Ayurveda ist auch die “Mutter der westlichen Medizin”

Der Ursprung der ayurvedischen Medizin ist nicht Indien, sondern die “stille, universelle Intelligenz der Natur“. Die Gesetze, die Mensch, Natur und Kosmos regieren, wurden vor tausenden von Jahren von hochbegabten Menschen in der Tiefe ihrer Meditation, Spiritualität und Beobachtungsgabe herauskristallisiert. Ayurveda – die Wissenschaft des Lebens – ist daher “universell anwendbar und ewig gültig“, wie einige der bedeutensten Koryphäen der Ayurveda-Medizin in Europa belegen.

Die fast 5000 jährige ayurvedische Medizin entwickelt sich nun auch in Europa mit rasanter Geschwindigkeit zu einem relevanten Faktor im Gesundheitssystem und wird in wenigen Jahren zumindest in Deutschland und in der Schweiz einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) erreichen – wenn nicht sogar überholen. Darin sind sich immer mehr Fachleute einig.

Denn Ayurveda in reiner Form, befreit von kulturellem Ballast und religiösen Ver-mischungen, ist “reines Wissen basierend auf allgemein gültigen Naturgesetzen, die überall anwendbar und wirksam sind“. So sieht es jedenfalls Dr. med. Ernst Schrott, der dem Vorstand der “Deutschen Ayurveda Gesellschaft“ angehört und zu den renom-miertesten Spezialisten in Europa gehört. Und auch der bekannteste Schweizer ayurvedische Naturarzt, Dr. Hans-Heinrich Rhyner pflichtet ihm in diesem Punkt bei.

Hippokrates war der erste Ayurveda-Apostel Europas

Auf die Frage, wie die Bedeutung von Ayurveda für europäische Verhältnisse aussieht und wie die hiesige Schulmedizin und die Ayurvedische Lehre in Zukunft besser koope-rieren könnten, antwortet Dr. med. Ernst Schrott wie folgt: Die Wissenschaftsmedizin sucht die Ursachen und die Therapie von Krankheiten im Detail, im Organ, in der Zelle, auf molekularer Ebene und liefert hier zweifelsohne wertvolle Ansätze. Sie kann dank hochentwickelter Geräte präzise diagnostizieren und punktuell theraphieren. Aber sie hat den Blick auf das Ganze verloren und könnte nun en durch ein ganzheitliches Be-trachtungssystem von Mensch, Natur und Kosmos ergänzt werden. Der Ayurveda ist hierfür das ideale Konzept – und dies nicht erst seit heute. Denn: Schon Hippokrates, auf den der westliche Arzt noch heute seinen Eid schwört, war ein Gelehrter der ayur-vedischen Medizin. Viele Therapien sind nur symptomorientiert, die wahre Ursache wird entweder gar nie hinterfragt oder nicht erkannt. Die moderne Medizin werde dadurch nicht nur viel effektiver sondern vor allem auch kostengünstiger.

Anerkennung in Gesellschaft und Politik nimmt Konturen an

Zur Anerkennung der Ayurveda-Medizin und deren Heilmittel in der Schweiz äusserst sich Dr. Rhyner so: “Jeder Patient, der eine Zusatzversicherung für Alternativmedizin hat, wird die Behandlungskosten von der Krankenkasse zurückerstattet erhalten.

Auch in Deutschland hat die vor 19 Jahren gegründete “Deutsche Gesellschaft für Ayuveda“ gute Fortschritte errungen aber noch nicht den endgültigen Durchbruch geschafft. Immerhin gelang es, zusammen mit der Hufelandgesellschaft – dem Dachverband aller Naturheilrichtungen – und der Mannheimer Versicherungsgesellschaft einen Katalog mit Richtlinien zusammenzustellen, der als Grundlage für die Erstattung ayurvedischer Behandlungen durch private Krankenkassen dienen kann.

Signifikant sind auch die Aussagen von Dr. Gupta, dem langjährigen akademischen Kopf der Ausbildung für Ayurveda-Medizin am Rosenberg-Institut in Birstein, der zuvor leitener Chefarzt am P.D. Patel Ayurveda Hospital und Professor am J.S. Ayurveda College in Gujarat ­– einer der angesehensten Kliniken Indiens ˆ war. Dr. Gupta betont, dass die Entwicklung eines Medizinsystems in einer Demokratie von der öffentlichen Nachfrage abhängt.

In Indien war beispielsweise Ayurveda während der britischen Besatzungsmacht ver- boten. Nach der Unabhängigkeit 1947 wuchs das Interesse der Bevölkerung wieder an Ayurveda bis die indische Regierung Ayurveda als Teil der indischen Kultur anerkennen musste. Heute gibt es in Indien zwei Universitäten, denen über 200 Colleges ange-schlossen sind.

“Das gleiche passiert nun auch in Deutschland”, sagt Dr. Gupta. “Und je mehr Nachfrage besteht, umso eher werden sich auch die Regierung und Gesundheitsbehörden damit befassen müssen“. Und dies ist gut so. Denn nur so kann diese Medizin auf dem rechtmässigen Weg und im Rahmen wichtiger Qualitätskriterien und unter dem “Schutz der Gesetze“ eingeführt werden und braucht nicht durch die Hintertür zu kommen. Damit werde unseriösen Anbietern der Nährboden entzogen.

Adaptionen auf hiesige Verhältnisse schreitet voran

Auf die Frage, ob es denn möglich sei, die klassische Ayurveda-Lehre auf europäische Bedürfnisse zu übertragen, meint Dr. Gupta, dass dies keine Schwierigkeit darstelle. Denn eine Kultur sei nichts statisches: “Sie ist wie ein Fluss, der ständig in Bewegung ist“. Die Kultur verändere sich ständig, wir können nicht einfach alte Schriften überneh-men. Weder in Indien noch hier in Europa. “Wir leben in einer naturwissenschaftlichen Aera, die von schnellen Veränderungen geprägt ist. Die Menschen werden Ayurveda nur akzeptieren, wenn wir das Wissen ebenfalls weiterentwickeln und anpassen.

Das dem so ist, zeigt auch die Arbeitsweise des Schweizer Arztes, Dr. Rhyner, der seit 15 Jahren fast nur noch ayurvedische Monopräparate (die nur aus einem Inhaltsstoff bestehen) anbietet. Rhyners Meinung nach müsse man hierzulande nicht mit komplexen medizinischen Mixturen arbeiten, wie dies in Indien und Sri Lanka der Fall sei. “Mit den 26 zur Verfügung stehenden Monopräparaten können wir 75-80% der Indikationen, die wir hier in Europa haben, abdecken“. Der Vorteil bestehe in der dokumen-tierten Lieferkette samt Zertifizierung der einzelnen Produkte. Zudem wisse man bei positiven Resultaten genau, was hilft und tappe nicht im Dunkeln, welcher der 40 Inhaltsstoffe nun gut tut. Handkehrum könne man im Fall von Unverträglichkeit, Neben-wirkungen oder Allergien das Phytopräparat weglassen und ein anderes ausprobieren.

Das ist auch die Stossrichtung der Behörden, die einfache Monopräparate bevorzugen. Hinzu kommt nach ayurvedischer Lehre, dass Produkte, die wir täglich gebrauchen, aus der unmittelbaren Umgebung kommen sollten, in der wir leben. So wird beispielsweise das in Indien und Sri Lanka als Basisstoff gebräuchliche Sesamöl in Europa eher durch hochwertiges Mandelöl ersetzt. “Wir haben jetzt mit europäischen Ingredienzen ayur-vedische Oele hergestellt, die zu 100% nach ayurvedischen Kriterien gekocht und her- gestellt werden. Diese Öle entsprechen aber auch den EU-Normen und sind ausser- dem mit Toxikologie- und Haltbarkeitsstudien belegt worden“, fährt Dr. Rhyner fort. Denn Ayurveda sei ein universelles Prinzip, dass eigentlich überall auf der Welt ange-wendet werden könne.

Info-Box Autoren und Interview-Partner

Der Schweizer Arzt Dr. Hans-Heinrich Rhyner gilt als einer der international anerkann-testen Ayurveda-Experten. Seine Praxis liegt im appenzellischen Herisau. Doch arbeitet er mit dem Fachinstitut Anemonia in Wien zusammen. Dr. med. Ernst Schrott ist promo-vierter und praktizierender Humanmediziner in Regensburg. Ausserdem gehört er dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda an. Auch er hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht. Dr. Gupta – einst leitener Chefarzt am P.D. Patel Ayurveda Hos-pital und Professor am J.S. Ayurveda College in Gujarat. Heute akademischer Kopf des Rosenberg Instituts. Die vollständigen Interviews mit den Interviewten Ayurveda-Koryphäen sind allesamt auf dem www.ayurveda-portals.de nachzulesen. Empfehlenswerte Lektüren für Mediziner, Therapheuten und alle, die sich für eine gesunde Lebensphilosphie interessieren sind beim Urania Verlag in Neuhausen erhältlich.

 

 

 

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