Schlagwort-Archive: Klimawandel

Asien-Highlights: Philippinische Geistheiler und Matriarchate

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Malediven: Aufgrund des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels werden die Inseln mit Sand aufgeschüttet

VORWORT

Der Zürcher Autor (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 70 Nationen und lebte in sieben Länder, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und dann im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) tätig. Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Oekoprojekte im südlichen Afrika und weltweit. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz. Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voller abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Lebens eben.

Malediven 93: Erste Anzeichen des Klimawandels werden sichtbar

Malaedives: people are pulling a freight ship towards the Island Makafushi to sink it and create a new environment for marine live

Via Sri Lanka gelangte ich in die Malediven und besuchte zuerst die Touristeninsel «Ihuru». Wie eine leuchtend weisse Perlenkette heben sich die knapp 1800 Korallenatolle vom tiefblauen Indischen Ozean ab. Ein Mosaik aus Licht und Farbern umspielt die von Norden nach Süden  über sieben Breitengrade hinweg versprengte Inselkette. Von türkisblauen Lagunen und kran´zzförmigen Riffen umsäumte Eilande, welche sich aus der Tiefe des Meeresbodens erheben und dessen opulente Unterwasserpracht nach oben kehren.Die Aussenriffe schirmen das oft nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche ragende Atoll gegen die Brandung ab. Farbenprächtige Korallengärten beherbergten damals eine ungeheure Artenfülle. Eine Bilderbuchidylle von Meer, Sonne und Palmenstrand und abgeschiedener Inselromantik sowie ein Eldorado für Taucher und Wassersportler.

Die Schattenseiten: Ein fragiles Ökosystem, das auch durch den Tourismus gefährdet ist. Das aber durch die globale Klimaerwärmung und durch den Anstieg des Meeresspiegels in seiner Existenz bedroht ist und wohl unwiderruflich dem Untergang geweiht ist. Und die Abfallberge, die die Touristen auf den Inseln und auf der nahe Male gelegenen Müllinsel zurücklassen.

Maledives: A shipwreck near the the island Makafushi in the Indian Ocean ready to be sunken for creating a new coral reef friendly maritime environemt

Auf Ihuru sah ich schon damals, wie die einheimischen Fischer Schiffsladungen von Sandsäcken heranführten und am Strand Wälle gegen die Erosion bauten. Das führte mir also schon vor fast 30 Jahren vor Augen, dass es einen Klimawandel gab, der damals noch unter dem «El Nino-Effekt» heruntergespielt wurde. Über die damalige Erkenntnis, dass der Meeresspiegel ansteigen werde, schrieb ich mehrere Berichte und Kommentare. Da schon zeichnete sich die globale Erwärmung ab, die dann vier Jahre später im ersten «IPPC»-Bericht ausführlich dargelegt wurde.

Der «El nino Effekt» zerstörte 1993  die submarine Korallenwelt der Malediven dramatisch. Sie bleichten aus und starben ab. Zum Glück erlebte ich die unglaubliche Farbenpracht noch bei meinen ersten Tauchgängen auf «Ihuru» und «Rihiveli» sowie auf den Schwesterinseln «Dighofinolu» und «Veliganda Hura». Drei Jahre später reiste ich dann ins Ari Atoll auf die Insel Makafushi und nahm an einer Frachterversenkung teil, mit der wieder ein künstliches Korallenriff geschaffen werden sollte. Doch das alles sind Tropfen auf einen heissen Stein und so werden die Malediven wieder in den Fluten versinken.

Maledives: A shipwreck near the the island Makafushi in the Indian Ocean ready to be sunken for creating a new coral reef friendly maritime environemt

1992 an der Konferenz in Rio für nachhaltige Entwicklung war der Tourismus noch kein Thema. Das änderte sich zwar danach rasch einmal durch das globale Wachstum. 1994 publizierte das «World Travel and Tourism Council» (WTTC) und die «World Tourism Organization» (WTO) gemeinsam mit dem «Earth Council» die «Agenda 21 für die Reise und Tourismusindustrie» und wandten sich mit einem Appell an die Vereinten Nationen, die Agenda 21 besser zu verankern.

Doch erst im April 1999 legte die Kommission ein erstes Vier-Jahresprogramm über «Tourismus und Nachhaltige Entwicklung» vor. In der Zwischenzeit entstand eine Flut von Öko-Gütelsiegel und Öko Zertifizierungen und auch die CO2-Kompensationsmodelle wie  «My Climate» beim Fliegen, die alle eine Art ökologische Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen, was natürlich keineswegs der Fall ist. Das beste beziehungsweise übelste Beispiel ist die Schweiz. Sie weist eine gute Klimabilanz auf, aber nur, weil wir all unsere dreckigen Prozesse ins Ausland verlagert und den CO2-Ausstoss kompensieren. In Tat und Wahrheit ist unser Fussabdruck der viertgrösste weltweit. So kann das Wachstum und der Konsum micht mehr weitergehen.

Links zu einigen Publikationen über die Malediven

Solothurner Ztg.: Ein Requiem aufs Korallenriff                                                                                                                   

AT/BT:    Die Ökozeitbombe tickt und tickt

                                                                                                            

Solo                                     Ein Requiem aufs Korallenriff                                                                                                                       

St. Galler Tagblatt:   Vom Anfang bis zum Ende in nur 100 Jahren                                                                                                                          

Philippines 95: Unglaubliche Geistheiler-Fähigkeiten

Unglaublich abr wahr: Operation mit blossen Händen ohne Narkose und Schmerzen für die Patientin. Bild: Gerd Müller

Bei meiner zweiten Reise in die Philippinen ging es mir unter anderem darum eine Schiffsreise in Palawan von Busuanga Island aus durch die Coron Inseln zu machen und später einen philippinischen Geistheiler in Luzon zu finden. Denn vor einem halben Jahr hatte ich zufällig Kontakt zu einem jungen knapp 25 jährigen Heiler, der in die Schweiz und nach Deutschland reiste und offensichtlich schon Kultstatus hatte. Jedenfalls warteten gewiss drei Dutzend Personen auf eine kurze Session mit dem philippinischen Geistheiler.

Der Reihe nach fanden sich die Personen in einem abgedunkelten Raum ein und sagten dem in Trance befindlichen Geistheiler kurz ihr Anliegen, worauf er sie untersuchte und abtastete und so abartig merkwürdige Dinge vor meinen Augen tat, wie das Körperöffnen mit der Fingerspitze an gewissen Stellen, worauf die Fleischwunde aufklaffte und er mit den Fingern darin eintauchte. Doch seine Finger entmaterialisierten sich unter der Hautoberfläche und verschmolzen mit dem Gewebe. Es waren keine Fingerspitzen oder kuppen mehr zu sehen, nur der Rest über der Hautoberfläche. Als er die Finger herauszog, verschloss sie die klaffende Wunde und zurück blieb eine leicht gerötete Stelle an der Hautoberfläche. Der absolute Wahnsinn. So etwas habe ich noch nie und nur einmal danach bei einem anderen Geistheiler hier in Luzon gesehen.

Mit blossen Händen dringt der Geisheiler in den Körper ein. Unter der HAutoberfläche entmaterialisieren sich seine Finger und verschmelzen mit dem Gewebe. Bild: Gerd M. Müller/ GMC Photopress

Das spirituelle Handwerk faszinierte mich derart, dass ich mich ohne zu zögern auch in eine Session begab. Mein Anliegen war der starke chronische Husten infolge des Rauchens und Kiffens. Also drang er erst mit der Hand in meinen Kehlkopf ein, dann als er in meine Brust eindrang, spürte ich einen leichten Spreizdruck auf den Rippen aber nicht schmerzhaft. Und zum Schluss drang er auch noch in meine Bauchhöhle ein. Da konnte wieder zuschauen wie seine Finger in der klaffenden Wunde verschwanden.

Einfach Unglaublich die Fähigkeiten dieses jungen spirituellen Geistheiler, der seine Magie direkt von der „Maria Jungfrau“ gespendet erhält, wie er mir sagte. Aber das verrückteste ist, dass sich mein Husten augenblicklich in Luft auflöste, meine Lungenfunktion beträchtlich besser war und dieser Zustand gewiss drei vier Monate anhielt, derweil ich weiter sündigte und meine Joints paffte. Auch Roberta, die Mutter meiner Tochter, die einen PAP3 Befund in der Schwangerschaft hatte und deshalb den Heiler aufsuchte, regenerierte sich und ihre Krebszellen, nach dieser Session. Kein Mensch würde mir die Story glauben, wenn ich nicht auch noch ein paar Beweisfotos dieser OP-Schnitte und manuellen spirituellen Eingriffe hätte. 

Wunder oder fauler Zauber: Philippinischer Heiler bei der Arbeit, Krebsgeschwüre zu entfernen. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Also wollte ich mehr über die sagenumwobenen spirituelle Heilermethoden der philippinischen Geistheiler in auf der Insel Luzon in Erfahrung bringen und fuhr dort hin. Nach längerem Herumfragen fand ich dort dann einen weiteren Geistheiler, der auch westliche Touristen behandelte. Es hatte sich ähnlich, wie bei Ayurveda in Indien, in einigen Kreisen bei Kranken herumgesprochen, dass vielleicht Hoffnung bestand, so geheilt zu werden.

Bei dem Heiler in Luzon nahm ich an einer Elektro-Kabel-Session teil, bei der die Teilnehmer sich im Kreis die Hände gaben und dann an einen niedrigen Voltanschluss unter Strom gesetzt wurden. Auch der hiesige Geistheiler öffnete die Körper mit seinen Händen und wurstelte darin herum. Manchmal zog er kleine Gewebeteile heraus uns schmiss sie in einen Plastikeimer neben dem Untersuchungsbett. Das seien Metastasen gewesen, erklärte er mir.

Zu gern hätte ich ja die Gewebeproben mitgenommen und untersuchen lassen. Hier bei diesem Geistheiler war ich irgendwie nicht ganz so überzeugt, ob es sich hier nicht um ein Hokuspokus handelte. Denn es gab natürlich auch Mitläufer, die versuchten mit dem Ruf der Geistheiler Geld mit westlichen Touristen zu machen. Der junge Philippino, der in der Schweiz war, geniesst aber meinen Respekt und mein Vertrauen. Schliesslich konnte ich die Wirkung der aussergewöhnlichen Behandlung selbst bei einigen Personen verifizieren. 

Inhaftiert und dann zur Persona non grata erklärt. Waren die Amis im Spiel?

Am Schluss dieser Philippinen Reise erlebte ich noch eine ungemütliche Ueberraschung. Ich wurde am Flughafen bei der Ausreise verhaftet. Angeblich weil ich den Namen einer ausgeschriebenen Person habe, die in den Philippinen ausgeschrieben war. Ich wurde schon bei meiner ersten Einreise von den Grenzbeamten über meinen Namen und meine Herkunft ausführlich befragt, doch die liessen mich dann problemlos einreisen.

Ich musste den Tourismusminister bemühen, auf dessen Einladung ich in den Philippinen war, um nach zwei Tagen Inhaftierung frei zu kommen. Wäre er nicht gewesen, hätte ich nach Manila reisen und mich im Justizministerium präsentieren müssen. Das blieb mir erspart und damit dies allen anderen Touristen in der Schweiz auch erspart würde, falls Ihnen dies passiert, publizierte ich die Telefonnummer des Justizministers in der Zeitung mit dem Verweis, in so einem Fall solle man sich doch direkt an den Chef der Behörde wenden. Dieser Hinweis in den Medien wurde nicht goutiert. Mehr noch.

Ein paar Jahre später bei einer weiteren Presseeinladung in die Philippinen wurde ich dann plötzlich wieder ausgeladen und auch meine Bemühungen bei der philippinischen Botschaft in Bern blieben erfolglos, obschon ich denen alle Passauszüge mit meinen Auslandreisen zugesandt habe. Als der philippinische Militärattache sich mit einem abschlägigen Bescheid bei mir meldete und mich zur Persona non grata stempelte, wusste ich, dass die Amis und die US-Behörden dahinter steckten. Die hatten nun detailliert Kenntnis von meinen Kubareisen und in den Ostblock. Damit war ich definitiv auf dem «NSA» und «CIA»-Radar angelangt.

Links zu einigen Philippinen-Reportagen

Südostschweiz: Inselparadies für Abenteurer                                                                                                                        

AT/BT : Paradiese kurz vor dem Auftakt zum Massentourismus                                                              

Der Bund: Paradiese kurz vor dem Massentourismus                                                                                                                  

Neue Luzerner Ztg. Inselparadies für Abenteurer                                                                                                                        

Südostschweiz: Inselwelt vom Feinsten                                                                                                                                    

Vietnam: Schmuggel ins Sperrgebiet und matriarchalischer Todeskampf           

Als ich in Vietnam, also in Saigon spät Abends ankam, waren die unerträglich schwüle Hitze und der ohrenbetäubende Moped-Lärm meine ersten Eindrücke von der quirligen Metropole. Irritiert war ich, als die weibliche Restaurant-Bedienung nahe des Hotels, mich beim Essen füttern wollte. Ich weiss bis heute nicht, wo und weshalb das Sitte ist. Schon um 06.00 Uhr war ich wieder auf den Beinen mit dem Motorrad und es verging keine Stunde da sah ich schon den ersten Unfall mit zwei Toten Lastwagenchauffeuren. In Vietnam gab es unheimlich viele Strassenverkehrsopfer. Kein Wunder, es gab auch keine Regeln und war das grösste Verkehrs Wirrwar, das ich je gesehen hatte. Autos gab es damals fast keine aber Millionen von Mopeds. Wollte man die Strasse als Fussgänger überqueren, musste man sich einfach mit viel Gottvertrauen und einem guten Karma in den Verkehrsstrom reindrängen und hoffen, dass der Moped-Schwarm ausweichen kann. Das gelang erstaunlich gut und so gelangte ich zu dem Schweizer, der in Saigon schon ein paar Jahre lebte und der einen vietnamesischen Journalisten kannte, der mich in das Matriarchat an der chinesischen Grenze führen konnte.

Dieses Gebiet, in dem seit Jahrhunderten einige strikt matriarchalisch organisierte Dorfgemeinschaften befanden,.war allerdings als militärisches Sperrgebiet für Ausländer gesperrt. Also verfrachten mich die lokalen Journalisten in den Kofferraum ihres Wagens, mit dem wir durch die Sperre fuhren. So kam ich denn mit Hilfe des Schweizers, des Journalisten aus Saigon und der lokalen TV-Journalisten in eines dieser Dörfer und staunte nicht schlecht über die dortigen Sitten.

Die Frauen verrichteten die Landarbeit zum Teil mit ihren Kindern, handkehrum betreuten viele Männer Kleinkinder und unterrichteten Sie. Wenn sich zwei Frauen um einen Mann stritten, mussten sie im Wald ihre Köpfe unter Wasser pressen und die die den längeren Atem hatte, gewann. Das Erbe wurde immer mütterlicherseits weitervererbt.

Als mich die TV-Crew wieder unentdeckt aus dem militärischen Sperrgebiet herausgeschmuggelt hatten, lud ich sie auf einen Drink ein. Stattdessen setzten sich alle zusammen um einen runden Tisch und holten ein grosses Einmachglas mit Beerenschnaps hervor. Die Sitte verlangte nun, dass ich mit jedem anstossen und einen Schluck trinken sollte. Dass ich dabei sechs Mals so viel Schnaps innert kürzester Zeit zu mir nehmen musste, als jeder von ihnen, war beabsichtigt und gehörte wohl zu einem spassigen Ritual mit einem Ausländer, das ich eine Weile mit spielte und dann ziemlich betrunken davon wankte.

Auszug aus dem Buch «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie einen Beitrag spenden wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch.

Vielen Dank im Namen der Empfänger/innen.

Klimawandel führte zur «Gründung des Tourismus & Umwelt Forum»

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» Leben» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Auf den Malediven wird vor der Insel Makafushi im Ari Atoll ein Frachter versenkt, damit sich ein neues submarines Oekosystem ansiedeln kann. Ein künstliches Riff wird so geschaffen. Bild: Gerd M. Müller

VORWORT

Der Zürcher Autor (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 70 Nationen und lebte in sieben Länder, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und dann im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) tätig. Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Oekoprojekte im südlichen Afrika und weltweit. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz. Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voller abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Lebens eben.

French Polynesia: Helicopter flight and airshot from Bora Bora Island

1997 kam auch der erste Bericht des «IPPC»-Klimarats heraus und der machte mir ernsthaft Sorgen, denn was ich da drin lass, übertraf all meine Schreckensszenarien bei weitem und auch das Ausmass an Zerstörung, dass ich bereits seit 1993 Jahren bemerkte.  Dieser Bericht veränderte auch meine Tätigkeit. Ich unterliess fortan die vielen Fernreisen und konzentrierte mich vermehrt auf Nahziele, die mit der Bahn erreichbar sind. In Europa habe ich stets die Bahn und nie ein Flugzeug genommen. Also wollte ich vermehrt Bahnreisen propagieren. Allerdings liess mich das Thema nicht los und so gründete ich das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz».

 „Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie die Welt verrottet und durch bedenkliche Auswüchse unserer Zivilisation vor die Hunde geht“, sagte ich mir 1999 angesichts des ersten «IPPC»-Klimakollaps-Berichts und gründete mit zwei BerufskollegInnen Gisela Femppel von der «Südostschweiz» und Heinz Schmid, das «Tourismus und Umwelt Forum Schweiz». Dieses war in Samedan domiziliert. Ich lebte dort oben im fantastischen Oberengadin im Jahrhundert-Winter und dem darauf folgenden zwei Jahren, weil meine Freundin, eine begeisterte Snowboarder von Zürich hier hin umgezogen war.

Argentina: The Glacier Perito Moreno at Lago Argentino in Patagonia is one of the very few around the world which is not melting so far

Für das «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz» schuf ich ein Webportal, welches wissenschaftliche Fakten, umweltrelevante NGO-Projekte, zuständige Behörden wie das «BUWAL» und kritische Medienberichte mit nachhaltigen Reiseangeboten und Tipps für umweltbewusste Reisende verknüpfte.

Drei Jahre lang amtete ich als Geschäftsleiter und Präsident für die Umweltorganisation und setzte auch im Bündnerland einige Akzente mit Wander-Ausstellungen zum Klimawandel in den Alpen. Mit einer «Rail-Expo» der «Rhätischen Bahn», drei Bahnwagen, die in Davos, St. Moritz, Samedan, Pontresina und sechs anderen alpinen Orten im Graubünden stationiert waren und die ersten Warnsignale aussendeten.

Und seit ich ins Engadin zog, berichtete ich regelmässig in der «Südostschweiz» über den drohenden Klimawandel und ökologische Reiseformen. Auch an den den Ferienmessen und an verschiedenen Foren und war ich mit Umweltvorträgen aktiv. „Das war das erste langfristige institutionelle CSR-Engagement meiner Presseagentur hierzulande. Im Ausland hatte ich ja schon einige Projekte, die ich unterstützte.“

Sandaufschüttung gehört auf den Malediven zum Alltag. Doch das Inselparadies wird untergehen. Bild: GMC

«Keiner kommt ungeschoren davon»

In dieser Zeit veröffentlichte ich zahlreiche umweltkritische Publikationen und Kommentare wie zum Beispiel ein Bericht in der Mittelland-Zeitung «Ein Requiem aufs Korallenriff» und «Im Taucher-Paradies Malediven tickt eine Zeitbombe». Im Kommentar schrieb ich u.a.: «Nicht el Nino ist schuld». Und weiter: «Der Mensch schreitet zu weit fort. Die Alarmglocken schrillen rund um den Erdball: Zentralamerika wurde verwüstet und um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die Korallenwelt im Aequatorialgürtel ist bedroht bzw. schon grösstenteils vernichtet, die Meere verschmutzt, die Tierwelt da und dort ausgerottet, die Alpen verbaut und versaut.»

Dieses vernichtende Klimawandel-Fazit und den dringenden Appell richtete ich also schon vor 25 Jahren an die Schweiz und die „Weltöffentlichkeit“ und hielt damals schon fest: «Die Spur der Verwüstung, die der industrialisierte Mensch und der zivilisierte Tourist hinterlassen, wird zumeist auf dem Buckel der 3. Welt-Nationen ausgetragen und kommt immer dramatischer zum Vorschein.»

In der «Südostschweiz» ging ich 1997 als Reaktion auf den IPPC-Klimabericht auf den Klimawandel in den Alpen ein und hob unter dem Titel «Keiner kommt ungeschoren davon – Alpen von der Klimaerwärmung besonders hart betroffen». Gemäss dem «IPPC»-Szenario und den wissenschaftlichen Belegen, war schon damals klar, dass sich die Alpen besonders stark erwärmen und zu einer Gletscherschmelze und einem grossen Biodiversitätsverlust führen würden.

Der Meeresspiegel-Anstieg durch die globale Erwärmung könnte bis 2050 die Isselwelt untergehen lassen

«Ich suche nicht die Konfrontation», aber provoziere und debattiere gerne

Und dann publizierte ich weitere kritische Berichte und hielt als Präsident des «Tourismus & Umwelt Forum Schweiz» Referate an Ferienmessen und Veranstaltungen über die eigene Reisebranche, die dazu aufgefordert wurde, mehr für die Umwelt und für die enormen Schäden durch Flugverkehr und Massentourismus zu tun. Das verschaffte mir mehr Feinde als Freunde und auch die Fluggesellschaften waren nicht erfreut, dass ich mich mit den globalen Auswirkungen ihres Geschäftsmodell mehr und mehr auch kritisch befasste und den Reisebüroverband herausforderte, mehr als nur Lippenbekenntnisse abzugeben. Denn die Situation war damals dergestalt:

Aerial shot of the Heart Reef in the Whitesundays

Chronologie der guten Absichten

Die Behörden waren allerorts im Vollzugsnotstand. Ob es sich nun um die Einhaltung der Luftreinhalteverordnung, um die Lärmwerte zum Schutz der Bevölkerung, um internationale Abkommen über die Reduktion des CO2-Ausstosses oder um die Erfüllung der Absichtserklärungen und Zielsetzungen, wie der «Agenda 21», der «Charta von Lanzarote» oder der «Erklärung von Kreta» geht, wo immer wir hinschauen, müssen wir feststellen, dass keines der Ziele annähernd erfüllt ist. „Die Krux ist, dass die Notwendigkeit eines umwelt- und sozialverträglichen Tourismus zwar unbestritten ist, aber trotzdem nicht viel passiert“, hielt ich damals in meinen Referaten und Berichten fest.

Die Reiseveranstalter, allen voran die drei grossen «Kuoni Reisen», «Hotelplan» und «Tui Reisen» kümmerten sich kaum um die Wasser- und Energieversorgung und das Abfallmanagement vor Ort, was insbesondere auf den Malediven und anderen Inseln zu verheerenden Verschmutzung der Strände und Meere geführt hat. Eine Untersuchung der «Höheren Fachschule für Tourismus» (HFT) kam damals zum Schluss, dasss die «Erklärung von Kreta» ein Papiertiger geblieben ist.

Botswana: Airshot from the Okavango-Delta swamps in the central Kalahari

Aus dieser und den folgenden Erfahrungen und Beispielen kann man getrost sagen dass die vom Volk angenommene «Konzernverantwortungsinitative» und das von den Ständen abgelehnte Volksmeer nun ebenfalls zu viel Papier ohne Wirkung führen wird. Wieder einmal ist die Schweiz und die sie beherrschenden Konzerne darum herum gekommen, ihre globale Verantwortung wahrzunehmen. Wir sind also keinen Schritt weiter gekommen in den letzten 30 Jahren.

So schrieb ich in der Zeitschrift «Touring» und im «Brückenbauer», beides Medien mit Millionen-Leserpublikum weitere kritische Berichte, die weit über die Schweiz hinaus hallten, da ich mit dem «UNEP» Direktor Klaus Töpfer, dem Chef der UN-Umweltorganisation sowie mit Michael Iwand, damals Direktor Umweltmanagement bei «TUI» (Touristik Union International) und Iwand Widerpart von der deutschen Umwelthilfe und dem Naturschutzbund interviewte und an der ITB der grössten Tourismusfachmesse in Berlin intervenierte, das Thema auf die Agenda zu nehmen. Auch Prof. Hansruedi Müller vom Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus (FIF) plädierte für «mehr Heart-Liner als Hardliner».

Das weltgrösste submarine Bauwerk Great Barrier Reef ist ebenfalls vom Klimawandel bedroht. Bild: GMC

Mitglieder des «Tourismus & Umwelt Forums wahren damals u.a. das «BUWAL/FLS», der Schweizer Nationalpark, das «Biosphärenreservat», das «Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus» der Uni Bern und das «Europa-Institut» in Basel aber auch «Mobility» und «Toyota» mit dem ersten Hybrid-Fahrzeug, dem «Prius», nebst einigen Verkehrsvereinen, Hotels und Medien.

Nebst drei permanenten drei monatigen Ausstellungen an den Bahnhöfen in St. Moritz, Samedan und Pontresina kam ich auf die Idee eine Wanderausstellung mit der «Rhätischen Bahn» zu machen. Der Vorschlag kam an und ich erhielt drei Bahnwagons, die an sechs Bündner Orte fuhren und dort für 14 Tage an den jeweiligen Bahnhöfen stationiert waren. Dazu organisierten wir jeweils ein Live-Konzert mit der Larry Alexander Band zum Auftakt der Ausstellung.

Auch an den Ferienmessen in Zürich und Bern war das Tourismus & Umwelt Forum mit Referaten und Ausstellungen präsent, die ich allesamt organisierte. Bewusster reisen, mehr erleben, weniger zerstören, war das Motto für die Reisenden und auch im Inland die nötigen CO2-Reduktionsmassnahmen und einen Energiewandel herbeiführen.

So sieht es hinter den Touristenkulissen und Enklaven in Sharm el Sheikh aus. Bild: Gerd M. Müller/GMC

Wo stehen wir heute?

Wir haben es auf Platz 4 auf der Weltrangliste der Umweltsünder und CO2-Emmissionäregeschaft. Natürlich schön sauber ins Ausland exportiert. Wie all unsere Sonder-Abfälle. Den ganzen Müll einer übermassen konsumierenden und Ressourcen verschleudernden Gesellschaft. In den letzten Jahrzehnten haben wir ressourcenintensive Bereiche ins Ausland verlegt. Die CO-2 Emmissionen werden grösstenteils in strukturschwachen oder menschenrechtsverachtenden Regionen ausgelagert. Wir haben «My climate»-Kompensationszertifikate etc. etc. Aber unsere Bilanz ist miserabel. Erst jetzt im November 2020 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zur «Strategie Nachhaltige Entwicklung (SNE) vorgelegt. Und sie sind erneut ein Armutszeugnis für die Schweiz.

Noch übler sieht die Bilanz der Vorzeigeschweiz aus, wenn man die wirtschaftlichen Faktoren des grössten Off-Shore Finanzplatzes berücksichtigt. Ende 2019 verwalteten Schweizer Banken ein Viertel des Weltvermögens. Sagenhafte 3742,7 Milliarden Franken. Schön und gut. Nur stärkt das das ausbeuterische und ungerechte Fiskus-System und die Begünstigung der Superreichen, der Potentaten- und Mafiagelder aus der ganzen Welt.

Ein Meer von Tropenholz schwimmt in Borneo die Bäche runter. Der Lebensraum der indigenen Völker und der Regenwald werden rigoros vernichtet. Für Tropenholz und Palmölplantagen. Bild: Gerd M. Müller

Die «Credit Suisse» wurde gerade wieder einmal im Dezember 2020 von der Bundesanwaltschaft angeklagt, weil sie mit der Bulgarischen Drogenmafia ein lukratives Geschäft betrieb und ihre Sorgfaltspflicht grob verletzte (natürlich gilt die Unschuldsvermutung gilt). Aber die Mocambique-Affaire und viele weitere dubiose und korrupte Geschäfte, welche die «Credit Suisse», ehemals SKA», im grossen Stil betrieb, lässt die Vermutung zu, dass sie auch diesmal viel Dreck am Stecken hat.

Zurück zur Goldgrube der Schweiz. Die Steueroase Helvetien begünstigt für aberhunderte potenter Hauptsitze multinationaler Konzerne zum Abfluss von Privatvermögen aus denEntwicklungsländern und die gnadenlose, weltweite Umverteilung von unten nach oben. Die ausbeutung und Gier kennt keine Grenzen, auch nicht in Zeiten von Covid-19. Im Gegenteil Sie begünstigt die Globalen Technogiganten und Superreichen. Und dieser grosse Schatten fällt auf die Schweiz zurück. Egal wie weiss wir es waschen und wie schön wir es reden oder predigen.

Ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel muss her

Australien: Die nie zu vor so lang anhaltende Dürre infolge des Klimawandels führt zu Bränden. Bild: Gerd M. Müller/GMC Photopress

Wo liegt das Problem? Nun die dünne Schutzschicht in der Atmosphäre is in der freien Marktwirtschaft keinen Heller wert, sie kostet nichts und sie zu verpesten auch nicht. Die Bodenschätze werden gnadenlos ausgebeutet. Die junge und die nächste Generation werden fassungslos erkennen, dass wir im Konsumrausch nach der Oelkrise 1975 und vor allem seit Beginn der 90er Jahre fast soviel Gas, Kohle und Oel verfeuert haben, wie in Million Jahre Erdgeschichte zuvor.

Und das obschon die Sonne seit je her 10000 Mal mehr Energie auf die Erdoberfläche schickt, als der Mensch braucht. DerMüllplatz der Menschheit ist mittlerweile in die entferntesten Regionen der Welt sichtbar im und auf der Meeresoberflöche zu sehen. Und das ist bekanntlich nur die Spitze des Eisberges. Der Plastik und die Pestizidgiftstoffe sind längst in der Nahrungskette angekommen und richten dort massiv weitere Schäden und grosses Leiden an.

Allein zwischen 1961 und 1990 waren die Temperaturen bereits um zwei Grad Celcius gestiegen, während sie im weltweiten Mittel nur um 0,6 Prozent gestiegen sind. Die damaligen Voraussagen für den Alpenraum reichten bis zu fünf Grad mehr in den nächsten 30 Jahren

Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen, dass trotz all der Erkenntnisse, die schon in den frühe 90er Jahren, spätestens aber 1997 mit dem IPPC»-Bericht vorlagen und den einsamen Rufern in der Wüste Recht gaben, keine griffigen Massnahmen getroffen bzw. umgesetzt wurden.

Die «Generation Easy Jet» rollte bzw. flog gerade heran, alle düsten für einige Tage nach London oder New York zum Shoppen, nach Ibiza für «Raves» usw. und nach Milano um ein paar Schuhe zu kaufen. Plötzlich kostete ein Flugticket nach London weniger als die Zugfahrt von Zürich nach Bern oder Genf. Der helle Wahnsinn. Immer mehr, immer öfter, immer schneller. „Diese unersättliche Gier frisst noch unseren Planeten auf“, auf sagte ich mir schon damals und heute 20 Jahre später sieht die Welt schon radikal anders aus.

Die Tierwelt ist weltweit wie die gesamte Biodiversität akut von unserem Lebensstil bedroht. Bild: GMC

Ich brauche an dieser Stelle nicht zu wiederholen, was alles schief gelaufen ist, wie schlecht es um unseren Planeten und in der Schweiz um die Biodiversität, die Gewässer, die Gletscher und die Luftschadstoffe bestellt ist. Und wie viel Zeit von Politik und Wirtschaft verloren wurde.

Auch die ganze Zertifizierungs- und Oekolabel-Maschinerie bringt herzlich wenig bis nichts. Das «My-Climate» CO2 Kompensationsgeschäft ist reine Augenwischerei und hilft niemandem, wenn wir unseren Konsum und die Verschleuderung der Ressourcen stetig steigern statt endlich drastisch zu senken und unsere Wegwerfgesellschaft radikal umdenken. Denn rein buchhalterisch müssten wir über 30Millionen Tonnen CO2 statt auf Schweizer Boden ausserhalb der Landesgrenzen eingespart werden. Das wird nicht nur etliche Milliarden kosten, sondern ist auch ökonomisch und ökologisch total unsinnig.

Diese Beträge würden für die im Inland nicht erbrachten CO2-Reduktionen und der Wirtschaft daher fehlen. Die «Dekarbonisierung der Gesellschaft» würde keinen Millimeter vorwärts kommen, die Abhängigkeit und Sauerei immer grösser, allein schon durch die ansteigende Bevölkerungsdichte.

Gemäss Copernicus war das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 global das heisseste Jahr seit Messbeginn. Auch in Europa vor allem aber in der Arktis wurden Rekordwerte bis sechs Grad im Zeitraum von 1981 bis 2010 über dem Durchschnitt verzeichnet. 2020 sind die hohen Temperaturen besonders extrem, das sie ohne El-Nino-Effekt im Vorjahr zustande kamen. 2021 dürfte infolge des La-Nina-Effekt wieder ein Temperaturanstieg zu verzeichnen sein. Und das, obschon wir nun ein Covid-19 Jahr lang einen sehr eingeschränkten Luftverkehrhatten. Auch die CO2-Zunahme wird mit Sicherheit weiter ansteigen. Die Arktis wird weiter schmilzen und wenn es zum Worst Case Szenario kommt und dich die Atlantikwalze nicht mehr so wie bis anhin bewegt, blicken wir düsteren Zeiten entgegen.

Zwar kommt es 2020 zu einer Wiederbelebung der «Pariser Koalition der hohen Ambitionen» auf dem ersten virtuellen Klimaschutzgipfel der Vereinten Nationen, wo sich 75 Nationen zum Ziel der «Netto-Null-Emmissionen» bekannt haben. Die meisten Staaten streben das Ziel bis 2050 an. Damit verfügt die von Uno-Generalsekretär Antonio Guterres ausgerufene «Koalition für Kohlenstoffneutralität»  über gut 65 Prozent des weltweiten CO2-Ausstossvolumens, die noch ansteigen könnte, wenn die Finanzzusagen für den grünen Klimafonds von jährlich 100 Milliarden Franken vorankommen. Als zentrales Instrument gilt der auch von der EU anerkannte Kohlenstoffpreis der bis 2030 stetig ansteigen soll.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus hatte 2015 vorgeschlagen, einen Klimaklub zu schaffen, der einen wechselseitigen Nutzen aus der Aufteilung des Klimaschutz zieht und die Trittbrettfahrer ausschliesst. Nur so komme man aus dem Gefangenen-Dilemma heraus. Die Koalition der Willigen soll einen möglichst grossen Nutzen  und Vorteile für die Mitglieder ein räumen. So könne man der Problematik des Nutzniessens ohne eigene Anstrengungen und Beitragszahlungen entgegenwirken. Auch der Kapitalmarkt wäre gut beraten, in nachhaltige und grüne Produkte und Resourcen zu investieren und aus der Kohle rasant auszusteigen.

Für UNO-Generalsekretär Gutterez ist das ein wichtiger Schritt nach vorne, aber es reiche noch nicht aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt noch immer auf dem Weg zu einem globalen Temperaturanstieg von über drei Grad sei, was einer Katstrophe gleich käme. Mit anderen Worten. Wir sind immer noch mit 180 km unterwegs was den fossilen Verbrauch anbelangt. Eine Temporeduktion tut not. Gerade die Pandemie hat gezeigt, was in ausserordentlichen Lagen möglich ist und mobilisiert werden kann. Der Patient Erde liegt auf der Intensivstation und röchelt in den letzten Zügen.

Die Schweiz trödelt auch beim Verbot gefährlicher Pestizide

Noch immer dürfen Schweizer Bauern Pestizide versprühen, die in der EU verboten sind. Gut 50 vor allem für Gewässerorganismen langfrist hochgefährliche und sehr giftige Chemikalien wie Bifenthrin, Quinclamin, Chlorpyrifos, Thiamethoxam sind noch immer zugelassen. Glufosinat wird in der Schweiz fünf Jahre länger eingesetzt als in der EU.

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Boat-trip through the Okavango-Delta swamps in the Kalahari-desert. The Delta faces the heaviest floods since 46 years.

IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie einen Beitrag spenden wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Empfänger/innen.

Bund hat Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren verstärkt

Bern, 18.12.2020 – Der Bundesrat hat an der Sitzung vom 18.12.2020 einen Bericht zum Stand der Umsetzung von Massnahmen gegen Naturgefahren zur Kenntnis genommen. Der Bericht zeigt auf, dass diese Massnahmen in den letzten vier Jahren gestärkt wurden. Dies beispielsweise dank einer neuen Karte, die dazu dient, Hochwasserschäden durch Oberflächenabfluss abzuwenden.

2016 hat der Bundesrat 67 Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit vor Naturgefahren beschlossen. Ein Viertel dieser Massnahmen ist inzwischen umgesetzt, wie ein Bericht über den Stand der Arbeiten aufzeigt. Der Bundesrat hat am 18.12.2020 vom Bericht Kenntnis genommen.

Geringere Schäden dank Vorsorge

Neu gibt es eine «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss», die gemeinsam von Bundesbehörden und Versicherungen erarbeitet wurde. Sie schliesst eine wesentliche Lücke in den Gefahrengrundlagen. Die Karte zeigt, wo Regenwasser bei starken Niederschlägen nicht versickern kann und oberirdisch abfliesst. Oberflächenabfluss verursacht bis zu 50 Prozent der Hochwasserschäden und trat in den letzten Jahren vermehrt auf. Die Karte dient Kantonen, Gemeinden und Privaten, diese Schäden mit geeigneten Schutzmassnahmen abzuwenden. Mit dem Klimawandel ist mit heftigeren und häufigeren Niederschlägen und somit auch mit mehr Oberflächenabfluss zu rechnen.

Zudem hat der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein die Naturgefahren Hochwasser, Rutschungen, Murgänge, Steinschlag, Lawinen, Schneedruck, Hagel und Erdbeben in die Baunorm SIA 261/1 aufgenommen oder überarbeitet. Diese Norm ist eine wichtige Grundlage für Fachleute: Sie zeigt auf, wie diese Naturgefahren bei der Planung und Berechnung von Bauten und Anlagen zu berücksichtigen sind.

Die neue Informationsplattform «Schutz vor Naturgefahren» der wichtigen Akteurinnen und Akteure im Bereich Gebäudeschutz (Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKG, Schweizerischer Versicherungsverband SVV, Hauseigentümerverband Schweiz HEV, Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA, Verband Schweizerischer Kantonalbanken VSKB, Schweizerischer Gemeindeverband SGV) enthält alle Informationen zum Gebäudeschutz, darunter drei Filme für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer über erfolgreichen Objektschutz.

Für ein Ereignis gewappnet sein

Neu unterstützt der Bund die Kantone und Gemeinden mit einem Leitfaden, um Einsatzpläne zu erstellen und umzusetzen. Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz benötigen solche Einsatzpläne, um Personen zu schützen und um Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen zu vermindern. Einsatzpläne regeln, welche Interventionen im Ereignisfall notwendig sind.

Der nächste Bericht zum Stand der Umsetzung der Massnahmen des Integralen Risikomanagements von Naturgefahren in der Schweiz ist für 2025 vorgesehen.

Schutz vor Naturgefahren als Daueraufgabe
Aufgrund der zunehmenden Nutzung des Lebensraums sowie des Klimawandels steigen die Risiken von Naturgefahren wie Hochwasser, Bergstürze oder Lawinen trotz aller Schutzanstrengungen. Der Bund will mit den im Bericht «Umgang mit Naturgefahren in der Schweiz» aufgeführten Massnahmen die Risiken auf ein akzeptables Mass begrenzen. Ziel der Anstrengungen aller Akteurinnen und Akteure dieser Verbundaufgabe ist, einen sicheren Lebens- und Wirtschaftsraum Schweiz zu erhalten.

Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung: Die Schweiz erneuert ihre Unterstützung an das UN-Entwicklungsprogramm

Die Weltbank schätzt, dass aufgrund der Covid-19 Pandemie über 100 Millionen Menschen in die Armut zurückfallen. Bild: GMC/Gerd Müller

Bern, 18.11.2020 – Trotz Fortschritten bei der Umsetzung der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 leben weltweit rund 600 Millionen Menschen in extremer Armut. Covid-bedingt steigt diese Zahl zum erstem Mal seit Jahrzehnten wieder stark an. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) spielt bei der Armutsbekämpfung eine entscheidende Rolle. Der Bundesrat hat am 18. November daher einen Beitrag von 52,7 Millionen Franken an das UNDP beschlossen.

Die Weltbank geht davon aus, dass aufgrund der Covid-19-Pandemie bis zu 115 Millionen Menschen wieder in die extreme Armut zurückfallen können. Damit steigt die Zahl der davon Betroffenen zum ersten Mal seit 1998 wieder an. Die UNO schätzt, dass 10,3 Milliarden US-Dollar nötig sind, um die humanitären Bedürfnisse sowie die längerfristigen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen, die Covid-19 in den ärmsten Ländern verursacht, zu decken. 2030 werden geschätzt 80 Prozent der ärmsten Menschen in fragilen oder von Konflikten betroffenen Kontexten bzw. Regionen leben.

Mit ihrer Unterstützung des UNDP im Umfang von 52,7 Millionen Franken für das Jahr 2021 leistet die Schweiz einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Covid-19-Krise und zur Erreichung der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030. Das UNDP unterstützt Entwicklungsländer bei der Armutsbekämpfung und der Überwindung struktureller Hindernisse zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung. Es fördert beispielsweise die Konfliktprävention, stärkt die demokratische Regierungsführung und die Kapazitäten für Krisenbewältigung. Mit seinen Zielen handelt das UNDP im Einklang mit den Interessen der Schweiz; es reduziert Ungleichheit, Armut, Konflikte und weitere Bedrohungen, die sich weit über die Entwicklungsländer hinaus auswirken.

2018 bis 2019 hat das UNDP den Zugang zur Grundversorgung von 48 Millionen Menschen, die Hälfte davon Frauen, verbessert. In 28 krisenbetroffenen Ländern hat es für fünf Millionen Menschen einen Arbeitsplatz oder eine bessere Existenzgrundlage geschaffen. Im Bereich Rechtsstaatlichkeit unterstützten UNDP-Projekte Wahlprozesse in 23 Ländern und trugen dazu bei, 28 Millionen Stimmberechtigte neu zu registrieren, davon 48 Prozent Frauen. Im Rahmen der Covid-19-Pandemie übernimmt das UNDP eine führende Rolle: Es analysiert die sozioökonomischen Auswirkungen auf über 60 Länder und koordiniert die mittelfristige sozioökonomische Unterstützung der UNO. Rund zehn Prozent der Kernbeiträge des UNDP wurden für die Reaktion auf die Covid-19-Pandemie verwendet.

Das UNDP ist seit 1974 ein strategischer Partner der Schweiz und gehört zu den prioritären multilateralen Organisationen der internationalen Zusammenarbeit (IZA) der Schweiz. Die Arbeit des UNDP steht im Einklang mit den Zielen der IZA-Strategie 2021–2024, nämlich die wirtschaftliche und menschliche Entwicklung sowie Frieden und Rechtsstaatlichkeit zu fördern, den Klimawandel und dessen Auswirkungen zu bekämpfen und die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu bewirtschaften. Damit der Schweizer Beitrag zu überzeugenden Ergebnissen für die armen und verletzlichen Bevölkerungsgruppen führt, bringt sich die Schweiz in den Leitungsorganen des UNDP aktiv ein. Sie setzt sich ein für die Stärkung der Wirksamkeit und der Reformbestrebungen des UNDP und beteiligt sich an der Erarbeitung des strategischen Plans 2022–2025. (Quelle: EDA)

Bundesrat verabschiedet Aktionsplan für 2020–2025 zur Anpassung an den Klimawandel

Das Gletschereis schmilzt,de Sommer werden heisser und trockener. Den Worten müssen nun Taten folgen. Bild: ©GMC

Bern, 19.08.2020 – Häufigere Hitzewellen und Trockenperioden, zunehmende Naturgefahren wie Hochwasser und Erdrutsche, Veränderungen der Tier- und Pflanzenvielfalt: Der Klimawandel prägt unsere Umwelt bereits heute und wird dies in Zukunft noch stärker tun. Der Bundesrat hat deshalb am 19. August 2020 den Aktionsplan 2020–2025 zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet. Dieser setzt die bisherige Politik fort und enthält Massnahmen, um die Risiken des Klimawandels zu bewältigen und die Anpassungsfähigkeit von Natur, Gesellschaft und Wirtschaft zu steigern.

In der Schweizer Klimapolitik steht die Verminderung der Treibhausgasemissionen an erster Stelle. Doch auch wenn die Ziele des Übereinkommens von Paris erreicht werden und die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird, sind Massnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels unumgänglich. Aus diesem Grund hatte der Bundesrat schon 2012 seine Strategie «Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz» beschlossen. Mit dem am 19. August 2020 verabschiedeten Aktionsplan führt er die Umsetzung dieser Strategie in den Jahren 2020–2025 fort.

Der Aktionsplan enthält 75 Massnahmen auf Bundesebene. Sie sollen dazu beitragen, die grössten Folgen und Risiken des Klimawandels zu bewältigen. Dazu gehören eine häufigere und stärkere Hitzebelastung, Sommertrockenheit, zunehmende Naturgefahren und der Verlust der heimischen Tier- und Pflanzenvielfalt. Grundlage für den Aktionsplan sind die Schweizer Klimaszenarien CH2018 (siehe Kasten).

Heute handeln für morgen

Die Massnahmen zur Bewältigung der zunehmenden Sommerhitze, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten, fokussieren auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Kurzfristig müssen Personen, die durch Hitze gefährdet sind, Gesundheitsfachleute und Behörden auf die Hitzeproblematik aufmerksam gemacht und über geeignete Massnahmen informiert werden. Mittel- bis langfristig muss der Lebensraum an den Klimawandel angepasst werden: So brauchen Städte und Siedlungen Grün- und Wasserflächen, um der lokalen Überhitzung entgegenzuwirken. Gebäude sollen so gebaut und positioniert werden, dass sie ausreichend Schatten bieten und Durchlüftung erlauben, damit der Aufenthalt darin trotz zunehmender Hitzebelastung angenehm ist.

Die zunehmende Trockenheit verlangt nach Massnahmen zum Umgang mit Wasserknappheit. Mehrere Bundesämter arbeiten gemeinsam daran, die Vorhersage von Trockenperioden und die Information während diesen Ereignissen zu verbessern. So können die nötigen Massnahmen frühzeitig eingeleitet werden. Gleichzeitig will der Bund die Kantone weiter bei der Umsetzung der Wasserressourcenplanung unterstützen. In der Landwirtschaft fördern Bund und Kantone die ressourcenschonende und an die trockeneren Bedingungen angepasste Bewirtschaftung, zum Beispiel den Anbau von Sorten, welche Trockenheit besser überstehen.

Der Klimawandel verändert auch die Situation bei den Naturgefahren. Wegen zunehmenden Starkniederschlägen und wärmeren Wintern, in denen anstelle von Schnee mehr Regen fällt, häufen sich lokale Hochwasser. Flüsse, Bäche und Seen können vermehrt über die Ufer treten, und Regen fliesst über das offene Gelände ab, wenn der Boden ihn nicht schnell genug aufzunehmen vermag. Auch Erdrutsche können häufiger auftreten. Solche Veränderungen müssen frühzeitig erkannt und bei allen Aktivitäten zum Schutz und zur Bewältigung von Naturgefahren berücksichtigt werden. Mit genügend Raum für den Rückhalt und die Ableitung von Wasser, Geröll und Lawinen lassen sich Schäden wirkungsvoll verhindern.

Im Aktionsplan sind auch Massnahmen zur Biodiversität enthalten. Mit dem Klimawandel verändern sich die Lebensräume, die Zusammensetzung von Tier- und Pflanzenarten und die Landschaft. Die Natur kann sich bis zu einem gewissen Grad an den Klimawandel anpassen, braucht dafür aber Freiräume. Der Aktionsplan sieht daher vor, Schutzgebiete zu schaffen und zu vernetzen. Dies dient auch dazu, die wichtigen Leistungen der Ökosysteme langfristig zu sichern – beispielsweise die Bestäubung durch Insekten oder der Lawinenschutz durch Wälder.

Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden stärken

Da sich der Klimawandel regional unterschiedlich auswirkt, ist die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden zentral. Deshalb zielen verschiedene Massnahmen des zweiten Aktionsplans darauf ab, die Abstimmung zwischen den drei Staatsebenen zu verbessern. So entwickelt das Bundesamt für Umwelt BAFU für Gemeinden ein einfaches Online-Tool, das sie bei der Planung von eigenen Anpassungsmassnahmen unterstützen soll.Ausserdem ist ein Forschungsprogramm zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastrukturen in der Schweiz geplant.

Die Klimaszenarien CH2018

Die Klimaszenarien CH2018 zeigen, wie der Klimawandel die Schweiz trifft und was weltweite Anstrengungen zur Verminderung der klimaschädlichen Treibhausgase dagegen ausrichten können. Die Klimaszenarien verbinden Simulationen aktueller Klimamodelle mit Beobachtungen bisheriger Trends und erlauben den bisher genausten Blick in die Klimazukunft unseres Landes. Der Aktionsplan orientiert sich vorsorglich an einem Szenario ohne zusätzliche weltweite Klimaschutzmassnahmen, in dem die mittlere weltweite Erwärmung bis Ende Jahrhundert gegenüber heute ungefähr 2,6–4,8 Grad beträgt.

Mehr Hitzetage: Die Höchsttemperaturen steigen erheblich stärker als die Durchschnittstemperaturen. Bis Mitte Jahrhundert wird es an den heissesten Tagen im Sommer 2–5,5 Grad wärmer als heute. Die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad wird sich je nach Region mehr als verdoppeln. Hitzewellen werden häufiger und extremer. Hitzesommer wie in den Rekordjahren 2003 und 2018 können zur Norm werden.

Trockene Sommer: Die mittlere Regenmenge nimmt im Sommer langfristig ab, während die Verdunstung mit steigender Temperatur zunimmt. Bis Mitte Jahrhundert steigt die mittlere Sommertemperatur um 2,5–4,5 Grad im Vergleich zu heute. Gleichzeitig fällt bis zu einem Viertel weniger Regen. Die längste niederschlagsfreie Periode dauert bis zu 9 Tage länger als heute. Entsprechend werden die Böden trockener.

Heftige Niederschläge: Starkniederschläge werden in Zukunft merklich häufiger und intensiver als wir sie heute erleben. Dies betrifft alle Jahreszeiten, aber besonders den Winter. Bis Mitte Jahrhundert wird die jährlich grösste Niederschlagsmenge, die an einem Tag fällt, um etwa 10% zunehmen.

Schneearme Winter: Bis Mitte Jahrhundert werden die Winter deutlich milder sein als heute. Zwar fällt mehr Niederschlag – aber wegen der höheren Temperaturen vermehrt als Regen. Besonders in tieferen Lagen schneit es seltener und weniger. Die Zahl der Neuschneetage nimmt ab, die Schneefallgrenze steigt um 400–650 Höhenmeter.

Die Schweiz erhöht ihren Beitrag an den Grünen Klimafonds

MIt 150 Mio. USD unterstützt die Schweiz Grüne Klimafonds in Entwicklungsländern wie hier in Laos. Bild: © GMC

Bern, 19.08.2020 – Der Bundesrat hat im Kampf gegen den Klimawandel einen Entscheid mit Signalwirkung gefällt: Die Schweiz unterstützt in den kommenden vier Jahren den Grünen Klimafonds mit insgesamt 150 Mio. USD. Dies hat der Bundesrat am 19. August 2020 entschieden. Der globale Klimafonds unterstützt Entwicklungsländer bei der Umsetzung der Klimakonvention der Vereinten Nationen. Er finanziert in diesen Ländern Massnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel.

Vier Jahre nach der Einrichtung des Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) hat der Bundesrat entschieden, bei der ersten Wiederauffüllung des Fonds den Beitrag der Schweiz zu erhöhen. Nach 100 Millionen US-Dollar in den Jahren 2015-2019 unterstützt die Schweiz den Fonds im Zeitraum von 2020-2023 mit insgesamt 150 Millionen US-Dollar. Diese Mittel sind in der IZA-Botschaft 2017-2020 vorgesehen. Damit reagiert der Bundesrat auf die wachsenden globalen und nationalen klimabedingten Herausforderungen und die Dringlichkeit des Handelns. Gerade Entwicklungsländer sind von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark betroffen. Ausserdem sind die Forderungen der Schweiz in den Wiederauffüllungsverhandlungen erfüllt worden.

Der GCF leistet einen zentralen Beitrag zur Förderung einer emissionsarmen und klimaresilienten Entwicklung in Ländern niedrigen Einkommens. Er berücksichtigt besonders die Bedürfnisse der gegenüber Klimawandel besonders verletzlichen Länder wie Mozambique oder Bangladesch. Der GCF investiert unter anderem in klimakompatible Städte, emissionsarme und widerstandsfähige Landwirtschaft, den Schutz der Wälder, den Umbau der Energieproduktion und den Zugang zu sauberen Energiequellen. Dadurch werden Treibhausgasemissionen verringert, die Lebensgrundlagen der Menschen in den Partnerländern verbessert sowie eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung gefördert. Bis heute hat der Fonds in über 130 Projekte in mehr als 100 Ländern investiert, die über 350 Millionen Menschen zugutekommen werden und den weltweiten CO2-Ausstoss um rund 1,6 Milliarden Tonnen dauerhaft verringern.

Schwerpunkt der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz
Die GCF gehört zu den fünfzehn prioritären Organisationen der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz. Die Bekämpfung des Klimawandels und dessen Auswirkungen ist einer der vier thematischen Schwerpunkte der Botschaft des Bundesrats zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 (IZA-Strategie 2021–2024). Die Schweiz stellt mit diesem Beitrag neben den finanziellen Mitteln auch Fachwissen und technische Lösungen für den Klimaschutz und Anpassungsmassnahmen in Ländern niedrigen Einkommens bereit. Die Schweiz setzt sich im Fonds insbesondere dafür ein, dass in den Projektaktivitäten die Bedürfnisse der ärmsten und verletzlichsten Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden – einschliesslich der Frauen und Kinder – und dass die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor verstärkt wird. An der Initialkapitalisierung des Fonds 2015-2019 hatte sich die Schweiz mit USD 100 Millionen beteiligt.

Die Unterstützung des GCF ist Teil des Schweizer Beitrags an die internationale Klimafinanzierung. So kommt die Schweiz ihrer Verpflichtung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Klimaübereinkommen von Paris nach, Mittel für Klimamassnahmen für die Länder niedrigen Einkommens bereitzustellen, und trägt damit auch zur Umsetzung der Agenda 2030 bei.

Hohe Auszeichnung für ETH-Klimaforscher Knutti

Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, wird für seine Leistungen in der Erforschung des Klimawandels und für die Vermittlung seiner Erkenntnisse an die Öffentlichkeit mit dem Preis der Stiftung Dr. J.E. Brandenberger 2018 ausgezeichnet.

Von:  Simon Zogg

Der mit 200’000 Franken dotierte Preis zählt zu den höchsten Stiftungspreisen in der Schweiz. Dabei werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich der Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen verschrieben und sich dabei besondere Verdienste erworben haben. «Das trifft auf Reto Knutti in hohem Masse zu,» sagt Stiftungsratspräsident Carlo Schmid-Sutter, «unser Bewusstsein für den Klimawandel ist nicht erst nach diesem Hitzesommer gestiegen, dank den neuen Wegen in der Wissensvermittlung ist es Reto Knutti gelungen, neue Interessierte zu erreichen, die Ergebnisse seiner Forschung weit über die akademische Welt hinaus bekannt zu machen und für die Thematik politische Entscheidungsträger und das breite Publikum zu sensibilisieren.»

Reto Knutti beschäftigt sich mit grossen Fragen: Wie sollte unsere Welt in 20 bis 30 Jahren aussehen? Wie schärfen wir unser Bewusstsein für die Risiken des Klimawandels? Wie schaffen wir gesellschaftliche und politische Akzeptanz für die Klimaforschung? «Die Auszeichnung durch die Brandenberger-Stiftung freut mich besonders, weil er die gesellschaftliche Relevanz der Klimaforschung unterstreicht», sagt Reto Knutti. «Er motiviert mich, die Erkenntnisse meiner Forschung auch in Zukunft der Öffentlichkeit näher zu bringen.»

Reto Knutti
Bild: Giulia Marthaler / ETH Zürich
 

Als einer der Hauptautoren des Klimaberichts des Weltklimarates (IPCC) zeigt Reto Knutti die Auswirkung der Klimaerwärmung auf unseren Planeten. Er leitet die Gruppe für Klimaphysik am Institut für Atmosphäre und Klima des Departements für Umweltsystemwissenschaften an der ETH Zürich, ist Delegierter für Nachhaltigkeit der ETH und Präsident von ProClim.

Über die Auszeichnung freut sich auch ETH-Präsident Lino Guzzella: «Der Preis ist einerseits eine Auszeichnung für die tolle Arbeit von Reto Knutti. Andererseits ist er Beleg dafür, dass die ETH Zürich an gesellschaftlich höchst relevanten Themen forscht, Lösungen dafür entwickelt und sich in die öffentliche Diskussion einbringt.» Der Preis der Stiftung Dr. J.E. Brandenberger wird Reto Knutti am 24. November 2018 in Zürich verliehen. 

Über den Preis

Die Stiftung Dr. J.E. Brandenberger richtet jährlich einen mit 200’000 Franken dotierten Preis an Schweizerinnen und Schweizer, die sich unter grossem und anhaltenden Einsatz der Verbesserung der materiellen oder immateriellen Lebensbedingungen von Menschen verschrieben und sich dabei besondere Verdienste erworben haben. Der Preis soll insbesondere ohne Rücksicht auf die konfessionelle und politische Einstellung Frauen und Männern verliehen werden. Gegründet wurde die Stiftung von Irma Marthe Brandenberger, der Tochter des Cellophan-Erfinders Dr. J.E. Brandenberger.

Quelle: ETH Zürich

Gletscher in Echtzeit beobachten

Heisse Sommer lassen Gletscher schmelzen. Das verändert nicht nur das Landschaftsbild und damit die Karten der Schweiz, sondern betrifft auch sensible Bereiche der Gesellschaft. Ein neues, dynamisches Gletscherinventar macht den Einfluss des Klimawandels und die Veränderung der Landschaft sichtbar.

Von:  Markus Gross

Gletscherbeobachtung im Bann von mehreren Walliser Viertausendern. (Bild: GLAMOS)

Es war im Jahr 2001, dass die Schweizer Gletscher zum letzten Mal etwas an Masse zulegen konnten. Seither sterben die 1500 Gletscher, nicht nur in der Schweiz, einen langsamen aber unaufhaltsamen Tod. Doch wie schnell sie wirklich schwinden und wie sich das auf Landschaft, Mensch und Tier auswirkt, war bisher nur partiell nachvollziehbar. Dank dem Projekt Glacier Monitoring Schweiz (GLAMOS) wird sich das bald ändern. Das Schweizerische Gletschermessnetz erstellt im Auftrag von verschiedenen Bundesämtern ein umfassendes Inventar der heimischen Gletscher – in einem bisher nicht dagewesenen Detailierungsgrad.

Doch wozu braucht eine aussterbende «Spezies» ein derart detailliertes Inventar? Für den GLAMOS-Geoinformatiker und ETH-Mitarbeiter Yvo Weidmann ist das keine Frage: «Die Gletscherschmelze beeinflusst die Abflussmenge in unseren Flüssen und ist damit relevant für Naturgefahren und die Katastrophenprävention, die Energieversorgung, den Verkehr, den Tourismus, Baustellen und nicht zuletzt für die Gletscherforschung.»

Heute werden im Rahmen von GLAMOS rund 100 Gletscher überwacht, wobei insbesondere deren Veränderung in Bezug auf Eisdicke und Länge gemessen werden. Künftig wird die Veränderung der Ausdehnung von rund 1500 Gletscher erfasst. Dadurch können die Forschenden in Zukunft die Veränderung ihrer Ausdehnung haargenau verfolgen.

Von der Karte zum 3D-Landschaftsmodell

Möglich gemacht hat das neue Inventar ein Paradigmenwechsel beim Bundesamt für Landestopografie: Mit grossem Aufwand wandelt die Swisstopo seit einigen Jahren die bisherigen Karten in ein digitales, dreidimensionales Landschaftsmodell um. Die bisherigen Karten zeigen – vereinfacht gesagt – was wo ist. Für die Gletscherforschung war diese einfache Aufsicht kein brauchbares Modell.

Gletscher können von Schutt bedeckt sein. Das ist für die Glaziologie relevant. «Es ist möglich, dass ein grosser Teil der Gletscherzunge mit Schutt bedeckt ist und der sichtbare Eiskörper nur einen Teil des tatsächlichen Gletschers darstellt», präzisiert Weidmann. Eine rein kartografische Abbildung der sichtbaren Eisfläche greife darum im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz.

Die farbigen Linien zeigen an, wo der Rand des Aletschgletschers einst lag (rote Linie 1850, grün=1973, blau=2010). (Grafik: Swisstopo/GLAMOS)

Aus Eisfeldern werden Gletscher

Im topografischen Landschaftsmodell entfällt diese Limitierung. Die digitale Darstellung erlaubt es, verschiedene Schichten entlang topografischer Regeln zu kombinieren. Wald und Gewässer können sich so zwar berühren, nicht aber überlagern. Geröll kann auf Eis liegen. Und flüssiges Wasser – etwa im Fall von Gletscherseen – kann auf Eis vorkommen. Am Computer können Schichten entfernt oder hinzugefügt werden, wodurch ein umfassendes Landschaftsbild für alle möglichen Bedürfnisse entsteht.

Erstmals erfasst Swisstopo Gletscher im neuen Landschaftsmodell zusätzlich nach glaziologischen Regeln. So kann es beispielsweise vorkommen, dass sich auf einem Bergkamm zwei Gletscher berühren, die sich ansonsten auf gegenüberliegenden Bergflanken befinden und unterschiedliche Fliessrichtungen haben. Aus kartografischer Sicht handelt es sich dabei um eine einzige grosse Eisfläche. Aus Sicht des Glaziologen sind es jedoch zwei «Individuen», die abgesehen von der Berührung am Bergkamm wenig gemeinsam haben und einander nicht beeinflussen.

«In Zukunft wird die Geschichte eines Gletschers über eine eindeutige Nummer nachverfolgbar», erklärt Yvo Weidmann. «Wenn dann ein Gletscher mit zwei Einzugsgebieten in zwei verschiedenen Tälern soweit abschmilzt, dass daraus zwei eigenständige Gletscher werden, dann erhält einer davon eine neue Nummer.» Diese Inventarnummern helfen nicht nur dabei, die Gletscher zu identifizieren, sondern auch, ihren Lebenslauf zu dokumentieren.

Ein Modell mit nie gekannter Präzision

Verknüpfen nun die Forscher das Inventar mit glaziologischen Berechnungsmodellen, können sie aufzeigen, wieviel Wasser welcher Gletscher wann liefert.

Je mehr Daten in das Modell einfliessen, desto präziser wird die Grundlage für Prognosen. GLAMOS erreicht damit eine nie dagewesene Präzision. Die Flugzeuge von Swisstopo erfassen jeden Quadratmeter der Schweiz im Abstand von vier bis sechs Jahren. Die dabei gemachten 3D-Bilder erlauben es, Höhenunterschiede auf einem Raster von zwei mal zwei Metern mit einer Genauigkeit von rund 50 Zentimetern festzuhalten. Sinkt eine Schotterfläche vor einer Gletscherzunge zwischen zwei Messungen deutlich ab, so befindet sich darunter wahrscheinlich Eis. Mit jeder weiteren Messung wird das wahre Ausmass unserer Gletscher besser dokumentiert.

Ein Datenschatz wird gehoben

Das erste vollständige Gletscherinventar stammt aus dem Jahr 1973. Später wurde ein zweites für das Jahr 1850 aufgrund von Schätzungen, Karten und Moränen rekonstruiert. Weitere Bestandsaufnahmen folgten um 2000 und 2010. All diese Inventare waren wichtig für die Forschung, wurden aber nach eigenen Regeln und unterschiedlichen Methoden erfasst, was sie schwierig vergleichbar macht.

Ab 2019 verfügt die Schweiz nun erstmals über ein Gletscherinventar, das dynamisch weiterentwickelt wird und alle vier bis sechs Jahre komplett erneuert vorliegt. Übrigens: Die Kosten für das neue Gletscherinventar sind überschaubar, weil GLAMOS auf die bestehenden Datenschätze zugreift, sie aufbereitet, verknüpft und für ein breites Publikum nutzbar macht.

Augenfälliger Gletscherschwund im Engadin, August 2018: Die Verbindung zwischen Morteratsch- und Pers-Gletscher ist abgeschmolzen. (Bild: Peter Rüegg)

Was ist GLAMOS?

Das Schweizerische Gletschermessnetz dokumentiert langfristige Gletscherveränderungen in den Schweizer Alpen. Es wird gemeinsam von der Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze (EKK) mit der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich sowie den Universitäten Fribourg und Zürich betrieben. Die Aufnahmen sind durch die finanzielle Unterstützung vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), Meteo Schweiz im Rahmen von GCOS und der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) gesichert und werden massgeblich durch das Bundesamt für Landestopographie unterstützt.

Sommerserie

Im Rahmen einer Serie präsentiert ETH-News während der Ferienzeit regelmässig Beiträge zu Forschung und Innovation, welche etwas mit der schönsten Zeit des Jahres zu tun haben.

Bisher erschienen:

11.07. Schwitzen für ein kühleres Singapur

18.07. Wissenschaftler für einen Tag

30.07. Kochen, auch wenn es windet

08.08. Den perfekten Schatten programmiert

17.08. Vom Kiefernzapfen zum adaptiven Schattenspender

Quelle: ETH, Zürich / Swiss Federal Institut of technology

Internationale Solidarität mit „Trump-not-welcome“ Demo in Zürich

Die Demonstration «Trump not welcome», welche am Dienstag, 23. Januar 2018 in Zürich stattfindet, schlägt hohe Wellen – und das nicht nur in der Schweiz. Wir veröffentlichen hier zwei Solidaritätsbotschaften von namhaften politischen Verlagen, Zeitschriften, Organisationen und Einzelpersonen aus den USA – darunter Baskar Sunkara, Gründer des Jacobin Magazine –, welche die Demonstration unterstützen. Der Protest gegen Trump und all das, was er politisch verkörpert, reiht sich somit ein in die internationalen Bewegungen gegen Rassismus, Sexismus und Ausbeutung. Diese haben insbesondere in den USA durch Trumps Wahlsieg enorm an Stärke gewonnen, wie bei den Women’s Marches 2017 und 2018 sichtbar wurde. (Red.)

Wir senden warme Grüsse und Solidarität aus den USA an die Demonstrationen gegen Donald Trumps Besuch am World Economic Forum (WEF) im schweizerischen Davos.

Trump hat sein Amt vor etwa einem Jahr angetreten und sofort eine Gesamtoffensive gegen die Arbeiter*innenklasse, die unterdrückten Schichten und die Umwelt lanciert. Fast ein Jahr später hat Trumps Republikanische Partei ein neues Steuergesetz verabschiedet, dank dem sich die grossen Unternehmen und die Wohlhabenden weiter bereichern können. Die Republikaner hoffen im Jahr 2018 mit tiefgreifenden Kürzungen bei den Unterstützungsprogrammen, welche den Arbeiter*innen zugute kommen, und mit Angriffen auf die Gewerkschafts- und Arbeitsrechte nachzudoppeln.

Die Steuersenkungen waren Trumps grösste legislative Errungenschaft im letzten Jahr. Weiter hat er erreicht den Alltag in den USA – dank der rohen Gewalt des Staates – viel repressiver zu gestalten. Die Polizei hat ihren Amoklauf von Verhaftungen, Brutalität und Tötungen – insbesondere von «people of color» – fortgesetzt. Dazu kommt der verheerende Angriff auf die Immigrant*innen. Die Immigrationspolizei führt immer intensiver Razzien an Arbeitsplätzen, in Gerichtshäusern und gar Gebetsstätten durch. Gleichzeitig versucht Trump die Programme, welche einige Gruppen von Immigrant*innen schützen sollten – wie beispielsweise junge Personen, die als Kinder in die USA gelangten oder vor Gewalt und Zerstörung geflüchtet sind –, zu beenden.

Von diesem rechten Angriff des Staates inspiriert, kam es im vergangenen Jahr zu zahlreichen rechten und rechtsextremen Mobilisierungen. Sie demonstrierten offen für die weisse Vorherrschaft, beispielsweise bei ihrer Mobilisierung in Charlottesville, Virginia. Diese Demonstration endete im Mord an einer antirassistischen Demonstrantin. Ebenfalls häufiger greifen rechte Anti-Frauen-Gruppen Kliniken an, in denen Abtreibungen durchgeführt werden.

So grässlich diese Situation auch ist; wir sehen gleichzeitig unglaublich starken Widerstand. Wir haben die noch nie da gewesenen Proteste an den Flughäfen im letzten Jahr – gegen Trumps Einreiseverbot für Personen aus mehrheitlich muslimischen Ländern – nicht vergessen. 2017 begann und endete mit Protesten für Frauenrechte. Von den riesigen Women’s Marches im Januar 2017 hin zur #MeToo-Kampagne, welche sexuelle Angriffe und Belästigungen enthüllt und mächtige Männer zur Verantwortung gezogen hat.

Zudem können wir auch ein steigendes Interesse an Sozialismus und linker Politik feststellen, insbesondere bei jungen Menschen. Dies ist dieses Jahr besonders wichtig, da der November 2018 Kongresswahlen mit sich bringt und die Hauptalternative zu Trumps Republikanern eine Demokratische Partei sein wird, welche mitverantwortlich ist für den Rechtsrutsch der Mainstream-Politik. Es ist deshalb dringend nötig für heute und die Zukunft eine Alternative aufzubauen, welche auf Solidarität und Opposition gegen den Status Quo basiert.

Wir stehen mit euch, während ihr gegen Trump in Davos protestiert und euch für eine bessere Welt organisiert.

Unterzeichnende:

International Socialist Organisation (ISO)
Kentucky Workers League (KWL)
International Socialist Review (ISR)
Left Roots
SocialistWorker.org
Baskar Sunkara (Gründer des Jacobin Magazine)
Aaron S. Amaral, Saulo Colon, Barry Finger und Scoot McLemee (Redaktionsmitglieder von New Politics)

Quelle: Bfs

Nachhaltiger Umweltschutz durch steigenden Bioproduktekonsum

Die Ernährung trägt enorm zur Klimaerwärmung bei und gilt als höchster Belastungsfaktor noch vor dem Verkehr und den Industrieemissionen. Die Ernährung der Menschheit verursacht die Hälfte aller CO2-Emissionen. Die Biolandwirtschaft würde hingegen sehr viel weniger Ressourcen verschlingen und wäre erst noch viel gesünder. Warum das Umdenken so schwer fällt.

Klar ist: essen müssen wir alle. Nur was und wie ist die Frage, die uns in Zukunft aus verschiedenen Gründen beschäftigten wird. Denn der grösste Teil der Emissionen fällt in der Landwirtschaft bei der Abholzung für Acker- und Weideflächen, durch den intensiven Dünger und Pestizidverbrauch und schliesslich bei der Verpackung, beim Transport und bei der Kühlung, Lagerung und beim Verbrauch der Nahrungsmittel an.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau hat ausgerechnet, dass der Kohlendioxidausschuss von Biohöfen pro Hektare bis zu 50 Prozent niedriger ist , als bei Höfen mit konventionellem Anbau, weil weniger Dünger und Pestizide verbraucht werden. Auch binden Bioböden mehr Kohlendioxid als industriell bewirtschaftete. Das Klimapotential in der Landwirtschaft ist daher riesig, sagt die UNO-Landwirtschaftsorganisation (FAO). «Weltweit könnten rund fünf Milliarden Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre verpufft werden».

Mit der weltweiten Umstellung auf Bioanbau würden wir zu den Wurzeln zurückkehren und uns von einem Treiber des Klimawandels zu einem klimaneutralen Produktionsbereich wandeln. Zudem würden wir die Böden und Pflanzen erst noch widerstandsfähiger machen für die noch bevorstehenden Wetterkapriolen wie Hitze- und Dürreperioden oder extreme Niederschläge und Überschwemmungen. Es ist höchste Zeit, den Bio-Wandel in der Landwirtschaft voranzutreiben. Die Konsumenten haben es in der Hand. Sie müssen die treibende Kraft sein, Pestizide aus ihrem Kühlschrank zu vertreiben, weniger Fleisch zu konsumieren und lokale, saisonale Produkte zu bevorzugen.

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