Stets sozial und ökologisch engagiert und interveniert

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Highlights of a wild life» / «Obszessives ADHS-Leben» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Botswana: Berührende und bewegende Momente in meinem abenteuerlichen Leben. Hier in der Kalahari. Bild: GMC

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

93/94: IKRK-Einsätze im ANC-IFP Bürgerkrieg

Nach dem das Apartheid-Regime durch den UNO-Boykott und den südafrikanischen Widerstand zusammenbrach, kam es zu einem erbittertem Machtkampf zwischen dem «ANC» (African National Congress) und Buthelezi`s «IFP» (Inkhata Freedom Party). Der Bürgerkrieg forderte X-tausend Opfer und machte Zehntausende zu Flüchtlingen. Eine weitere Tragödie, denn zuvor hatte das weisse Regime im Zuge der Rassentrennung Millionen von schwarzen Menschen wie Vieh zwangsumgesiedelt.

1993 begleitete ich einen Freund von mir, der als IKRK-/Rotkreuz Südafrika-Delegierter in Johannesburg stationiert war und öfters in die Flüchtlingslager reiste, um die Lage zu sondieren, den Opfern zu helfen und so die Friedensbemühungen zur Stabilisierung des Landes im Hinblick auf eine demokratische Verfassung und Regierung der Regenbogen-Nation zu unterstützen. Wir fuhren zu den damaligen Hotspots «Margate», «Ladysmith», «Muzi» und «Ninkie» sowie nach «Jabu» und «Mandla» und protokollierten die abgebrannen Häuser und die Toten, führten Gespräche mit Hinterbliebenen und versuchten zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Eine schwierige, fast aussichtslose Aufgabe.

ICRC-Delegierte beim Rapportieren der Bürgerkriegs-Greueltaten in Ladysmith. Bild: GMC/Gerd Müller

Im Rahmen meines humanitären Engagements in Südafrika konnte ich auch das Poolsmore Gefängnis in Kapstadt – in dem Nelson Mandela in den letzten Jahren seiner Haft verbrachte – mit einem kanadischen UN-Gesundheitsinspektorenteam besuchen. In dem für 3000 Häftlinge konzipierten Gefängnis waren rund 7000 Häftlinge inhaftiert. Fast 30% waren damals HIV-positiv. Viele wurden jahrelang ohne Anklage festgehalten. Etliche verstarben. Es waren schlimme Zustände, die wir da antrafen. Und ein Esslöffel Kostprobe in der Gefängnisküche reichte, dass ich hernach Staphylokokken/Streptokokken hatte. Pädagogisch befremdend war auch, dass es im Kinderspielzimmer einzig eine Plastik-Schusswaffe hatte.

Zulu Heiler und Bantu-Schriftsteller Credo Vusama Mutwa

Der zweithöchste südafrikanische Zulu Heiler (sangoma) Credo Vusama Mutwa mit seinem 25 kg schweren Halsband.

Zu dieser einmaligen Mission stiess ich aufgrund einer spirituellen Kapazität in Südafrika. Der Zulu-Sangoma (Heiler), Bantu-Schriftsteller & Historiker Credo Vusama Mutwa. Ihn lernte ich im «Shamwari Game Reserve» kennen zusammen mit Dr. Jan Player, dem Rhinozeros-Retter und «Wilderness-Leadership-School»-Gründer. Die ganze Nacht über erzählte mir der unglaublich gebildete Mensch die spirituellen Geheimnisse und ethnischen Zusammenhänge, die kulturellen Eigenschaften und Besonderheiten der Bantu-Völker von Nord- bis Südafrika.

Es war faszinierend und sehr lehrreich. Leider war ich mit meiner zweieinhalb jährigen Tochter und ihrer Mutter unterwegs, hatte noch einige Pläne, Termine und Treffen bezüglich meiner anderen Wildlife und Ökoprojekte und konnte hernach nicht einfach hier bei Credo bleiben und ihm beim Projekt «Kaya Lendaba» helfen. Er wollte hier ein Multikulturelles Dorf bauen, in dem alle südafrikanischen Ethnien vertreten sein würden.

Es sollte als Leuchtpfahl für die Wiedervereinigung der Regenbogennation dienen und helfen, die Konflikte zu beenden. Auch hätte ich gerne die Ausbildung zu einem «Sangoma» gemacht, da Credo mir die Qualifikationen und die geistig-spirituelle Welt zutraute. Das erfüllte mich mit Stolz und wäre ein Traum und wohl auch eine wegweisenden Weiche in meinem Leben gewesen.

Wegbegleiter wegweisender Wildlife & Ökoprojekte

Ein abenteuerliches Highlight: Die Elefantenpopulation im Okavango Delta in Botswana hautnah. BIld. GMC/Gerd M. Müller

Bleiben wir vorerst beim «Shamwari Game Reserve» nahe Port Elisabeth und dem «Addo Elephant Park». Dies war eines der wegweisenden und in der südlichen Hemisphäre einmaligen Tierschutz und Wildlife-Wiederansiedelungsprojekte. Dazu wurde ehemaliges Farmland renaturiert und in Bush umgewandelt, dann wurden nach und nach die «Big FIve» dort wieder angesiedelt.

Zu Beginn der 90er Jahre hat Adrian Gardiner, der Besitzer, die ersten fünf schwarzen Nashörner vom «Natal Parks Board für eine halbe Million Euro gekauft und an der Garden Route nahe des Addo Elephant Parks und Port Elisabeth wieder angesiedelt. Bei meinem ersten Besuch wurden das Farmland renaturiert und ich erinnere mich an die selbst gebauten Feuertöpfe und Kaminschlots, mit denen jeder einzelne Baumstrunk ausgeräuchert wurde. Nach kurzer Zeit ist aus der damals 1200 ha grossen Farm ein Wildtierschutzgebiet von über 20000 ha mit einem Wildtierbestand von über 10000 Wildtieren geworden. Das war 2006.

Neben dem «Long Lee Manor House» hat das «Shamwari Game Reserve» fünf weitere exklusive Lodges geschaffen. Neben dem «Eagles Crag» und der «Bushmen River Lodge» auch noch die «Lobengula Spa Lodge». Im November 2005 erhielt Adrian Gardiner zum sechsten Mal die internationale Auszeichnung am «Word Travel Market in London (WTM) als weltbester privater Tierpark mit den höchsten ökologischen Anforderungen. Zudem wurde das «Shamwari Game Reserve» auch als «zweitwichtigstes Projekt der südlichen Hemisphäre» eingestuft und mit dem «British Airways for tomorrow-Award» ausgezeichnet.

Ich begleitete dieses und auch andere Ökoprojekte wegweisende Wildlife Projekte in Südafrika und Botswana fast ein Jahrzehnt lang, berichtete immer wieder über die Fortschritte und Hindernisse, weil ich jedes Jahr vor Ort war, da ich auch immer die «INDABA», die südafrikanische Tourismusfachmesse in Durban besuchte. Auch beim «Londolozi Game Reserve» der Varty Brothers, die spektakuläre Tierfilme drehten, war ich von Anbeginn dabei und hatte den richtigen Riecher.

The Shamwari Game reserve was voted more than seven times as the world best safario and eco-tourism-game reserve

Und dies an den verschiedensten Orten in der ganzen Welt. Auch in Australien mit der «Daintree Forest Lodge» und in Botswana mit der «Wilderness Leadership School» lag ich bei den absoluten Top Performers der damaligen Zeit. Hinzu kamen das «Mara Mara», «Sabi Sabi» Game Reserves. Deshalb erhielt ich dann auch vom südafrikanischen Fremdenverkehrsamt unter hiesiger Führung von Alex Jochheim und über den Botschaftskontakt den Auftrag Südafrika in der Schweiz mit PR-Kampagnen zu vertreten, wodurch ich auch noch an das «SAA»-Mandat via Gaudenz Thoma heran kam. Und in der Folge zwei Reiseführer über Südafrika schrieb.

Kenya: Als die Unruhen im Rift-Valley ein wenig abnahmen, reiste ich nach Eldoret und nahm an einer ICRC Mission teil.

Ob es sich nun um «Ökotourismus – und seine soziale Bedeutung» (Bund), um einen aufrüttelnden Bericht und erfolgreiche Spendenaktion für die «Orang Utan im Regenwald von Borneo bedroht» (im «Brückenbauer»), um die «Rettung der Wale» (in der «SonntagsZeitung») oder die «Klimakatastrophe in den Alpen» (in der «Südostschweiz») geht, stets hatte ich meine markante Nase im (Gegen-)wind und war meiner Zeit oft weit voraus. So auch bei der «Swissair» deren Untergang, deren Ende ich schon 1997 im «Bund» mit dem Bericht «Wird die Swissair überleben?» vorwegnahm.

Der Klimawandel wurde zum Thema

Auch beim Klimawandel, der heute immer noch ein ungelöstes brandaktuelles Thema und das grösste Problem auf unserem Planeten ist, könnte ich heulen über all die irrelevanten Labels, CO2-Kompensationen, politischen Bekenntnisse, leeren Versprechen und Todsünden wie die Billig-Airlines und die «SUVs» die in den letzten 20 Jahren – wohlwissend um den schlechten Zustand des Planeten-, getätigt wurden. Die Billig-Airlines verurteilte ich damals aufs schärfste. Die Generation «Easy Jet» war mir zu wieder.

In Europa habe ich nie ein Flugzeug genommen. Da war die Bahn angesagt. Natürlich kann man mir zu Recht vorwerfen, dass ich als Reisejournalist mit meinen Reisereportagen den globalen Flugverkehr angekurbelt habe. Das kann ich nicht bestreiten. Doch habe ich mir immer die Mühe genommen, ökologisch nachhaltige Projekte und umweltverträgliches Reisen zu fördern. Und als Konsequenz auf den IPPC-Bericht habe ich das «Tourismus und Umwelt Forum Schweiz gegründet».

Hardy Reef/Australien: Das grösste submarine Bauwerk der Welt ist durch den Klimawandel bedroht. Bild: Gerd Müller/GMC

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie einen Beitrag spenden wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Empfänger/innen.

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