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Kontraste: Je drei Monate im Senegal, in Polen und London

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «DAS PENDEL SCHLÄGT ZURÜCK!» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Dieses Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Hot-Spots und Krisenregionen. Er beleuchtet das Schicksal der indigenen Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf und rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund. Er prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Resourcen an, zeigt die Schmetterlingseffekte der Hedge Funds und Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus gehobener Reiseliteratur und globalem Polit-Thriller, gespickt mit abenteuerlichen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben.

1986: Im Senegal in den Grenzkonflikt mit Guinea Bissau reingelaufen

Der Senegal ist eine Welt der Geister, Hexen, Heiler und Wahrsager. Alles ist sehr mystisch. Es werden Flüche ausgesprochen und Leute verhext und irgendwie fürchtet sich jeder davor. Daher tragen auch alle einen Boubou, einen Glücksbringer, der sie schützen soll. Auch der Kleiderkult ist legendär. Die schönsten, sehr farbenprächtigen Kleider und Kostüme werden in Dakar feilgeboten. Die bunt bemalten Pirogen, die Einbaumboote reihen sich am Strand im Getümmel der Fischer und Händler auf. Als Transportmittel gibt es Minibusse, die in alle Richtungen fahren und überall anhalten, wo ein Fahrgast ein- oder aussteigen möchte.

1986 wurde ich als Reiseleiter erst drei Monate im Senegal, dann in Warschau in Polen, also im damaligen Ostblock und zuletzt in London für weitere drei Monate eingesetzt. „Waren dass drei horizonterweiternde Ausland-Aufenthalte in einem Jahr!“ Beim ersten «Resident Manager»-Einsatz im Senegal war Flaute angesagt sowie in Covid-Zeiten, denn «AIDS» war gerade erst auf dem Radar aufgetaucht und noch rätselte die Medizin, woher es kam, beziehungsweise wie das Virus übertragen wurde. Erst vermutete man noch durch eine Fliege aus Afrika, dann kamen Affenbisse in Frage.

Daher war nicht viel los im «Club Aldiana» nahe M‘Bour. Zeit für eine Reise in den Süden Senegals durch Gambia hindurch in die Casamance runter. Dort lief ich mit meiner Kamera in der Wildnis nahe der Grenze rum und wurde unvermittelt im Gestrüpp von einer Soldatentruppe des Militärs von Guinea-Bissau angehalten und stundenlang verhört. Da der Kommandant nur portugiesisch sprach, dauerte es eine Weile, bis ich erfuhr, dass es einen Konflikt wegen des Öl-Vorkommens im Grenzgebiet zwischen den beiden Ländern gäbe und erinnerte mich an einen TV-Beitrag vor wenigen Tagen, dass exakt zu dieser Zeit sich die Streitparteien in Genf zu Verhandlungen trafen.

Das war mein Rettungsanker und Trumpf, als Schweizer in dieser prekären Situation. So versuchte ich dem Kommandanten klar zu machen, dass es äusserst schlecht wäre, wenn sie mich gefangen nähmen und damit die Verhandlungen in Genf gefährdeten. Das verstand er und liess mich dank meiner verhältnismässig grosszügigen Geldspende unbeschadet von Dannen ziehen,. Erleichtert lief ich in die Casamance, also in den Senegal zurück. Dort angekommen, hatte ich kein Bargeld mehr, um die Miete für die Loge zu zahlen. Dazu musste ich erst eine Tagesreise entfernt nach Zuiginchor reisen, um den Reisecheck zu wechseln. Also erzählte ich dem Hotelier vom Grenzerlebnis und meiner Spende, bei der die Miete drauf ging und lief dann erschöpft zum Bungalow, um erst einmal schlafen zu gehen.

Es dauerte nicht lange, dann fuhren zwei Militärjeeps mit Getöse vor der Hütte vor und acht Soldaten stiegen waffenstarrend aus. Diesmal waren es senegalesische Soldaten, aber das beruhigte mich nicht eben. „Sie hätten Befehl, mich zum Militärgouverneur zu eskortieren“, sagten sie zu mir. „Was ist denn jetzt los“, dachte ich und versuchte den Adrenalinschub zu bremsen. Eine halbe Stunde später sass ich vor dem Militärkommandanten, der mich über den Grenzvorfall ausfragte. Er habe vom Vermieter Kenntnis erhalten und möchte mehr dazu wissen. „Scheisse“, dachte ich mir, heute ist aber ein anstrengender Tag, geht denn nun die Kriegs-Diplomatie wieder von vorne los. Jetzt gilt es, möglichst alles runter zu spielen und so wenig wie möglich zu sagen, dachte ich mir. Das übte ich dann gute vier Stunden lang mit dem senegalesischen Kommandanten, worauf ich ziemlich fix und fertig war. An einem Tag zwei Militärverhöre bei verfeindeten Staaten, das war schon eine Härteprobe spezieller Güte.

Am Ende des Einsatzes im Senegal, der von den ersten «AIDS-Kranken und «HIV»-Fällen überschattet wurde, lud ich meine letzten Gäste in M’Bour in ein maurisches Cafe ein, dass auch «Vielle Prune» also einen ganz feinen «Zwetschgenschnaps» servierte. Eine absolute Rarität in Afrika. Meine Gäste wussten sofort, um welches Getränk es sich handelt. Schmunzelnd erklärte mir der etwas über 50 jährige Mann, dass er VR-Präsident der «Destillerie Willisau» sei und dieses Getränk herstelle und vertreibe. So freuten wir uns noch mehr über die nächsten paar Tropfen und als der Gast erfuhr, dass ich nach Warschau versetzt werde, meinte: „Oh, da kenn ich einen ganz feinen Menschen und hochrangigen Politiker, da wir den Wodka aus Polen importieren“. Also schrieb er mir den betreffenden Namen auf einen Zettel und gab ihn mir zur Empfehlung und Kontaktaufnahme mit. Dank dieser „Schnaps-Connection“ im Senegal hatte ich, ohne es gerade zu ahnen, ein Ass für meine nächste Mission gezogen.

Warschau 1986: In Pole-Position hinter dem Eisernen Vorhang

Denn drei Tage später bei meiner Ankunft in Warschau, wo 14 Tagen zuvor ein Verkehrsflugzeug der «LOT» abgestürzt war und rund 140 Menschen starben, konnte ich mit einem älteren Mann sprechen, der Englisch verstand und mir bei den Zoll- und Einreiseformalitäten für die 70 Fluggäste aus dem Westen behilflich war. Als ich mich bei ihm für seine Hilfe bedankte und nach seinem Namen fragte, antwortete er: „Mein Name ist Henry Zwirko.“ „Wie bitte“, entfuhr es mir, das war doch der Name, der auf dem Zettel stand, den mir der letzte Gast im Senegal überreicht hatte. Das konnte doch kein Zufall sein, dachte ich intuitiv, war aber gleichzeitig mit den Pässen und Einreisepapieren beschäftigt, was sich wohl noch stundenlang hinziehen konnte, insbesondere da ich ja nach einem kurzen Briefing von wenigen Stunden in der Schweiz als Neuling hier hinter dem «Eisernen Vorhang“ in Warschau angekommen war. 

Doch das Prozedere wurde durch den Mann hinter mir, der sich als dieser Henry Zwirko vorgestellt hatte, mit wenigen sanften, aber entschiedenen Worten an den Grenzbeamten, erheblich abgekürzt und wir konnten passieren. „OK“, dachte ich mir, der Mann ist in der Tat vielversprechend. Kein Wunder reicht sein Einfluss weit, schliesslich ist er ja polnischer Kabinetts-Minister und sein Vater ein Kriegsheld aus dem 2. Weltkrieg. Soviel wusste ich schon über ihn. Aber dass ich diesen besonderen Mann gleich bei meiner Ankunft in Warschau treffen würde, war schon sehr unheimlich. Im Nachhinein bestätigte sich meine Vermutung, dass der VR-Präsident dem Treffen ein wenig nachgeholfen und mir damit den Weg in eine aussergewöhnlich verschlossene Welt eröffnet hat, um die mich viele Geheimdienstler zu dieser Zeit inklusive unsere Spionageabwehr sicher beneidet hätten.

Auf ganz natürliche Art und Weise entwickelte sich eine vorzügliche Kooperation zwischen Henry Zwirko und mir. Da der offizielle Touristen-Umrechnungskurs von Schweizer Franken und D-Mark gut sieben Mal höher lag, als der in Warschau angebotene Schwarzmarktkurs, stieg ich alsbald jede Woche ein bis zwei Mal mit einer halben Million Zloty’s, die Henry mir besorgte, in den Transferbus ein, mit dem wir die neuen Gäste aus Zürich abholten. Und während dem Transfer vom Flughafen zu den Hotels, erzählte ich den Gästen, wie mühsam und gefährlich der illegalen Umtausch sei und offerierte als guter Reiseleiter während der Fahrt ins Stadtzentrum jedem Gast 200 Franken zu einem guten Kurs zu wechseln. Das Geschäft lief wie geschmiert und der Buschauffeur und die lokalen Guide‘s kamen dabei auch immer gut weg und schauten dann im richtigen Moment weg. Und so arbeitete ich mich in die Tiefen von Korruption, Komplizen- und Planwirtschaft ein und hatte bald Geld wie Heu oder Millionen von Zloty’s in Lokalwährung ausgedrückt.

Nur, es gab nichts zu kaufen! Gar nichts, ausser Schnaps und käuflichem Sex an jeder Ecke, ausserhalb der Touristenhotels war es sehr trist, abgesehen von ein paar sehr geheimen Orten für die Elite, in denen all die Leckerbissen, wie ein Chateau Briand oder Tartar und frische Säfte aufgetischt wurden. Ich war nur drei Mal an diesem erlauchten Ort, der für Polens Elite bestimmt war. Aber einmal sass auch Präsident Wojciech Jaruselski (der Einäugige, der den Russen die Stirn bot) mit seiner Entourage an einem der Nebentische. Das war für mich schon fast so, als wäre ich im Kreml angekommen! Später erwartete mich ein unerwartetes Treffen mit Gorbatschew’s Aussenminister Eduard Schewardnadse in der Sauna eines berühmten Medical Wellness Hotel mit herausragendem Schlafdiagnostik-Center im Vorarlberg. Zum Glück oder wie der Zufall es so will, hatte ich eine russisch sprachige Ukrainerin als Fotomodell dabei, daher konnten wir ein paar Worte mit ihm zusammen wechseln. Offensichtlich plagten den russischen Aussenminister Schlaflosigkeits-Symptome! Wohl aufgrund der aussenpolitischen Spannungen, denn es lief ja nicht gerade gut für die Russen.

Keine zwei Wochen nach meiner Ankunft in Warschau und einer ersten Rundreise in Polen nach Krakau und Zakopane trafen die Leichenspezialisten und Forensiker aus dem Ausland ein, um den Flugzeugabsturz vor drei Wochen zu untersuchen und unsere ganze Reisegruppe, stets so um die 50 bis 70 Personen, wurde von einer Stunde auf die andere aus dem einzigen Mittelklassehotel «Forum» in Warschau rausgeschmissen. Wir mussten fortan für die nächsten 14 Tagen mit lausigen, heruntergekommenen Hotels und manchmal zu Dritt ein Hotelzimmer oder zu zweit ein Doppelbett teilen. Das war in etwa so wie im Militärdienst. Doch die zu 90 Prozent männlichen Gäste nahmen es relativ gelassen hin, „wir sind ja hier im Ostblock“. Und sie waren mit kistenweise Vodka und Champagner, die ich zur Krisenbewältigung aufgeboten hatte, gut versorgt und zufrieden gestellt. Die meisten waren eh nur für eine „Touristen-Attraktion“ hier. Warschau war damals das Bangkok Europa’s und das weibliche Angebot reichlich anzüglich in der Hotelbar verfügbar. Ganze Bauernverbände und Aussendienstmitarbeiter mit „schwarzen Provisions-Kassen“ kamen aus der Schweiz hier her.

Nur dafür hatte ich absolut keine Zeit und Muse! Der eigenen Loge beraubt und dazu die täglich auf der Suche nach Unterkünften, die Transfers, die Benzinbeschaffung dafür und viele bürokratischen Hürden hielten mich auf Trab. Schwierig war es vor allem, immer wieder Sprit auf dem Schwarzmarkt für meine Arbeitsfahrten und Transfers ergattern. Ich schlief die ersten fünf Tage auch im Auto – zusammen mit dem Fahrer, dann teilte ich mit einem geschäftlich in Polen weilenden Schweizer Geschäftsführer ein paar Nächte ein durchhängendes Doppelbett. Das gab mir den Rest. Als mir das sozialistische Zigeunerleben zu bunt wurde, liess ich mit dem bündelweise verfügbaren Dollarschmiermittel die lokalen Gäste aus den Hotels rausschmeissen, in dem ich das Doppelte oder Dreifache des Zimmerpreises auf den Tisch legte.

Mit der Zeit liefen dergestalt einige Dinge wie geschmiert und als Sahnehäubchen mietete ich mir eine der schönsten und teuersten Luxussuiten im einzigen 5-Stern Hotel in Warschau, damals das «Victoria» Hotel direkt am Hauptplatz. Von dieser Staatsgast-Suite konnte ich dann auch den Papstbesuch des polnischen Pontifatius besser, als alle anderen Kamerateams von meinem Fenster aus mit verfolgen. Den polnischen Papst sah ich übrigens 1993 in Kuba wieder, als er der Karibikinsel und Fidel Castro einen Besuch abstattete.

Hatte ich Zeit für mich, holte ich die arbeitslosen Mädchen in der Lobby und von der Hotel-Bar hoch, denn zu meiner Suite gehörte auch ein Piano Player im Salon zwischen den beiden Flügeln. Und Platz gab es genug in meiner Suite mit zwei Schlafzimmern und einem Salon. Plötzlich hatte ich öfter’s mal Langweile und ein halbes Privat-Bordell bei mir zu Gast. Die drei Monate in Polen waren unvergesslich und viel spannender, als die Zeit im Senegal. Mit einer jungen polnischen Studentin, die ein paar wenige Worte Englisch konnte, gingen mir dann die Pferde durch. Ich fuhr mit ihr in den Wald zu einem Gestüt, wo wir uns zwei Hengste ausliehen und durch die herrlichen Wälder preschten.

Also ich hatte einfach keine Wahl. Sie galoppierte davon und mein Gaul hinter her. Da gab es kein Bremspedal mehr. Die herabhängenden Äste streiften und peitschten uns die ganze Zeit, sodass wir tief gebückt den Höllenritt vollführten bis zu der Stelle, als der vordere Gaul scharf bremste, worauf mein Hengst gleichzog und wir beide nach einem doppelten Salto Mortale im Gebüsch landeten. Immerhin hatte ich es in der dritten Reitstunde etliche Kilometer im gestreckten Galopp durch Polens wilde Wälder geschafft. Unverletzt trotteten wir oder besser gesagt die Pferde zurück. Ich hätte den Rückweg nie mehr gefunden. Leider war es aufgrund der sprachlichen Verständigung sehr schwierig mit der Lokalbevölkerung zu kommunizieren und an ihrem Leben teil zu nehmen. Da blieben mir nur die hübschen Mädchen, deren Sprache ich verstand. Doch nun geht es weiter nach London, heisst es im Fax aus der «Imholz» Reiseleiter-Zentrale in Zürich.

London 1987: Die ersten Kontakte zu ANC-Exilanten geknüpft

In London angekommen und eingelebt, traf ich nach einem Betriebsunfall eines italienischen Reiseleiters, der ohne Aufenthaltsbewilligung hier arbeitete und den ich dann im Gefängnis besuchte, auch auf «ANC»-Exilanten, die vor dem rassistischen Apartheid-Regime geflüchtet waren. Gerade erst waren die UNO-Sanktionen in Kraft getreten und das südafrikanische Regime wurde an den Pranger gestellt. Da der Bruder eines unserer Reiseleiter in Südafrika lebte, wollten ein paar aus unserer Reiseleiter-Truppe ans Kap reisen und in Botswana durch das Okavango Delta streifen. Das klang verheissend und wurde nach unserem Einsatz in London so in die Tat umgesetzt, doch zuvor kehrte ich in die Schweiz zurück, um hier im Lande mit «ANC»-Exilanten und mit der Anti-Apartheid Bewegung (AAB) Informationen aus London auszutauschen und um weitere Kontakte im südafrikanischen Untergrund zu knüpfen. Dergestalt gut für die Südafrika-Mission gerüstet, kam der Abflug im November 1989 rasch näher. Doch blenden wir kurz zurück, was in Südafrika in den letzten zehn Jahren geschehen war.

1950, als die Südafrikanische Regierung ihr Volk in Rassen unterteilt (Population Registration Act 35), zahlten die Schweizer Banken die ersten Kredite über 35 Millionen Franken. Als die Regierung dann Mischehen verbot (Prohibition of Mixed Marriage Act), flossen weitere 85 Millionen Franken an den Appartheid-Staat, der bis 1983 über dreieinhalb Millionen Schwarze enteignet und in «Homelands» deportiert hat. Und so gehörten 87 Prozent des Landes auf einmal den 16 Prozent Weissen. Und die Schweiz, genauer gesagt mein ehemaliger Lehrbetrieb, die «Oerlikon Bührle AG», lieferte Waffen, wie die «35mm Flab-Kanonen»  und «Pilatus PC-Porter»  Flugzeuge ans Kap, trotz UNO-Sanktionen.

1967 werden fast 700‘000 Schwarze innerhalb eines Jahres verhaftet, weil sie gegen die Passgesetze verstossen haben sollen. Die Ausgaben für die Innere Sicherheit betragen bereits 17 Prozent des Bruttosozialproduktes. Als die Briten im März 1968 einen zweiwöchige Einstellung des Goldhandels beschliessen, sprintet die Schweiz in die Bresche. Nun fliesst Südafrikas Reichtum in Rauhen Mengen in die Goldhandelsmetropole Schweiz. «SBG», «SKA» und «SBV» sichern sich dreiviertel des weltweiten Goldhandels.

1968 platzt die «Bührle-Affäre». Die Oerlikoner Waffenschmide hatte via Frankreich Waffen im Wert von 52,7 Millionen Franken nach Südafrika geliefert. 1973 beschliesst die «UNO» Vollversammlung Südafrika mit der «Resolution 3068» auszuschliessen und die Apartheid als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» einzustufen, derweil die Anleihen der drei Schweizer Banken schon auf 2,2 Milliarden Franken angestiegen sind. Während jedes zweite Kind unter fünf Jahren in den Homelands stirbt, geht es den weissen Herren am Kap und der «Zürcher Goldküste» immer besser. «Oerlikon Bührle» hat mehrmals die Sanktionen umgangen. Ich erinnere mich daran, als ich in der Exportabteilung die Ausfuhrbewilligungen, Frachtpapiere und Akkreditive einfach auf die «Oerlikon Bührle» Holding in Spanien ausstellen musste.

1979 kommt es zum Massaker in Soweto, als am 16. Juni 15‘000 Schüler dagegen protestierten, fortan in Africaans unterrichtet zu werden. 575 Menschen starben bei dem Aufstand, der sich über Monate hinzog. Die Schweizer Banken verdoppelten ihr Kreditvolumen. 1980 erklärt der reformierte Weltbund» die Apartheid zur Häresie. Das liess die Schweiz und den Schweizer Geheimdienst kalt. Peter Reggli richtet den Pilotenaustausch mit südafrikanischen Kampfpiloten in die Wege, der Bundesrat wurde darüber aber erst 1986 orientiert. Die Summe der Kreditvergaben der Schweizer Banken an das Apartheid-Regime vervierfachte sich. Jahr um Jahr um 100 Prozent. Infolge der internationalen Ächtung des Apartheid Regimes profitierte die Schweiz von der Menschen verachtenden, rassistischen Politik der Weissen am Kap. Die «ILO» forderte die Weltkonzerne auf, sich aus Südafrika zurückzuziehen und kritisierte die «SBG» namentlich als Sanktionsbrecherin. Nichts desto trotz erhält das südafrikanische Regime 1985 von Schweizer Banken weitere 75 Millionen Franken an Krediten zur freien Verfügung. 1986 wird der Ausnahmezustand über das hochverschuldete Land verhängt, über 10‘000 Menschen werden verhaftet, 1800 kamen um. „Der Frieden wurde zur Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“, sagt Erzbischoff Desmond Tutu, als das Kirchenblatt, die «New Nation» geschlossen wurde.

Als 1987 die USA Firmen bestrafen wollte, die sich nicht an die Sanktionen hielten, kam Südafrikas Präsident Peter Botha und sein Aussenminister nach Zürich um sich mit «SBG»-Vizedirektor Georg Meyer und den Vorstand der «Vereinigung Schweiz-Südafrika» zu treffen, wo ihnen an Ort und Stelle ein „Orden der guten Hoffnung“ und weitere 70 Millionen übergeben wurde. Und 1989 kommt Südafrikas Regime dank Robert Jeker auch noch zu einer Verschnaufpause bei der Rückzahlung der offenen Kredite über acht Milliarden Franken. Dies war die Ausgangslage damals, die mich bewog, in Südafrika in den Untergrund zu gehen. Da ereignete sich noch ein kleiner Schicksalswink, der mich in dem Vorhaben bestärkte. Wie so viele Aktivisten, schrieb ich der damaligen «SGB» (und heutigen «UBS»), die damals sehr stark in Südafrika aktiv war und das Apartheid-Regime unterstützte, einen Brief in der ich der Bank mitteilte, dass ich mein Konto aus Protest gegen die Finanzpolitik und das «SBG» Engagement auflöse und sie bat, das Guthaben auf ein anderes Konto zu überweisen. Bei der Saldierung des Kontos unterlief der Bank ein Fehler und so überwies sie mir 5500 Franken mehr. Ich sagte mir, „ich lass das Geld auf meinem Konto für ein Jahr und wenn die «SBG» sich nicht mehr meldet, dann geht das Geld an Organisationen im Südafrikanischen Untergrund“, sozusagen als Kompensationszahlung. Und so ist es dann auch geschehen!

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

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