Klima: IPCC-Bericht muss die Schweiz endlich zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bewegen

Der heute veröffentlichte Bericht des Weltklimarats IPCC im Rahmen des sechsten Sachstandsberichts beleuchtet die aktuellen Auswirkungen der globalen Erwärmung sowie das katastrophale Ausmass, welches die Klimaschäden künftig annehmen werden. Der Bericht veranschaulicht überdies die Grenzen der Anpassung an den Klimawandel und wie entscheidend es ist, den globalen Temperaturanstieg auf unter 1,5°C zu halten. Die Schweiz kann sich innerhalb eines Jahrzehnts aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien, wenn sie eine Energiepolitik verfolgt, die mehrheitlich auf Energieeffizienz, Photovoltaik und der bestehenden Wasserkraft basiert.

Nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen veröffentlichten die Expert:innen der Arbeitsgruppe II des IPCC heute ihren Beitrag zum sechsten Sachstandsbericht zur Entwicklung des Weltklimas. Während sich der Bericht der Arbeitsgruppe I, der im August 2021 veröffentlicht wurde, auf die physikalischen Grundlagen des Klimas und die Analyse seiner Entwicklung konzentrierte, befasste sich die Arbeitsgruppe II mit den Auswirkungen der Klimakrise sowie mit Fragen der Anfälligkeit und Anpassung. Der heute veröffentlichte Bericht zeigt, dass die Auswirkungen der Klimakrise für Millionen von Menschen bereits heute katastrophal sind, und er erinnert an die Dringlichkeit sofortigen Handelns.

Die Schweiz ist bereits krank
«Die Diagnose des IPCC wird durch die Situation in der Schweiz veranschaulicht, wo sich die beunruhigenden Symptome seit Jahrzehnten in allgemeiner Gleichgültigkeit häufen», sagt Georg Klingler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace Schweiz. Die Schlussfolgerungen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) erinnern daran, dass die Klimaerwärmung in der Schweiz bereits fast 2°C beträgt. Die Auswirkungen sind erheblich. Die Gletscher verschwinden. Die Gesundheitsrisiken steigen mit dem Wachstum der Populationen von krankheitsübertragenden Insekten. Extreme Wetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen häufen sich. Letztere erhöhen die Gesundheitsrisiken insbesondere für ältere Menschen stark, die in der Schweiz zu jenen Betroffenen gehören, die zuerst die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu spüren bekommen.

«Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist die Ursache für das Fieber, das unseren Planeten befallen hat. Es gibt jedoch Heilmittel, die das Fieber lindern können. Es ist entscheidend, dass sie sofort eingesetzt werden», fügt Georg Klingler an. Mit einer Änderung der Energiepolitik kann sich die Schweiz innerhalb eines Jahrzehnts aus ihrer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien. Modellrechnungen von Greenpeace Schweiz zeigen, dass es möglich ist, bis im Jahr 2035 38 Terawattstunden (TWh/a) mit neuen erneuerbaren Energien, hauptsächlich Solarenergie, zu erzeugen. In Kombination mit deutlich mehr Energieeffizienz und sanfter Mobilität können so die Treibhausgasemissionen der Schweiz in nur zehn Jahren um nahezu 75 Prozent gesenkt werden, ohne Bedrohung der Artenvielfalt und der Naturlandschaften sowie unter Beibehaltung einer guten Lebensqualität. Ausserdem wird die Wirtschaft gestärkt, indem Milliarden von Franken, die derzeit für die Öl- und Gasversorgung in Drittländer fliessen, vor Ort investiert werden.

Schockbehandlung ist notwendig!
«Als reiches Land müssen wir sofort handeln! Das ist unsere Verantwortung gegenüber den weniger vermögenden Ländern und den künftigen Generationen. Die Schlussfolgerungen des IPCC ernst zu nehmen, bedeutet, Massnahmen zu ergreifen. Der Nationalrat hat es in der Hand, der Gletscher-Initiative zuzustimmen, und der Ständerat muss einen deutlich stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien beschliessen. Zudem muss der Bundesrat ein Gesetz auf den Weg bringen, das den Klimaschutz in unserem Land beschleunigt. Denn die kommenden Jahre sind die wichtigsten im Kampf gegen die Klimakrise.»

«Neben unserer Energiepolitik gibt es noch andere erfolgversprechende Behandlungsmethoden, um das Fieber der Erde zu senken. Die Klimaverträglichkeit der Aktivitäten des Finanzplatzes, die Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten, die Abkehr von der Wegwerf-Mentalität, die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft sind nur einige Beispiele dafür. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass die Analysen der Wissenschaftler:innen für die Bevölkerung verständlich gemacht werden, denn sie ist es, die die Massnahmen letztendlich tragen muss. Wie gut wir unsere Lebensgrundlagen und die unserer Kinder sichern können, hängt davon ab, wie schnell wir die Schockbehandlung, die unser Land angesichts der Klimakrise benötigt, durchführen können», so Georg Klingler.

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