Asien-Highlights: Philippinische Geistheiler und Matriarchate

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Malediven: Aufgrund des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels werden die Inseln mit Sand aufgeschüttet

VORWORT

Der Zürcher Autor (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 70 Nationen und lebte in sieben Länder, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und dann im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) tätig. Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Oekoprojekte im südlichen Afrika und weltweit. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz. Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voller abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Lebens eben.

Malediven 93: Erste Anzeichen des Klimawandels werden sichtbar

Malaedives: people are pulling a freight ship towards the Island Makafushi to sink it and create a new environment for marine live

Via Sri Lanka gelangte ich in die Malediven und besuchte zuerst die Touristeninsel «Ihuru». Wie eine leuchtend weisse Perlenkette heben sich die knapp 1800 Korallenatolle vom tiefblauen Indischen Ozean ab. Ein Mosaik aus Licht und Farbern umspielt die von Norden nach Süden  über sieben Breitengrade hinweg versprengte Inselkette. Von türkisblauen Lagunen und kran´zzförmigen Riffen umsäumte Eilande, welche sich aus der Tiefe des Meeresbodens erheben und dessen opulente Unterwasserpracht nach oben kehren.Die Aussenriffe schirmen das oft nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche ragende Atoll gegen die Brandung ab. Farbenprächtige Korallengärten beherbergten damals eine ungeheure Artenfülle. Eine Bilderbuchidylle von Meer, Sonne und Palmenstrand und abgeschiedener Inselromantik sowie ein Eldorado für Taucher und Wassersportler.

Die Schattenseiten: Ein fragiles Ökosystem, das auch durch den Tourismus gefährdet ist. Das aber durch die globale Klimaerwärmung und durch den Anstieg des Meeresspiegels in seiner Existenz bedroht ist und wohl unwiderruflich dem Untergang geweiht ist. Und die Abfallberge, die die Touristen auf den Inseln und auf der nahe Male gelegenen Müllinsel zurücklassen.

Maledives: A shipwreck near the the island Makafushi in the Indian Ocean ready to be sunken for creating a new coral reef friendly maritime environemt

Auf Ihuru sah ich schon damals, wie die einheimischen Fischer Schiffsladungen von Sandsäcken heranführten und am Strand Wälle gegen die Erosion bauten. Das führte mir also schon vor fast 30 Jahren vor Augen, dass es einen Klimawandel gab, der damals noch unter dem «El Nino-Effekt» heruntergespielt wurde. Über die damalige Erkenntnis, dass der Meeresspiegel ansteigen werde, schrieb ich mehrere Berichte und Kommentare. Da schon zeichnete sich die globale Erwärmung ab, die dann vier Jahre später im ersten «IPPC»-Bericht ausführlich dargelegt wurde.

Der «El nino Effekt» zerstörte 1993  die submarine Korallenwelt der Malediven dramatisch. Sie bleichten aus und starben ab. Zum Glück erlebte ich die unglaubliche Farbenpracht noch bei meinen ersten Tauchgängen auf «Ihuru» und «Rihiveli» sowie auf den Schwesterinseln «Dighofinolu» und «Veliganda Hura». Drei Jahre später reiste ich dann ins Ari Atoll auf die Insel Makafushi und nahm an einer Frachterversenkung teil, mit der wieder ein künstliches Korallenriff geschaffen werden sollte. Doch das alles sind Tropfen auf einen heissen Stein und so werden die Malediven wieder in den Fluten versinken.

Maledives: A shipwreck near the the island Makafushi in the Indian Ocean ready to be sunken for creating a new coral reef friendly maritime environemt

1992 an der Konferenz in Rio für nachhaltige Entwicklung war der Tourismus noch kein Thema. Das änderte sich zwar danach rasch einmal durch das globale Wachstum. 1994 publizierte das «World Travel and Tourism Council» (WTTC) und die «World Tourism Organization» (WTO) gemeinsam mit dem «Earth Council» die «Agenda 21 für die Reise und Tourismusindustrie» und wandten sich mit einem Appell an die Vereinten Nationen, die Agenda 21 besser zu verankern.

Doch erst im April 1999 legte die Kommission ein erstes Vier-Jahresprogramm über «Tourismus und Nachhaltige Entwicklung» vor. In der Zwischenzeit entstand eine Flut von Öko-Gütelsiegel und Öko Zertifizierungen und auch die CO2-Kompensationsmodelle wie  «My Climate» beim Fliegen, die alle eine Art ökologische Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen, was natürlich keineswegs der Fall ist. Das beste beziehungsweise übelste Beispiel ist die Schweiz. Sie weist eine gute Klimabilanz auf, aber nur, weil wir all unsere dreckigen Prozesse ins Ausland verlagert und den CO2-Ausstoss kompensieren. In Tat und Wahrheit ist unser Fussabdruck der viertgrösste weltweit. So kann das Wachstum und der Konsum micht mehr weitergehen.

Links zu einigen Publikationen über die Malediven

Solothurner Ztg.: Ein Requiem aufs Korallenriff                                                                                                                   

AT/BT:    Die Ökozeitbombe tickt und tickt

                                                                                                            

Solo                                     Ein Requiem aufs Korallenriff                                                                                                                       

St. Galler Tagblatt:   Vom Anfang bis zum Ende in nur 100 Jahren                                                                                                                          

Philippines 95: Unglaubliche Geistheiler-Fähigkeiten

Unglaublich abr wahr: Operation mit blossen Händen ohne Narkose und Schmerzen für die Patientin. Bild: Gerd Müller

Bei meiner zweiten Reise in die Philippinen ging es mir unter anderem darum eine Schiffsreise in Palawan von Busuanga Island aus durch die Coron Inseln zu machen und später einen philippinischen Geistheiler in Luzon zu finden. Denn vor einem halben Jahr hatte ich zufällig Kontakt zu einem jungen knapp 25 jährigen Heiler, der in die Schweiz und nach Deutschland reiste und offensichtlich schon Kultstatus hatte. Jedenfalls warteten gewiss drei Dutzend Personen auf eine kurze Session mit dem philippinischen Geistheiler.

Der Reihe nach fanden sich die Personen in einem abgedunkelten Raum ein und sagten dem in Trance befindlichen Geistheiler kurz ihr Anliegen, worauf er sie untersuchte und abtastete und so abartig merkwürdige Dinge vor meinen Augen tat, wie das Körperöffnen mit der Fingerspitze an gewissen Stellen, worauf die Fleischwunde aufklaffte und er mit den Fingern darin eintauchte. Doch seine Finger entmaterialisierten sich unter der Hautoberfläche und verschmolzen mit dem Gewebe. Es waren keine Fingerspitzen oder kuppen mehr zu sehen, nur der Rest über der Hautoberfläche. Als er die Finger herauszog, verschloss sie die klaffende Wunde und zurück blieb eine leicht gerötete Stelle an der Hautoberfläche. Der absolute Wahnsinn. So etwas habe ich noch nie und nur einmal danach bei einem anderen Geistheiler hier in Luzon gesehen.

Mit blossen Händen dringt der Geisheiler in den Körper ein. Unter der HAutoberfläche entmaterialisieren sich seine Finger und verschmelzen mit dem Gewebe. Bild: Gerd M. Müller/ GMC Photopress

Das spirituelle Handwerk faszinierte mich derart, dass ich mich ohne zu zögern auch in eine Session begab. Mein Anliegen war der starke chronische Husten infolge des Rauchens und Kiffens. Also drang er erst mit der Hand in meinen Kehlkopf ein, dann als er in meine Brust eindrang, spürte ich einen leichten Spreizdruck auf den Rippen aber nicht schmerzhaft. Und zum Schluss drang er auch noch in meine Bauchhöhle ein. Da konnte wieder zuschauen wie seine Finger in der klaffenden Wunde verschwanden.

Einfach Unglaublich die Fähigkeiten dieses jungen spirituellen Geistheiler, der seine Magie direkt von der „Maria Jungfrau“ gespendet erhält, wie er mir sagte. Aber das verrückteste ist, dass sich mein Husten augenblicklich in Luft auflöste, meine Lungenfunktion beträchtlich besser war und dieser Zustand gewiss drei vier Monate anhielt, derweil ich weiter sündigte und meine Joints paffte. Auch Roberta, die Mutter meiner Tochter, die einen PAP3 Befund in der Schwangerschaft hatte und deshalb den Heiler aufsuchte, regenerierte sich und ihre Krebszellen, nach dieser Session. Kein Mensch würde mir die Story glauben, wenn ich nicht auch noch ein paar Beweisfotos dieser OP-Schnitte und manuellen spirituellen Eingriffe hätte. 

Wunder oder fauler Zauber: Philippinischer Heiler bei der Arbeit, Krebsgeschwüre zu entfernen. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Also wollte ich mehr über die sagenumwobenen spirituelle Heilermethoden der philippinischen Geistheiler in auf der Insel Luzon in Erfahrung bringen und fuhr dort hin. Nach längerem Herumfragen fand ich dort dann einen weiteren Geistheiler, der auch westliche Touristen behandelte. Es hatte sich ähnlich, wie bei Ayurveda in Indien, in einigen Kreisen bei Kranken herumgesprochen, dass vielleicht Hoffnung bestand, so geheilt zu werden.

Bei dem Heiler in Luzon nahm ich an einer Elektro-Kabel-Session teil, bei der die Teilnehmer sich im Kreis die Hände gaben und dann an einen niedrigen Voltanschluss unter Strom gesetzt wurden. Auch der hiesige Geistheiler öffnete die Körper mit seinen Händen und wurstelte darin herum. Manchmal zog er kleine Gewebeteile heraus uns schmiss sie in einen Plastikeimer neben dem Untersuchungsbett. Das seien Metastasen gewesen, erklärte er mir.

Zu gern hätte ich ja die Gewebeproben mitgenommen und untersuchen lassen. Hier bei diesem Geistheiler war ich irgendwie nicht ganz so überzeugt, ob es sich hier nicht um ein Hokuspokus handelte. Denn es gab natürlich auch Mitläufer, die versuchten mit dem Ruf der Geistheiler Geld mit westlichen Touristen zu machen. Der junge Philippino, der in der Schweiz war, geniesst aber meinen Respekt und mein Vertrauen. Schliesslich konnte ich die Wirkung der aussergewöhnlichen Behandlung selbst bei einigen Personen verifizieren. 

Inhaftiert und dann zur Persona non grata erklärt. Waren die Amis im Spiel?

Am Schluss dieser Philippinen Reise erlebte ich noch eine ungemütliche Ueberraschung. Ich wurde am Flughafen bei der Ausreise verhaftet. Angeblich weil ich den Namen einer ausgeschriebenen Person habe, die in den Philippinen ausgeschrieben war. Ich wurde schon bei meiner ersten Einreise von den Grenzbeamten über meinen Namen und meine Herkunft ausführlich befragt, doch die liessen mich dann problemlos einreisen.

Ich musste den Tourismusminister bemühen, auf dessen Einladung ich in den Philippinen war, um nach zwei Tagen Inhaftierung frei zu kommen. Wäre er nicht gewesen, hätte ich nach Manila reisen und mich im Justizministerium präsentieren müssen. Das blieb mir erspart und damit dies allen anderen Touristen in der Schweiz auch erspart würde, falls Ihnen dies passiert, publizierte ich die Telefonnummer des Justizministers in der Zeitung mit dem Verweis, in so einem Fall solle man sich doch direkt an den Chef der Behörde wenden. Dieser Hinweis in den Medien wurde nicht goutiert. Mehr noch.

Ein paar Jahre später bei einer weiteren Presseeinladung in die Philippinen wurde ich dann plötzlich wieder ausgeladen und auch meine Bemühungen bei der philippinischen Botschaft in Bern blieben erfolglos, obschon ich denen alle Passauszüge mit meinen Auslandreisen zugesandt habe. Als der philippinische Militärattache sich mit einem abschlägigen Bescheid bei mir meldete und mich zur Persona non grata stempelte, wusste ich, dass die Amis und die US-Behörden dahinter steckten. Die hatten nun detailliert Kenntnis von meinen Kubareisen und in den Ostblock. Damit war ich definitiv auf dem «NSA» und «CIA»-Radar angelangt.

Links zu einigen Philippinen-Reportagen

Südostschweiz: Inselparadies für Abenteurer                                                                                                                        

AT/BT : Paradiese kurz vor dem Auftakt zum Massentourismus                                                              

Der Bund: Paradiese kurz vor dem Massentourismus                                                                                                                  

Neue Luzerner Ztg. Inselparadies für Abenteurer                                                                                                                        

Südostschweiz: Inselwelt vom Feinsten                                                                                                                                    

Vietnam: Schmuggel ins Sperrgebiet und matriarchalischer Todeskampf           

Als ich in Vietnam, also in Saigon spät Abends ankam, waren die unerträglich schwüle Hitze und der ohrenbetäubende Moped-Lärm meine ersten Eindrücke von der quirligen Metropole. Irritiert war ich, als die weibliche Restaurant-Bedienung nahe des Hotels, mich beim Essen füttern wollte. Ich weiss bis heute nicht, wo und weshalb das Sitte ist. Schon um 06.00 Uhr war ich wieder auf den Beinen mit dem Motorrad und es verging keine Stunde da sah ich schon den ersten Unfall mit zwei Toten Lastwagenchauffeuren. In Vietnam gab es unheimlich viele Strassenverkehrsopfer. Kein Wunder, es gab auch keine Regeln und war das grösste Verkehrs Wirrwar, das ich je gesehen hatte. Autos gab es damals fast keine aber Millionen von Mopeds. Wollte man die Strasse als Fussgänger überqueren, musste man sich einfach mit viel Gottvertrauen und einem guten Karma in den Verkehrsstrom reindrängen und hoffen, dass der Moped-Schwarm ausweichen kann. Das gelang erstaunlich gut und so gelangte ich zu dem Schweizer, der in Saigon schon ein paar Jahre lebte und der einen vietnamesischen Journalisten kannte, der mich in das Matriarchat an der chinesischen Grenze führen konnte.

Dieses Gebiet, in dem seit Jahrhunderten einige strikt matriarchalisch organisierte Dorfgemeinschaften befanden,.war allerdings als militärisches Sperrgebiet für Ausländer gesperrt. Also verfrachten mich die lokalen Journalisten in den Kofferraum ihres Wagens, mit dem wir durch die Sperre fuhren. So kam ich denn mit Hilfe des Schweizers, des Journalisten aus Saigon und der lokalen TV-Journalisten in eines dieser Dörfer und staunte nicht schlecht über die dortigen Sitten.

Die Frauen verrichteten die Landarbeit zum Teil mit ihren Kindern, handkehrum betreuten viele Männer Kleinkinder und unterrichteten Sie. Wenn sich zwei Frauen um einen Mann stritten, mussten sie im Wald ihre Köpfe unter Wasser pressen und die die den längeren Atem hatte, gewann. Das Erbe wurde immer mütterlicherseits weitervererbt.

Als mich die TV-Crew wieder unentdeckt aus dem militärischen Sperrgebiet herausgeschmuggelt hatten, lud ich sie auf einen Drink ein. Stattdessen setzten sich alle zusammen um einen runden Tisch und holten ein grosses Einmachglas mit Beerenschnaps hervor. Die Sitte verlangte nun, dass ich mit jedem anstossen und einen Schluck trinken sollte. Dass ich dabei sechs Mals so viel Schnaps innert kürzester Zeit zu mir nehmen musste, als jeder von ihnen, war beabsichtigt und gehörte wohl zu einem spassigen Ritual mit einem Ausländer, das ich eine Weile mit spielte und dann ziemlich betrunken davon wankte.

Auszug aus dem Buch «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

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