THC & CBD: KLINISCHE STUDIEN & FORSCHUNGSBERICHTE

Cannabinoide als Heilmittel: Übersichtsarbeit und Metaanalyse

Penny F. Whiting, PhD; Robert F. Wolff, MD; Sohan Deshpande, MSc; Marcello Di Nisio, PhD; Steven Duffy, PgD; Adrián V. Hernández, MD, PhD; J. Christiaan Keurentjes, MD, PhD; Shona Lang, PhD; Kate Misso, MSc; Steve Ryder, MSc; Simone Schmidlkofer, MSc; Marie Westwood, PhD; Jos Kleijnen, MD, PhD

Übelkeit und Erbrechen infolge Chemotherapie

Übelkeit und Erbrechen infolge Chemotherapie wurde in 28 Studien (37 Berichte; 1772 Teilnehmende) untersucht.15, 16, 24–58 Zu Nabi-lon gab es 14 Studien, zu Dronabinol 3, zu Nabiximols 1, zu Levonan-tradol 4 und zu THC 6 Studien. Zwei Studien umfassten eine Gruppe mit einer Kombinationstherapie mit Dronabinol und Ondansetron oder Pro-chlorperazin. Acht Studien waren placebokontrolliert, bei drei davon wurde zudem ein aktiver Komparator eingesetzt, und bei 20 Studien wurde nur ein aktiver Kompa-rator eingesetzt. Die häufigsten aktiven Komparatoren waren Procholorperazin (15 Studien), Chlorpromazin (2 Studien) und Dompe-ridon (2 Studien). Andere Komparatoren (Aliza-prid, Hydrox-yzin, Metoclopramid und Ondansetron) wurden in Einzelstudien evaluiert (Tabelle 1, S. 5). Von den 28 Studien wiesen 23 ein hohes und 5 ein unklares Verzer-rungsrisiko auf. Alle Studien zeigten im Vergleich sowohl zum aktiven Komparator als auch zum Placebo einen grösseren Nutzen der Cannabinoide, der aber nicht in allen Studien statistische Signifikanz erreichte. Die durchschnittliche Anzahl Patientinnen und Patien-ten, die in Bezug auf Übelkeit und Erbrechen eine komplette Remission zeigten, war bei den Cannabinoiden (Dronabinol oder Nabiximols) höher als beim Placebo (OR 3.82 [95%-KI 1.55–9.42], 3 Studien).

APPETITSTIMULATION BEI HIV/AIDS-INFEKTION

Appetitstimulation bei HIV/AIDS-Infektion wurde in 4 Studien (4 Berichte; 255 Teilneh-mende) untersucht. 59–62 Alle Studien untersuchten Dronabinol, drei verglichen es mit einem Placebo (wovon eine zusätzlich auch Marihuana untersuchte), eine verglich es mit Megastrolace-tat. Alle Studien wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf. Es gab eine ge-wisse Evidenz, dass Dronabinol im Vergleich zum Placebo mit einer Gewichtszunahme assoziiert war. Limitiertere Evidenz deutete darauf hin, dass Dronabinol auch mit ge-steigertem Appetit, höherem Prozentanteil Körperfett, reduzierter Übelkeit und ver-bessertem funktionalem Status in Verbindung stehen könnte. Allerdings wurden diese Outcomes grösstenteils in Einzelstudien beurteilt und die Assoziationen erreichten des-halb keine statistische Signifikanz. Die Studie, die Marihuana und Dronabinol untersuch-te, fand für beide Cannabinoid-Formen eine signifikant stärkere Gewichtszunahme im Vergleich zum Placebo.59 Die Studie mit einem aktiven Komparator zeigte, dass Mege-strolacetat mit grösserer Gewichtszunahme assoziiert war als Dronabinol und dass die Kombination von Dronabinol und Mege-strolacetat nicht zu zusätzlicher Gewichtszu-nahme führte.

CHRONISHCE SCHMERZEN

60 Chronische Schmerzen wurden in 28 Studien (63 Berichte; 2454 Teilnehmende) unter-sucht.19, 20, 22, 23, 63–120 13 Studien untersuchten Nabiximols, 4 gerauchtes THC, 5 Nabilon, 3 einen THC-Oromukosal-spray, 2 Dronabinol,  1 verdampftes Cannabis (2 ver-schiedene Dosen), 1 aju-lemische Säure in Kapselform und 1 orales THC. Eine Studie verglich Nabilon mit Amitriptylin 64; die restlichen Studien waren placebo-kontrolliert. Eine dieser Studie  untersuchte Nabilon als Ergänzung zu einer Behandlung mit Gaba-pentin.121 Die die chronischen Schmerzen auslö-senden Krankheiten variierten je nach Studie: Es gab 12 Studien zu neuropathischen Schmerzen (zentral, peripher oder nicht spezifiziert), 3 zu Schmerzen als Folge des Karzinoms, 3 zu diabe-tischer peripherer Neu-ropathie, 2 zu Fibromyalgie, 2 zu HIV-assozi-ierter sensorischer Neuropathie und je eine Studie zu refraktären Schmerzen bei MS oder anderen neurologischen Erkrankungen, rheumatoider Arthritis, (nozizep-tiven und neuropathischen) «Nicht-krebsschmerzen», (nicht weiter spezifizierten) zentralen Schmerzen, muskuloskelettalen Problemen und durch Chemotherapie ausgelös-ten Schmerzen. 2 Studien wiesen ein niedriges, 9 ein unklares und 17 ein hohes Verzerrungsrisiko auf. Die Studien zeigten im Allgemeinen Verbesserungen bei den Schmerzmessungen, die mit den Cannabinoiden assoziiert wurden, allerdings war dieser Effekt in den meisten Einzelstudien nicht statistisch signifikant. Der durchschnittliche Anteil von Patientinnen mit einer Schmerzreduktion um mindestens 30% war bei den Cannabinoiden höher als beim Placebo  (OR 1.41 [95%-KI 0.99–2.00]; 8 Studien; Abb. 2, S. 8).

SCHLUSSFOLGERUNGEN UND RELEVANZ  

Es lag Evidenz von mittlerer Qualität  (3⁄4 Einheiten) vor, die die Verwendung von Canna-binoiden als Heilmittel zur Behandlung von chronischen Schmerzen und Spastizität stützt. Es lag Evidenz von geringer Qualität (2⁄4 Einheiten) vor, die Cannabinoide mit Verbesserungen bei Übelkeit und Erbrechen infolge Chemotherapie, Gewichtszunahme bei HIV/AIDS-Patientinnen und  Patienten, Schlafstörungen sowie Tourette-Syndrom assoziierten. Cannabinoide waren zudem mit einem erhöhten Risiko für vorübergehen-de UW assoziiert.

Hier finden Sie eine Liste mit Forschungsberichten zum Thema «Cannabis», die vom Bundesamt für Gesundheit finanziert worden sind.  

Suchtmonitoring mit den Nachbarländern: Cannabis (auf französisch) (PDF, 604 kB, 31.10.2016)

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1992 gründete der Zürcher Fotojournalist Gerd Müller die Presse- und Bildagentur GMC Photopress und reiste hernach als Agenturfotograf und Fotojournalist in über 80 Länder. Seine Reportagen wurden in zahlreichen Reise- und Spa-Magazinen publiziert.

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