Grenada: Auf dem Flugzeugträger «US John Rodgers»

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Highlights of a wild life» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

Hier wird aus US-SIcht das Jubiläum des 10 Jahrestages zur Befreiung Grenadas aus den sozialistishen Fängen gefeiert.

VORWORT

Der Zürcher Autor (Jg. 62) reiste als Fotojournalist durch mehr als 70 Nationen und lebte in sieben Länder, darunter auch in Südafrika im Untergrund während der Apartheid. In den 80er Jahren war er Politaktivist bei den Zürcher Jugendunruhen und dann im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) tätig. Dann engagierte er sich für wegweisende Wildlife & Oekoprojekte im südlichen Afrika und weltweit. Schon 1993 berichtet Müller über den Klimawandel und 1999 gründete er das Tourismus & Umwelt Forum Schweiz. Durch seine humanitären Einsätze lernte er Nelson Mandela, den Dalai Lama und weitere Lichtgestalten kennen. Sein Buch ist eine spannende Mischung aus Politthriller, Reiseberichten und voller abgefahrenen Geschichten – den Highlights seines abenteuerlich wilden Lebens eben.

Bei der Invasion gab es einige Tote Kubaner, die von den US-Truppen erschossen wurden. Bild: GMC/Gerd M. Müller

In diesem Jahr unternahm ich einen Segeltörn mit der «Paso Doble» von Grenada nach Trinidad und reiste zur Zeit an, als das 10 jährige Jubiläum der „Befreiung“ oder auch „Besetzung“ Grenadas, je nach Standpunkt, durch US-Streitkräfte zelebriert wurde. Ich reiste mit meiner Freundin Roberta an und wir erfuhren in der Karibik, dass sie schwanger war.

Dann konnten wir an der offiziellen Zeremonie mit dem Ministerpräsidenten von Grenada, Breathwater und dem US-Botschafter im Beisein von hochrangigen US-Militärs beiwohnen, worauf wir von der PR-Dame des US-Botschafters zum Pressefrühstück auf den vor Grenada stationierten Flugzeugträger «US-John Rodgers» zum eingeladen wurden, was ich mir nicht entgehen lassen wollte. Schliesslich ereignet sich das nicht jeden Tag auf einem Kriegsschiff zu Frühstücken, das ein gewaltiges Vernichtungspotential besass. Und so geschah es denn auch.

Ein US-Marine-Boot holte uns am Strand ab und fuhr hinüber, wo wir mit dem Kommandanten und seiner Presse-Adjudantin ein Gespräch über die US-Politik führten. Rückblickend war dieser Besuch keine gute Idee, weil ich mich seit diesem Vorfall auf dem Radar der US-Behörden und Geheimdienste befand und dies zu einem späteren Zeitpunkt auf den Philippinen zu spüren bekam und mich in einige «troubles» brachte, worauf ich letztlich zur «Persona non grata» in den Philippinen erklärt wurde. Vermutlich wurden auch meine vielen Kuba-Besuche kritisch verfolgt, die ich in den 90er Jahren auf die karibische Tropeninsel machte.

Grenadas Premierminister Breathwater hält seine Rede vor US-Marines und der US-Botschafterin. Bild: Gerd M. Müller

Blenden wir kurz zurück, weshalb die Amerikaner in Grenada einen Umsturz herbei führten. Auslöser war Maurice Bishop der als Sohn grenadischer Eltern in Aruba geboren ab dem 6. Lebensjahr in Grenada lebte, Jura in England studierte, wo er die politischen Ideen der 68er-Bewegung, der Black-Power-Bewegung und des trinidadischen Marxisten C. L. R. James aufnahm, bevor er 1969 in die Karibik zurückkehrte.

Er fing an, auf Grenada nach sowjetischem Vorbild Arbeiterräte aufzubauen, gründete eine sozialistische Partei, das New Jewel Movement (NJM, Jewel steht für Joint Endeavor for Welfare, Education and Liberation – „Vereintes Bemühen um Wohlfahrt, Bildung und Befreiung“) und gründete Gewerkschaften. Er genoss die Zustimmung der Bevölkerung, die mit der korrupten Herrschaft Sir Eric Gairys und seiner Mongoose Gang, einer „Schlägertruppe“, unzufrieden war. Nachdem Gairy die Wahlen wohl gefälscht hatte, errang Maurice Bishop am 13. März 1979 im Rahmen eines von der Bevölkerung befürworteten beinahe unblutigen Putsches die Macht und wurde Premierminister von Grenada. Die Menschenrechtssituation verbesserte sich unter Bishop. Er setzte auf soziale Reformen, wie die Einführung eines kostenlosen Gesundheitssystems und den Bau neuer Schulen und unterhielt gute Beziehungen zur Sowjetunion und zu Kuba, die Grenada mit Entwicklungshilfe und beim Bau des Flughafens unterstützten. Das passte den USA gar nicht. Am 25. Oktober 1983 begannen die Vereinigten Staaten unter dem Codenamen Operation Urgent Fury eine Invasion, in deren Verlauf die Regierung abgesetzt wurde.

Am nächsten Morgen wurde ich auf den Flugzeugträger «US John Rodgers zum Frühstück eingeladen. Bild: Gerd Müller/GMC

Das war wohl eine der wenigen US-Operationen, die letztlich ersten glimpflich für die Zivilbevölkerung abliefen und zu einer Stabilisierung führte. Auch die US-Invasion in Panama ist nicht allzu desaströs verlaufen, aber alle anderen Interventionen, Invasionenen und Infiltrierungen seitens der USA vom Vietnam-Krieg über den Afghanistan-Einsatz, die gescheiterte Schweinebucht-Invasion auf Kuba, den vernichtenden Irak Krieg der zum IS geführt hat, den Sturz Gaddhafis in Lybien, die Scharmützel im Syrien-Krieg, in all diesen Konflikten sind die USA als Aggressor und Weltpolizist kläglich gescheitert. Ein „failed state“ eben in meinen Augen.

Mit unübersehbaren Konsequenzen für die ganze Welt: Die Radikalisierung in der muslimischen Welt, Auftrieb für Terror-Organisationen wie Al Kaida und den IS und so fort und hat nun mit Trump einen innenpolitischen Höhepunkt erlitten. Auch der von den USA ausgerufene „War on Drugs“ war 50 Jahre lang ein Desaster und nun ersaufen die Vereinigten Statten bei zunehmender Gras-Liberalisierung an ihren Hundertausenden von Opiat-Toten und haben eine tief gespaltene Gesellschaft hinterlassen. „Good night and bye bye good old America“, kann man da nur sagen.

Link zu einigen Print-Reportagen von Gerd M. Müller

AT/BT: Die Insel der Idealisten, die sich von Hoffnung ernähren    

Der Bund:  Zu wenig zum Leben, zuviel zum Sterben

Sonntags Zeitung:  Kuba-Krise im Touristenparadies  

Unterwegs:  Lebensfreude in der Karibik       

Globo: Die Gesetze der Strasse                        

Relax & Style: Kuba’s Koloniale Pracht                                                       

St. Galler Tagblatt: Auf nach Varadero – es eilt!                            

BlickAna Fidelia Quirot: Der Sport heilt alle Wunden

Der Bund: Zuckerinsel im sozialistischen Dollarrausch

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IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

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