Kenya: Nach ethnischen Konflikten in der IKRK-Mission in Eldoret im Rift Valley

Auszug aus der noch unveröffentlichten Autobiografie «Das Pendel schlägt zurück» des Zürcher Fotojournalisten Gerd Michael Müller

VORWORT

Das Buch des Zürcher Foto-Journalisten Gerd Michael Müller nimmt Sie ab den wilden 80er Jahren mit auf eine spannende Zeitreise durch 30 Länder und 40 Jahre Zeitgeschichte mit Fokus auf viele politische Vorgänge in Krisen-regionen rund um den Globus. Er beleuchtet das Schicksal indigener Völker, zeigt die Zerstörung ihres Lebensraumes auf, rückt ökologische Aspekte und menschenrechtliche Schicksale in den Vordergrund und analysiert scharfsichtig und gut informiert die politischen Transformationsprozesse. Müller prangert den masslosen Konsum und die gnadenlose Ausbeutung der Ressourcen an, zeigt die Auswirkungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Prozesse in einigen Ländern auf und skizziert Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels. Pointiert, hintergründig, spannend und erhellend. Eine gelungene Mischung aus globalen Polit-Thrillern, geho-bener Reiseliteratur, gespickt mit sozialkritischen und abenteuerlichen Geschichten sowie persönlichen Essays – den Highlights und der Essenz seines abenteuerlich wilden Nomaden-Lebens für die Reportage-Fotografie eben. Es erwartet Sie eine Reise durch die epochale Vergangenheit und metamorphorische Phasen vieler exotischer Länder rund um den Globus. Nach der Lektüre dieses Buchs zählen Sie zu den kulturell, ökologisch sowie politisch versierten Globetrotter.

SchülerInnen im Haller Wildlife Reservat in Mombassa

Als ich 2008 nach Kenya kam, besuchte ich erst die Region beim Samburu Nationalpark und war im «Joys Camp» stationiert. Das Samburu-Nationalreservat ist ein 165qkm großes Naturschutzgebiet im Zentrum Kenias. Das östlich davon gelegene Shaba-Nationalreservat gehört zum gleichen ökologischen Gebiet. Charakteristisch sind die hier sehr trockener Lebensräume für Oryxantilopen, Gerenuks, Grantgazellen, zwei Dikdikarten und Grevyzebras. Auch typisch für die Region sind die Netzgiraffen, die sich durch ihre besonders kontrastreiche Färbung von anderen Giraffen-Unterarten unterscheiden. Weitere Huftierarten des Reservates sind Elenantilopen und Wasserböcke. Unter den Raubtieren sind Löwen, Leoparden, Geparden und Streifenhyänen hier vorhanden. Darüber hinaus zeichnete sich der Park einst durch grosse Elefanten-herden und zahlreiche andere Wildarten wie Wasserböcke und Nilkroko-dile aus.Allerdings nehmen die Elefantenbestände ab. Deren Zahl im Samburu-, Buffalo-Springs- und Shaba-Nationalreservat betrug 1973 noch über 2500 Tiere, 1976/1977 hatten sie sich schon auf 531 verringert. Jetzt sind es noch weniger.Es war eine schöne entspannte Reise und dann ging es nach Mombasa weiter, um die Touristenenklave kennenzulernen.

Unweit von Mombassa liegt der Haller Park, ein von einem Schweizer renaturiertes Wildlife-Reservat. Das war äusserst beeindruckend! Von den Chimpansen, Makkaken, über Krokodile und Riesenschildkröten gab es eine grosse Vielfalt von Tieren. Schulkinder kamen in Scharen. Für sie war es nicht nur ihr Ausflug in den Zoo sondern auch eine Lektion über Wildtierschutz und die Bedeutung ihrer Ökosysteme, sprich ihrer Umwelt und dem Verhalten der lokalen Bevölkerung, das dazu beitragen kann, die Tierwelt zu erhalten. Vor-bildlich! René Haller wuchs in Lenzburg im Kanton Aargau auf. Er erlernte den Beruf des Gärtners, spezialisierte sich auf Landschafts-gestaltung, besuchte den Agronomielehrgang des «Schweizerischen Tropeninstitut» der Universität Basel bevor er 1956 nach Ostafrika ging, Sein bekanntestes Projekt ist die ökologische Wiederherstellung des Abbaugebietes der «Bamburi Cement». Ein Teil des damals ver-wüsteten, grossen fossilen Korallenkalk-Abbaugebietes hat er renaturiert. Haller ist Autor vieler bekannter Fachartikel und Referent für die Themenbereiche Ökologie/Ökonomie und Wiederbelebung von verwüstetem Industrieagrarland sowie Gründer der «Haller Foundation», arbeitete als Vorsitzender des «Baobab Trust» und war langjähriges beratendes Mitglied des «Kenya Wildlife Service».

Die Reise führte mich weiter zum «Ol Pejeta Rhino & Chimpanzee Sanctuary» in der Nähe des Mount Kenya. Wie der Name schon sagt wurden dort vor allem Rhinozerosse vor Wilderern geschützt und eine grosse Chimpansen-Kolonie gehegt und gepflegt. Zum ersten Mal berührte ich dort die Panzerhaut eines Nashorns, als ich ehrfürchtig neben dem Landrover und einem dieser Kolosse stand und hoffte, dass mich das zwei Tonnen Muskelpaket als harmlosen Spatzen betrachtete und nicht wie eine Fliege zerquetschte. Zum Glück ist tatsächlich nichts passiert. Das Nashorn liess sich nicht beim Grasen stören. Nachdem meine Wildlife-Abenteuerlust gestillt war, kam wieder die humanitäre Mission dran. Zurück in Nairobi ging ich zum «IKRK»-Hauptsitz in Afrika und machte ein Interview mit dem Stellvertretenden Generalsekretär James Kisia über die Lage der Flüchtlinge im Rift Valley nach den blutigen Unruhen und ethnischen Vertreibungen, da Kofi Annan abwesend war. Die politischen Unruhen in Kenia begannen am 30. Dezember 2007, am Tag der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse zur Präsidentschaftswahl.

Bei den Wahlprognosen und vorläufigen Ergebnissen war Oppositionsführer Odinga noch knapp führend. Nachdem der amtierende Präsident Mwai Kibaki zum Gewinner der Wahl erklärt wurde, erhob sich Protest seitens der Opposi-tionspartei ODM. Ihr Präsidentschaftskandidat Raila Odinga erklärte, dass das Wahlergebnis gefälscht sei. Bei den anschliessenden Unruhen wurden schätzungs-weise über 1.500 Menschen getötet und 623.692 Menschen, vor allem Angehörige der Kikuyu mussten vor den Gewalttätigkeiten fliehen. Schliesslich flog ich nach Eldoret und ging zum lokalen «ICRC Red Cross Commitee». Mit den dortigen Mitarbeitern fuhr ich drei Tage lang in den die Flüchtlingscamps herum und sah mir die Wiederaufbauprojekte an. Es schien mir noch ein langer Weg zurück zur Normalität zu sein und das Elend in den Flüchtlingslagern mit insgesamt über 100‘000 Personen war sehr bedrückend. Ein solches Ausmass hatte ich noch nie gesehen, auch nicht in Südafrika zur Zeit des ANC-IFP-Konflikts.

Die politischen Unruhen in Kenia begannen am 30. Dezember 2007, am Tag der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse zur Präsidentschaftswahl. Bei den Wahlprognosen und vorläufigen Ergebnissen war Oppositionsführer Odinga noch knapp führend. Nachdem der amtierende Präsident Mwai Kibaki zum Gewinner der Wahl erklärt wurde, erhob sich Protest seitens der Oppositionspartei ODM. Ihr Präsidentschaftskandidat Raila Odinga erklärte, dass das Wahlergebnis gefälscht sei. Bei den anschliessenden Unruhen wurden schätzungsweise über 1.500 Menschen getötet und 623.692 Menschen, vor allem Angehörige der Kikuyu mussten vor den Gewalttätigkeiten fliehen.

Schliesslich flog ich nach Eldoret hoch und ging zum lokalen «ICRC Red Cross Commitee». Mit den dortigen Mitarbeitern fuhr ich drei Tage lang in den die Flüchtlingscamps herum und sah mir die Wiederaufbauprojekte an. Es schien mir noch ein langer Weg zurück zur Normalität zu sein und das Elend in den Flüchtlingslagern mit insgesamt über 100‘000 Personen war sehr bedrückend. Ein solches Ausmass hatte ich noch nie gesehen, auch nicht in Südafrika zur Zeit des ANC-IFP-Konflikts.

Über 10 Millionen Kenianer hungerten. Täglich starben hunderte an Wassernot und Ernährungsmangel. 3,2 Millionen Menschen waren damals von akutem Wassermangel betroffen. Viele von ihnen mussten täglich bis zu 30 Kilometer für einen Eimer Wasser zurücklegen und diesen dann zurück tragen. Das sind einige der erschütternden Zahlen, die der Stellevertretende Generalsekretär des «IKRK» und «Red Cross Kenya» mir in seinem Büro in Nairobi präsentierte. Und über 100‘000 Personen harrten in Flüchtlingscamps aus.

Am Schluss der Reise interviewte ich Tourismusminister, Najib Balala, den ich auch auf die Konflikte ansprach und der zwar überrascht über die politische Flanke und Befragung zu den Unruhen war, aber sehr souverän reagierte. Von Nairobi aus führte  die nächste Mission wieder in den Bush. Via Johannesburg, Gabarone und Maun flog ich wieder einmal ins Okavango Delta und zwar zu den renommierten «Wilderness Wildlife Fund» Bush-Lodges und besuchte die HIV Foundation «Children in the Wilderness».

Auszug aus dem Buch «Das Pendel schlägt zurück» des Zürcher Fotojournalisten Gerd M. Müller

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FOTOSTRECKE ELDORET; MOMBASSA UND SAMBURU

IN EIGENER SACHE: IHR BEITRAG AN HUMANITAERE UND OEKO-PROJEKTE

Geschätzte Leserin, werter Leser

Der Autor unterstützt noch immer zahlreiche Projekte. Infolge der COVID-19 Pandemie ist es aber für den Autor selbst für und zahlreiche Projekte schwieriger geworden. Die Situation hat sich verschärft. Für Ihre Spende, die einem der im Buch genannten Projekte zufliesst, bedanke ich mich. Falls Sie dies tun wollen, melden Sie sich bitte per Mail bei mir gmc1(at) gmx.ch. Vielen Dank im Namen der Hilfsprojekt-Empfänger/innen.

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