Höllentrip in Kolumbien im Dienste der Swissair

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Die kolumbianische Ferieninsel San Andres liegt vor der nicaraguanischen Küste. Bild: GMC/Gerd m. Müller

VORWORT

Der Zürcher Autor, Gerd Michael Müller (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 50 Nationen und lebte in sieben Ländern, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und im «AJZ». Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Ökoprojekte im südlichen Afrika und humanitäre Projekte andernorts auf der Welt. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz». Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voll abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie.

Hört oder spricht man von Kolumbien, dann ist meistens von Drogen, Mord und Korruption die Rede. Selten dringen die Sonnenseiten des kolumbianischen Lebens und die Schönheiten des Anden und Urwald-Staates ans Licht. Wer die Terra incognita im Garten Eden Südamerikas trotz Armut und Gewalt furchtlos gegenübertritt, der wird vom Zauber Kolumbiens und dem feurigen Temperament der Bevölkerung magisch angezogen sein.

Wenige Länder nur sind mit der imposanter landschaftlicher Vielfalt und einer unvergleichlichen Fülle von Naturwundern gespickt, wie der viertgrösste Staat Latinamerikas. Im Norden Kolumbiens dominieren die Ost-, West- und Zentral-Kordillieren. Drei wuchtige bis auf 5000 Meter ansteigende Andenstränge mit schneebedeckten Gipfeln, das topografische Panoptikum des Landes. Sie bergen fruchtbare Täler mit vulkanischen Ascheböden auf denen Kafeeplantagen, Gemüse- und Getreidefelder und Obstbäume gedeihen, duftende Blumen und Gewürzstauden blühen. Der Bergbau bringt die schönsten Smaragde sowie Gold, Platin, Silber und auch reichlich Kohle und Erdölvorkommen zu Tage.

In Amazonien ist es, als sei die Zeit stehen geblieben. Fitzgeraldos Abenteuer leben am geistigen Horizont wieder auf – noch immer lauern tausende Gefahren im tropischen Regenwald. Die Yaguas-Indios sind keine Bedrohung, obschon sie noch immer tödliche Giftpfeile aus ihren Blasrohren pusten, wenn Sie Jagd auf Tiere und Vögel machen. Krokodile und Pirahas verhindern ein Bad im kühlen Amazonas.

Die Sonne senkt sich gerade am blutrot gefärbten Horizon über dem dampfenden Urwald, wo das tropische Gewitter kurz vor Einbruch der Dämmerung heftig auf den esmeraldgrünen Dschungel niederprasselte und auch auf den silbernen Rumpf der DC-6, mit der wir mit lautem Propellergeheul durch den peitschenden Regen fliegen. Auch die Stirn des Piloten ist mit dicken Wasserperlen überzogen. Das sieht nach heftigen Landebedingungen aus. Dröhnend kämpfen die Propellermotoren gegen die dichten, schnell vorbeisausenden Wolkenschwaden an. Der Blick aus den kleinen runden Fenstern schweift über das Amazonasbecken, seine Flussläufe und Inseln. Nun setzen wir zur Landung an und gleiten bald über die holprige Urwaldpiste.

An Kolumbiens Karibikstränden lässt sich entspannt Ferien machen. Bild Gerd M Müller

In Amazonien ist es, als sei die Zeit stehen geblieben.Fitzgeraldos Abenteuer leben am geistigen Horizont wieder auf – noch immer lauern tausende Gefahren im tropischen Regenwald. Die Yaguas-Indios sind keine Bedrohung, obschon sie noch immer tödliche Giftpfeile aus ihren Blasrohren pusten, wenn Sie Jagd auf Tiere und Vögel machen. Krokodile und Pirahas verhindern ein Bad im kühlen Amazonas.Für kulturell Interessierte ist der Besuch Cartagenas, eine der schönsten Kolonial-Reliquien ganz Latinamerikas, das höchste aller Gefühle.

Die ehemals bedeutende Hafenstadt des Kontinents für den Sklavenhandel und Sitz des damals gefürchteten Inquisitionstribunals, ein Ort der Tragödie und der Helden, der Abenteurer und Legenden, ist reich an Burgen, Klöstern, und Museen, die alle zum Weltkulturerbe gehören.

Auf dem Flughafen von Villa Vicencio werden alle Flugzeuge auf Rauschgifft untersucht. Weiter hinten war keiner. Bild: GMC

Die Urstätten, kolonialen Metropolen Kolumbiens, die Dörfer der Yagua Indios bei Leticia im Dreiländereck, das karibische Flair der Ferieninsel San Andres vor der Küste Nicaraguas und die Behausungen der Bauern in den grossartigen Naturräumen fügen sich zu einem grandiosen Mikrokosmos zusammen.

Für Historiker, Architekten und kulturell Ambitionierte ist der Besuch Cartagenas, eine der schönsten Kolonial-Reliquien ganz Latinamerikas, das höchste aller Gefühle.  Die ehemals bedeutende Hafenstadt des Kontinents für den Sklavenhandel und Sitz des damals gefürchteten Inquisitionstribunals, ein Ort der Tragödie und der Helden, der Abenteurer und Legenden, ist reich an Burgen, Klöstern, und Museen, die alle zum Weltkulturerbe gehören.

Überragt von den Anden, vom Urwald umschlungen und von der karibischen und pazifischen Symphonie der Ozeane umwogt, brodelt das Leben der Kolumbianer zwischen Glück und Verzweiflung, Wut und Ohnmacht, pendelt von überschäumender Lebensfreude, getragen von fröhlicher Tanzmusik, bis hin zur tiefsten Traurigkeit über die Opfer der Armut, der Drogenbarone, korrupter Politiker und Tyrannen. Kolumbianer und Kolumbianerinnen leben, lieben und erleiden das Leben in vollen Zügen. Man wird mitgerissen, taucht ein, vielleicht auch unter und mit etwas Glück wohlbehüteter wieder auf – fast Fuss oder verlässt das Land wieder, gespickt mit unvergesslichen Erlebnissen.

Die Urstätten, kolonialen Metropolen Kolumbiens, die Dörfer der Yagua Indios bei Leticia im Dreiländereck, das karibische Flair der Ferieninsel San Andres vor der Küste Nicaraguas und die Behausungen der Bauern in den grossartigen Naturräumen fügen sich zu einem grandiosen Mikrokosmos zusammen.

Auch eine DC-10 der South African Airways traf ich auf dem Flughafen von Villa Vicencio an. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Also traf ich in Bogota den Chefredaktor, meinen Berufskollegen Hans-Jörg Egger. Von dort flogen wir in alle Richtungen. Zuerst nach Letiza ins Dreiländereck Brasilien, Kolumbien und Peru im Süden des Landes am Amazonas, nach Cartagena in die Kolonialperle, nach Cali, damals die Drogenhochburg von Pablo Escobar. Dann nach Villa Vicencio und schliesslich zur Karibikinsel San Andres hoch, die vor der Küste Nicaraguas liegt. Ein recht ambitioniertes Programm in einer Woche und das ging nur, weil wir jeweils so 15 Minuten vor Abflug der Maschine beim Flughafen eintrafen.

Das klappte bestens, nur beim letzten Flug nach Equador, der somit wieder ein Auslandflug war, hatten wir nicht daran gedacht, dass das Prozedere ja viel länger dauern würde. Als wir am Schalter ankamen und erfuhren, dass das Boarding schon abgeschlossen war, zeigte ich auf den Check-in Counter Angestellten zwei Visitenkarten und sagte: „Stop the airplaine, now, immediately“. Und rannte einfach durch das Gate vorbei an den überrumpelten Securities auf das Flugfeld hinaus. Hans-Jörg keuchte neben mir her, schliesslich hatten wir viel Kameragepäck im Schlepptau.

Ohne dass auf uns geschossen wurde rannten wir dem Flugzeug entgegen, das alle Türen geschlossen hatte und im Anrollen war. Gleichzeig sahen wir ein Treppenfahrzeug auf das Flugzeug zu rasen und der Jet stoppte. Nach einigen Dutzend Metern hatten wir es dann geschafft und durften die Treppe hocheilen, die Türen wurden geöffnet und wir waren an Bord. „Wow, was für eine geile Action“.  Warum die funktionierte und das Flugzeug anhielt, möchten Sie wissen? Tja, die eine Visitenkarte war die des kolumbianischen Luftfahrt-Minister und die andere, die des Flughafendirektors. Beide hatten wir interviewt. Und so kam es also, dass für uns zwei Schweizer Journalisten in Kolumbien ein Verkehrsflugzeug auf einem internationalen Flug auf der Rollpiste gestoppt wurde und die Bord-Türen aufgingen.

Auch mit dieser selbst gebauten Maschine flog ich. Ein aussergewöhnliches Erlebnis für einen Aviatik-Journalisten. Bild: GMC

Links zu ein paar Aviatik Print Publikationen:

Tempi passati am Amazonas  (Airport Magazi

Abenteuerlich von den Anden bis zum Amazonas (Der Bund)

Swissair: Personelle Probleme schon vor dem Start  (Facts) 

Wird die Swissair überleben? (Der Bund) 

Singapore Airlines: Im Himmelbett um die Welt (Relax & Style)               

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller     

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