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Hickhack im EU-Datenschutzgesetz und bei den Flugpassagierdaten

Die Justizminister der EU-Staaten können sich nicht auf ein einheitliches Datenschutzabkommen beim „Recht auf Vergessen werden» einigen und auch bei der Erfassung der Daten von Flugpassagieren ist ein Grundsatzstreit entstanden. Die neue EU-Regelung, die das EuGH-Urteil beschleunigt hatte, wird so blockiert.

Erst schien die NSA-Affäre der von Brüssel geplanten Datenschutzverordnung entscheidenden Auftrieb zu geben, doch nun sackt die Vorlage ab und wird zunehmends verwässert. Die Gegner der Vorlage befürchten eine Überregulierung, die den Markt abwürgt. Ihnen gegenüber stehen zig Millionen EU-Bürger, die sich vor dem totalitären Informationserhebungs und auswertungsfluss ein klein wenig schützen wollen, um nicht vollends von den Fangarme der US-Kraken wie Google, Amazon usw. verschlungen zu werden. Im Mai etablierte der Europäische Gerichtshof Eu-GH das «Recht auf Vergessenwerden» und verpflichtete die Suchmaschinenbetreiber dazu, unter Umständen Suchergebnisse einer Person zu löschen, wenn diese das so verlangt.

Das EU-Parlament machte vor Jahresende Nägel mit Köpfen und beriet die Mammutvorlage zu ende. Seither kommen die Bemühungen nicht vom Fleck, was mit der Komplexität der Regulierung im digitalen Dickicht und mit der Souveränität und Diskrepanz der EU-Mitgliedstaaten zu tun hat. Das ist noch einigermassen verständlich.

Persönliche Rechte und (Reise-)freiheit auf dem Opferaltar

Bei der Debatte um den Datenschutz der Bürger gegen Suchmaschinen, dreht es sich aber auch gleichzeitig um staatspolitische Interessen, namentlich um Mittel und Instrumente für die Terrorbekämpfung und Strafverfolgung durch die lokalen Sicherheitsbehörden. Angesichts der rund 3000 Europäer, die sich der IS angeschlossen haben, forderten die EU-Innenminister dringlich zur Schaffung eines Registers mit Daten über die Passagierbewegungen. Die EU-Innenminister und auch Terrorexperten raten zur Erfassung und Auswertung der Reisedaten und sind überzeugt, dass dies «entscheidend» zur Verhinderung von Verbrechen und Terroranschlägen beitragen würde. Doch das EU-Parlament zeigt sich dessen unbeeindruckt und der zuständige Parlamentsausschuss verweigerte die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der EU und Kanada. Denn es darf in der Tat bezweifelt werden, dass diese massenhafte Vorratsspeicherung von Passagierbewegungsdaten tatsächlich vor «entscheidend» Terroranschlägen schützt. Und man darf auch nicht davon ausgehen, dass diese Daten nicht anders weitig zu unserem Schaden verwendet werden.

Auch die Schweiztauschen mit den USA und Kanada Flugdaten aus

Neben des flugspezifischen Daten werden auch Angaben über Gepäckstücke, Zahlungsinformationen und sogar Essgewohnheiten (vegetarisches oder koscheres Essen) ausgetauscht. Im EU-Parlament gibt es aber grossen Widerstand gegen diese Datensammlung im grossen Stil. So sagt etwa der Grüne Abgeordnete Jan Philipp Albrecht gegenüber Radio SRF, «dass eine flächendeckende Datensammlung einen übermässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte  bedeutet». Damit würden sämtliche Passagiere unter Generalverdacht gestellt. VIel effizienter sei es, gezielt Daten von verdächtigen Personen auszutauschen und diese genauer zu beobachten».

Auch der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür hält nichts von solch einer überdimensionierten Datenbank. «Das wäre aus meiner Sicht eine Massnahme mit Placebo-Effekt», sagte er gegenüber der «NZZ».

 

Der Rechtsstaat darf nicht Foltern. Berechtigtes Quälen gibt es nicht

Der Rechtsstaat darf nicht Foltern. Auch dann nicht, wenn es nützt. Staatliche Folter ist also unter keinen Umständen legitim. Es sei denn, man könnte Hunderte oder Tausende Menschen direkt unmittelbar vor dem Tod retten – wagt man hinzuzufügen. Das Gesetz der USA und die von ihr ratifizierte Antifolterkonvention lassen zu Recht keine Ausnahme zu, die es einer staatlichen Institution erlauben würde, zu foltern. Es gibt kein berechtigtes Quälen. Ende der Diskussion.

Der 499 Seiten starke Bericht über die Verhörprogamme der CIA zeigen auf, dass die USA systematisch mit Folter- bzw. sogenannten Verhörmethoden experimentiert, die jeglicher Legitimation entbehrt. Die eigenen Rechtsprinzipien wurden ebenso gebrochen wie die internationalen Abkommen. Und für was? Für nichts!

Umsonst gefoltert und alle Belogen und Beschissen

Die Essenz der Senatsstudie unter Auswertung von rund 6,3 Millionen CIA-Dokumenten zeigt auf, dass all die Foltermethoden keine Erkenntisse hervorgebracht haben, die einen grösseren Anschlag vereitelt haben oder die nicht schon vor der Folterung der politischen Gefangenen bekannt gewesen wären. Allen Befürwortern „verbesserter Verhörmethoden“ nimmt die Studie ihr einziges Argument, dass das Foltern zahlreichen Menschen das Leben geschützt und zahllose Unschuldige vor dem Tod gerettet habe. Die Macht dieser Fakten reicht allerdings immer noch nicht aus, die US-Republikaner und Hardliner zur Einsicht zu bewegen, dass ihr Vorhaben ein Trugschluss war und zu einem der schattenreichsten Kapitel und irreparablen Reputationschaden der USA beigetragen haben.

Patrioten oder Idioten?

Denn eines ist klar: Wer auf die Rechtsstaatlichkeit und internationale Konventionen pfeifft, der kann sich weder als Retter der Welt aufspielen, noch als Demokratie-Exporteur profilieren und ist auf der Stufe von Verbrechern, Kriminellen, Söldner, Mördern und anderen Fanatikern anngelangt und hat jede moralische Autorität verspielt. Da muss man nicht das Gedankengut von Djhadisten besitzen.

Gerade zu zynisch und grotesk muten demnach auch die Aussagen von Bush „Diese Agenten sind Patrioten. Sie sollten als Helden ausgezeichnet werden „ und Dick Cheney „…“ an, angesichts der Tatsache, dass die CIA schon lange keine oder sehr spärliche und falsche Angaben aus den Folteropfern herauspresste und kundtat, dass die abscheulichen Foltermethoden auch den Agenten zusetzten, wurde dennoch der Befehl von oben gegeben, weiter zu machen.

Segen von ganz oben erhalten und nichts dazu gelernt

Im Juli 2003 lässt sich CIA-Direktor George Tennet seine „verbessertenVerhöre“ ausdrücklich von Vizepräsident Dick Cheney, Sicherheitsberaterin Condolezza Rice und Justizminister Ashcroft genehmigen. Dabei sollen Verhörmethoden wie das Waterboarding ausführlich zur Sprache gekommen sein. Sollte die Regierung das Programm beenden, könnten viele Leute sterben, war noch immer die Argumentation aus dem Kreis der Falken in der Bush-Administration. Der Generalinspekteur der CIA, John Helgerson bringt das Problem der USA auf den Punkt, als er darauf angesprochen wird, wieso sich die USA mit solchen Verhörmethoden und rechtsstaatlichen Dunkelkammern immer wieder in Not bringe: „Wir lernen nicht aus unseren Erfahrungen“.

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