an der Zeit, sicherzustellen, dass dies auch umgesetzt wird», sagte Lisa Salza. «Wir fordern die Schweiz dazu auf, jene Länder, die zivilgesellschaftliches Engagement mit repressiven Gesetzen einschränken, bei jeder sich bietenden Gelegenheit daran zu erinnern, dass diese Gesetze völkerrechtswidrig und entsprechend abzuschaffen oder anzupassen sind».

«Die Schweiz hat hierzu eine Reihe von Möglichkeiten, sei es in multilateralen Foren wie dem Uno-Menschenrechtsrat und im Europarat oder bei bilateralen Treffen, den etablierten Menschenrechtsdialogen und -Konsultationen oder bei (Neu-)Verhandlungen von Freihandelsabkommen.»

Die Schweiz hat sich für einen verstärkten Schutz von Menschenrechtsaktivistinnen eingesetzt und sollte ihren Worten konkrete Taten folgen lassen.

Die Schweiz hat sich in internationalen Gremien häufig für einen verstärkten Schutz von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten eingesetzt und sollte ihren Worten konkrete Taten vor Ort folgen lassen. Mit den vom Bundesrat im Jahr 2013 verabschiedeten Richtlinien zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern verfügt das Aussendepartement (EDA) über ein wirksames Instrument zur Unterstützung unabhängiger Menschenrechtsorganisationen.

Leider werden diese Richtlinien immer noch nicht ausreichend umgesetzt. Insbesondere könnten die diplomatischen Vertretungen der Schweiz in Ungarn, Russland, China und dem Iran aktiver werden. So könnten sie beispielsweise verlangen, dass bei den Prozessen gegen Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger eine internationale Präsenz gewährleistet ist und dass internationale Normen für ein faires Verfahren eingehalten werden. Auch könnte die Schweiz eine grosszügigere Visapolitik für Menschen anwenden, die wegen ihrer Menschenrechtsarbeit bedroht sind.

Quelle: Amnesty International

Hefebakterien umprogrammieren und THC gewinnen

Biochemiker von der TU Dortmund berichten in einer neuen Studie, wie sie Hefe genetisch manipuliert haben, um die Bakterien auto-matisch THC produzieren zu lassen. Ein biosynthetischer Durchbruch, von dem Bio-Hacker und Stoner-Scientists schon länger träumen.

Den Forschern Bastian Zirkel, Dr. Felix Stehle und Prof. Dr. Oliver Kayser gelang es zwar, neue Wege beim Hacken der THC-produzierenden Hefepilze zu beschreiten, allerdings konnte sie nur eine geringe Menge THC im Labor herstellen. Damit stehen sie nun vor einer ähnlichen Herausforderung wie vergleichbare Biosynthese-Projekte: Auch bei den jüngsten Laborproduktion von Morphium und Opium geht es jetzt im nächsten Schritt darum, die Produktion entsprechend zu skalieren. Denn nur dann sind die Verfahren der Bioingenieure den Aufwand wert ist und können ihr Ziel erreichen, günstigere und bessere Produktionsverfahren für medizinische Schmerzmittel zu entwickeln.

Das kalifornische Unternehmen Amyris zeigt dabei, wie sich biosynthetische Verfahren auch im großen Stil umsetzen lassen könnten. Die Firma hat nicht nur eine riesige Biosynthese-Anlage in Brasilien errichtet, sondern konnte den Petroleum-ähnlichen Stoff Squalen auch im Umfang mehrerer Kilotonnen biosynthetisch züchten und dabei auch noch höhere Qualität erreichen. Für die meisten Menschen ist die Marihuana-Pflanze ein Naturprodukt—wenige denken an die Chemie dahinter. „Dank der synthetischen Biologie konnten wir bessere Ergebnisse erzielen, weil wir die Programmierung der Zellen kontrollieren können“, gab Jack Newman, Mitbegründer von Amyris, kürzlich bei einer DARPA-Konferenz in New York zu Protokoll.

Die Bioingenieure vom Montrealer Start-up Hyasynth Bio wiederum versuchen, die auf gehackter Hefe basierenden Verfahren, die auch in Dortmund zum Einsatz kamen, im großen Stil umzusetzen. Die jüngsten Erkenntnisse der deutschen Forscher „geben uns dabei einige wichtige Hinweis über realistische Varianten für die Laborzucht von THC“, erklärte Hyasynth Chef Kevin Chen gegenüber Motherboard.

Chen möchte mit seinem synthetischen THC und anderen Cannabinoiden Ende nächstes Jahr in die Produktion gehen. Allerdings ist es schwer abzusehen, ob diese Projekte jemals auch kommerziell lukrativ werden. „In großer Quantität zu produzieren, ist jetzt die zentrale wissenschaft-liche Herausforderung. Auch wir arbeiten noch viel an der Grundlagenforschung und einfachen Experimenten—aber das Ziel bleibt das selbe: THC aus Hefe zu synthetisieren.“

Auch wenn Marihuana-Pflanzen sich über die Jahrhunderte als ideale natürliche Produzenten von THC entwickelt haben, so ist Chen über-zeugt, dass es auch noch Raum für synthetische und genetisch gefertigte Alternativen gibt. Sobald Forscher und Unternehmen es schaffen, das Problem der Skalierung zu lösen und lukrativ biosynthetisch zu produzieren, werden sie in der Lage sein, die chemischen Konzentrationen und Zusammensetzungen von Weed zu manipulieren. So könnten gezieltere Therapien mit unterschiedlichen Wirkstoffen entstehen.

„Für die meisten Menschen ist die [Marihuana]-Pflanze ein Naturprodukt—wenige denken an die Chemie dahinter“, erklärte Chen weiter. „Wenn du nur die Pflanze nutzt, dann beschränkst du dich künstlich. Es steht immer noch viel Forschung an, um herauszufinden, welchen Effekt verschiedene Cannabis-Wirkstoffe im Körper haben.“ Auch wenn die Fortschritte der Bioingenieure durchaus vielversprechend klingen, so müssen Kiffer ihre Poster mit Weedpflanzen noch nicht durch Bilder von Hefezellen ersetzen.

Mithilfe der Biosynthese ist es möglich, aus Hefe Cannabinoide zu gewinnen. Verschiedene Unternehmen arbeiten aktuell an der Weiterentwicklung dieser Methode (Leafly berichtete). Einem aktuellen Medienbericht zufolge haben jetzt Wissenschaftler in Kalifornien eine neue Hefesorte (Designerhefe) entwickelt, mit der Cannabis-Extrakt anstelle von Bier gebraut werden kann.

Nur mit der Zugabe von Zucker fermentierte die gentechnisch veränderte Hefe zu reinen Cannabinoidverbindungen, darunter auch THC und CBD. Die Wissenschaftler, die der Meldung bereits eine „Cannabinoid-Brauerei“ gegründet haben, erklären, dass das Verfahren wesentlich billiger, sicherer und umweltfreundlicher ist als die Extraktion der Verbindungen aus der Cannabispflanze.

Jay Keasling, Professor für Chemie und Biomolekulartechnik an der University of California Berkeley, erklärte, dass der Prozess wie beim Bierbrauen funktioniere. „Sie geben der Hefe Zucker hinzu und sie produzieren ein gewünschtes Cannabinoid, und nicht Ethanol, das sie normalerweise produzieren würden“, so Keasling.

Mit Designerhefe neue Cannabinoidverbindungen produzieren

Die Designerhefe lieferte auch neuartige Cannabinoidverbindungen oder Chemikalien, die in der Cannabispflanze nur in sehr geringen Mengen vorkommen. Damit könne man Substanzen herstellen, die die potenzielle medizinische Anwendung erweitern könnten.

Beim konventionellen Brauen erzeugt Hefe Enzyme, die Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umwandeln. In der neuen Version fügten die Wissenschaftler mehr als ein Dutzend Gene in die DNA der Hefe ein, von denen viele Kopien von Genen sind, die von der Cannabispflanze zur Synthese von Cannabinoiden verwendet werden.

Die Gene pumpen Enzyme aus, die als Katalysatoren in einer Kette chemischer Reaktionen fungieren, beginnend mit Zucker und schließlich zu einer Chemikalie namens Cannabigerolsäure („die Mutter aller Cannabinoide“). Eine Reihe von Cannabisverbindungen, darunter THC und CBD, sind von dieser Säure ableitbar.

Die genaue Mischung der genetischen Insertionen, die in die Designerhefe eingebracht werden musste, war ein komplexer und langwieriger Prozess. Aber jetzt, nach der Schaffung der cannabinoidproduzierenden Hefe, kann sie wie gewöhnliche Bierhefe kultiviert werden.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass es für die medizinische Forschung schwer sei, die zahlreichen Verbindungen aus der Cannabispflanze zu extrahieren. Denn viele der Cannabinoidverbindungen kommen nur in geringem Maße in der Pflanze vor. Cannabinoid-Brauereien könnten kostengünstige und reinere Quellen für diese Chemikalien liefern, sodass es möglich wäre, die Auswirkungen erstmals detailliert zu untersuchen.

Im Labor verwendeten die Wissenschaftler Flaschen zum Anbau der Hefe. Es sei aber geplant, die Produktion auf große Edelstahltanks auszudehnen. Keasling und seine Kollegen haben eine Firma namens Demetrix gegründet. Von dieser erwarten sie, dass sie im nächsten Jahr kleine Produktmengen und in drei Jahren große Mengen kommerziell liefern kann.

Alternative zum Cannabisanbau?

Die Forscher erklärten, dass die Verwendung von Designerhefe eine „grünere“ Methode für den Anbau von Cannabis darstelle. Denn Cannabis werde häufig mit großen Mengen an Pestiziden und Düngemitteln gezüchtet. Der Indoor-Anbau würde viel Licht bzw. Energie benötigen. Einer Studie zufolge macht die Cannabisindustrie drei Prozent des Energieverbrauches des US-Bundesstaates Kalifornien aus, so die Forscher abschließend.

Quellen: MOTHERBOARD und Leafly.de

PILOTVERSUCHE MIT CANNABIS: BUNDESRAT ÜBERWEIST BOTSCHAT AN DAS PARLAMAMENT               

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SIND NATÜRLICHE ODER SYNTETISCHE CANNABINOIDE BESSER GEGEN KREBS?

Über die Wirkungen von Cannabis und Cannabinoiden, insbesondere in Bezug auf natürliche und synthetische Cannabinoide, bei der Behandlung von Nebenwirkungen einer Krebstherapie wurde bereits einiges geforscht und viel geschrieben. Für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen oder Appetitlosigkeit durch eine Chemotherapie liegen gute Ergebnisse vor. Auch gegen manche Schmerzen scheint Cannabis als Medizin gut wirksam zu sein.

Doch mindestens ebenso spannend ist die Frage, ob Cannabinoide gegen den Krebs direkt, die entarteten Zellen und Tumore, wirken kann. Immer wieder haben Untersuchungen in der Vergangenheit eine Antitumorwirkung gezeigt. Trotzdem ist die Wissenschaft noch nicht überzeugt. Denn was sich in Krebszellen in einer Kulturschale zeigen lässt, muss im menschlichen Körper – leider – nicht zwangsläufig auch so funktionieren. Dazu kommt immer die Frage, welches Cannabinoid in welcher Menge, einzeln oder in Kombination am besten wirkt.

Es gibt 300 Arten von Krebs. Im grundsätzlichen Entstehungsvorgang mögen sie sich gleichen, im Detail sind sie sehr verschieden. Aus diesem Grund ist es auch schwierig, aus Untersuchungen an einem Krebs(zell)typ Aussagen zu treffen, die für alle Krebsarten gelten.

Welche Rolle in der Krebsbehandlung – und zwar nicht nur der Behandlung der Krankheitssymptome, sondern auch der Behandlung des Tumors – natürliche und synthetische Cannabinoide spielen können, wird an vielen Orten der Welt erforscht. Zwei ganz unterschiedliche Ansätze, die  zeigen, wie breit die Ideen gefächert sind, sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Pures THC oder Vollextrakt aus Blüten – was wirkt besser bei Brustkrebs?

Die mit großem Abstand häufigste Krebsart bei Frauen ist der Brustkrebs. In den letzten Jahren haben sich durch frühzeitigere Diagnose und die Entwicklung neuer Therapien die Prognose und Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöht. Besonders die Klassifizierung von Tumoren nach ihrer Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Hormonen (Östrogenrezeptor und Progesteronrezeptor) und dem Wachstumsfaktor HER2 hat die Behandlungsmöglichkeiten enorm verbessert. Doch es gibt auch ungünstige Prognosen. Liegt ein Triple-negativer Brustkrebs vor, also ein Krebstyp, der weder östrogen-, noch Progesteron- noch HER2-empfindlich ist und zudem sehr aggressiv, so gibt es keine speziell zugeschnittenen Therapiemöglichkeiten. Zur Verfügung steht die klassische Chemotherapie.

Auch bei tendenziell gut behandelbaren Brustkrebsarten kann es sein, dass der Krebs zurückkehrt oder unempfindlich gegen die Therapie wird. Aus diesem Grund wird weiterhin nach Möglichkeiten gesucht, die Krebszellen in Schach zu halten.

Bessere Antitumor-Wirkung durch Entourage Effekt?

Cannabinoide könnten diese Lücke möglicherweise füllen – wenn die Forschungen frühere Ergebnisse bestätigen und die Behandlungsansätze auch im Menschen sicher wären. Eine Studie an verschiedenen Brustkrebs-Zelllinien und Tiermodellen hat nun untersucht, ob die Antitumorwirkung besser ist, wenn reines THC verwendet wird oder wenn ein Extrakt aus der Cannabispflanze verwendet wird, in dem alle Inhaltsstoffe enthalten sind. Die Forscher konfrontierten die Krebszellen bzw. die Tumore in Mäusen entweder mit einer bestimmten Menge puren THCs oder mit einer Menge des Pflanzenextrakts, in der dieselbe Menge an THC enthalten war.

Es zeigte sich, dass die Wirkung des Extrakts dem puren THC überlegen war – die Antitumorwirkung was besser. Dieses Ergebnis spricht auch für die viel untersuchten, aber noch immer nicht endgültig belegten Entourage Effekt. Unter dem Entourage Effekt versteht man die Beobachtung, dass die Wirkungen einzelner Cannabinoide verstärkt oder modifiziert werden, wenn sie nicht einzeln, sondern im Verbund mit allen anderen in der Cannabis-Pflanze enthaltenen Substanzen zusammen verabreicht wird. In diesem Fall wäre die Anwesenheit der zahlreichen weiteren, wenig bekannten, Cannabinoide und der Terpene von großer Bedeutung.

Allerdings zweifeln immer noch viele Forscher die Existenz des Entourage Effekts an, weil andere Studien keine günstigen Effekte eines Vollextrakts gegenüber Einzelsubstanzen zeigen konnten. Und auch die vorliegende Studie hat Schwächen. So geben die Autoren nicht an, welchen Cannabis-Stamm sie für die Untersuchung/den Extrakt verwendet haben. Seltsam erscheint auch, dass in der Analyse der Inhaltsstoffe des Extrakts kein CBD nachgewiesen werden konnte. Eine weitere Schwierigkeit im Zusammenhang mit dem Entourage Effekt und solchen Arten von Forschungen liegt darin, dass jede Cannabissorte eine andere Zusammensetzung an Cannabinoiden und Terpenen besitzt. Es ist schwer herauszufinden, ob es einen universal nützlichen Stamm gibt (was unwahrscheinlich ist), bzw. welcher Stamm für welche Krebszellen am wirksamsten ist.

Synthetische Cannabinoide gegen Darmkrebszellen

Auch Darmkrebs ist eine häufige Krebsart. Frauen wie Männer sind gleichermaßen betroffen. Obwohl die Vorsorgemöglichkeiten durch die Darmkrebsvorsorge gut sind, erkranken und sterben viele Menschen an Darmkrebs.

In der vorliegenden Untersuchung wählten die Forscher sieben Darmkrebszelllinien und testeten 370 synthetische Cannabinoide auf ihre Fähigkeit, die Überlebensfähigkeit der Krebszellen zu vermindern. Dabei legten die Wissenschaftler Wert darauf, Substanzen auszuwählen, die möglichst bei allen sieben Zelllinien wirksam sind. Das war ihnen wichtig. Denn die Zelllinien tragen typische Mutationen in sich, wie sie bei Patienten mit einem kolorektalen Karzinom häufig vorkommen. Beim kolorektalen Karzinom sind in aller Regel Gene des sogenannten Wnt/β-catenin-Wechselweges mutiert. Die Mutationen können in unterschiedlichen Genen auftreten, aber im Endeffekt zur gleichen Wirkung, nämlich zur Entartung zu einer Krebszelle, führen.

10 von 370 wirksam in allen Krebszellen – THC und CBD nur mäßig wirksam

Von den 370 getesteten Substanzen blieben am Ende 10 Stück übrig, die bei allen Zelllinien wirksam waren. Zusätzlich testeten die Forscher auch die Wirkung von THC und CBD auf die Zelllinien. Bei der niedrigsten getesteten Konzentration (10µM) hatte interessanterweise THC keinen Effekt auf das Überleben der Krebszellen. Erst bei höheren Konzentrationen war es in einigen Zelllinien wirksam. CBD verringerte das Zellüberleben nur in zwei Zelllinien.

Folglich scheinen die gefundenen synthetischen Cannabinoide gute Ansatzpunkte zu sein. Synthetische Cannabinoide waren in allen getesteten Zelllinien wirksam gegen die Krebszellen. Allerdings – das darf nicht verschwiegen werden – verringerte die beste der Substanzen die Überlebensfähigkeit der Krebszellen um maximal 10 bis 15 %. Das kann verschiedene Ursachen haben, die die Forscher noch genauer untersuchen müssen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die identifizierten synthetischen Cannabinoide in den 6 von 7 Fällen nicht über die bekannten Rezeptoren (CB1, CB2, GRP55, TRPV1) auf das Zellgeschehen Einfluss nehmen, sondern über bislang unbekannte Mechanismen.

Die beiden Studien, so unterschiedlich sie auch sein mögen, zeigen deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis pflanzliche oder synthetische Cannabinoide einzeln, in Kombination oder als Extrakt aus der Cannabispflanze gegen Krebs im klinischen Alltag eingesetzt werden können. Auch sind bereits die Ergebnisse in  Zellkulturen nicht so eindeutig, wie man sie sich wünschen würde, z. B. wie gezeigt für THC und CBD. Dennoch tragen beide Studien dazu bei, neue Einblicke in das komplexe System der Cannabinoidwirkung in Kombination mit dem komplexen System Krebs zu erhalten.

Autorin: Dr. Christine Hutterer

Promovierte Biologin. Medizin- und Wissenschaftsautorin für Leafly.de

PILOTVERSUCHE MIT CANNABIS: BUNDESRAT ÜBERWEIST BOTSCHAT AN DAS PARLAMAMENT               

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Pilotversuche mit Cannabis: Bundesrat überweist Botschaft an das Parlament

Bern, 28.02.2019 – Der Bundesrat hat die Botschaft zu Pilotversuchen mit Cannabis an seiner Sitzung vom 27. Februar 2019 an das Parlament überwiesen. Die Vorlage schafft die Voraussetzungen für die Durchführung von befristeten und streng reglementierten wissenschaftlichen Studien über den Cannabiskonsum zu Genusszwecken.

Trotz Verbot konsumieren in der Schweiz rund 200’000 Menschen regelmässig Cannabis mit mehr als 1% THC-Gehalt zu Genusszwecken. Diese Situation wirft mehrere Probleme auf: Sie lässt einen bedeutenden Schwarzmarkt florieren, die Produktequalität unterliegt keiner Kontrolle, die Repressionskosten sind hoch, und es ist schwierig, die Konsumentinnen und Konsumenten mit Präventionsmassnahmen zu erreichen.

Ohne das allgemeine Cannabisverbot in Frage zu stellen, müssen alternative Regulierungsmodelle unter Berücksichtigung der heutigen Gegebenheiten getestet werden können. Der Artikel zu den Pilotversuchen sieht vor, dass die Gemeinden wissenschaftliche Studien durchführen können. Damit sollen die Vor- und Nachteile alternativer Regulierungsformen (z.B. regulierter Verkauf in Apotheken) ermittelt werden. In der Vernehmlassung hat sich die Mehrheit der Kantone und der politischen Parteien für das Prinzip der Pilotversuche ausgesprochen. Mehrere Städte hatten zudem bereits Interesse an der Durchführung solcher Versuche bekundet, die bisher mangels Rechtsgrundlage nicht möglich waren.

Streng reglementierte Pilotversuche

Die Pilotversuche werden streng reglementiert. Um den Jugendschutz zu gewährleisten sind Minderjährige davon ausgeschlossen. Volljährige Personen, die an einer Studie teilnehmen möchten, müssen nachweislich bereits Cannabis konsumieren. Ausserdem müssen die Teilnehmenden ihren Wohnsitz in einer Gemeinde haben, in der eine Studie durchgeführt wird. Darüber hinaus werden keine anderen psychotropen Substanzen in die Studien einbezogen.

Die Teilnehmenden können nur eine beschränkte Menge Cannabis pro Monat erwerben. Es ist ihnen untersagt, diesen Cannabis an Dritte weiterzugeben, und sie dürfen ihn nicht an öffentlich zugänglichen Orten konsumieren. Die Dauer der Studien darf höchstens fünf Jahre betragen.

Die Gültigkeit des im Betäubungsmittelgesetz aufgenommenen Artikels zu den Pilotversuchen ist auf zehn Jahre beschränkt. Nach Ablauf dieser Zeitspanne werden die Ergebnisse der verschiedenen Studien zusammengetragen, damit die Diskussion über die Cannabispolitik evidenzbasiert weitergeführt werden kann.

Die Pilotversuche lassen keine Rückschlüsse auf das weitere Vorgehen zu. Das allgemeine Cannabisverbot gilt weiterhin in der ganzen Schweiz, und ein allfälliger Entscheid zur Änderung des Regulierungsmodells müsste auf jeden Fall vom Parlament getroffen werden.

Die Vorlage zur Erleichterung des Zugangs zu medizinischem Cannabis ist Gegenstand eines separaten Verfahrens. Die diesbezügliche Anpassung des Betäubungsmittelgesetzes sollte bis zum Sommer 2019 in die Vernehmlassung gehen.

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