Klimawandel bedroht Weinanbaugebiete: Goldgelbe Vergilbung nun auch nördlich der Alpen

Unesco Weltkulturerbe Lavaux oberhalb des Genfersees. The wine yards and terraces Lavaux at the Unesco World Heritage

Unesco Weltkulturerbe Lavaux oberhalb des Genfersees.

Changins, 13.11.2015 – Ende Oktober wurden in den Waadtländer Gemeinden Blonay und La Tour de Peilz zwei Krankheitsherde der Goldgelben Vergilbung entdeckt. Molekulare Analysen des Labors für Phytoplasmologie von Agroscope in Changins ergaben das gleiche Ergebnis wie die Feldbeobachtungen und bestätigen die Präsenz der Krankheit. Die beiden Parzellen sind stark befallenen und es sind Rebstöcke der Sorten Gamay, Garanoir, Gamaret, Mara und Pinot Noir unterschiedlichen Alters betroffen.

Es ist das erste Mal, dass die Goldgelbe Vergilbung in der Schweiz nördlich der Alpen auftritt. Bisher kam die Krankheit nur im Kanton Tessin vor, wo sie seit 2004 nachgewiesen ist. Vergilbungskrankheiten der Rebe werden durch Phytoplasmen hervorgerufen. Die Goldgelbe Vergilbung ist jedoch die wichtigste und die am meisten gefürchtete Vergilbungskrankheit. Aufgrund ihrer sehr raschen Ausbreitung in und zwischen den Rebbergen ist sie eine Quarantänekrankheit, deren Auftreten unverzüglich gemeldet werden muss und deren Bekämpfung obligatorisch ist.

Die Zikade Scaphoideus titanus ist der Vektor des Phytoplasmas und überträgt die Krankheit von einem Rebstock zum anderen. Im Kanton Genf wurde die Zikade erstmals im Jahr 1995 am linken Ufer des Genfersees beobachtet und sie kolonisierte danach schrittweise die zahlreichen Rebberge der Kantone rund um den Genfersee (GE, VD, VS). Die jährliche Überwachung der Ausbreitung des Insektes durch Agroscope hat gezeigt, dass sich die Zikade gut an unsere klimatischen Bedingungen angepasst hat. Bisher war sie noch nicht Träger des Phyptoplasmas, aber man musste davon ausgehen, dass dieses „Damoklesschwert“ des Weinbaus irgendwann auch nördlich der Alpen auftreten würde. Die von den Behörden ergriffenen Präventionsmassnahmen erlaubten es, das Auftreten der Krankheit mehr als 10 Jahre hinauszuzögern.

Unspezifische Symptome
Die Schwarzholzkrankheit, eine weitere jedoch weniger gefährliche Vergilbungskrankheit der Rebe, ist seit 1995 in der Schweiz präsent. Sie weist die gleichen Symptome wie die Goldgelbe Vergilbung auf, was die Erkennung erschweren kann; verfärbte, nach unten eingerollte Blätter, Austrocknung der Traubenstiele und/oder Welken der Traube, fehlende Verholzung der Triebe.

Frühzeitiges Melden ist zwingend
Sobald fünf oder mehr Reben pro Aare betroffen sind, ist es unerlässlich, dass Rebstöcke mit den entsprechenden Symptomen unverzüglich den verantwortlichen Stellen gemeldet werden. Eine rasche Meldung erhöht die Chancen, dass die Krankheit ausgerottet werden kann. Dies ist umso wichtiger in Jahren, in denen die Schwarzholzkrankheit vermehrt auftritt, wie dies beispielsweise 2015 der Fall zu sein scheint. Das letzte Massenauftreten der Schwarzholzkrankheit wurde 2005 und 2006 registriert.

Keine kurative Bekämpfung verfügbar
Der Kanton Waadt, das BLW (Bundesamt für Landwirtschaft) und Agroscope arbeiten intensiv zusammen, um die Krankheit in unseren Rebbergen auszurotten. Es sei daran erinnert, dass keine kurative Behandlung gegen die Goldgelbe Vergilbung existiert. Bekämpft werden kann die Krankheit nur durch indirekte Methoden wie das Ausreissen und die Vernichtung von kranken Rebstöcken, die Bekämpfung des Vektors S. titanus in den befallenen Regionen, die Heisswasserbehandlung von Stecklingen durch die Rebschulisten, um gesunde Jungreben zu produzieren, und die Verbreitung von Pflanzenmaterial der Art Vitis, das über einen konformen Pflanzenpass verfügt, der mit dem Vermerk ZP‑d4 versehen ist. (Quelle: Agroscope)

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