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80er Jahre: Ungehemmte Lust an der Befreiung von Zwängen

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportage-Fotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

1980 war das Jahr, das die biedere Gesellschaft in der Schweiz aufrütteln sollte und im Lauf der 80-Jahre umpflügen würde. Im Mai desselben Jahres begannen die «Zürcher Jugendunruhen». Auslöser dafür war die Unzufriedenheit der Jugend mit den für Junge zur Verfügung stehenden Freiräumen. Das manifestierte sich am augenfälligen Beispiel der bevorstehenden Abstimmung über einen Subventionsbeitrag von 60 Mio. Franken an das Opernhaus und im Gegenzug keine 10‘000 Franken für die «Rote Fabrik», damals das einzige Jugendkulturzentrum der Stadt Zürich.

Zu jener Zeit gab es die Sperrstunde für alle um Mitternacht. Eine halbe Stunde später mussten alle brav zu Hause sein. Der Freizeitspass und weitere kulturelle Angebote hielten sich in engen Grenzen. Freiräume für pupertierende Jugendliche gab es überhaupt keine. Einzig ein oder zwei Freizeitzentren, die auf Sport fokussiert waren. TV, Radio, Nightlife, Internet, Streaming komplett tote Hose. Gute Musik oder Filme absolut rar. Dann kamen Videotheken auf und der «Walkmen» verändert die Musikwelt. Aber ohne Handy, Labtop, PC, Social-Media und Co. war das Leben so trist wie bei den Corona Lockdowns einfach ohne Internet, digitale Medien und Smartphones. Kein Wunder, dass es in der jugendlichen Szene schon länger brodelte. Und plötzlich entlud sich das Pulverfass, das die Gesellschaft nicht nur in der Schweiz sondern in ganz Europa erschütterte. Nach den 68ern kam die nächste anarchistische Jugendrevolte.

In der Schweiz war es grau und trist in jeder Hinsicht. Die Bevölkerung verharrte in ihrem biederen, konservativen Korsett. Die Tristesse war weit verbreitet in Europa. Der «Kalte Krieg», die Mauer und die Bedrohung durch die Kommunisten, der Vietnamkrieg, der immer brutaler und grotesker wurde. Erst die flächendeckenden Napalm-Bombardements auf die Zivilbevölkerung. Die «Clockwork Orange» Entlaubungsaktionen, die grauenhaften Bilder von brennenden Menschen und Kindern, all die verstümmelten Toten und die Gefangenenlager.

Unerklärlich an diesem Vernichtungskrieg war auch, dass er jahrzehntelang nicht vom Kongress abgesegnet war, sondern von der «CIA» finanziert war. Und die «CIA» hat die Kriegskosten bezahlt, indem sie im Goldenen Dreieck das Opium tonnenweise in die leeren Bombenflugzeuge verfrachtete und nach Mexico brachte, wo das Opium zu Heroin verarbeitet wurde. So hat sich Amerika die Heroinflut vor die Haustüre gebracht und den Mexikanern die Drogenkartelle beschert. Bei dieser kafkaesken Operation ist der CIA definitv das «I» komplett abhanden gekommen.

Durch den «Kalten Krieg» kam die atomare Bedrohung hinzu und nicht zuletzt die Gefahr von den Atommeilern selbst. Die Schweiz wollte damals eine Atommacht werden. Im Zuge dieser irrwitzigen Absicht, ist es in der Schweiz im Januar 1969 zu einem Reaktorunfall in Lucens im Kanton Waadt gab. Und später haben die Gebrüder Tinner bewiesen, dass man das Know How auch exportieren kann. Die Schweiz hat nicht nur Pakistan sondern auch Südafrika mit Atom-Know-how versorgt.

Beim Versagen des Kühlsystems eines experimentellen Reaktors im Versuchsatomkraftwerk Lucens (VAKL) im Kanton Waadt gab es im Reaktor eine partielle Kernschmelze. Im Mai wurde der Reaktor in Betrieb genommen, aber bald bis wieder abgeschaltet. Während dieses Stillstandes lief Wasser über eine defekte Gebläse-Dichtung in den Kühlkreis des Reaktors. Die aus Magnesium bestehenden Brennstab-Umhüllungsrohre korrodierten. Als der Reaktor im Januar 1969 wieder in Betrieb genommen wurde, behinderten die Korrosionsprodukte die Kühlung. Der Brennstoff überhitzte, die Brennstäbe schmolzen und gerieten in Brand. Das brachte den Moderatortank zum Bersten. Dabei wurden 1100 kg Schweres Wasser geschmolzenes radioaktives Material und Kohlendioxid (Kühlmittel) in die Reaktorkaverne geschleudert.

Doch zurück nach Zürich zur hiesigen Lage: Schon im Vorfeld der Abstimmung für den Opernhauskredit am «Allmendfest», dem jährlich stattfindenden, dreitägigen Pfingstfest in der Allmend mit den ersten Open Air Konzerten, wurden Flyer für eine Demo verteilt und Jugendzentren gefordert. An diesem warmen und wunderschönen Pfingst-Wochenende wurde mir die Bedeutung der Hippi-Bewegung vor Augen geführt. Natürlich kifften fast alle auf dem Gelände. Einige hatten auch einen LSD-Trip intus und die Stimmung war grandios. Die Musik war rockig, punkig und auf Rebellion getrimmt. Schliesslich brodelte es schon seit den 68er in der Subkultur unter den Jugendlichen. Da kam dieser Power-Sound gerade zur richtigen Zeit.

Zufällig fuhr ich am Samstag-Nachmittag des 30. Mai 1980 mit dem Tram beim Zürcher Opernhaus vorbei, exakt in dem Moment, als Hundertschaften von Polizisten aus dem von Demonstranten blockierten Opernhaus-Eingang herausquollen und auf die am Boden liegenden Personen (die sogenannten «Kulturleichen») einschlugen. Sie traten auf Frauen und Männer gleichermassen ein. Diese brutalen Szenen verschlugen mir und auch anderen Passanten den Atem und liessen meinen Bauch explodieren. Sogleich stieg ich aus dem Tram, da brannten schon die ersten Container und die Scharmützel mit der Polizei begannen.

Als die Polizisten gleich mit aller Härte vorgingen und mit Tränengas und Gummigeschossen um sich schossen, als auch Wasserwerfer einsetzten, eskalierte die Situation innert wenigen Stunden, da sich an diesem frühen Samstagabend viele Jugendliche infolge des Bob Marley Konzert im Hallenstadion befanden und dann in die Innenstadt strömten. Viele nahmen spontan an den Protesten, die sich schon zu veritablen Strassenschlachten ausgeweitet hatten, teil. Von da an hatte die Polizei für drei, vier Tage nichts mehr unter Kontrolle und die Strassenkämpfe entluden sich mit voller Wucht.

Der Kantonspolizeiposten am Limmatquai wurde umzingelt, zwei der Polizei-Fahrzeuge brannten völlig aus. Auch der Eingang zum Rathaus sah übel aus. Die Stadtluft im Niederdorf war geschwängert mit beissenden Tränengasrauchschwaden, dichter, als London im November-Nebel. Das Ausmass der Zerstörung war ebenso unglaublich, wie die Ohnmacht der Sicherheitskräfte, als sich der jahrelang aufgestaute Frust der Jugendlichen und Alt-68er in blanke Wut verwandelte, angestachelt durch die Gewalt der Ordnungskräfte beim friedlichen Opernhaus-Protest, mit dem die Demonstranten den Opernhausbesucher die einseitige Subventionspolitik aufzeigen wollten.

Der ersten Krawallnacht folgten einige weitere Schlachten im Lauf dieses Jahres, in der sich die «Bewegig» der Autonomen jeweils Mittwoch‘s in den Volksversammlungen («VV‘s») im Volkshaus oder auch Mal auf dem Platzspitz formierte. Fast jeden Samstag waren Demonstrationen angesagt. Regelmässig verbarrikadierten die Geschäfte im Niederdorf um 14.00 Uhr ihre Schaufenster mit Brettern, weil die Proteste weiterhin an Fahrt aufnahmen und sich bis hin zu Grossdemonstrationen mit fast 20‘000 Personen formierten. Die Forderung der Jungend war schlicht und einfach: „Ein Autonomes Jugendzentrum!“, ein «AJZ» muss her! Und zwar „subito!“

Am 15. Juli 1980 sollte in der Sendung «CH-Magazin» einer der grössten Skandale in der Geschichte des Schweizer Fernsehens stattfinden und Gesprächsthema Nr. 1 des Landes debattiert werden. (Die Zürcher Jugendunruhen, die mit solcher Heftigkeit über das biedere Land hereingebrochen waren schlugen die Wogen bis zum Hudson River und wurden auch von der «New York Times» aufgegriffen. Die beiden vom Fernsehen eingeladenen Vertreter/innen der Jugendbewegung, Herr und Frau Müller, liessen den beiden Stadtvertreter/innen, im Gespräch mit Stadträtin Emillie Lieberherr und dem Polizeikommandanten mit ihrer Persiflage die Hosen runter.

Die Protagonisten der Jugendbewegung, „Herr und Frau Müller“, kehrten den Spiess nämlich um und präsentierten sich als stock konservatives Paar, dass die Politik geradezu unverschämt dazu aufforderte, mit aller Härte gegen jene «Krawallanten» vorzugehen. Zur Option stünden viel grössere und härtere Geschosse z.B. aus Nord-Irland. Auch der Einsatz von Napalm müsse diskutiert werden. Ansonsten wäre es auch mit einem «Ticket nach Moskau“ ohne Rückfahrkarte getan. Zuerst war ich auch verblüfft und konsterniert, traute meinen Ohren nicht, verstand dann aber rasch die Pointe des kafkaesken Auftritts, der Schweizweit für Entrüstung und Schlagzeilen sorgte. „Châpeau, fein gemacht, compatriots!“

Die überschäumende Kreativität der «Bewegig» und ihrer Aktivisten und Aktivistinnen gipfelte in einem weiteren Medien-Coup. Als der Tagesschausprecher Leon Huber die Nachrichten verlass, hielten ihm plötzlich zwei maskierte Männer das Schild «Freedom für Georgio Bellini» vor die Brust und in die Kamera. Und verschwanden unerkannt. „Wir haben uns fast zu Tode gegrölt über diese unverfrorene und medial spektakuläre Aktion“.

Dann gab es noch die Nacktdemos, auch dies ein bisher Undenkbares Ereignis im spiessigen Zürich, einer Stadt, die an Prüderie kaum zu überbieten war, ein Zürich mit einer Sperrstunde ab Mitternacht und einem ganz konservativen kulturellen und musikalischen Korsett. Für Jugendliche und ihre Musik gab es keine Orte, an denen sie sich ohne Konsumationszwang hätten treffen können. Dabei brodelte es schon seit 1968 unter der Betondecke, dieser selbstgefälligen Stadt.

Legal? Illegal? Scheissegal, so waren wir drauf

Als dann nach monatelangen Protesten endlich das «AJZ» (Automes Jugendzentrum Zürich) auf dem heutigen Car-Parkplatz in einer alten Fabrikanlage aufging, entlud sich das ganze Kreativpotential, das so lange im Verborgenen schlummerte. Das war ein radikaler Schub für die gebeutelten Stadtindianer/innen. Autonome sprossen aus allen WG-Löchern hervor, die Hippies lebten ihren Kult und ihre Musik nun hemmungslos in aller Öffentlichkeit aus. Zumindest im «AJZ» – einem in der Tat rechtsfreien Raum aber mit massiver Polizeiüberwachung durch Spitzel. Das Zürcher Polizeicorps wurde damals „subito» um über 30 Personen nur zur Überwachung der „Bewegung“ aufgestockt. Überdies wurde ein weitaus grösseres Heer von Spitzeln rekrutiert, um die Hippi-Szene und alle anderen subversiven Elemente zu überwachen. Und das waren viele.

Zugegeben, nach all den Repressionen und drakonischen Strafen wurden die Sprüche der Jugendlichen radikaler. „Macht aus dem Staat, Gurkensalat», war nur eine der unmissverständlichen Parolen, die überall an den Wänden prangten und bei den Demos skandiert wurden. Das war damals schon „Landesverrat“ und so wir wurden auf die Stufe von Terrorristen gestellt und wahlweise als Kommunisten, Maoisten oder Palästina-Sympatisanten hingestellt.

Der Staat ging mit aller Härte auf die Aktivistinnen und Aktivisten los. Es gab im Bildungssystem, in der Verwaltung und in Teilen der Wirtschaft geheime Absprachen über Arbeits- und Ausbildungsverbote von „Linken“ bei Tätigkeiten wie Lehrer und Pädagogen, Piloten, Ingenieure usw.. Auch den Militärdienstverweigerern wurden viele Berufsbildungstüren verschlossen und einige Tätigkeiten verwehrt. Und dann kam es auch zu vielen Verstössen und Gewaltexzessen seitens der Polizei.

Einer meiner Freunde verlor ein Auge durch ein Gummigeschoss. Meine Freundin Lena schleiften sie an den Haaren herum und ihr Gesicht war arg zerschrammt. Auch ich wurde einmal mit 300 anderen Personen verhaftet und während der 24 stündigen Untersuchungshaft illegal erkennungsdienstlich behandelt.

Einige weitere spektakuläre Guerilla-Aktionen, zeigten uns, dass die Demut und der Respekt vor der Obrigkeit am erodieren war. «Underground»-Bar’s und illegale Clubs schossen wie Pilze aus dem verdorrten Zürcher Boden. Gekifft wurde überall auch im Freien und in den Parks kreisten die Joints und Bongs und die Polizei kam nicht mehr nach, überall einzuschreiten. Die Marihuanna-«Duftsäckli Euphorie» und der Duft der Freiheit waren einfach zu gross und der süsse Gras-Geruch überströmte den Abgas und Dieselgeruch bei weitem. Nie war die Freiheit lebendiger, grösser und vielfältiger, als in den 80er Jahren, einer Zeit, die ich als «Zenit des letzten und dieses Jahrtausends» bezeichne.

Am Zürichsee-Ufer wurde weit verbreitet oben ohne gebadet und die Frauen genossen die Freiheit, mitunter auch die Freuden und die Unabhängigkeit, die Ihnen die Pille und damit die Schwangerschaftsverhütung verschaffte, voll auszuleben, was sich auch in ungehemmter Sexualität und Polygamie oder in Form von Schwulen- und Trans-Parties ausdrückte. Es war damals unter uns kein Verbrechen und weder für Frauen noch für Männer verpönt, mit Dutzenden von Partner Sex zu haben und im Verlauf eines Jahres verschiedene Partnerschaftsmodelle auszuprobieren. «Sex, Drugs & Rock & Roll» oder lieber «Amore et Anarchia». Was darf es denn sein?

Jede Art von Einschränkung wurde abgelehnt, Hedonismus war unser Ziel und die Zeit der Paradiesvögel angebrochen. Wir wollten uneingeschränkt experimentieren und die freie Liebe ausprobieren, derweil unverheiratete Paare noch nicht einmal zusammen leben durften. So prüde war Zürich und die ganze Schweiz damals. Umso erstaunlicher ist es, dass die Mädels dahin schmolzen, wie Eiscreme oder selbst das Zepter übernahmen, heftig flirteten und auf einen «One Night» Stand aus waren. Jedenfalls wurde man damals als junger Mann hin und wieder hemmungslos von Frauen angemacht, die nur ein Ziel hatten. mit dir das Bett zu teilen und alle möglichen Sachen auszuprobieren. Eine ebenso aphrodisierende wie inspirerende Zeit.

Kurz gesagt: Die Frauen waren für uns Lichtgestalten. Sehr selbstbewusst und experimentierfreudig. „One man, one vote“, das galt bei der Jugendbewegung für Männer und Frauen gleichermassen. Es gab sehr viele Aktivistinnen, die sich entweder Gehör verschafften oder einfach taten, was sie wollten und wie sie es wollten und es störte sich aus unseren Kreisen niemand daran. Wir, also auch die Männer, schminkten uns gegenseitig und ich lief öfters mal mit schwarz geschminkten Lippen, farbenfroh bemaltem Gesicht und flatterndem Haar durch die Strassen zur «Roten Fabrik“, ins «Drahtschmidli» oder ins «AJZ». Einer der vielen Stadtindianer eben.

Diese ungehemmte Lust an der Befreiung von allen Zwängen hielt bis zu den ersten HIV-Infektionen ab Mitte der 80er Jahre an und erschütterte vorerst einmal nur die Schwulenszene. «AIDS» war zu «AJZ-Zeiten aber noch kein Thema und so entwickelten sich auch in der Horizontalen viele neue Experimente und Lebensentwürfe. Die ersten Teenager kamen gerade von Indien, von Baghwan aus «Poona» zurück und waren entweder total «high» oder ständig «stoned». Der Afghanistan Krieg dagegen spülte unendlich viel Afghan-Haschisch und Heroin, der Bürgerkrieg im Libanon den «roten Libanesen» in unsere verrauchten WG-Stuben und veränderte das Leben, als auch das Stadtbild und zugleich die politische Weltanschauung.

Punks, Rock Bands, M-TV und der Walkman revolutionierten die Musik- und Medienwelt

Es war die Zeit der «Rolling Stones», der «Doors», «Deep Purple», von Bob Dylan, Janis Joplin und Jil Scott Heron. Es war die Zeit der «Punks», der Rebellion, der freien Entfaltung, der Sex- und Drogenorgien und Strassenschlachten. Nichts war mehr wie früher und es gab auch kein zurück. Als Mitte der 1970er die Punkszene erst in New York und dann in London aufkam, schwappten die Ausläufer auch auf die Schweiz über. Bald entwickelten sich in lokale Szenen, allen voran in Zürich. 1977 gab es in Zürich einen harten Kern von etwa 50 Jugendlichen, welche die Schweizer Punk- und New Wave-Bewegung massgebend beeinflusste. Ihre ersten Treffpunkte waren der Punk-Kleiderladen «Booster» mit und der «Club Hey» mit den ersten Punk-Discos. Im Umfeld verschiedener autonomer Netzwerke wie der Reithalle in Bern oder bei Hausbesetzungen, bei denen die Punks an vorderster Front standen. So findet man zum Beispiel auch in Winterthur politisierte Punks., die sich häufig als Gegenbewegung zum rechtsextremen Umfeld in der Schweiz verstehen.

Mit dem Piratensender «Radio 24“ von Roger Schawinski, der erst vom «Piz Gropera» aus Italien sendete, wurde auch die karge Medienlandschaft, bestehend aus «Radio Beromünster» (unsäglich) dem Schweizer Fernsehen (langweilig und einfältig), dem «ORF» (ebenso bieder) und der «ARD» (nicht viel besser), umgepflügt. «M-TV» hielt Einzug mit den ersten Kultvideos und revolutionierte nicht nur die Musikwelt sondern auch die Jugendszene und Subkultur. Und mit Radio DRS3kam noch ein Jugendsender in der Schweiz hinzu. Erst später bekamen dann auch Lokalradios eine Lizenz und bald gab es in jedem Kanton mindestens einen, wenn nicht zwei Radio-Sender.

Die ersten Wohngemeinschaften zu Beginn der 70er Jahre bereicherten die neuen Lebensentwürfe und Formen der Jugendbewegung und schufen auch viel Solidarität und Engagement mit anderen Untergrundbewegungen, Freiheitskämpfern und unterdrückten Staaten wie Palästina, Nicaragua und das von US-Soldaten besetzte Vietnam. Die Zeit war reif, für grosse gesellschaftspolitische Veränderungen, die nicht zuletzt auch durch die musikalischen Protagonisten unserer Zeit zu denen nebst den «Rolling Stones», «Queens»,, David Bowie Janis Joplin und Jimi Hendrix oder «The Scorpions» auch massgeblich auch durch die «Punk-Bands» angefacht wurde. Zürich wurde zum Hot Spot für die aufblühende Jugendkultur, die gerade in allen Farben und Formen explodierte und die Grundlage für den unglaublichen Liberalisierungsschub lieferten. So ausgeflippt und trendy hat man die Städte Zürich, Bern und Basel nie zuvor und nie mehr danach gesehen.

Wir gingen neugierig und mit Respekt auf das andere Geschlecht ein und auf Andersdenkende oder Aussehende zu und das machte die Bewegung so einzigartig. Es war die Zeit der Anarchisten. Wir debattierten und kritisierten heftig, stritten und solidarisierten uns mit anderen unterdrückten Völkern. Im Strudel der explosiven Befreiung und des grenzenlosen Lebens wurden rauschende Parties ohne Ende gefeiert, aber immer mehr harte Drogen, wie Heroin, kam dazu.

Als das «AJZ» in einer alten Fabrikanlage beim Carparkplatz am Sihlquai aufging, spülte es allerlei schräge Vögel und Drogendealer mit rein. Bald lieferte sich die italienische Drogenmafia mit der türkischen einen gnadenlosen Bandenkrieg, der teilweise auch im «AJZ» ausgetragen wurde. Eine Weile lang, war es richtig gefährlich, sich mit diesen Typen anzulegen und wir mussten einen Wachdienst aufziehen um die schlimmsten Eskalationen zu verhindern.

In den frühen 80er Jahren starben Hunderte Jugendliche jährlich an einer Überdosis «Aitsch». Die Situation verbesserte sich erst, als die Methadon-Abgabe eingeführt wurde und die Fixer und Drogentoten von den Zürcher Strasse verschwanden und sich in den Kontakt- und Methadon-Abgabestellen wieder trafen.

Jährlich starben Hunderte an Heroin

Ich bin damals mit 17 Jahren aus der Elternwohnung aus- und in eine Wohngemeinschaft (WG) an der Forchstrasse gezogen, in der Rico Bilger und Tommy Müller, zwei Literaten wohnten und die Kulturzeitschrift «Babayga» herausgaben, die in der Spinnerei Wettingen von Kaspar Pfenninger gedruckt wurde. Ein weiterer Wohngenosse arbeitete im grössen Plattenladen von Zürich und er hatte über 900 LPs (Schallplatten) in die WG verfrachtet. Dadurch eröffnete sich so ein musikalisches Universum für uns alle und wir schwebten im Siebten Himmel.

Von da an ging die Post ab. Wir alle waren „subversive“ Elemente in den Augen der Obrigkeit. „Also lieber subversiv, als konservativ“, sagten wir uns gelassen. Unverheiratete Paare durften damals noch nicht zusammen leben. Da uns das offensichtlich „Wurscht“ war, sah die Polizei öfters mal ungebeten in der WG rein. Da sich dort in der untersten 5-Zimmer Wohnung zumeist Tag und Nacht 10-15 Leute aufhielten, waren die Zweier-Patrouillen leicht überfordert und zogen unter Hundegebell und Beifall rasch wieder ab. Umso mehr wurden wir dafür bespitzelt, da hier auch viele «AJZ»-Aktivistinnen und Aktivisten ein und aus gingen.

Doch anstatt «aus dem Staat Gurkensalat“ zu machen, explodierte das Kreativpotential in der Gastronomie, Clubszene und in der Medienlandschaft. Schliesslich ging uns ja nicht um die eine Konterrevolution und Abschaffung der Demokratie oder der Etablierung einer Anarchie anstelle von Parlament und Bundesrat, sondern schlicht um mehr Freiheit in der Freizeit, im Beruf, in der Familie, bei der Sexualität, beim Drogenkonsum und dem Nachtleben. So wurden die Bewegten medial sehr kreativ, gaben Strassenzeitungen heraus, druckten Flyer und Poster, hängten sie auch auf (Wildplakatierung) und probierten allerlei auch Mist aus. Zürich entwickelte sich von einem Provinznest zur Weltstadt und führte zu einem der bedeutendsten, gesellschaftspolitischen und kulturellen Wandel der letzten 50 Jahre in der Schweiz.

Sobald das «AJZ» beim heutigen Carparkplatz aufging, machten wir uns daran, das alte Fabrikareal und Gebäude umzubauen und einzurichten. Es wurden allerlei Gruppen gebildet: Handwerkergruppen,  die «Beizengruppe», die «Frauengruppe», die «Drogengruppe» und die «Kurvengruppe», also für Jugendliche, die von zu Hause ausgebüxt und polizeilich ausgeschrieben waren. Zwei meiner Freunde, die Rimoldi-Brüder, waren in der «Beizengruppe», meine Freundin Michele in der «Kurvengruppe» und ich bei der „Drogengruppe“.

Es war eine rauhe, aber herrliche Zeit, eine grandiose Aufbruchstimmung. Das «AJZ» war in der Tat sehr autonom und wir  alle eine grosse bunte Familie von kreativen Individualisten, Alchemisten, Anarchisten und Überlebenskünstler. Die Heroinschwemme führte auch zu sehr jungen Toten. Die Jüngsten waren gerade mal 13 Jahre alt. Das war too much. Die unmenschliche Misere dauerte so lange, bis das Methadon-Programm auch infolge von HIV-Infektionen zum Zug kam und Dr. Uchtenhagen und Stadträtin Emilie Lieberherr die Junkies von der Gasse holte und sie nun endlich menschlich betreut wurden.

Einer der Höhepunkte zu dieser Zeit war das spontane Konzert von Jimmy Cliff auf dem Carparkplatz. Er kam eines Morgens ins «AJZ» mit seiner Entourage und war begeistert von der Zürcher Jugend Bewegung und dem «AJZ». Und zwar so sehr, dass er sich zu einem spontanen Konzert hinreissen liess und wir in Windeseile versuchten eine Bühne zu bauen und die Installationen für die Musikanlage und die Lautsprecher vorzunehmen.

Radio 24, Roger Schawinskis Piratensender auf dem Piz Gropero in Norditalien erfuhr davon und so sprach sich das Spontankonzert schnell in der ganzen Stadt rum. Ab 16.00 Uhr strömten immer mehr Jugendliche zum AJZ und brachten den Tram und Strassenverkehr am Sihlquai zum Erliegen. Auf dem Platz fanden sich an die 3000 Personen zusammen, die frenetisch und voll berauscht mit Jimmy Cliff in Ekstase gerieten. „Unforgetable times, indeed – prägend für viele meiner Generation.

Als die in Zürich weit verbreitete Heroinsucht unter den jugendlichen Aktivisten und Aktivistinnen viele Freunde und Freundinnen dahin raffte, wollte ich einen Schlussstrich unter dieses Kapital setzen. Meine 17 jährige Freundin, Sandy, war gerade mit einer Überdosis ins Spital eingeliefert worden (und ein Jahr später starb sie auch an Heroin). Da beschloss ich mit einem Freund namens Marco nach Spanien zu reisen und zu neuen Horizonten aufzubrechen.

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Beim Kampf gegen die Apartheid im südafrikanischen Untergrund

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Nomadenleben für die Reportagefotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

In Johannesburg wohnte ich im Quartier der Weissen. Doch auch hier war die Apartheid sichtlich spürbar. Bild: Gerd Müller

VORWORT

Der Zürcher Autor (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 70 Nationen und lebte in sieben Länder, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und dann im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) tätig. Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Oekoprojekte im südlichen Afrika und weltweit. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz. Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voller abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Lebens eben.

Nelson Mandela 1994 als frisch gewählter Präsident und Nobelpreisträger im Zürcher Dolder. Bild GMC/Gerd M. Müller

Weil Südafrika international geächtet war, erteilte die südafrikanische Botschaft in der Schweiz ein «loose leaflet visa», dass heisst ein Papiervisum, dass nicht im Pass eingetragen war, damit es später keine Probleme bei der Einreise in andere Länder gäbe. Erst lebten wir einige Wochen im Nobelquartier der Weissen in Hillbrow. Gewöhnungsbedürftig war zunächst einmal die schwarze Haushälterin, die im Mietpreis inbegriffen war. Dann natürlich die Beschränkungen für die schwarze Bevölkerung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Die Rassentrennung eben. Mit den entsprechenden Passgesetzen für die jeweilige Ethnien. Da gab es auch die indische Community in Durban und die malayischen Mischlinge in Kapstadt. Das war ganz schön kompliziert und ziemlich pervers. Vor allem die Umsiedlungspläne, die auch in die Tat umgesetzt wurden. So wurden Millionen von schwarzen Leuten zwangsumgesiedelt und de facto enteignet und in die sogenannten «Bantu-Zonen» verschoben.

In den Townships von Soweto wurde gerade ein Kalb geschlachtet und ausgenommen. BIld: Gerd M. Müller/GMC

Behutsam machte ich mich mit den lokalen Verhältnissen vertraut, besuchte das «Khotso House» in dem einige Widerstandsorganisationen wie die «Black Sash» aber auch die «UDF» Gewerkschaft ihre Büro’s hatte. Das Haus wurde rund um die Uhr bespitzelt und öfters von der Polizei durchsucht. Viele engagierte Leute wurden verhaftet, gefoltert und ohne Anklage eingesperrt. Eines der prominentesten Opfer des Apartheid-Regimes war wohl Steven Biko.

Ich kam zu dem Zeitpunkt in Südafrika an, als die «New Nation», eines der letzten liberal kritischen Blätter der katholischen Bischofskonferenz unter Desmond Tutu verboten und geschlossen wurde und führte mit dem entlassenen Chefredaktor „Gabu Tutwana.“ ein letztes Interview, das in der «WOZ» erschien. Ich war der erste ausländische Journalist, der das Dekret des verhassten Innenministers sah und fotografierte, die Schliessung «New Nation», miterlebte und die News weiterverbreitete. Das Apartheid-Regimes zensurierte oder verbot viele Zeitungen, bis alle kritischen Stimmen verstummt waren.

Dann getraute ich mich auch mit dem Vororts-Zug von Downtown Johannesburg nach Soweto zu nehmen, also in die schwarzen Townships vorzudringen, wo man als Weisser zu dieser Zeit ziemlich allein und sehr auffällig war. Zum Glück hatte ich lange Haare und sah weder wie ein Bure noch wie ein Engländer aus. Das hielt wohl viele davon ab, mich gleich umzulegen. Da wuchs dann doch die Neugier, was ich hier zu suchen hatte, und die konnte ich dann dank meinen in London und Zürich verdichteten ANC-Referenzen bestens befriedigen, sodass sie mir vertrauten und mich in den Town Ships einführten.

Vor den SADF-Panzerfahrzeugen in Soweto aufgelaufen

Es ging darum, die Lebensbedingungen der Schwarzen und ihr Alltag im Rahmen der rassistischen Gesetze selbst kennenzulernen. Bald konnte ich bei einer acht köpfigen Familie in Soweto wohnen und mich frei bewegen. So erschrak ich dann selbst höllisch, wenn ich plötzlich vor einem Panzerfahrzeug der «SADF» (South African Defence Force) stand und Schusswaffen auf mich gerichtet waren. Als einer der Polizisten von oben runter rief; „What are you doing here?“ fiel mir nichts Besseres ein, als dieselbe Frage an ihn zu richten, nur noch einen Unterton schärfer. Dann zog ich behutsam meinen Schweizer Pass hervor, das half die angespannte Situation zu entschärfen. Sie liessen mich jeweils laufen.

Aus dieser ersten Reise entstand eine tiefe Verbindung mit dem Land, dass ich über 20 Mal besuchte und dabei Mandela zwei Mal traf. Das erste Mal kurz nach seiner Freilassung in Soweto, das zweite Mal, als Präsident von Südafrika und frisch gekürter Nobelpreisträger im «Zürcher Dolder Hotel», wo er mich vor der Polit- und Bundesrat-Prominenz wieder erkannte und kurz umarmte, was ein sehr berührender Moment war. Und worauf sich alle sogleich fragten, wer denn der langhaarige Freak hier neben dem damaligen Nationalbank-Präsidenten Leutwyler und Konsorten sei.

Der frisch gewählte Präsident Südafrikas und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela im Zürcher Dolder Hotel

Das blieb zum Glück ein Geheimnis von mir, Mandela und der südafrikanischen Botschafterin in Bern. Durch diesen Kontakt kam ich als Reisejournalist und PR-Berater zu dieser Zeit tätig zu einem PR-Mandat für das südafrikanische Fremdenverkehrsamt (SATOUR) und erhielt dazu das Mandat der südafrikanischen Fluggesellschaft (SAA) über Jahre hinweg.

Das hatte ich dem Spagat zwischen den Untergrund-Kontakten einerseits, von denen nur ganz wenige wussten, und Kontakten zur weissen Elite, die sehr diskret abliefen, zu verdanken. Und dem Umstand, dass die Schweizer in Südafrika eine zentrale Rolle beim Goldrausch, bei den AKW’s, bei militärischer Unterstützung des Apartheid-Regimes und schliesslich bei der Umschuldung und beim Transformationsprozess spielten.

Alles ganz neutral natürlich. Das dunkle Kapitel Schweiz –Südafrika würde selbst ein ganzes Buch füllen von der sehr profitablen Neutralitätsstrategie der Schweiz, der engen Verflechtung von Geheimdienst, Spionage, Militär und Schweizer Wirtschaft mit dem Apartheid-Regimes.

Da ich bei der Waffenschmiede und Werkzeugmaschinenfabrik «Oerlikon Bührle» meine kaufmännische Lehre gemacht habe, ist mir nicht nur der problematische Patron bekannt, der auch mit den Nazi kollaborierte und der wie der Milliardär Schwarzenbach Kunstschätze hortete und in Zürich ja ein eigenes Museum hat, sondern auch viele interessante Vorgänge und Dokumente in der Exportabteilung aufgefallen. Was aufgrund von Sanktionen  nicht aus der Schweiz exportiert werden konnte, wurde einfach von anderen ausländischen Oerlikon Bührle Ablegern, zum Beispiel in Spanien, aus exportiert.

Hier ein paar Dokumente aus dieser Zeit zur Umsiedlungspolitik des Regimes:

Auszug aus dem Buch «Nomadenleben für die Reportagefotografie» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller

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Links zu einige Printpublikationen über Südafrika:

Relax & Style: Ökopioniere und sozial Engagierte   

Der Bund: Sanfter Tourismus ist von grosser sozialer Bedeutung 

Aargauer Zeitung: Der neue Feind heisst Kriminalität

Südostschweiz: Beim Büffel auf den Baum                 

Sonntags Blick: Tierparks so gross wie die Schweiz             

Reiseplaner: Nächster Halt am Zebrastreifen                             

On Trip: African Healer (On Trip)                

Wellness live: Bushmen-Medizin am schönsten Ende der Welt

Tages Anzeiger: Südafrika steht ein Bombenjahr bevor

Tages-Anzeiger: Alle 40 Minuten wird ein Mensch getötet

Travel Inside: Vom ANC-Aktivist zum Tourismuspromotor

WoZ: Demokratie in den Untergrund                                                     

OnTrip: Guerrissseurs Africaines                                    

                                                                        

Ein Plakat in Soweto zur Zeit der Apartheid. Bild: Gerd M. Müller /GMC Photopress

IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie dies tun wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Hilfsprojekt-Empfänger/innen.

Coronavirus: Kurzarbeitsentschädigung für Mitarbeitende auf Abruf

Mitarbeitende mit einem unbefristeten Arbeitsverhältnis wird Kurzarbeitsentschädigung gewährt. Bild: GMC/Gerd Müller

Bern, 28.10.2020 – Der Bundesrat hat am 28. Oktober 2020 die Änderung der Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung beschlossen. Mit der Änderung wird Mitarbeitenden auf Abruf in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung gewährt. Die Änderung tritt rückwirkend ab 1. September 2020 in Kraft.

Das Parlament hat am 25. September 2020 beschlossen, das Covid-19-Gesetz zu erweitern, um Mitarbeitende auf Abruf in unbefristeten Arbeitsverhältnissen einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung zu gewähren. Es räumte dem Bundesrat damit die Kompetenz ein, den Anspruch und die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung für diese Personengruppe zu regeln. Mit der vorliegenden Änderung der Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung hat der Bundesrat diese Kompetenz wahrgenommen und das Anliegen des Parlaments nach Konsultation der Sozialpartner und der Kantone umgesetzt.

Die Regelung sieht einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung für Mitarbeitende auf Abruf in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis vor, die seit mindestens sechs Monaten im Betrieb tätig sind. Die Änderungen treten rückwirkend ab 1. September 2020 in Kraft. Sie stellen für diese Personengruppe somit einen Anspruch ohne Unterbruch seit März 2020 sicher. Ihr Anspruch ist bis zum 30. Juni 2021 befristet.

Agenda 2030: Bund unterstützt Initiativen der Kantone und Gemeinden

Ittigen, 15.02.2018 – Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) und die Eidgenössische Migrationskommission (EKM) unterstützen im Rahmen des Förderprogramms Nachhaltige Entwicklung 18 Projekte von Kantonen und Gemeinden, um die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Das diesjährige Förderprogramm Nachhaltige Entwicklung hat zum Ziel, kantonale und kommunale Initiativen zu unterstützen, welche die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung lokal umsetzen. Die von den UNO-Mitgliedstaaten im September 2015 verabschiedete Agenda 2030 beinhaltet 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG). Diese können bis 2030 nur erreicht werden, wenn alle Akteure – etwa Unternehmen, die Wissenschaft, die Zivilgesellschaft, Kantone und Gemeinden sowie Bürgerinnen und Bürger – sich dafür einsetzen. Das vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) und der Eidgenössischen Migrationskommission (EKM) unterstützte Förderprogramm trägt dazu bei, die SDG zu erreichen. Ein Fokus liegt auf einem partizipativen Ansatz, da die nachhaltige Entwicklung nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn alle eingeladen sind, sich einzubringen.

Das ARE und die EKM haben aus rund sechzig eingegangenen Dossiers 18 Projekte ausgewählt, die die Projektträger bis Ende 2018 umsetzen werden. Dabei handelt es sich vornehmlich um strategische Vorhaben zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung auf kommunaler und kantonaler Ebene. Insbesondere wollen zwei Kantone und neun Gemeinden die Agenda 2030 in ihren politischen Lenkungsinstrumenten verankern. Während Lugano beispielsweise erstmals eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, unterzieht Yverdon-les-Bains ihre Strategie einer Überarbeitung. Ein weiteres innovatives Projekt entwickeln die Kantone Freiburg, Genf, Waadt sowie Wallis zusammen mit Coord21, einem Verein von Körperschaften und öffentlich-rechtlichen Institutionen aus der Romandie. Ziel dieses Projekts ist es, Kantone und Gemeinden zu befähigen, die Agenda 2030 auf kommunaler und kantonaler Ebene umzusetzen. Winterthur wird zudem ein Netzwerk von über 70 lokalen Organisationen unterstützen, die ihre Aktivitäten auf die Ziele der Agenda 2030 ausrichten; so soll etwa ein gemeinsamer Auftritt aufgebaut werden. Die Gemeinde Wittenbach (SG) teilt mit den anderen im Förderprogramm aufgenommenen Projekten den Grundsatz, alle Betroffenen einzubinden, tut das aber besonders ambitioniert: Die Gemeinde führt eine Umfrage über den Zufriedenheitsgrad ihrer Einwohnerinnen und Einwohner durch, will eine Reflexionsgruppe zu den Ergebnissen dieser Umfrage aufbauen und öffentliche Anlässe durchführen, an denen die Einheimischen dazu aufgerufen sind, Ideen zur Weiterentwicklung von Wittenbach einzubringen.

Insgesamt werden 2018 vier kantonale Projekte (Aargau, Basel-Stadt, Genf, St. Gallen) und 13 kommunale Projekte (Binningen, Glarus Nord, Ittigen, Lausanne, Lugano, Montreux, Nyon, Thalwil, Val-de-Ruz, Winterthur, Wittenbach, Yverdon-les-Bains, Zürich) sowie das erwähnte gemeinsame Vorhaben mehrerer Westschweizer Kantone (FR, GE, VD, VS) und Gemeinden unterstützt.

Förderprogramm Nachhaltige Entwicklung
Seit 2001 hat das ARE im Rahmen des Förderprogramms Nachhaltige Entwicklung rund 400 Projekte zu Themen wie öffentliche Beschaffung, sozialer Zusammenhalt, nachhaltige Quartiere oder Ernährung unterstützt. Das Programm fügt sich in die Umsetzung der Strategie Nachhaltige Entwicklung des Bundesrates für die Jahre 2016-2019 ein. Es wird seit 2016 gemeinsam vom ARE und dem Programm «Citoyenneté – mitreden, mitgestalten, mitentscheiden» der EKM finanziert. Die Projekte verfolgen einen partizipativen Ansatz.

US-Verleger distanzieren sich von Präsident Trump

Die Organisatoren der „Trump not welcome“ Demo in Zürich haben eine weitere Solidaritätsbotschaft von zehn amerikanischen Verlagen, die sich Trump entschieden entgegenstellen, zugeschickt bekommen. Hier deren gemeinsames Statement.

Die Vereinigten Staaten und ihr Herrschaftsgebiet wird derzeit von einem kriegerischen und geistesgestörten Narzisten beherrscht. Einem Rassisten. Einem Kriegstreiber. Einem Xenophoben. Einem Frauenfeind.

Wir sahen uns schon früher mit imperialistischen Präsidenten konfrontiert, aber Donald Trump hat das Risiko der nuklearen und ökologischen Zerstörung drastisch erhöht. Er unternimmt einen weitreichenden Angriff auf die Armen und die Arbeiter*innenklasse, vor allem auf Immigrant*innen und «people of color». Er trägt zu einer Atmosphäre bei, in der sich die schlimmsten Rassisten, Neonazis und Sexisten, die reaktionärsten Elemente unserer Gesellschaft, ermutigt fühlen, ihrem Hass Taten folgen zu lassen.

Als Herausgeber*innen von Büchern, die erklären wollen, wie es zu diesem gefährlichen Zustand gekommen ist – und wie wir ihn bewältigen können –, möchten wir unsere Solidarität ausdrücken. Unsere Solidarität mit all jenen in Zürich, der Schweiz und darüber hinaus, die sich mit der offensichtlichen, gegenwärtigen Gefahr konfrontiert sehen, die Trump für die Welt darstellt.

Wir brauchen eine internationale Bewegung, um dieser Bedrohung zu begegnen! Wir müssen über die Landesgrenzen und Spaltungen hinweg zusammenarbeiten, welche Trump zu verstärken und auszunutzen versucht. Wir müssen die Angst und Einschüchterung überwinden, die er hervorruft. Und wir müssen uns klar und deutlich dazu bekennen, dass wir nicht nur Trump, sondern auch den Trumpismus und die Bedingungen, unter denen er an die Macht gekommen ist, überwinden wollen.

Unterzeichnende:

Akashic Books
AK Press
City Lights
Foxrock Books/Evergreen Review
Haymarket Books
The New Press
OR Books
PM Press
Seven Stories Press
Zuccotti Park Press

Internationale Solidarität mit „Trump-not-welcome“ Demo in Zürich

Die Demonstration «Trump not welcome», welche am Dienstag, 23. Januar 2018 in Zürich stattfindet, schlägt hohe Wellen – und das nicht nur in der Schweiz. Wir veröffentlichen hier zwei Solidaritätsbotschaften von namhaften politischen Verlagen, Zeitschriften, Organisationen und Einzelpersonen aus den USA – darunter Baskar Sunkara, Gründer des Jacobin Magazine –, welche die Demonstration unterstützen. Der Protest gegen Trump und all das, was er politisch verkörpert, reiht sich somit ein in die internationalen Bewegungen gegen Rassismus, Sexismus und Ausbeutung. Diese haben insbesondere in den USA durch Trumps Wahlsieg enorm an Stärke gewonnen, wie bei den Women’s Marches 2017 und 2018 sichtbar wurde. (Red.)

Wir senden warme Grüsse und Solidarität aus den USA an die Demonstrationen gegen Donald Trumps Besuch am World Economic Forum (WEF) im schweizerischen Davos.

Trump hat sein Amt vor etwa einem Jahr angetreten und sofort eine Gesamtoffensive gegen die Arbeiter*innenklasse, die unterdrückten Schichten und die Umwelt lanciert. Fast ein Jahr später hat Trumps Republikanische Partei ein neues Steuergesetz verabschiedet, dank dem sich die grossen Unternehmen und die Wohlhabenden weiter bereichern können. Die Republikaner hoffen im Jahr 2018 mit tiefgreifenden Kürzungen bei den Unterstützungsprogrammen, welche den Arbeiter*innen zugute kommen, und mit Angriffen auf die Gewerkschafts- und Arbeitsrechte nachzudoppeln.

Die Steuersenkungen waren Trumps grösste legislative Errungenschaft im letzten Jahr. Weiter hat er erreicht den Alltag in den USA – dank der rohen Gewalt des Staates – viel repressiver zu gestalten. Die Polizei hat ihren Amoklauf von Verhaftungen, Brutalität und Tötungen – insbesondere von «people of color» – fortgesetzt. Dazu kommt der verheerende Angriff auf die Immigrant*innen. Die Immigrationspolizei führt immer intensiver Razzien an Arbeitsplätzen, in Gerichtshäusern und gar Gebetsstätten durch. Gleichzeitig versucht Trump die Programme, welche einige Gruppen von Immigrant*innen schützen sollten – wie beispielsweise junge Personen, die als Kinder in die USA gelangten oder vor Gewalt und Zerstörung geflüchtet sind –, zu beenden.

Von diesem rechten Angriff des Staates inspiriert, kam es im vergangenen Jahr zu zahlreichen rechten und rechtsextremen Mobilisierungen. Sie demonstrierten offen für die weisse Vorherrschaft, beispielsweise bei ihrer Mobilisierung in Charlottesville, Virginia. Diese Demonstration endete im Mord an einer antirassistischen Demonstrantin. Ebenfalls häufiger greifen rechte Anti-Frauen-Gruppen Kliniken an, in denen Abtreibungen durchgeführt werden.

So grässlich diese Situation auch ist; wir sehen gleichzeitig unglaublich starken Widerstand. Wir haben die noch nie da gewesenen Proteste an den Flughäfen im letzten Jahr – gegen Trumps Einreiseverbot für Personen aus mehrheitlich muslimischen Ländern – nicht vergessen. 2017 begann und endete mit Protesten für Frauenrechte. Von den riesigen Women’s Marches im Januar 2017 hin zur #MeToo-Kampagne, welche sexuelle Angriffe und Belästigungen enthüllt und mächtige Männer zur Verantwortung gezogen hat.

Zudem können wir auch ein steigendes Interesse an Sozialismus und linker Politik feststellen, insbesondere bei jungen Menschen. Dies ist dieses Jahr besonders wichtig, da der November 2018 Kongresswahlen mit sich bringt und die Hauptalternative zu Trumps Republikanern eine Demokratische Partei sein wird, welche mitverantwortlich ist für den Rechtsrutsch der Mainstream-Politik. Es ist deshalb dringend nötig für heute und die Zukunft eine Alternative aufzubauen, welche auf Solidarität und Opposition gegen den Status Quo basiert.

Wir stehen mit euch, während ihr gegen Trump in Davos protestiert und euch für eine bessere Welt organisiert.

Unterzeichnende:

International Socialist Organisation (ISO)
Kentucky Workers League (KWL)
International Socialist Review (ISR)
Left Roots
SocialistWorker.org
Baskar Sunkara (Gründer des Jacobin Magazine)
Aaron S. Amaral, Saulo Colon, Barry Finger und Scoot McLemee (Redaktionsmitglieder von New Politics)

Quelle: Bfs

Protest gegen Trumps WEF-Besuch in Zürich

Die sogenannten «global leaders», einflussreiche PolitikerInnen und die Verantwortlichen von internationalen Institutionen wie dem IWF, der WTO oder der EZB nehmen vom 23. bis 26. Januar 2018 in Davos am World Economic Forum (WEF) teil. Einer dieser Reichen und Mächtigen ist der US-Präsident Donald Trump. Trump der Sexist, Rassist und Ausbeuter wird als Stargast am diesjährigen WEF gefeiert. Dass Trump eingeladen wird, zeigt einmal mehr den Charakter des WEF als Treffen derjenigen, die für soziale und geschlechtliche Ungleichheit, rassistische Unterdrückung, globale Ausbeutung und Kriegstreiberei verantwortlich sind.

Trump ist einer von ihnen

Trump verkörpert wie kaum ein Anderer die Politik des WEF. Da mögen die Mächtigen und Reichen unter dem Motto «Gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt» in Davos noch so viel über Nachhaltigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Probleme der sozialen Ungleichheit und Geschlechterungleichheit sprechen. Ihre tägliche Politik zeigt anderes. Denn sie sind es, die die Zersplitterung der Welt in Verarmte und Superreiche, oder nach Herkunft und Geschlecht vorantreiben. Die rassistische Migrationspolitik der Trump-Administration belegt dies eindrücklich. Am WEF wird nicht über die Probleme der lohnabhängigen Bevölkerungssmehrheiten in den jeweiligen Ländern diskutiert, sondern Strategien geschaffen, um die Ursachen dieser Probleme aufrechtzuerhalten: nämlich die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse.

Trump ist kein „Globalisierungsgegner“

Die Teilnehmer/innenliste des WEFs liest sich auch unabhängig von Trump als ein Abbild der Vorreiter*innen der neoliberalen Gegenreformen, die seit Jahrzehnten unsere Arbeits- und Lebensbedingungen verschlechtern. Beispielsweise zerschlagen Macron, Macri und Modi, die Staatschefs von Frankreich, Argentinien und Indien, in ihren Ländern Arbeiter/innenrechte und stehen für Privatisierung und Liberalisierung des öffentlichen Sektors. Auch in Sachen Steuergeschenke für die Reichen und Konzerne sind sich Trump und die anderen Teilnehmer/innen am WEF einig. Diese Angriffe finden weltweit statt und werden in gemeinsamen Gesprächen mit Vertretern von Unternehmen und Banken abgesprochen, unter anderem in den Luxushotels von Davos. Das Hirngespinst einiger Kommentator*innen, dass es widersprüchlich sei, Trump als «Globalisierungsgegner» ans WEF einzuladen, verblasst angesichts dieser Fakten.

Das WEF ist Friedensstifterin? Fake News!

Es ist zynisch, dass im Vorfeld und während des WEF über Frieden gesprochen wird. Wie jedes Jahr findet sich wieder eine erschreckende Ansammlung an Herren, die mit ihren Armeen aktiv Kriege führen. Sei dies Macron in Mali oder Netanyahu in Palästina. Beispielsweise wird am WEF über Frieden in Syrien gesprochen – ohne die Beteiligung einer einzigen Person aus Syrien. Dafür wird Majid Jafar, der CEO von Cresent Petroleum, der grössten privaten Öl-Firma im Nahen und Mittleren Osten, daran teilnehmen.

Das WEF gehört abgeschafft!

Die Selbstdarstellung des WEF als Problemlöserin ist eine Märchenstunde, die dazu dient Widerstand und Widerspruch in end- und folgenlose Gespräche zu verwickeln. Das WEF dient als Plattform zur Selbstdarstellung und dem Machterhalt der global herrschenden kapitalistischen Elite. Und diese Plattform wird auch noch mit öffentlichen Geldern mitfinanziert, die anderswo dringend benötigt werden. Es gibt also für uns Lohnabhängigen keinen einzigen sinnvollen Grund, warum dieses Treffen weiterhin stattfinden soll.

„Trump not welcome“-Demo in Zürich

Zum Auftakt des WEF am Dienstag, 23. Januar 2018 wollen Globalisierungsgegner um 18:30 Uhr lautstark gegen Trump protestieren und ihm klarmachen, dass er – wie alle anderen machthungrigen, frauenfeindlichen Rassisten – hier nicht willkommen ist.

Wann: Dienstag, 23. Januar 2018, 18:30 Uhr
Wo: Helvetiaplatz Zürich (Bewilligung erteilt)

Die Demo unterstützende Organisationen:

1. Mai-Komitee Zürich | aktivistin.ch | AlbaSuiza | Bewegung für den Sozialismus (BFS/MPS) | Der Funke | Direkte Solidarität mit Chiapas | Föderation der ArbeiterInnen aus der Türkei in der Schweiz (ITIF) | fossil-free.ch | Industrial Workers of the World – JuraAlpenMittelland (IWW JAM) | Junge Grüne Schweiz | JUSO Schweiz | Partei der Arbeit (PdA) | Salon Bastarde | Sozialistische Zeitung Vorwärts | Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Zürich | Vereinigung Schweiz-Cuba | Women’s March Zürich

Quelle:  BFS Zürich

Bad Hévíz: Ungarns beliebteste Kurdestination für Schweizer

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Der weltgrösste Thermalsee in Hévíz wird auch im Winter nicht kälter als 26 Grad. Bild: GMC/Gerd Müller

Ungarns beliebteste Kurdestination für Schweizer liegt am grössten natürlichen Thermalsee der Welt an der westungarischen Bäderstrasse beim Plattensee. Direktflüge, günstige Fernbusse und auch die Bahn bringt die Schweizer Kurgäste „flugs“ nach Hévíz, damit sie sich Linderung bei Problemen mit dem Bewegungsapparat  „erschwimmen“ oder/und auch gleich eine günstige Zahnsanierung vornehmen können. Allmytraveltips-Redaktor Gerd Müller hat beides ausprobiert.

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Schwefel und Radon gegen Rheuma und Arthrose. Der Hévizer Heilsee wird von über einer Million jährlich besucht. Bild: GMC Photopress/Gerd Müller

Hévíz steht für „heisses Wasser“. Der Heilsee des gleichnamigen westungarischen Kurortes ist mit rund 4,6 Hektar Fläche der größte natürliche und biologisch aktive Thermalsee der Welt. Die Quelle im 38 Meter tiefen Krater pumpt pro Sekunde 410 Liter frisches Thermalwasser in den 47’500 m2 grossen See. Das gesamte Thermalwasser tauscht sich innerhalb von 72 Stunden aus, womit eine Reinigung durch chemische Zusätze völlig überflüssig ist. Die natürliche Temperatur beträgt im Sommer um 35 Grad Celsius, im Winter rund 26 Grad Celsius.

Dadurch ist in Bad Hévíz ein ganzjähriger Badebetrieb unter freiem Himmel möglich. Der hydrostatische Druck des Wassers hat eine wohltuende Wirkung auf den gesamten Kreislauf. Demzufolge wird die Auftriebskraft und Bewegung der einzelnen Körperteile leichter. Auf der Körperoberfläche bilden sich kleine Gasbläschen. Das Schweben im Wasser, die wiegenden Lotusblumen, die grünen Laubkronen der Bäume rund um den See wirken beruhigend auf das Nervensystem.

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Heilen, vorbeugen und entspannen sind im überdachten Teil des Seebades angesagt. GMC Photopress/Gerd Müller

Schwefel und Radon machen die grosse Heilwirkung des Thermalwassers aus. Der Teichboden ist mit einer gut ein Meter dicken Torfschlammschicht bedeckt, der vorwiegend pflanzlichen Ursprungsist und auch viele wertvolle mineralische Bestandteile enthält. Der Schlamm fasst sich fein und angenehm an, klebt nicht und ist besonders hydrophil. Aufgrund seiner hohen Wärmekapazität eignet er sich besonders gut für Schlammpackungen.

Gute Heilwirkung bei Polyarthritis, Arthrosen, Rheuma

Eine Kur in Hévíz ist bei einer ganzen Reihe von Krankheiten der Bewegungapparat indiziert. Polyarthritis, Arthrosen, bestimmte Arten von Artheitiden reagieren sehr günstig auf die Hévízer Kur, unabhängig davon, ob die Krankheit in den Gelenken, Gliedmassen oder in der Wirbelsäule auftritt. Auch Behinderte können mit Ihren Rollstühlen bis ans Becken gebracht und dort mit speziellen Liften ins Wasser gehievt werden. Das ist übrigens auch in den Hotels so, die zumeist über ihr eigenes Thermalbecken verfügen.

Ungarn: NaturMed Hotel Heviz

An einer Halskrause aufgehängt und mit Gewichten behängt reckt und streckt sich die Wirbelsäule wieder. Bild: GMC/Gerd Müller

Die Kur zeigt aber nicht nur bei rheumatischen  Erkrankungungen der Gelenke und Knochen gute Erfolge, sondern auch bei Bewegungsbehinderungen infolge Verletzungen und Nervenlähmungen, ferner als Folge von Knochenerkrankungen und angeborenen Deformationen der Bewegungsorgane sowie bei der äusserst schmwerzvollen Lumbago und bestimmte Halsbeschwerden. Das Heilwasser und der Fango, der aus dem mehrere 10’000 Jahre alten Pannonischen Meer stammt, wirken sich positiv auf Bewegungsstörungen  aus.

Die subaquale Traktion wurde hier erfunden

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Die Subaquale Traktion können auch körperlich Behinderte Menschen nutzen. Sie werden mit einem Lift ins Wasser gelassen. Bild: GMC Photopress/Gerd Müller

Eine Spezialität des Heilbades ist die subaquale Traktion der Wirbelsäule.  Dabei werden den Patienten Gürtel mit Gewichten bis zu 5 kg oberhalb des Hüftbeins um die Taille geschnallt oder an den Unterschenkel befestigt. Durch eine spezielle Haltevorrichtung am Nacken oder unter den Achselhöhlen  hängen die Patienten dergestallt 15 – 20 Minuten im Wasser, wodurch sich die deformierten Glieder der Wirbelsäule wieder strecken.

Das Thermalwasser ist besonders reich an Kalzium, Magnesium und Natrium – eine Zusammensetzung, die sich günstig bei Problemen mit dem Bewegungsapparat auswirkt.

Héviz ist auch für Schönheitsoperationen und Shopping beliebt

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Die Zena-Klinik bietet auch Beauty-OP’s an. Bild: GMC

Viele Gäste aus der Schweiz und aus Deutschland kommen nicht nur für rheumatologische und orthopädische Therapien nach Bad Hévíz oder zur medizinischen Begleitbehandlung von chronischen, gynäkologischen und dermatologischen Erkrankungen, sie nehmen auch gleich eine Zahnsanierung oder eine Schönheitsoperation vor.

Nach Angaben des Ungarischen Fremdenverkehrsamtes hat der Gesundheitstourismus der Schweizer um 57 Prozent zugenommen. Héviz ist nach Budapest die Kurdestination Nr. 1 für Schweizer.

Diese decken sie sich hier u.a. auch mit günstigen Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika, Kleider, Schuhen und anderen Dingen ein, die etwa ein Drittel so teuer sind wie in der Schweiz.  Darüber hinaus gibt es hier zahlreiche Schweizer Senioren, die sich hier ein Häuschen gekauft haben und ihren Lebensabend in der Region des Plattensees verbringen. Budapest, Wien und Graz sind in ca. zwei Autostunden von hier aus erreichbar.

Fast alle sprechen deutsch

Der Thermalsee liegt im Naturschutzgebiet.

Die Heilkuren werden von erfahrenen deutschsprachigen Ärzten betreut. Auch die Hotelangestellten, Physiotherapeuten, Kellner, das Verkaufspersonal in den Shops und die Taxifahrer sprechen deutsch. Das ist gerade für ältere Leute ein grosses Plus und vereinfacht den Aufenthalt hier ungemein.

Unterkünfte gibt es von der Frühstückspension bis zum Viersterne-Hotel. Die meisten Hotels haben eigene Thermalquellen und modern ausgestattete Wasser-, Sauna-, Massage- sowie Beauty-Zonen. Man braucht also nicht unbedingt ins Seebad zu gehen, um vom Hévizer Heilwasser zu profitieren. Handkehrum hat das Seebad einen eigenen Day-Spa mit vielen Behandlungen. Sehr beliebt sind natürlich die Moorbäder und Schlammpackungen. Die Preise für die Wellness-Behandlungen sind für Schweizer Verhältnisse sehr günstig. Man kann sich hier also nach Strich und Faden verwöhnen lassen ohne bankrott zurückzukehren.

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Die Day-Spa-Reception im Seebad heisst sie willkommen

Im Helios-Hotel und im Carbona NaturMed Hotel gibt es überdies ausgezeichnete Ayurveda-Therapeuten, die ihr Handwerk wirklich verstehen und sich die mit indischen und ceylonesischen Therapeuten durchaus messen können.

Kein Wunder  zählt Bad Hévíz am westlichen Ende  des Plattensees nahe der Stadt Keszthely zu den beliebtesten Kur-Destinationen an der westungarischen Bäderstrasse. Entlang des Plattensee’s erstreckt sich zudem eines der besten ungarischen Weingebiete. Weinliebhaber kommen hier voll auf Ihre Kosten. Auch für Radtouren und Nordic Walking ist die Gegend bestens geeignet.

Reiseinformationen:

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Medical Spa Behandlungen mit Aussicht. BIld: GMC

Anreise mit dem Bus: In der Saison  pendelt wöchentlich ein Bus-Shuttle von Castell Reisen von Bern, Zürich und St. Gallen aus bis Bad Hévíz. (www.castell.ch). Der Busreiseanbieter tut dies schon seit 20 Jahren und zunehmend erfolgreich auch dank dem florierenden Zahnarzt-Tourismus. (siehe dazu den Bericht „Warum zum Zahnarzt nach Ungarn“).

Anreise mit der Bahn: Zudem kann man die Reise nach Bad Hévíz auch mit einem Stop over in Wien, Graz oder Budapest kombinieren und bequem im Nachtzug mit der Bahn anreisen. Das SBB/ÖBB-Angebot sieht so aus:

Der EuroNight EN „Wiener Walzer“ mit Schlaf- und Liegewagen von Zürich HB (ab 21.40) fährt via Salzburg – Lienz – St. Pölten nach Wien Meidling (07.51 Ankunft) und weiter nach Budapest Keleti (09.05 an). Inhaber von Halbtax-und Genarlabo’s haben 25% Ermässigung auf dem österreichischen Streckenteil.

Die Railjets der SBB/ÖBB fahren täglich sechs Mal ab Zürich HB nach Wien. Um 06.40, 10.40, 12.40, 14,40, 16.40, 18.40 Uhr.

Der Tageszug „Transalpin“ mit Wagen der 1. und 2. Klasse sowie Speisewagen fährt ab 15. Dezember neu auch mit einem Panoramawagen fährt via Insbruck bis nach Wien. Von dort gibt es Anschlüsse nach Budapest (Fahrzeit 1 Stunde und 15 Minuten). Viele Hotels offerieren eine Transfer nach Hévíz. Alternativ kann man ein Auto mieten. Empfehlenswert ist Fox Autorent mit Verleihstationen in Budapest-Airport, Wien-Airport, Balaton-Airport und Hévíz (www.fox-autorent.com).

Flug: Nahe liegend ist Bad Hévíz für Schweizer Gäste auch durch die Fluganbindung. Der Hévíz-Balaton Airport wird von April bis Oktober auch von Friedrichshafen aus angeflogen. Die wöchentlichen Direktflüge werden vom Reiseveranstalter Mutsch organisiert. Leider ist der Abflug von Friedrichshafen aus so früh, dass die meisten Schweizer Fluggäste einen Tag vorher anreisen und in Friedrichshafen übernachten müssen. Auf dem Rückweg kommt die Maschine erst spät Abends an, sodass evtl. eine weitere Übernachtung eingeplant werden sollte. Im Flugpreis inbegriffen ist die Haustürabholung in einem Umkreis von 80 Kilometern um beide Flughäfen. Auf www.mutsch-reisen.de finden sich auch komplette Wellness- und Kur-Arrangements.

Unterkünfte gibt es in Bad Hévíz vom Privatzimmer bis zum Fünfsterne-Wellnesshotel. Preisbeispiel: 8 Tage Aufenthalt mit Flugreise nach Hévíz Balaton Airport, im ****Hotel inkl. Halbpension ab 830 Euro p. P. Ein sehr empfehlenswertes Guesthouse direkt neben der Zahnklinik Dentsana ist das Three Girls Guesthouse (www.3hvendeghaz.hu).

Informationen über Hévíz

Tourinform Hévíz

Rákóczi Str. 2.

8380 Hévíz

Telefon: +36 83 540 131

Fax: +36 83 540 132

www.spaheviz.de

Héviz-Karte | Anreise-Karte | Plattensee-Karte |Budapest-KarteWestungarn-Karte | Héviz-Katalogauszug 1 | Héviz-Katalogauszug 2

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Leserangebot: Dentalsanierung in Hévíz,Ungarn

Background Zürich-City & Switzerland Tours

Patrioten-Sonnenbrille an der 1. August Feier

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Headerbild Panorama Stadt Zürich und Sicht auf den See und die Berge. panoramic view of Zürich-City, the lake and the mountains

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